Diese Arbeit will belegen, dass theaterpädagogische Interventionen an weiterführenden Schulen nicht allein auf den eingegrenzten Fachbereich des Darstellenden Spiels fokussiert sein müssen. Theaterpädagogik könnte als Lehrmethodik in beinahe allen Bereichen des schulischen Lehrens und schulischer Erziehung Anwendung finden: von der Mathematik über die Gesellschaftswissenschaften bis hin in jeden Bereich schulischer Ausbildung.
Ich will versuchen, meine Argumentation über die Genese und Breite der theaterpädagogischen Diskussion herzuleiten und in einem Exkurs über die Erkenntnisse aus der Neuronal-Wissenschaft über die Entwicklung des Gehirns im Jugendalter zu ergänzen, bevor ich im letzten Teil den Bogen zu dem eigentlichen Ziel pädagogischer Arbeit mit Jugendlichen schlagen werde: jedem Individuum eine Möglichkeit zu eröffnen, einem inneren Bedürfnis Ausdruck zu geben. Denn, was Theaterpädagogik schlussendlich will, ist die Selbstermächtigung des Individuums gegenüber den Beschränkungen, die die Gesellschaft durch ihre Reglementierungen hervorbringt.
Hierzu bedarf es im Vorfeld einiger Definitionen und Eingrenzungen.
Inhaltsverzeichnis
I. Einführung
II. Worum es in dieser Arbeit gehen soll
III. Definitionen und Eingrenzungen
1. Was ist und was will Theaterpädagogik?
2. Grenzen der empirischen Forschung
3. Was ist Spielen?
IV. Alles steht Kopf: was uns die Hirnforschung über das Lernen verrät
V. Blumen im Kopf - Das Spiel in der Pubertät
VI. Theater und Schule
VII. Theaterpädagogik im Fachunterricht (Beispiele)
VIII. Schlussgedanken
IX. Literatur
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Potenzial theaterpädagogischer Interventionen als fachübergreifende Lehrmethodik an weiterführenden Schulen, um Lernprozesse ganzheitlicher und nachhaltiger zu gestalten und die Selbstermächtigung der Lernenden zu fördern.
- Evolutionäre Bedeutung und Definition des Spiels
- Neurowissenschaftliche Grundlagen des Lernens durch Spiel
- Herausforderungen und Potenziale der Theaterpädagogik in der Pubertät
- Transfermöglichkeiten theaterpädagogischer Mittel in den allgemeinen Fachunterricht
- Diskurs über Wirksamkeit und empirische Messbarkeit theaterpädagogischer Arbeit
Auszug aus dem Buch
1. Was ist und was will Theaterpädagogik?
Im nicht-professionellen Theaterspiel finden wir uns in der Gruppe zusammen, testen uns aus, fordern einander heraus und streben danach, von anderen gesehen zu werden. „Theaterspielen ist ein sozialer Prozess, der in und durch die Gemeinschaft entsteht. Niemand kann einfach ‚sein Ding durchziehen‘. Nur im Abgleich, im Aufeinandereingehen und immer wieder in Bezug nehmen am Anderen, kann authentisches Theater entstehen, dass nicht zum Nebeneinander ‚Vorführen‘ von Rollen verödet“, sagt BIDLO, [2006]. Theaterspielen braucht also das Miteinander. Gleichzeitig sucht die theatrale Arbeit aber auch den Fokus auf sich selbst: „Theaterspielen bedeutet, Aspekte von sich aufzugeben. Theaterspielen bedeutet aber auch, Aspekte von sich neu zu entdecken.“
ANKLAM/MEYER/REYER [2020] ergänzen: „Die Auseinandersetzung mit literarischen, biografischen und gesellschaftlichen Themen im Schutz von Rollen und den Regeln von Bühne, ermöglicht durch die ästhetische Distanz ein ganzheitliches Experimentieren mit Werten, Haltungen und Seinsformen. Diese werden in spielerischen Interaktionen erprobt und ausgelotet.“
Aber auch nach Hilfe von außen ist gefragt: „Um am Zauber des Theaterspiels teilhaben zu können, bedarf es eines Weges, den der Theaterpädagoge unterstützen und begleiten muss. [...] Zunächst geht es darum, Spielfreude zu wecken, Lust zu machen auf das mimetische Element, auf das Schaffen neuer Figuren. Dies bedarf einiger Vorsicht, denn schnell ist ein Spieler überfordert und hat das Gefühl, zu viel preisgegeben zu haben was wie im Alltag ‚gegen ihn‘ verwendet werden könnte. Behutsam muss agiert und begleitet und doch sollen eigene persönliche Schranken überwunden und expressives Potential erweckt werden. Neugier und Freude sollen Ängste schließlich überflügeln und verbannen.“
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einführung: Das Kapitel führt in die anthropologische Bedeutung des Spiels als grundlegenden Lernmodus ein und stellt die zentrale These auf, dass Spielen auch im schulischen Kontext eine zentrale Rolle zur nachhaltigen Lernerfahrung spielen sollte.
II. Worum es in dieser Arbeit gehen soll: Es wird dargelegt, dass Theaterpädagogik über das Fach Darstellendes Spiel hinaus als Lehrmethode für alle schulischen Bereiche fungieren kann, um die Selbstermächtigung der Jugendlichen zu fördern.
III. Definitionen und Eingrenzungen: Dieser Abschnitt definiert Theaterpädagogik als sozialen Prozess der Selbstentdeckung und beleuchtet die Schwierigkeiten der empirischen Nachweisbarkeit von Lernerfolgen im Theaterbereich.
IV. Alles steht Kopf: was uns die Hirnforschung über das Lernen verrät: Das Kapitel erläutert, wie Spielen durch die Senkung der Angst (Amygdala-Aktivität) und die Aktivierung von Belohnungszentren das Lernen auf neuronaler Ebene optimiert.
V. Blumen im Kopf - Das Spiel in der Pubertät: Hier wird der Einfluss der neurobiologischen Umbauprozesse während der Adoleszenz auf das Lernverhalten untersucht und Theaterpädagogik als Möglichkeit für emotionale Erfahrungen in sicherem Rahmen hervorgehoben.
VI. Theater und Schule: Es wird die Rolle des Theaters als wirkmächtiges Bildungsmittel diskutiert, das durch demokratische Strukturen Ganzheitlichkeit und Partizipation im Lernprozess unterstützt.
VII. Theaterpädagogik im Fachunterricht (Beispiele): Das Kapitel konkretisiert die positiven Wirkungen des Spiels auf verschiedene Kompetenzbereiche und skizziert, wie spielerische Methoden in den Fachunterricht integriert werden können.
VIII. Schlussgedanken: Der Autor plädiert abschließend für eine Schule, die das Spiel als sinnliche und emotionale Erfahrung integriert, um junge Menschen in ihrer Selbstermächtigung zu unterstützen.
IX. Literatur: Verzeichnis der verwendeten Quellen und Forschungsliteratur.
Schlüsselwörter
Theaterpädagogik, Spielen, Schulisches Lernen, Jugendliche, Adoleszenz, Hirnforschung, Selbstermächtigung, Fachunterricht, Darstellendes Spiel, Kompetenzförderung, Soziale Intelligenz, Kulturelle Bildung, Neurobiologie, Ganzheitlichkeit, Partizipation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie theaterpädagogische Methoden als integraler Bestandteil des allgemeinen Fachunterrichts an Schulen genutzt werden können, um Lernprozesse effektiver und menschlicher zu gestalten.
Was sind die zentralen Themenfelder der Facharbeit?
Die Schwerpunkte liegen auf der anthropologischen und neurowissenschaftlichen Begründung des Spiels, den Besonderheiten der Adoleszenz sowie der praktischen Anwendung theaterpädagogischer Ansätze in der Schulpraxis.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Hauptziel ist es, den Nutzen theaterpädagogischer Interventionen für die Selbstermächtigung von Schülern zu belegen und zu zeigen, dass Spielen kein bloßer Zeitvertreib, sondern eine effektive Lehrmethode ist.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Der Autor stützt sich auf eine Literaturanalyse, die Aspekte der Bildungsforschung, der Hirnforschung, der Entwicklungspsychologie und spezielle theaterpädagogische Fachliteratur miteinander verknüpft.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der Definition des Spiels, den Erkenntnissen der Hirnforschung zum Lernen im Spiel, den spezifischen Entwicklungsprozessen in der Pubertät und der Transferierbarkeit der Methoden auf fachfremde Unterrichtsgebiete.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Schlagworte sind neben Theaterpädagogik vor allem Selbstermächtigung, Adoleszenz, Hirnforschung, ganzheitliches Lernen und Kompetenzförderung.
Warum ist die Pubertät für die Theaterpädagogik besonders relevant?
Da das Gehirn in der Adoleszenz eine plastische Phase des Umbaus durchläuft, bieten theaterpädagogische Settings die Chance, emotionale Erfahrungen in einem sicheren Rahmen zu machen, die das weitere Lernen und die Persönlichkeitsentwicklung positiv beeinflussen.
Wie lässt sich Theaterpädagogik konkret in Fächern wie Mathematik oder Physik einsetzen?
Der Autor schlägt vor, abstrakte Zahlen oder Elemente durch Bewegung zu verkörpern, um Lernen als sinnliche sowie emotionale Erfahrung zu gestalten und so die Aufnahmebereitschaft zu erhöhen.
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- Jan Buttler (Autor), 2024, Homo Fabers Bruder – oder: warum wir spielen. Zu den Möglichkeiten theaterpädagogischer Interventionen im Unterricht an weiterbildenden Schulen, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1488853