Die Bildung im Alter - Theoretische Grundlagen und eine empirische Untersuchung einer Wohnanlage für altersgerechtes Wohnen

Das Service-Wohnen Elstal


Masterarbeit, 2009
70 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1 Die Lebensphase Alter
1.1 Der Altersbegriff
1.2 Der demographische Wandel
1.3 Der Strukturwandel im Alter

2 Das Lernen im Alter
2.1 Der Lernbegriff
2.2 Der Bildungs- und Lernbegriff
2.3 Lernprozesse
2.4 Die vier Dimensionen des Lernens
2.5 Theorien des erfolgreichen Alterns
2.5.1 Die Aktivitätstheorie
2.5.2 Die Disengagmenttheorie
2.5.3 Die Kontinuitätstheorie
2.5.4 Das SOK-Modell
2.6 Die Besonderheiten des Lernens im Alter
2.6.1 Das Gedächtnis
2.6.2 Die Einbußen neurobiologischer Funktionen
2.6.3 Die Intelligenz
2.6.4 Die Faktoren, die die Lern- und Gedächtnisleistungen im Alter beeinflussen
2.7 Die Altenpädagogik
2.7.1 Die Pädagogisierung
2.7.2 Die Altenbildung – die Altersbildung
2.7.3 Die Gründe für Bildung im Alter
2.8 Die Geselligkeit
2.9 Die Bedeutung der Weiterbildung im Alter
2.10 Institutionen und Initiativen des Lernens im Alter
2.10.1 Die Volkshochschulen
2.10.2 Die Hochschulen
2.10.3 Die kirchliche Altenbildung

3 Die Empirische Untersuchung
3.1 Das Service-Wohnen Elstal - Eine Vorstellung
3.2 Bildungsangebote, Ehrenamtsangebote und Freizeitmöglichkeiten des Service-Wohnens Elstal und des Ortes Elstal
3.2.1 Vorstellung der Zielgruppe
3.2.2 Vorstellung des methodischen Vorgehens
3.3 Ergebnisse der Untersuchung
3.3.1 Die Geschlechts- und Altersübersicht
3.3.2 Lebenspartnerschaft und konfessionelle Bindung
3.3.3 Teilnahme an Geselligkeitsveranstaltungen
3.3.4 Beruflicher Hintergrund der Stichprobe
3.3.5 Die Nutzung von Bildungsangeboten
3.3.6 Bildungsangebote im Einzelnen
3.3.7 Gründe für die Teilnahme an Bildungsangeboten
3.3.8 Bildungsangebote außerhalb des Bildungszentrums Elstal
3.3.9 Wünsche nach Bildungsangeboten
3.3.10 Bildungsangebote selber anbieten
3.4 Aussagen der Untersuchung

4 Zusammenfassung und Ausblick
Abbildungs- und Tabellenverzeichnis
Literaturverzeichnis
AUFSÄTZE & BÜCHER
INTERNET

5 Anlagen
5.1 Vorstellung und Begründung des Fragebogens
5.2 Der Fragebogen
5.3 Auswertungstabelle des Fragebogens

Einleitung

Die Anforderungen und Chancen des lebenslangen Lernens prägen moderne Gesellschaften. Lernen endet nicht mit einem bestimmten Lebensalter. Auch im höheren Alter kann die Beteiligung an Bildungsangeboten, die Lebensqualität und geistige Fitness steigern, einem vorzeitigen Leistungsabbau entgegenwirken und dazu beitragen, soziale Kontakte aufrechtzuerhalten. Im Allgemeinen wird Lernen hauptsächlich mit Schü-lerInnen, StudentInnen und Auszubildenden in Verbindung gebracht. Dabei hat Lernen für Ältere eine ebenso wichtige Funktion wie für Jüngere. Diese Masterarbeit geht auf die Situation älterer Menschen ein und beschreibt, welche Veränderungen das Lernen im Alter erfährt. Verbunden damit ist eine empirische Fragebogenuntersuchung im Service-Wohnen Elstal.

Mit der Verkürzung der Lebensarbeitszeit und dem vorzeitigen Eintritt in den Ruhestand oder die Pension hat sich der Beginn der „Lebensphase Alter“ verschoben. Gleichzeitig ist die durchschnittliche Lebenserwartung stark gestiegen. Somit umfasst die „Lebensphase Alter“ eine Zeitspanne von 20 bis 50 Jahren. Diese Zeit ist davon geprägt, dass Menschen nach der Erwerbsarbeit oder der Betreuung der Familie und Kinder einen Freiraum vor sich haben, den sie aktiv nutzen können. Menschen müssen sich der Aufgabe stellen, eine Lebensphase, die es in dieser Weise noch nicht in ihrem Leben gegeben hat, bewusst zu planen und mit Inhalten zu füllen. Dabei spielt Bildung eine wesentliche Rolle.

Auch unsere Gesellschaft trägt zu einem erheblich höheren Lernbedarf als früher bei. Mit dem Wandel von der Industrie- zur Informations- und Wissensgesellschaft ist ein permanenter Wissenszuwachs verbunden. Neueste wissenschaftliche Erkenntnisse wirken sich auf viele Lebensbereiche aus. Dazu gehören die Bereiche der Medizin, der Ernährung oder der Technik. Das betrifft den Menschen nicht nur im Berufsleben, sondern auch noch nach dem Eintritt in den Ruhestand (vgl. ERKERT, Thomas, SALOMON, Jürgen, 1998, S. 159).

Die Masterarbeit „Die Bildung im Alter – Theoretische Grundlagen und eine empirische Untersuchung einer Wohnanlage für altersgerechtes Wohnen – das Service-Wohnen Elstal“ setzt sich in einem theoretischen Teil mit der Lebensphase Alter auseinander und analysiert den Vorgang des Lernens im Alter. Als dritten Hauptschwerpunkt untersucht diese Arbeit die Bildungsangebote und Wünsche von BewohnerInnen im Service-Wohnen Elstal.

In dem Kapitel 1 dieser Arbeit „Die Lebensphase Alter“ wird auf die Schwierigkeit eingegangen, „das Alter“ so zu definieren, dass dieser Begriff allen Vorstellungen gerecht wird. Anschließend wird das Altern unserer Gesellschaft skizziert und eine Vorstellung des demographischen Wandels aufgezeigt. Im Folgenden werden verschiedene Aspekte dargestellt, an denen ein Strukturwandel des Alters festzustellen ist.

Das zweite Kapitel „Das Lernen im Alter“ stellt verschiedene Definitionen des Lernens vor, die dazu dienen sollen, sich bewusst zu werden, wie vielseitig der Begriff „Lernen“ ist. Anschließend werden verschiedene Formen von Lernprozessen vorgestellt. Daran schließt sich eine Darstellung des Lernens in vier Dimensionen nach Göhlich, Wulf und Zirfas an. Ein wichtiger Bestandteil dieses Kapitels ist die Beleuchtung der verschiedenen Theorien des erfolgreichen Lernens im Alter. Da das Lernen im Alter nicht mehr so funktioniert wie das Lernen in jungen Jahren, wird auch auf die Besonderheiten des Lernens im Alter eingegangen, wobei unter Punkt 2.6 speziell über das Gedächtnis, neurobiologische Faktoren und die Intelligenz geschrieben wird. Des Weiteren soll ein Überblick über die Altenpädagogik gegeben werden. Dabei wird der Pädagogisierungsprozess angeschnitten, ein kurzer Diskurs über den Unterschied von Altenbildung und Altersbildung geführt und einige Gründe für die Bildung im Alter herausgestellt. Dadurch, dass das Lernen im Alter auch oft in einem engen Zusammenhang mit Geselligkeit steht und dies auch in den Grundzügen dieser Arbeit erkennbar ist, wird in Punkt 2.8 auf die Geselligkeit eingegangen. Abschließend sollen in dem Kapitel noch Institutionen vorgestellt werden, die sich mit Bildungsarbeit im Alter beschäftigen.

Das dritte Kapitel beinhaltet die Auswertung einer Fragebogenuntersuchung in einem altersgerechten Wohnen – dem Service-Wohnen Elstal. Darin werden die Daten des Fragebogens mit 15 Fragen zusammengefasst, ausgewertet und tabellarisch dargestellt.

Schon an dieser Stelle möchte ich auf einen Anhang hinweisen, der sich auf die empirische Untersuchung der Arbeit bezieht. Dieser beinhaltet eine Vorstellung und Begründung des genutzten Fragebogens, eine Auswertungstabelle und ein vollständig abgedruckter Fragebogen, wie ihn die Untersuchungsgruppe erhalten hat.

1 Die Lebensphase Alter

1.1 Der Altersbegriff

„Gebrechlichkeit, graue Haare, schwerfällige Bewegungsabläufe und ein verlangsamtes Reaktions- und Sprachvermögen lassen Menschen „alt aussehen“.“ (THIEME, 2008, S. 11) Oftmals sind das die ersten Vorstellungen, wenn wir an alte Menschen denken. Der Altersbegriff wird von vielen Einflussgrößen mit definiert. So bestimmt z.B. die Gesellschaft mit, wer alt ist und wer nicht. Des Weiteren spielt die psychische und physische Fitness eine große Rolle, aber auch die Altersrollen, die oftmals von anderen Personen zugeschrieben werden. Diese Gedanken möchte ich in diesem Abschnitt der Arbeit erläutern.

Es hängt erheblich von der Gesellschaft und der Kultur ab, wer alt ist, was alt ist und wie Alte sich fühlen. In einer modernen Gesellschaft gilt ein 40-jähriger noch als jung, hingegen in einer traditionellen Gesellschaft schon als alt (vgl. THIEME, 2008, S. 29). Doch auch in modernen Gesellschaften wird Alter differenziert betrachtet. Beispielsweise zählt ein 35-jähriger Sportler schon zu den Seniorensportlern, hingegen ist das sogenannte Pensionsalter bei Politikern, Wissenschaftlern und Kulturschaffenden oft erst sehr spät erreicht (vgl. THIEME, 2008, S. 29). Auch die geistige und körperliche Verfassung des Menschen hat einen großen Einfluss auf das ihm zugeschriebene Alter. In traditionellen Gesellschaften gilt eine Frau mit dem Beginn des Klimakteriums als alt, was hingegen in modernen Gesellschaften ganz und gar nicht so ist.

Bei dem Versuch einer wissenschaftlichen Begriffsbestimmung hat Frank Thieme in seinem Buch „Alter(n) in der alternden Gesellschaft“ eine Aufteilung zwischen psychologischem Alter, biologischem Alter und sozialem Alter getroffen. Dabei sind nur bedingt Rückschlüsse aus dem kalendarischen Alter auf den gesundheitlichen Zustand oder einen möglichen sozialen Rückzug zu ziehen (vgl. THIEME, Frank, 2008, S. 34). Das psychologische Alter bezieht sich dabei auf die geistige Leistungsfähigkeit eines alten Menschen. Die organische Konstitution ist hierbei mit dem Begriff biologisches Alter besetzt. Vom sozialen Alter wird gesprochen, wenn es um den unterschiedlichen Grad an Partizipation am gesellschaftlichen Leben oder dem Rückzug aus sozialen Rollen geht.

Wo der Beginn der Lebensphase Alter gegenwärtig datiert wird, ist in der Fachliteratur umstritten und nicht einheitlich dargestellt. Zum einen kann der Beginn des Alters auf den Übergang aus dem Erwerbsleben in die Rente datiert werden, wobei das gesetzlich festgelegte Renteneintrittsalter in Deutschland von 65 Jahren nur eine Minderheit erreicht, also ein Großteil der Arbeitnehmer früher aus dem Arbeitsprozess ausscheidet (vgl. THIEME, Frank, 2008, S. 34). Andererseits ist das Alter als Lebensphase ein sich immer weiter ausdehnender Teil des Lebenslaufes, der die zweite Lebenshälfte umfasst, die sich vom 50. Lebensjahr bis über das 100. Lebensjahr erstrecken kann (vgl. CLEMENS, Wolfgang, BACKES, Gertrud, 1998, S. 23).

Alter ist somit ein universelles Merkmal der Unterscheidung für Personen. Geschlecht und Hautfarbe können gewechselt oder manipuliert werden, aber das Alter ist begrenzt, unumkehrbar und deshalb auch unhintergehbar (vgl. KADE, Sylvia, 2009, S. 14).

1.2 Der demographische Wandel

In unserer Gesellschaft hat sich im letzten Jahrhundert ein Wandel vollzogen mit dem wir eine „alternde“ Gesellschaft geworden sind. Dabei hat sich die Struktur unseres Altersaufbaues von einer Pyramide zu einem Pilz gewandelt. Im europäischen Vergleich liegt Deutschland mit dem Anteil der Menschen über 60 Jahre an der Spitze (vgl. KADE, Sylvia, 2009, S. 19). „1997 waren 4% der Bevölkerung 80 Jahre und älter, während dieser Anteil 1955 noch bei 1,2% lag.“ (ANDING, Angela, 2006, S. 17) Die deutsche Bevölkerung wird zunehmend älter, weil die Lebenserwartung in unserem Land steigt. Die Ursachen dafür reichen von besserer Hygiene, verbesserten Ernährungsbedingungen über weniger körperlich schwere Arbeit im Beruf bis hin zu einer sozialen Fürsorgepflicht des Staates (vgl. ANDING, Angela, 2006, S. 17).

„Gab es Mitte des letzten Jahrhunderts noch fast doppelt so viele Jüngere unter 20 wie Ältere über 60 Jahren, so hat sich die Relation von Jüngeren zu Älteren bis zum Jahr 2000 angeglichen […].“ (KADE, Sylvia, 2009, S. 20) Die Belastung der Altersgruppe im mittleren Alter (20 – 59 Jahre alt) wird mehr und mehr in ökonomischen, zeitlichen und pflegerischen Bereichen zunehmen. Der Grund dafür liegt in der sinkenden Erwerbsbevölkerung, welche das mittlere Alter repräsentiert, die bis zum Jahre 2030 durch die geringen Geburtsraten noch deutlich abnehmen wird. Gegen ein steigendes Durchschnittsalter ist prinzipiell nichts einzuwenden, problematisch wird es erst in Verbindung mit der Struktur der sozialen Sicherungssysteme. „Die vier wichtigsten Säulen der sozialen Sicherung in Deutschland, die Renten-, Kranken-, Pflege- und mit Abstrichen auch die Arbeitslosenversicherung, basieren auf dem Umlageverfahren.“ (FREVEL, Bernhard, 2004, S. 45) Es sind aber keine Versicherungen im eigentlichen Sinne, denn sie basieren auf dem Solidarprinzip. Bei einem steigenden Anteil der über 60-jährigen und einem sinkenden Anteil der Beitragszahler, stoßen diese Systeme schnell an ihre Leistungsgrenzen. Auch eine Akquise von Arbeitskräften aus dem Ausland kann den Arbeitskräfteschwund zwar minimieren, jedoch nicht kompensieren. In der folgenden Abbildung (Abb.1) zeichnen sich zentrale Tendenzen demografischer Alterung ab. Das Ansteigen der Lebenserwartung erhöht den Anteil der älteren Menschen erheblich, während die Geburtenrate schrumpft (vgl. KADE, Sylvia, 2009, S. 21). In der Literatur wird der Geburtenrückgang auch technisch als Pillenknick der 60iger Jahre und sozial als Gebärverweigerung bezeichnet (vgl. KADE, Sylvia, 2009, S. 21). Es ist weiterhin auf eine Veränderung der Prioritätssetzung der Frauen zurückzuführen, die oftmals zugunsten der Partizipation am Arbeitsleben auf die Geburt von Kindern verzichten.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Altersgruppen (%)

Abbildung 1 , Quelle: vgl. KADE, Sylvia, 2009, S. 20

Die Soziologin Sylvia Kade beschreibt in Ihrem Buch „Altern und Bildung“ verschiedene Merkmale des Wandels im Altersaufbau der Bevölkerung. Dabei handelt es sich zum ersten um die Verringerung der produktiven Arbeitsgruppe (20-59 Jahre), welche sich bis 2030 um etwa 10% reduzieren wird. Aber nicht nur diese Altersgruppe ist betroffen, auch der Anteil der Jugendlichen wird bis 2030 um 5% sinken (vgl. KADE, Sylvia, 2009, S. 21). Das zweite Merkmal ist die steigende Lebenserwartung. Diese hat sich in den letzten 100 Jahren verdoppelt und verlängerte den Zeitraum des „Alter“ für Männer um sechs Jahre und für Frauen sogar um zehn Jahre (vgl. KADE, Sylvia, 2009, S. 21). Ein weiteres, als positiv zu betrachtendes, Merkmal ist die Zunahme der jungen Alten. Dabei spricht Sylvia Kade in Ihrem Buch davon, dass 2030 auf zwei Drittel der produktiven Arbeitsgruppe ein Drittel junger Alte kommt. Diese verfügen in der Mehrheit über Aktivität, Gesundheit und Mobilität und setzten diese Ressourcen auch für die Gesellschaft ein (vgl. KADE, Sylvia, 2009, S. 21). Als letztes Merkmal möchte ich die Verkehrung des Generationsverhältnisses darlegen. „Kamen früher auf zwei Jugendliche ein Älterer, so kommt 2030 auf zwei Alte ein Junger unter 20 Jahren.“ (KADE, Sylvia, 2009, S. 22). Mit dieser Tendenz ist auch erwartbar, dass in der alternden Gesellschaft eher konservative Werte vorherrschen und die Toleranz gegenüber Jugendlichen sinken wird (KADE, Sylvia, 2009, S. 22).

1.3 Der Strukturwandel im Alter

In diesem Abschnitt der Arbeit möchte ich auf die Strukturveränderungen eingehen die Menschen im Alter erleben und durchleben müssen. „Seit längerem ist bekannt, dass soziale Teilhabe und geistige Leistungsfähigkeit im Alter positiv miteinander verknüpft sind: Ältere Erwachsene mit einem großen sozialen Netz und zahlreichen sozialen Aktivitäten sind im Durchschnitt kognitiv leistungsfähiger als ältere Erwachsene mit eingeschränktem sozialen Umfeld und wenig sozialer Aktivität.“ (http://idw-online.de/pages/de/news152444; 19.06.2009)

In diesem Abschnitt der Arbeit sollen fünf Trends des Strukturwandels des Alters vorgestellt werden.

- Der erste Trend ist dabei die Verjüngung des Lebensalters. Damit ist gemeint, dass schon heute ein Viertel des Erwachsenenlebens nicht mehr im Erwerbsleben, sondern im Ruhestand verlebt wird (vgl. BALTES, Margarete, MONTADA, Leo, 1996, S. 393). Das dritte Lebensalter ist „primär sozial und nicht biologisch definiert, und wird mehrheitlich und für längere Zeit in guter körperlicher und geistiger Verfassung verbraucht“. (AMRHEIN, Ludwig, 2008, S. 132) Die Lebenszeit, in der Menschen in der Lebensphase des Ruhestandes leben, wird immer länger.
- Der zweite Trend ist die Entberuflichung des Alters als Folge der Institutionalisierung des Lebenslaufes. „In vielen (insbesondere westeuropäischen) Industriestaaten ist diese Tendenz durch eine Ausweitung der Frühverrentung in den vergangenen Jahrzenten noch erheblich verstärkt worden.“ (BAUR, Nina, KORTE, Hermann, LÖW, Martina, SCHORER, Markus, 2008, S. 20) Margarete Baltes schreibt in ihrem Buch „Produktives Leben im Alter“ dazu, dass bald ein Zeitpunkt erreicht sein könnte, bei dem ein 40-jähriger direkt von der Universität in den Ruhestand geht (vgl. BALTES, Margarete, MONTADA, Leo, 1996, S. 393-394).
- Ein weiterer Trend ist die Singularisierung. Dieser Trend beschreibt den Anstieg von Menschen, die im Alter in Einpersonenhaushalten leben. Das kann verschiedene Ursachen haben, z.B. durch Verwitwung, durch höhere Trennungs- und Scheidungsraten und durch das weniger Werden von Mehrgenerationenhäusern (vgl. BAUR, Nina, KORTE, Hermann, LÖW, Martina, SCHORER, Markus, 2008, S. 20). Durch die höhere Lebenserwartung von Frauen und der Tatsache, dass Frauen oft einige Jahre jünger sind als ihre Ehemänner, ist die Verwitwung vornehmlich ein Phänomen bei Frauen.
- Mit dem Beginn des 20. Jahrhunderts hat sich die Lebenserwartung von Frauen und Männern bedeutend auseinanderentwickelt. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes kommen bei 80-jährigen auf 36 Männer 64 Frauen, wobei es bei 60-jährigen noch relativ ausgeglichen ist (vgl. vgl. BAUR, Nina, KORTE, Hermann, LÖW, Martina, SCHORER, Markus, 2008, S. 20). In diesem Zusammenhang wird auch von einer „Feminisierung des Alters“ gesprochen. Dabei ist zu beachten, dass Frauen im Alter überdurchschnittlich von Armut betroffen sein können. Das ist auf die diskontinuierlichen Bildungs- und Erwerbsbiografien zurückzuführen und auf den Fakt der Verwitwung der in dem vorhergehenden Punkt dargestellt wurde.
- Des Weiteren treten Veränderungen im Familienleben auf (vgl. BALTES, Margarete, MONTADA, Leo, 1996, S. 393). Kinder ziehen in der Regel ab einem bestimmten Alter aus dem Elternhaus aus. Wenn die Mutter zusätzlich Spätgebärend waren, kann es vorkommen, dass der Auszug der Kinder und der Eintritt in den Ruhestand auf einen Zeitraum fallen. Solche Veränderungen haben besonders großen Einfluss auf den Strukturwandel im Alter und können bei den Eltern Orientierungslosigkeit und das Gefühl der Leere auswirken.

Ein sehr wichtiger Punkt, der in den Trends des Strukturwandels nur am Rande Betrachtung gefunden hat, ist das Einkommen. „Einkommen und Vermögen im Alter stellen in der Perspektive des Lebenslaufs ein Ergebnis von vergangenem Handeln […] dar. Sie bestimmen wesentlich die Lebenssituation und die Möglichkeiten einer aktiven Lebensführung.“ (KOHLI, Martin, KÜNEMUND, Harald, 2005, S. 42) „Das Alter gilt nicht mehr als Endpunkt der individuellen Entwicklung, sondern bietet – aufgrund der Veränderung und Verjüngung der Altersphase – Raum für neue biologische Projekte und Lebenspläne.“ (AMRHEIN, Ludwig, 2008, S. 132) Aus diesem Grunde ist heute und vor allem in der Zukunft, Bildung im Alter eine immer wichtigere Komponente.

2 Das Lernen im Alter

Nachdem im ersten Kapitel dieser Arbeit ein einführender Überblick über die Lebensphase Alter gegeben wurde, soll in dem folgenden Kapitel der Schwerpunkt auf dem Lernen im Alter liegen.

„Bildung und Lernen wird gemeinhin mit Kindern, Jugend­lichen und jungen Erwachsenen in Verbin­dung gebracht. Allerdings machen die sich immer schneller wandelnden Anforderungen in Beruf und Gesellschaft ein kontinuierli­ches Lernen durch verstärkte Weiterbildung erforderlich.“ (STATISTISCHES BUNDESAMT, 2003, S. 30) In der folgenden Abbildung wird gezeigt, wie viel Zeit das Lernen in den verschiedenen Lebensabschnitten in Anspruch nimmt? Danach lernen Jugendliche zwischen 10-18 Jahren deutlich über drei Stunden und alte Menschen über 65 Jahren weit unter 5 Minuten täglich (vgl. STATISTISCHES BUNDESAMT, 2003, S. 30). Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2 , Quelle: STATISTISCHES BUNDESAMT, 2003, S. 30

2.1 Der Lernbegriff

Umgangssprachlich wird der Begriff Lernen vor allem im Zusammenhang mit der Schule gebraucht und mit dem Erwerb von Fähigkeiten und Wissen gleichgesetzt. In der Lernpsychologie ist der Lernbegriff weiter gefasst. Lernen beschreibt unter anderem die Aneignung von Verhalten. Dazu gehören auch das Lernen von Angst und Sicherheit, der Erwerb von Vorlieben und Abneigungen, die Ausbildung von Gewohnheiten, die Befähigung zu planvollem Handeln und problemlösendem Denken. Dabei haben all diese Lernprozesse in der Erfahrensbildung ein gemeinsames Merkmal (vgl. EDELMANN, Walter, 2000, S. 272).

Bower und Hilgard beschreiben Lernen als einen „Prozess, durch den eine Aktivität in Reaktion auf eine Umweltsituation entweder neu entsteht oder neu verändert wird – vorausgesetzt, dass die Besonderheiten der Aktivitätsänderung nicht als angeborene Reaktionstendenz, Reifungsvorgang oder Momentanzustand des Organismus (wie Erschöpfung, Drogenwirkung u. ä.) erklärbar sind.“ (HIRSCH, Rolf D., 1999, S. 15) Das bedeutet also, dass ein Organismus die Auseinandersetzung mit seiner Umwelt erlernt und gleichzeitig Erfahrungen sammelt, die in Zukunft bei neuen Situationen angewandt werden können (vgl. HIRSCH, Rolf D., 1999, S. 15). Bower und Hilgard beziehen das Lernen im behavioristischen Lernmodell auf die „Veränderung im Vergleich oder im Verhaltenspotenzial eines Organismus in einer bestimmten Situation, die auf wiederholte Erfahrungen des Organismus in dieser Situation zurückgeht“ (vgl. SCHÄFFTER, Ortfried, 2007, S. 3). Herbert Gudjons interpretiert diese Definition als ein Lernen, das nicht auf kurzfristige Veränderung angelegt ist, sondern die dauerhafte Veränderung des Menschen darin sieht (vgl. SCHÄFFTER, Ortfried, 2007, S. 3). Günther Dohmen beschreibt den Begriff des Lernens in einem erweiterten Sinne wie folgt: „Lernen ist eine allgemeine Lebensfunktion. Ihre Bedeutung nimmt in dem Maße zu, in dem Lebens-, Arbeits- und Mediensituationen komplexer, unbeständiger und undurchschaubarer werden. [...] Und je größer die Informationsfluten und ‚Informations-Halden‘ im Informationszeitalter werden, desto wichtiger wird menschliches Lernen als auswählend-strukturierendes Verarbeiten von relevanten Informationen zu geordnetem problemlösungsbezogenem Wissen.“ (DOHMEN, Günther, 1998, S. 11f.) Lernen umfasst dabei jede Form, persönliche Informationen und Erfahrungen zu verarbeiten (vgl. DOHMEN, Günther, 1996a, S. 85). Dabei ist Lernen nicht auf eine bestimmte Phase des Lebens festgelegt oder beschränkt, sondern findet lebenslang statt. Dohmen schreibt zum Stichwort lebenslanges Lernen, „[...] lebenslang zu lernen, d.h. ständig neue Erfahrungen und Einsichten sinnvoll wertend zu verarbeiten und die eigenen Verstehens- und Deutungsmuster sowie den eigenen Erkenntnis-, Aktions- und Verantwortungshorizont permanent so weiterzuentwickeln, dass sich über eine adaptive Sozialisation hinaus notwendige neue kreative Situationsbewältigungs-Kompetenzen erschließen.“ (DOHMEN, Günther, 1996b, S. 13) Wenn über das Lernen gesprochen wird, entsteht ein unmittelbarer Zusammenhang zu dem Begriff der Kognition. Edelmann definiert Kognitionen als „jene Vorgänge, durch die ein Organismus Kenntnis von seiner Umwelt erlangt. Im menschlichen Bereich sind dies besonders: Wahrnehmung, Vorstellung, Denken, Urteilen, Sprache. Man könnte auch sagen: Durch Kognitionen wird Wissen erworben.“ (EDELMANN, Walter, 2000, S. 114) Die selektive Wahrnehmung, das Filtern von Erfahrungen sowie spezifische Gedächtnis- und Informationsmechanismen spielen in diesem Zusammenhang eine bedeutende Rolle (vgl. HIRSCH, Rolf D., 1999, S. 29f.) Verallgemeinert kann unter dem Prozess der Kognition das Erlangen der Kenntnis von der Umwelt verstanden werden. Auch Wissen wird durch kognitive Vorgänge erworben (vgl. HIRSCH, Rolf D., 1999, S. 12). Walter Edelmann spricht in seinem Buch „Lernpsychologie“ davon, dass Wissenserwerb ein zentraler Bestandteil der Kognitionspsychologie ist. „Es findet häufig kein völliges Neulernen, sondern ein Umlernen [bzw. ein Erweiterungslernen][1] bereits aufgebauter Strukturen statt.“ (EDELMANN, Walter, 2000, S. 114)

2.2 Der Bildungs- und Lernbegriff

Im Folgenden soll ein einführender Überblick über die Begrifflichkeit der Bildung und das Lernen gegeben werden. Dem Autor dieser Arbeit ist bewusst, dass eine umfassende Betrachtung als Teil dieser Arbeit nicht möglich ist.

Humboldts klassische Annahme über eine bildende Entwicklung des Menschen, ist, dass dieser seine Kräfte in möglichst optimaler Weise entfaltet. „Indem der Mensch sich mit seiner natürlichen, sozialen und kulturellen Umwelt auseinandersetzt und auf Grund seiner wirkenden Gestaltung der Verhältnisse Spuren hinterlässt, setzt er sich zu sich selbst und zur Umwelt in ein reflektiertes Verhältnis.“ (MAROTZKI, Winfried, NOHL, Arnd-Michael, ORTLEPP, Wolfgang, 2005, S. 166) Denkannahmen, die dabei verfolgt werden, sind die tätige Auseinandersetzung mit der natürlichen, sozialen und gesellschaftlichen Umwelt und das diese Art der tätigen Auseinandersetzung mit der Welt Spuren bei dem Individuum hinterlässt (vgl. MAROTZKI, Winfried, NOHL, Arnd-Michael, ORTLEPP, Wolfgang, 2005, S. 166).

„Bildungsprozesse werden in normativ substantialistischen Diskursen von allgemein gültigen Bildungszielen aus gedacht. Diese Diskurse konzentrieren sich vor allem auf die Begründung von Bildungsgütern und Bildungszielen hinsichtlich deren Relevanz und Gültigkeit. Der Bezug auf den Lernenden wird dort primär unter dem Gesichtspunkt erfolgreichen Lernens für das vorweg bestimmte Bildungsziel diskutiert oder anders ausgedrückt: Lernen wird für die Realisierung der Bildungsanforderungen wichtig (das sind z.B. moralische Standards, bestimmte Formen des Vernunftgebrauchs, vertieftes Fachwissen etc.). Lernen erscheint dabei als individuellkognitive Aktivität, die eine individuelle Voraussetzung zur Erreichung allgemein gültiger Bildungsziele darstellt und im Bildungsprozess selbst in höherwertige – weil allgemeine – Bildung transformiert wird.“ (LUDWIG, Joachim, ohne Jahr, S. 1)

Es bedarf eines orientierenden Bildes bzw. einer Bildungstheorie, um den Bildungsbegriff inhaltlich füllen zu können und zu verstehen (vgl. BAUMGART, Erdmute, BÜCHLER, Heike, 1998, S. 49). Es können unterschiedliche Seiten am Bildungsbegriff hervorgehoben werden, „so kann → Bildung als Prozess und zugleich Ergebnis des Erwerbs der jeweils für besonders wichtig gehaltenen Wissensbestände einer Gesellschaft oder Kultur (Bildungskanon) aufgefasst – und dementsprechend als »Besitz von Bildung« missverstanden werden.“ (BAUMGART, Erdmute, BÜCHLER, Heike, 1998, S. 49) „Bildung muss jeweils vom Individuum aus angestrengt und aktiv ergriffen werden. Insofern besteht der Zentrale Gedanke dieses Grundbegriffes im Aspekt der Selbstbildung, in der Selbsthervorbringung des Menschlichen im Menschen.“ (BAUMGART, Erdmute, BÜCHLER, Heike, 1998, S. 49) Bildung beschränkt sich dementsprechend nicht auf klassische, schulische und berufliche Qualifikation bzw. die Weitergabe kognitiver Lerninhalte, sondern sie umfasst die gesamte Persönlichkeit und ihr Selbst mit allem, was die Person ausmacht. Dazu gehören die Biographie, die Körperlichkeit, die Emotionen, die Erfahrung und die Stärken und Schwächen.

Udo Hinz geht in seiner Dissertation sogar soweit, auf den Bildungsbegriff zu verzichten und sich stattdessen auf den Lernbegriff zur rekurrieren (vgl. HINZ, Udo, 2002, S. 30) Das unterstreicht auch Ballauff: „Heute wird der Begriff der Bildung durch den des Lernens ersetzt. Man meint, dadurch einen nüchternen pädagogischen Begriff gegenüber einem traditionsgeladenem Bildungsgedanken gewonnen zu haben.“ (RUHLOFF, Jörg, POENITSCH, Andreas, 2004, S. 80) Diesen Lernbegriff kann man wiederrum in einem weiten und einem engen Sinne fassen. Wird sich von dem in der empirischen Lernforschung gebrauchten engen Lernbegriff abgegrenzt, so umfasst Lernen im allgemeinen Sinne, die „produktive und auf Förderung angewiesene Fähigkeit des Menschen, Vorstellungen, Gewohnheiten, Einstellungen, Verhaltensweisen und Fähigkeiten aufzubauen bzw. zu verändern.“ (GIESECKE, Hermann, 1991, S. 48) Die Ersetzung des Bildungsbegriffs durch den Lernbegriff ist jedoch nicht unumstritten. „Der tiefe Sinn der Bildung, gerade den einzelnen über seine Bedürfnisse, über die alltägliche Notdurft und Nahrung zu erheben, durch die Jahrhunderte immer von neuem erfahren und positiv beurteilt – […] sollte nicht an eine instrumentelle Interpretation verraten werden.“ (HINZ, Udo, 2002, S. 31) Lernen wird unter dieser Prämisse nur als Mittel und Weg zum Zweck gesehen. „Soll das Lernen nicht zu bloßer Aktivität und zur Leistung ausarten, muss es im Dienst von Bildung stehen“ (TRAPMANN, Hilde, HOFMANN, Winfried, SCHAEFER-HAGENMAIER, Theresia, SIEMES, Helena, 1991, S. 109) Demnach sind Lernen und Bildung weitgehend unterschiedlich. Hinze zitiert Franz Kolland dazu: „Während unter Lernen stärker der Erwerb von Kenntnissen und Fähigkeiten gemeint ist, ist der Bildungsbegriff – eine Spezialität im deutschen Sprachraum – allgemeiner und schließt Aspekte wie Selbstbestimmung und Emanzipation ein.“ (HINZ, Udo, 2002, S. 31)

„Für die individuelle Biografie sind die Bildungschancen, also der Zugang zu Bildung, und die Erfahrungen, die mit Lernen und Bildung im Lebenslauf (beruflich und privat) gemacht wurden, für ein Weiterlernen im Alter und damit für die Bewältigung der Altersprozesse zentral.“ (SIMON, Gertrud, 2007, S. 12)

2.3 Lernprozesse

Die Lernforschung ist sich nicht einig über die Anzahl der Unterkategorien von Lernprozessen. Edelmann unterscheidet in seinem Buch „Lernpsychologie“ drei verschiedene Formen von Lernprozessen. Die erste Form zeigt, dass das Reiz-Reaktions-Lernen. Dabei löst ein Reiz ein gelerntes Antwortverhalten aus und ist weitgehend reaktiv (vgl. EDELMANN, Walter, 2000, S. 29). Als zweite Form zeigt er das instrumentelle Lernen auf, bei dem eine Verbindung über das Verhalten und die nachfolgenden Konsequenzen besteht (EDELMANN, Walter, 2000, S. 65). Die dritte Form ist die Begriffsbildung und der Wissenserwerb, wodurch kognitive Strukturen aufgebaut werden (EDELMANN, Walter, 2000, S. 113).

In der vorliegenden Arbeit soll jedoch lediglich auf die dritte Form, die Begriffsbildung und den Wissenserwerb, näher eingegangen werden. Denn auch im Bereich des „Älterwerden-Lernens“ muss erst eine Kenntnis des Älterwerdens erlangt werden, bevor eine Veränderung des Verhaltens einsetzen kann. Die Begriffsbildung und den Wissenserwerb kann man nicht klar voneinander trennen. Eine Möglichkeit der Trennung besteht eventuell darin, Begriffe als Bausteine des Wissens aufzufassen. Mit Begriffsbildung und Wissenserwerb ist oftmals kein völliges Neulernen gemeint, sondern dass bereits vorhandene kognitive Strukturen umgelernt werden (vgl. EDELMANN, Walter, 2000, S. 114). Für ältere Menschen besteht darin eine Besonderheit, da für sie „lernen“ sogar „vergessen lernen“ bedeuten kann. Um sich für Neues zu öffnen, kann diese radikale Form des Umlernens nötig sein (vgl. VEELKEN, Ludger, 1990, S. 7). Jedoch ist diese Form des Lernens nur in einem sehr beschränkten Maße bei älteren Menschen vorhanden. Oftmals wird nur das gelernt, was in das Lebenskonzept der Menschen passt und an den eigenen Lebensentwurf angepasst werden kann (vgl. KADE, Sylvia, 1994b, S. 147). „Jede Erfahrung wird im Verlaufe des Älterwerdens daraufhin überprüft, ob sie die Kontinuität der Lebensgeschichte fortzusetzen erlaubt oder ob die Erfahrung abgewiesen werden muss, weil sie mit den vorhandenen und verfügbaren Erfahrungsmustern nicht zu vereinbaren ist. Dadurch ist die Aufnahmebereitschaft für Neues zweifellos durch biographische Vorerfahrungen begrenzt, die festlegen, was relevant ist, was eigenen Interessen und Bewältigungsmustern entspricht.“ (KADE, Sylvia, 1994a, S. 55). Die emotionalen Empfindungsmuster, die sozial vorgegeben sind, können dafür eine Erklärung sein. Diese emotionalen Empfindungsmuster werden schon früh angeeignet und tragen dazu bei, den weiteren Lebenslauf zu strukturieren und ein System aufzubauen, das sich selbst erhält und erfüllt (vgl. KADE, Sylvia, 1994b, S. 100). Als Beweis dafür können „[...] merkwürdige Übereinstimmungen zwischen den frühen jugendlichen Grundmustern und den Mustern des Fühlens im Alter“ (KADE, Sylvia, 1994b, S. 112) gelten.

[...]


[1] Zusatz des Autors

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Details

Titel
Die Bildung im Alter - Theoretische Grundlagen und eine empirische Untersuchung einer Wohnanlage für altersgerechtes Wohnen
Untertitel
Das Service-Wohnen Elstal
Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin  (Erwachsenenbildung)
Note
2,0
Autor
Jahr
2009
Seiten
70
Katalognummer
V148917
ISBN (eBook)
9783640603688
ISBN (Buch)
9783640603534
Dateigröße
1407 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Bildung, Alter, Menschen, Erwachsnenbildung, Lebenslanges Lernen, Erwachsenenpädagogik, Untersuchung, Theorie, Altenpädagogik, Pädagogik, Lebensalter, Senioren, Altersbegriff, demographischer Wandel, Lernbegriff, Lernprozess, Lerntheorie, Volkshochschule, Bildungsangebote, Service-Wohnen, empirische Untersuchung, christlich, elstal
Arbeit zitieren
Daniel Werner (Autor), 2009, Die Bildung im Alter - Theoretische Grundlagen und eine empirische Untersuchung einer Wohnanlage für altersgerechtes Wohnen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/148917

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