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Normen und Praktiken im Fremdsprachenunterricht. Ein Vergleich des Klassenklimas an einem allgemeinbildenden Gymnasium und an einem Oberstufen-Gymnasium

Titre: Normen und Praktiken im Fremdsprachenunterricht. Ein Vergleich des Klassenklimas an einem allgemeinbildenden Gymnasium und an einem Oberstufen-Gymnasium

Thèse de Bachelor , 2020 , 83 Pages , Note: 1,3

Autor:in: Stefanie Rottler (Auteur)

Pédagogie - Pédagogie pour écoles
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Kinder und Jugendliche haben gelernt, wie Unterricht offiziell abzulaufen hat. Auf drei verschiedenen Ebenen zeichnet sich eine Diskrepanz ab zwischen den (1) institutionell-organisationalen, (2) pädagogisch-fachdidaktischen und (3) individuellen Normen und der Art und Weise, wie diese Normen im Unterricht praktisch umgesetzt werden. Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, diese Diskrepanz im Fremdsprachenunterricht zweier ausgewählter Schulklassen empirisch herauszuarbeiten. Diesbezüglich soll der Frage nachgegangen werden, wie sich das Klassenklima in Abhängigkeit der gymnasialen Schulform gestaltet. Videobasiert sollen hierfür Unterrichtsszenen aus einem allgemeinbildenden Gymnasium und aus einem Oberstufen-Gymnasium anhand der dokumentarischen Methode als Auswertungsverfahren miteinander verglichen werden.

In einem theoretischen Teil soll zunächst das Verhältnis von Normen und Praktiken im Unterricht vertieft, die gewählte Untersuchungsmethode erläutert und Kontextinformationen zu beiden Schulklassen zusammengetragen werden. Im praktischen Teil wird zuerst hinsichtlich sechs ausgewählter Aspekte vergleichend untersucht, inwiefern die Praktiken in den Unterrichtsstunden von den Normen abweichen. Im darauffolgenden Kapitel können durch einen Abstraktionsschritt dann Rückschlüsse darauf gezogen werden, wie sich diese Abweichungen auf das Klassenklima auswirken. Abschließend sollen Grenzen der Untersuchungsergebnisse aufgezeigt und der Umgang mit der Diskrepanz von Normen und Praktiken diskutiert werden.

Extrait


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Theoretische und methodologische Grundlagen

2.1 Normen und Praktiken des Unterrichts

2.2 Das Potenzial der Unterrichtsvideografie

2.3 Die Dokumentarische Methode als Auswertungsverfahren

3 Gegenstand der Untersuchung

3.1 Fall A: Allgemeinbildendes Gymnasium

3.2 Fall B: Oberstufen-Gymnasium

4 Untersuchungsergebnisse

4.1 Institutionell-organisationale Norm

4.1.1 Aspekt 1: Partizipation

4.1.2 Aspekt 2: Disziplinierung

4.2 Pädagogisch-fachdidaktische Norm

4.2.1 Aspekt 3: Einsprachigkeit

4.2.2 Aspekt 4: Lernerautonomie

4.2.3 Aspekt 5: Lernbegleitung

4.3 Individuelle Norm – Aspekt 6: Peerkultur

5 Abstraktionsschritt: Fallvergleich

6 Diskussion und Ausblick

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht empirisch die Diskrepanz zwischen institutionell-organisationalen, pädagogisch-fachdidaktischen sowie individuellen Normen und deren praktischer Umsetzung im Spanischunterricht zweier unterschiedlicher gymnasialer Schulformen. Ziel ist es, in einem videobasierten Vergleich aufzuzeigen, wie Schüler- und Lehrerhabitus in Abhängigkeit der Schulform das Klassenklima prägen.

  • Verhältnis von Normen und unterrichtlicher Praxis
  • Methodik der videografischen Unterrichtsforschung
  • Vergleichende Analyse zweier unterschiedlicher Gymnasien
  • Einfluss von Peerkultur auf das Unterrichtsgeschehen
  • Die Rolle der Lehrkraft als Lernbegleiter und Disziplinierer

Auszug aus dem Buch

1 Einleitung

Die Spanischunterrichtsstunde in einer zehnten Klasse hat schon seit zehn Minuten begonnen. Die Lehrkraft ist gerade dabei, einen Arbeitsauftrag zu erteilen, als (1) ein Schüler das Klassenzimmer betritt. Alle Schüler lachen und lenken ihre Aufmerksamkeit auf die Erklärung des Schülers, weshalb er zu spät zum Unterricht erscheint. Daraufhin (2) unterbricht die Lehrkraft ihre Ausführungen auf Spanisch und beginnt in deutscher Sprache die Verspätung zu sanktionieren. Während die Lehrkraft mit der Disziplinierung beschäftigt ist, beginnen (3) zwei Schüler, sich über das vergangene Wochenende auszutauschen. Nach kurzer Zeit lehnen sie sich mit ihrem Stuhl an die Tischreihe hinter sich, um den Mitschülern einen Handschlag zu geben, worauf auch diese sich ins Gespräch integrieren.

Das hier aufgezeigte Szenario benennt häufig auftretende Phänomene im Klassenzimmer. Den Beobachtungen ist gemeinsam, dass sie beschreiben, wie Unterricht ist, sprich wie er praktiziert wird, jedoch nicht, wie Unterricht eigentlich zu sein hat. In der Schulordnung der Schule ist vorgeschrieben, dass (1) alle Schüler dazu verpflichtet sind, das Schulgebäude bis fünf Minuten vor Unterrichtsbeginn zu betreten, um pünktlich zum Unterricht zu erscheinen. Im Bildungsplan des Kultusministeriums heißt es, dass (2) zugleich Ziel und vorrangiges Medium des Unterrichts [ist]. Und schließlich (3) verfügen Schüler über ein implizites Rollenwissen, durch welches ihnen bewusst ist, dass Peergespräche, die keinen Zusammenhang mit dem Arbeitsauftrag haben, nicht im Unterricht, sondern in der Pause zu realisieren sind – kurzum: Kinder und Jugendliche haben gelernt, wie Unterricht offiziell abzulaufen hat (Luhmann 2002: 102).

Auf drei verschiedenen Ebenen zeichnet sich hier eine Diskrepanz ab zwischen den (1) institutionell-organisationalen, (2) pädagogisch-fachdidaktischen und (3) individuellen Normen und der Art und Weise, wie diese Normen im Unterricht praktisch umgesetzt werden. Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, diese Diskrepanz im Fremdsprachenunterricht zweier ausgewählter Schulklassen empirisch herauszuarbeiten.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Die Einleitung führt in das Spannungsfeld zwischen offizieller Schulordnung und praktischer Unterrichtswirklichkeit ein und definiert das Ziel, die Diskrepanz zwischen Normen und Praktiken empirisch zu untersuchen.

2 Theoretische und methodologische Grundlagen: Dieses Kapitel verknüpft das Konzept des Habitus mit der Unterrichtsforschung und begründet den Einsatz der Dokumentarischen Methode zur Analyse von Unterrichtsvideos.

3 Gegenstand der Untersuchung: Hier werden die beiden analysierten Fälle – ein allgemeinbildendes Gymnasium (AG) und ein Oberstufen-Gymnasium (OG) – hinsichtlich ihrer Rahmenbedingungen und Leitbilder vorgestellt.

4 Untersuchungsergebnisse: Das Hauptkapitel wertet die Unterrichtsaufnahmen anhand von sechs zentralen Aspekten (Partizipation, Disziplinierung, Einsprachigkeit, Lernerautonomie, Lernbegleitung und Peerkultur) aus.

5 Abstraktionsschritt: Fallvergleich: Die Ergebnisse aus dem Hauptteil werden hier vergleichend abstrahiert, um das jeweils vorherrschende Klassenklima in den beiden Schulformen zu charakterisieren.

6 Diskussion und Ausblick: Eine kritische Reflexion der Untersuchungsmethode und der Ergebnisse bildet den Abschluss, eingebettet in den fachdidaktischen Diskurs über Normerfüllung und pädagogisches Handeln.

Schlüsselwörter

Dokumentarische Methode, Unterrichtsforschung, Habitus, Klassenklima, Fremdsprachenunterricht, Normen, Praktiken, Peerkultur, Partizipation, Disziplinierung, Einsprachigkeit, Lernerautonomie, videobasierte Analyse, schulische Sozialisation, Unterrichtsqualität.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht, wie Normvorgaben (z.B. aus Bildungsplänen) im tatsächlichen Schulalltag des Spanischunterrichts umgesetzt werden und wo dabei Abweichungen zwischen Soll-Vorgaben und der gelebten Praxis (Habitus) auftreten.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die Schwerpunkte liegen auf der Diskrepanz zwischen institutionellen Normen, der pädagogischen Fachdidaktik und dem individuellen Handeln der Akteure sowie dem Einfluss der Peerkultur.

Welches primäre Forschungsziel verfolgt die Arbeit?

Das Ziel ist es, empirisch herauszuarbeiten, wie sich das Klassenklima in Abhängigkeit der gymnasialen Schulform (allgemeinbildend vs. Oberstufen-Gymnasium) gestaltet und wie die Akteure Unterricht konstruieren.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Die Arbeit stützt sich auf eine videobasierte empirische Analyse, ausgewertet mittels der Dokumentarischen Methode, um hinter die expliziten Normen auf die Ebene der konjunktiven Erfahrungen und Routinen zu blicken.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil analysiert mittels strukturierter Videosequenzen sechs Aspekte, darunter Partizipation, Einhaltung der Fremdsprachennorm (Einsprachigkeit), Autonomie der Lernenden und das Verhalten innerhalb von Peergruppen.

Welche Begrifflichkeiten charakterisieren die Arbeit am stärksten?

Zentrale Begriffe sind Habitus, Norm vs. Praktik, performative Logik, Klassenklima und Peerkultur im schulischen Kontext.

Wie unterscheidet sich das Klima zwischen dem allgemeinbildenden und dem Oberstufen-Gymnasium?

Das Klima am Oberstufen-Gymnasium wird als reifer und machtsymmetrischer beschrieben, während das allgemeinbildende Gymnasium durch stärker ritualisierte, aber distanziertere Interaktionen geprägt ist.

Welchen Stellenwert nimmt die "Einsprachigkeit" im Unterricht ein?

Die Einsprachigkeit wird als fachdidaktisches Leitmotiv anerkannt, jedoch als in der Praxis in beiden Schulformen schwer erreichbare Utopie identifiziert, bei der häufig zwischen Muttersprache und Zielsprache gewechselt wird.

Rolle der Lehrkraft: Lernbegleiter oder Kontrollinstanz?

In beiden Fällen wird der Versuch der Rolle als "Lernbegleiter" festgestellt, wobei die praktische Umsetzung aufgrund externer Zwänge wie Zeitdruck oder Disziplinierungsbedarf unterschiedlich erfolgreich verläuft.

Wie gehen Schüler mit den schulischen Regeln um?

Schüler interagieren mit den Regeln oft über informelle Peerkultur-Praktiken, wobei sie teilweise Distanz zum Unterrichtsgegenstand signalisieren, z.B. durch Handy-Nutzung oder bewusstes Umgehen mit Arbeitsmaterialien.

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Résumé des informations

Titre
Normen und Praktiken im Fremdsprachenunterricht. Ein Vergleich des Klassenklimas an einem allgemeinbildenden Gymnasium und an einem Oberstufen-Gymnasium
Université
University of Tubingen  (Philosophische Fakultät, Romanisches Seminar)
Note
1,3
Auteur
Stefanie Rottler (Auteur)
Année de publication
2020
Pages
83
N° de catalogue
V1489694
ISBN (PDF)
9783389046319
ISBN (Livre)
9783389046326
Langue
allemand
mots-clé
Unterrichtsvideografie Dokumentarische Methode Spanischunterricht Unterrichtsnormen Unterrichtspraktiken
Sécurité des produits
GRIN Publishing GmbH
Citation du texte
Stefanie Rottler (Auteur), 2020, Normen und Praktiken im Fremdsprachenunterricht. Ein Vergleich des Klassenklimas an einem allgemeinbildenden Gymnasium und an einem Oberstufen-Gymnasium, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1489694
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Extrait de  83  pages
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