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Kriminalität und Strafrecht in Japan

Inwiefern wird Kriminalität in Japan durch soziokulturelle Strukturen beeinflusst?

Titre: Kriminalität und Strafrecht in Japan

Exposé Écrit pour un Séminaire / Cours , 2009 , 20 Pages , Note: sehr gut (in CH 6,0)

Autor:in: Aline Maier (Auteur)

Orientalisme / Sinologie - Lettres, Langues et Civilisation Japonaises (LLCE Japonais)
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Statistisch gesehen ist Japan eines der sichersten Länder der Welt. Es existieren unterschiedliche Ansätze, um die Ursache der niedrigen Kriminalitätsrate Japans zu erklären. Einer dieser Erklärungsansätze greift auf eine soziokulturelle Perspektive zurück. Er sieht Besonderheiten in der japanischen Mentalität und in den traditionellen gesellschaftlichen Strukturen als wesentliches Einflussmoment auf deviantes Verhalten in Japan.
In dieser Arbeit werden die Argumentationsschritte dieser weit verbreiteten, wohl aber umstrittenen Betrachtungsweise näher erläutert. Es wird auf die japanische Gruppenmentalität und die Rolle des Individuums eingegangen, welche gemäss der hier umschriebenen Theorie eine Abhängigkeit des Individuums von der Gruppe begründet. Die Gruppen in Japan nehmen die Funktion einer sozialen Verhaltenskontrolle ein, welche als traditionelles Regelungssystem vor dem Gesetz Einfluss auf kriminelles Verhalten ausüben.
Da nicht nur Devianz, sondern auch Rechtsempfinden und die Effizienz von psychologischen Sanktionen in Japan durch die Bedeutsamkeit der Gruppen gesteuert werden, stehen das Strafgesetz sowie staatliche Instrumente und Institutionen in der Wahrnehmung der japanischen Bürger erst an zweiter Stelle.
Ob der soziokulturelle Erklärungsansatz allerdings ein realitätsgetreues und kriminalitätsrelevantes Bild einer japanischen Lebensausrichtung zeichnen kann, wird von Wissenschaftlern beharrlich in Frage gestellt.

Extrait


Inhaltsverzeichnis

1. Strukturelle Verhaltenskontrolle durch Gruppenorganisation

1.1 Die japanische Gruppenmentalität

1.2 Entwicklung und Manifestation der Gruppen

1.3 Gruppen als Sozialkontrolle und erste Instanz

2. Individuelle Devianz in der japanischen Gesellschaft

2.1 Auftreten kriminellen Verhaltens in Japan

2.2 Japanspezifisches Motivationsphänomen für deviantes Verhalten

2.3 Mentale Revolution unter Jugendlichen

3. Japanisches Rechtsempfinden

3.1 Das japanische Rechtsbewusstsein (ho-ishiki)

3.2 Straffunktion der Scham (haji)

3.3 Scheu vor dem Gerichtsverfahren (kô han)

4. Merkmale des japanischen Strafrechts (keiji hô)

4.1 Das Strafgesetzbuch (kei hô)

4.2 Das Strafverfahren (keiji tetsuzuki)

4.3 Die staatlichen Sanktionen (sei sai)

Zielsetzung und Themen der Arbeit

Diese Arbeit untersucht den Einfluss soziokultureller Strukturen auf die Kriminalität in Japan. Zentral ist dabei die Forschungsfrage, inwieweit die japanische Gruppenmentalität als informelles Regelungssystem vor dem Gesetz fungiert und somit das deviante Verhalten sowie das Rechtsempfinden der Bürger maßgeblich steuert.

  • Die Rolle der japanischen Gruppenmentalität und Gruppenhierarchien.
  • Mechanismen der sozialen Kontrolle im Vergleich zu staatlichen Institutionen.
  • Spezifische kulturelle Motive für deviantes Verhalten, wie das Konzept des "makoto".
  • Die Entwicklung von Jugend- und Rentnerkriminalität durch soziokulturellen Wandel.
  • Strukturen und Besonderheiten des japanischen Strafrechts und Strafverfahrens.

Auszug aus dem Buch

1.1 Die japanische Gruppenmentalität

In der westlichen Hemisphäre existiert auf dem beschwerlichen Pfad der Suche nach einem Lebenssinn die Theorie der individuellen Selbstverwirklichung innerhalb der Möglichkeitssphären des bestehenden Systems und unter eventueller Inkaufnahme der Missachtung des kollektiven Besten. In Japan hingegen hat sich laut Kühne und Miyazawa (1991) die konsequentialistische Theorie des Utilitarismus in Form eines Gruppenutilitarismus manifestiert. Nicht die Selbstverwirklichung ist das Ziel, sondern die Verfolgung des kollektiven Wohls auf Kosten der individuellen Autonomie (S. 63).

Diese Selbstverkleinerung des einzelnen Menschen auf moralischer Ebene geschieht jedoch nicht für die japanische Bevölkerungsgesamtheit, sondern ausschliesslich für die Gruppen, welchen das betreffende Individuum angehört. Die moralische Verpflichtung des Individuums zu einem bestimmten Verhalten gegenüber seiner Gruppe wird in Japan giri, ‚der richtige Grund,’ genannt. Giri beruht auf dem Grundsatz der Reziprozität (Dean, 2002, S. 4), also einem gegenseitigen Sender-Empfänger-Prinzip.

Gemäss Kühne und Miyazawa definieren sich Japaner über und handeln für ihr in solche Gruppen untergliedertes, unmittelbares Umfeld (S. 61ff.). Für gewöhnlich gehört ein Japaner zwei oder drei solchen Gruppen an und richtet seinen Handlungsspielraum an den Anforderungen und zu Gunsten der Harmonie (wa) innerhalb dieser Gruppen aus (Rahn, 1990, S. 39f.). Kühne und Miyazawa postulieren, dass der Japaner danach strebt, sein „Ich“ (jibun) mit den Erwartungen der Gruppe in Übereinstimmung zu bringen, und dass er dabei nimmt in Kauf nimmt, zulasten seiner eigenen Persönlichkeitsentfaltung zu wirken (S. 63).

Zusammenfassung der Kapitel

1. Strukturelle Verhaltenskontrolle durch Gruppenorganisation: Erläutert die soziokulturellen Wurzeln der Gruppenmentalität und deren Funktion als primäres Instrument der sozialen Kontrolle.

2. Individuelle Devianz in der japanischen Gesellschaft: Analysiert das Auftreten von Kriminalität durch Einzelpersonen und diskutiert neue Phänomene wie den soziokulturellen Wandel bei Jugendlichen und Senioren.

3. Japanisches Rechtsempfinden: Untersucht das japanische Rechtsbewusstsein, die psychologische Straffunktion der Scham und die gesellschaftliche Scheu vor formellen Gerichtsverfahren.

4. Merkmale des japanischen Strafrechts (keiji hô): Bietet einen Überblick über die gesetzlichen Grundlagen, das Strafverfahrensrecht sowie die Besonderheiten der staatlichen Sanktionen in Japan.

Schlüsselwörter

Japan, Kriminalität, Gruppenmentalität, Sozialkontrolle, Giri, Makoto, Rechtsempfinden, Haji, Strafrecht, Strafverfahren, Jugendkriminalität, Rentnerkriminalität, Soziokultur, Sanktionen, Rechtsbewusstsein

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen soziokulturellen Traditionen in Japan und der dort vergleichsweise niedrigen Kriminalitätsrate.

Welche thematischen Schwerpunkte werden gesetzt?

Die Schwerpunkte liegen auf der Gruppenmentalität, dem Rechtsempfinden, der Rolle sozialer Kontrolle gegenüber staatlichem Recht und den Auswirkungen soziokultureller Veränderungen auf die Kriminalitätsentwicklung.

Was ist die zentrale Forschungsfrage?

Die Untersuchung geht der Frage nach, inwiefern kriminelles Verhalten in Japan durch tief verwurzelte soziokulturelle Strukturen beeinflusst und reguliert wird.

Welche wissenschaftliche Methodik wird verwendet?

Es handelt sich um eine literaturgestützte Analyse, die verschiedene soziokulturelle Erklärungsansätze und rechtswissenschaftliche Quellen zueinander in Bezug setzt.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil analysiert die Mechanismen der japanischen Gruppenorganisation, die Abweichungen vom normativen Verhalten bei verschiedenen Altersgruppen sowie die Grundlagen des japanischen Strafrechts und der Prozessordnung.

Welche Begriffe charakterisieren diese Arbeit?

Wichtige Begriffe sind insbesondere die Gruppenmentalität, das Prinzip "giri" (Pflicht), das Konzept "haji" (Scham) und die spezifische "makoto"-Motivation bei Straftaten.

Wie unterscheidet sich das japanische Rechtssystem vom westlichen Verständnis?

In Japan steht das Recht oft hinter der informellen sozialen Kontrolle durch Gruppen zurück; das Gesetz wird häufig eher als staatliches Instrument denn als persönlicher Schutz wahrgenommen.

Was hat es mit dem Phänomen "makoto" auf sich?

Makoto bezeichnet eine Form der vollständigen Hingabe des Individuums an eine andere Person oder ein Ziel, die im Extremfall zu Fanatismus und kriminellem Handeln führen kann.

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Résumé des informations

Titre
Kriminalität und Strafrecht in Japan
Sous-titre
Inwiefern wird Kriminalität in Japan durch soziokulturelle Strukturen beeinflusst?
Université
University of St. Gallen
Cours
Japan im 21. Jahrhundert
Note
sehr gut (in CH 6,0)
Auteur
Aline Maier (Auteur)
Année de publication
2009
Pages
20
N° de catalogue
V148984
ISBN (ebook)
9783640594313
ISBN (Livre)
9783640593927
Langue
allemand
mots-clé
Kriminalität Strafrecht Japan Inwiefern Kriminalität Japan Strukturen
Sécurité des produits
GRIN Publishing GmbH
Citation du texte
Aline Maier (Auteur), 2009, Kriminalität und Strafrecht in Japan, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/148984
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Extrait de  20  pages
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