Die politische Position Petrarcas und die Topoi in seinen Kanzonen "Spirto gentil" und "Italia mia"


Hausarbeit (Hauptseminar), 2010
24 Seiten, Note: 3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Das Leben und Werk Petrarcas

3 Die Beziehung zwischen Cola und Petrarca

4 Die politischen Kanzonen im Canzoniere
4.1 Spirto gentil
4.2 Italia mia
4.3 Vergleich der Topoi

5 Fazit

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Francesco Petrarca gilt als einer der Begründer des italienischen Nationalbewusstseins. Stärker als in Dante Alighieris Werk ist Petrarcas Nationalgefühl in eine politische Richtung gewendet.[1] Ein Grund dafür ist seine enge Verbundenheit mit der Antike und ihren Autoren, die sich mit der politischen Situation zu dem damaligen Zeitpunkt befasst haben. Daher rührt ebenso sein Interesse für den selbsternannten Volkstribunen Cola di Rienzo und dessen politische Einstellung, die dieser ebenfalls aus der Antike bezog.

Vorliegende Seminararbeit befasst sich mit Petrarcas Position gegenüber der zeitgenössischen Politik, die ihren Ausdruck unter anderem in seinem Canzoniere findet. Doch vor allem die lateinischen Briefe an seine Zeitgenossen liefern einen Eindruck seines Denkens. Diese Arbeit bezieht sich jedoch hauptsächlich auf die Kanzonen Spirto Gentil (LIII im Canzoniere) und Italia mia (CXXVIII) und die darin vorherrschenden Topoi.

Das folgende Kapitel zeichnet eine kurze Skizze von Petrarcas Leben und Werk. Kapitel 3 befasst sich mit der Beziehung zwischen Petrarca und Cola di Rienzo und leitet über zu den beiden wichtigsten politischen Kanzonen des Dichters, denen ein kurzer Überblick über die Struktur des Canzoniere vorausgeht. Nach der Interpretation der Gedichte und ihrem Vergleich schließt sich vorliegende Arbeit in einem Fazit.

2 Das Leben und Werk Petrarcas

Francesco Petrarca, geboren am 20 Juli 1304 in Arezzo, begann schon früh mit dem Studium der Rechte in Montpellier, welches er in Bologna fortsetzte. Dort befasste er sich verstärkt mit den klassischen Autoren wie Cicero, Vergil, Livius, und Augustinus, welches sich nach dem Tode seines Vaters im Jahre 1326 zu seiner Hauptbeschäftigung entwickelte. Zu diesem Zeitpunkt gab er sein Studium an der Universität auf und kehrte nach Avignon zurück, wo er ein ausschweifendes Leben mit dem Erbe seines Vaters führte. Dort traf Petrarca angeblich am Karfreitag, dem 6. April 1327 in der Kirche der Heiligen Klara seine geliebte Laura, die ihn zeit seines Lebens nicht mehr losließ.

Nachdem er das Erbe seines Vaters mit vollen Händen aus dem Fenster geworfen hatte, blieb ihm nichts anderes übrig, als in den geistlichen Stand einzutreten. Dies war „eine typische Entscheidung für junge Leute, die damals sozial aufsteigen wollten“[2], denn er bekam dadurch kirchliche Ämter und Pfründen übertragen. Petrarca diente unter anderem den Colonna. Sein ehemaliger Kommilitone aus Bologna, Giacomo Colonna, holte ihn zu sich an seinen Bischofssitz nach Lombez. Später ging Petrarca an den Hof seines Bruders, Giovanni, der inzwischen Kardinal geworden war.

Petrarca unternahm in dieser Zeit und auch später viele Reisen. Er ging unter anderem nach Paris, Gent, Lüttich, Aachen und Köln und reiste im Jahre 1336 erstmals nach Rom. Danach zog er sich nach Vaucluse in der französischen Provence zurück, wo ihm von einer uns unbekannten Frau zwei Kinder geboren wurden, Giovanni und Francesca. Auf einer späteren Reise nach Verona entdeckte er Ciceros verschollene Briefe Ad Atticum im Jahre 1345.

Am 8. April 1341 wurde Petrarca nach eingehender dreitägiger Prüfung unter König Robert des Weisen von Neapel in Rom zum poeta laureatus gekrönt, und das obwohl er noch kein Werk vollendet hatte. Ein Jahr zuvor hatte er zur Verleihung dieses Titels zwei Einladungen erhalten. Eine erreichte ihn aus Paris, die andere aus Rom. Doch nur die in Rom verliehene Auszeichnung, die einherging mit der Magisterwürde, schenkte ihm das römische Bürgerrecht, das ihm persönlich sehr wichtig war.[3]

Zwei Jahre später traf Petrarca in Avignon auf Cola di Rienzo[4], dessen politische Vorstellungen denjenigen Petrarcas zu einem großen Teil entsprachen. Durch Colas Aktionismus entwickelte Petrarca eine starke Bewunderung für den späteren selbsternannten Volkstribunen. Daher reiste der Dichter 1347 nach Italien, um Cola auch öffentlich zu unterstützen. Dies führte jedoch zu einem getrübten Verhältnis zu den Colonna, welche sich gegen Cola aufgrund seiner „heftigen Klagen über den Adel, dessen Rechtsverdrehungen, Räubereien und Morde“[5] gestellt hatten.

Im Alter von 49 Jahren kehrte Petrarca aus der Provence nach Italien zurück, um den Visconti in Mailand zu dienen. Seine Freunde waren entsetzt, den Dichter als Fürstendiener zu sehen. 1361 gab er dann den Dienst unter den Visconti auf und unternahm weitere Reisen nach Padua, Venedig und Pavia. Sieben Jahre darauf ließ Petrarca sich in Arquà nieder, wo er im Jahre 1374 starb.

Das Werk Petrarcas umfasst mehrere Briefsammlungen, Invektiven und sowohl lateinische als auch Dichtungen im Volgare, wobei das lateinische Werk umfassender ist als das italienische. Rund 600 Briefe Petrarcas sind überliefert, zusammengefasst in verschiedenen Sammlungen. Die Familiares (Rerum familiarum libri oder auch Epistolae de rebus familiaribus) umfassen 350 auf 24 Bücher[6] verteilte Briefe an Freunde und Bekannte. Verfasst zwischen 1325 und 1361 wurden sie das erste Mal im Jahre 1366 veröffentlicht. Zusammen mit seinen Seniles (Senilium rerum libri), den ‚Altersbriefen’, die Petrarca ab 1361 verfasste und die aus 125 Briefen in 17 Büchern bestehen, bilden die Familiares eine Einheit. Diese beginnt mit dem Einleitungsbrief der Familiares (Fam. I,1) und endet mit dem an die Nachwelt gerichteten Brief Posteritati der Seniles. Dieser Brief wurde allerdings nie beendet; sein Rückblick reicht nur bis zum Jahre 1352.[7] Die Episteln dieser Sammlungen sind gerichtet an seinen

Bruder Gherardo, an Freunde und Beschützer, Barbato da Sulmona, Giovanni Boccaccio, Giovanni und Giacomo Colonna, an hervorragende Zeitgenossen, an König Robert von Anjou, Kaiser Karl IV., Papst Clemens VI., an Cola di Rienzo; ein besonderer Abschnitt, das 24. Buch der „Familiares“, enthält Briefe an die großen Persönlichkeiten der Antike.[8]

Da die Briefe einen großen Zeitraum umfassen und auch von Petrarca mit Ausnahme der Variae selbst redigiert worden sind, bezeichnet sie Elwert als „eine Lebensgeschichte in Briefen, absichtsvoll als literarisches Werk konzipiert und komponiert, als Ausdruck eines starken Selbstbewußtseins, ein Denkmal dichterischer Ruhmsucht.“[9] Hoffmeister sieht diese Art der Zusammenstellung in der Tradition Ciceros und Homers. Die Sammlungen lassen sich als Pilgerreise zu sich selbst verstehen, aber auch als einen Bericht für die Nachwelt über den Umbruch seiner Zeit.[10] Hoffmeister bemängelt hierbei ihren „Kunstcharakter“[11], da viele nicht abgesandt und „zugunsten eines eleganten klassischen Lateins“[12] stilistisch und inhaltlich von Petrarca überarbeitet worden waren. Aufgrund dieser Konzentration auf die Würde und den Wert des Individuums gelten die Briefe als erstes Zeugnis für die humanistische Einstellung. Zu Petrarcas Ruf als ersten großen Humanisten trugen auch seine umfassenden Kenntnisse der antiken Autoren und seine Bemühungen um die Wiedereinführung des klassischen Lateins bei.[13]

Weitere Briefsammlungen Petrarcas sind die Epistolae metricae, die in Hexametern angefertigt wurden (während alle anderen Briefe in Prosa verfasst sind); die Variae, die aus 65 Episteln bestehen; und die Briefe Sine nomine. Diese wurden zwischen den Jahren 1342 und 1358 niedergeschrieben und sind eine Aufstellung aus 19 polemischen Briefen „gegen die Korruption der Kirche in Avignon im innerkirchlichen, moralischen und politischen Bereich.“[14] Wegen ihres brisanten Inhaltes erschienen sie erst nach Petrarcas Tod, im Jahre 1384, ohne die Namen der Adressaten. Diese musste sich die Forschung mittels mühsamer Untersuchung der Texte selbst erschließen.[15]

Neben seinen Briefen verfasste Petrarca lateinische Dichtungen wie das Epos Africa und das Bucolicum carmen und darüber hinaus eine Reihe von lateinischen Abhandlungen und Invektiven, wie zum Beispiel De viris illustribus, Rerum memorandum libri, Secretum, De remediis, De vita solitaria oder auch De otio religioso. Das italienische Werk Petrarcas besteht nur aus zwei Texten, dem Canzoniere und den Trionfi. Er selbst bezeichnete seine italienischen Gedichte schon zu Lebzeiten als nugae oder nugellae.

Dem widerspricht nicht nur die Bewunderung, die schon die Zeitgenossen dem volkssprachlichen Dichter entgegenbrachten, sondern weit mehr die Unermüdlichkeit, mit der der Autor selbst sich dem Canzoniere widmet. Neun Redaktionen des Gesamtzyklus sind bekannt, deren erste Petrarca um 1338 und deren letzte er noch kurz vor seinem Tod vornahm.[16]

Hierbei muss beachtet werden, dass für Petrarca Latein seine Alltagssprache war, in der er auch Notizen und Anmerkungen verfasste. „Das Italienische hat er nur für seine Dichtung verwendet; nicht eine Zeile in italienischer Prosa ist von ihm erhalten.“[17] Quondam bezeichnet daher den lateinisch schreibenden Petrarca als den Humanisten und den Petrarca, der das Volgare für sich nutzte, als den Dichter.[18] Hoffmeister erkennt in Petrarcas Abneigung gegenüber der Volkssprache dessen Status als Gelehrten der klassischen Literatur. Die lateinische Sprache nämlich öffnete ihm die Tür „zu den Schätzen der Antike und mit ihren Autoren das Modell für die muttersprachige Dichtung.“[19] Nach seiner Meinung entsprang Petrarcas Zweisprachigkeit „dem Wetteifer mit den volkssprachigen Dichtern des Mittelalters [...], vor allem mit den Troubadours und den Stilnovisten“[20] Trotz Petrarcas Missbilligung des Volgare gilt der Canzoniere als sein unbestrittenes Hauptwerk in italienischer Sprache, neben den lateinischen Briefen natürlich. Elwert spricht sich für eine vornehmliche Beschäftigung mit dem italienischen Werk aus, das jedoch nur mit Hilfe der Kenntnis seines Gesamtwerks vollständig erschlossen werden kann. Dennoch behauptet er: „Noch treffender ist die Feststellung, daß erst vom Canzoniere und den „Trionfi“ her ersichtlich wird, was an den lateinischen Dichtungen und Prosaschriften Petrarcas originell ist.“[21]

[...]


[1] Vgl. Winkler 1940: 9.

[2] Hoffmeister 1997: 3.

[3] Vgl. Widmer 2001: 31.

[4] Vgl. Hoffmeister 1997: 5.

[5] Widmer 2001: 42.

[6] Diese Verteilung geschah „nach dem Muster Homers“ (Hoffmeister 1997: 32).

[7] Vgl. Hoffmeister 1997: 35.

[8] Elwert 1980: 174.

[9] Ebd.

[10] Vgl. Hoffmeister 1997: 33.

[11] Ebd.

[12] Ebd.: 32.

[13] Gemäß Hoffmeister gilt Petrarca als erster moderner Mensch aus drei Gründen: „1. das Selbst als Gegenstand seiner Dichtung; 2. die Sorge um den Nachruhm; 3. die Literatur im Zentrum seines Lebens und der gebildeten Gesellschaft.“ (Hoffmeister 1997: 101).

[14] Ebd.: 34.

[15] Einige von ihnen sind an Cola di Rienzo gerichtet, so u.a. die Briefe mit den Nummern 2, 3, 4 und 7 (vgl. Hoffmeister 1997: 34).

[16] Stillers 2007: 65; vgl. hierzu auch Hoffmeister 1997: 86; und Grote 2006: 128.

[17] Elwert 1980: 173.

[18] Vgl. Quondam 2004: 44.

[19] Hoffmeister 1997: 86 f.

[20] Ebd.: 98.

[21] Elwert 1980: 171.

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Die politische Position Petrarcas und die Topoi in seinen Kanzonen "Spirto gentil" und "Italia mia"
Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg  (Institut für Romanistik)
Veranstaltung
Petrarca
Note
3
Autor
Jahr
2010
Seiten
24
Katalognummer
V149028
ISBN (eBook)
9783640595587
ISBN (Buch)
9783640595273
Dateigröße
508 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Petrarca, Mittelalter, Humanismus, Kanzone, Spirto gentil, Italia mia, italienische Politik
Arbeit zitieren
Simone Mihm (Autor), 2010, Die politische Position Petrarcas und die Topoi in seinen Kanzonen "Spirto gentil" und "Italia mia", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/149028

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