Schaut man in den Sportunterricht von heute, so erkennt man schnell, dass Übergewicht, Haltungsschäden, mangelnde koordinative und konditionelle Fähigkeiten, Herzkreislaufschwächen und schwach ausgebildete motorische Fähigkeiten den Alltag prägen. Der Anteil von übergewichtigen und unsportlichen Kindern im Vergleich zu normal gewichtigen Kindern nahm in den letzten Jahren stetig zu. Einfachste motorische Bewegungen wie beispielsweise das Rückwärtslaufen stellt für die Mehrheit der Kinder eine große Herausforderung dar. Das Robert-Koch-Institut hat ermittelt, dass das Übergewicht bei Kindern bis 17 Jahren innerhalb der letzten 20 Jahre um mehr als 50% zugenommen hat. Fast zwei Millionen Kinder sind laut dieser Studie zu dick. Dazu kommt außerdem, dass die Kinder und Jugendlichen zunehmend an Aufmerksamkeitsstörungen, Konzentrationsschwierigkeiten, Unruhe und Aggressivität leiden, da ihnen schlichtweg der sportliche Ausgleich fehlt. Auch in den Medien finden diese Auffälligkeiten immer mehr Beachtung, beschäftigen sich doch Jugendpsychologen im Nachmittagsprogramm vermehrt mit dieser Thematik. Nicht allein diese Tatsache macht deutlich, dass es dringend notwendiger Maßnahmen bedarf. Aber was ist der Auslöser für diesen Missstand? Bei unserem heutigen Wissensstand über Ernährung und gesunde Lebensweise, fragt man sich, warum es zu so einer Negativentwicklung kommen konnte. Welche Rolle spielt hierbei die Bewegungswelt der Kinder? Die weiteren Seiten beschäftigen sich mit der Kindheit der 50er und 60er Jahre im Vergleich zur Heutigen, finden eine Antwort auf die die Frage nach der Veränderung der Kindheit und zeigen die Konsequenzen für den Schulsport auf.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Kindheit in den 50er und 60er Jahren
2.1 Familiäre Lebenswelt in den 50er und 60er Jahren
2.3 Konsequenzen und Folgen früher
3 Kindheit heute
3.1 Familiäre Lebenswelt
3.2 Bewegungswelt
3.3 Konsequenzen und Folgen heute
4 Thesen und Untersuchungen zu Einflussfaktoren
4.1 Zur These: „Medien machen fett“
4.2 Untersuchung zur motorischen Leistungsfähigkeit
5 Konsequenzen für den Schulsport
6 Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht den sozioökonomischen und lebensweltlichen Wandel der Kindheit seit den 1950er Jahren und analysiert dessen Auswirkungen auf den Gesundheitszustand sowie die motorische Leistungsfähigkeit heutiger Kinder, um daraus notwendige Anpassungen für den Schulsport abzuleiten.
- Historischer Vergleich der familiären Lebenswelt und Bewegungsräume.
- Analyse der Folgen veränderter Kindheitsbedingungen (z.B. Übergewicht, motorische Defizite).
- Überprüfung wissenschaftlicher Thesen zu Einflussfaktoren wie Medienkonsum.
- Empirische Einordnung der motorischen Leistungsfähigkeit im Kontext sozialer Variablen.
- Ableitung pädagogischer Konsequenzen für den modernen Sportunterricht.
Auszug aus dem Buch
3.2 Bewegungswelt
Aus dem Wandel der Lebensräume ergaben sich in den letzten Jahren unmittelbare Konsequenzen für das Bewegungsverhalten der Kinder. Das Leben wurde durch die Trennung von Wohnen, Arbeiten, Freizeit, Spielen und Schule zunehmend „verinselt“ was natürlich Auswirkungen auf das Raumerleben der Kinder hat. Kinder nehmen ihre Umwelt heutzutage gar nicht mehr so wahr wie früher, da Wege fast ausschließlich mit dem Auto oder öffentlichen Verkehrsmitteln zurückgelegt werden. Durch die Folgen der Betonsiedlungen wird das Spielen auf der Straße unmöglich, da die dichte Bebauung ebenso wie die Verkehrsdichte als große Gefahr angesehen werden müssen. Kinder von heute erleben ihre Umwelt nicht mehr so wie die Kinder aus den 50er und 60er Jahren. Ihre Erlebnisräume sind dabei jedoch nicht kleiner geworden, lediglich die Art und Weise der Erkundung und Erschließung hat sich geändert (Schmidt, 1993), was zu einer erlebnis- und bewegungsarmen Freizeitgestaltung führt. Das Spielen im Kinderzimmer gewinnt eine immer größere Bedeutung und schafft für die Kinder eine klare räumliche Abgrenzung zu den Eltern.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung thematisiert die Zunahme von Übergewicht und motorischen Defiziten bei Kindern und führt in die Fragestellung nach der Veränderung der Lebenswelten ein.
2 Kindheit in den 50er und 60er Jahren: Dieses Kapitel beschreibt die traditionelle Familienstruktur, die autoritäre Erziehung und die freie Bewegungswelt im damaligen Alltag.
3 Kindheit heute: Das Kapitel analysiert den gesellschaftlichen Wandel, die „Verinselung“ der Lebensräume und die Folgen für die Bewegungssituation und Gesundheit heutiger Kinder.
4 Thesen und Untersuchungen zu Einflussfaktoren: Hier werden wissenschaftliche Thesen, wie die vermeintliche Korrelation von Mediennutzung und Übergewicht, sowie empirische Studien zur motorischen Leistungsfähigkeit kritisch beleuchtet.
5 Konsequenzen für den Schulsport: Basierend auf den festgestellten Defiziten werden didaktische und strukturelle Anpassungsnotwendigkeiten für den Sportunterricht formuliert.
6 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und stellt fest, dass trotz gesundheitlicher Trends noch nicht von einer generellen „Krisenkindheit“ gesprochen werden kann.
Schlüsselwörter
Veränderte Kindheit, Schulsport, motorische Leistungsfähigkeit, Bewegungsarmut, Gesundheitsstatus, Medienkonsum, Familienstruktur, Bewegungserziehung, Sportunterricht, Übergewicht, Sozialisation, Freizeitgestaltung, Kindheitsforschung, körperliche Aktivität, Kindheitswandel.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Transformation der Kindheit von den 1950er Jahren bis heute und den daraus resultierenden Auswirkungen auf die körperliche und motorische Entwicklung von Kindern.
Welche zentralen Themenfelder stehen im Mittelpunkt?
Im Zentrum stehen der Wandel der Familienstrukturen, die Veränderung der räumlichen Bewegungsmöglichkeiten und die Analyse gesundheitlicher sowie motorischer Daten im Vergleich zur Vergangenheit.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Ziel ist es zu klären, wie sich veränderte Lebensbedingungen auf den Gesundheitszustand und die motorische Leistungsfähigkeit von Kindern auswirken und welche Anforderungen sich daraus für den Schulsport ergeben.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Der Autor nutzt Literaturanalysen, den Vergleich empirischer Studien und eine Auswertung von Datenmaterial zur Gesundheit und Motorik von Grundschülern.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in den historischen Vergleich der Kindheit, eine Analyse aktueller Einflussfaktoren wie Medienkonsum und eine Untersuchung motorischer Leistungsfaktoren.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung am besten?
Kernbegriffe sind Kindheitswandel, Bewegungsmangel, motorische Leistungsfähigkeit, Schulsport, Gesundheitsprävention und soziale Einflussfaktoren.
Was besagt die These „Medien machen fett“ laut dieser Untersuchung?
Die Untersuchung kommt zu dem Ergebnis, dass diese pauschale These anhand der vorliegenden Studien derzeit nicht eindeutig wissenschaftlich belegt werden kann.
Wie bewertet der Autor den Einfluss der „Verinselung“ auf die Kinder?
Die „Verinselung“ wird als eine der Hauptursachen für die erlebnis- und bewegungsarme Freizeitgestaltung angesehen, da sie das selbstständige Erschließen der Umwelt durch Kinder behindert.
Welche Konsequenzen leitet der Autor für den Sportunterricht ab?
Es wird eine stärkere Fokussierung auf Bewegungserziehung, motorische Grundfertigkeiten und eine individuelle Betreuung der Schüler in kleineren Klassen gefordert.
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- Florian Schwarze (Author), 2009, Veränderte Kindheit und Konsequenzen für den Schulsport, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/149059