Der aktuelle Arbeitsmarkt in der BRD Arbeitsmarktsegregation und Geschlechterverhältnisse


Hausarbeit (Hauptseminar), 2001

16 Seiten, Note: 2


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Geschlechterdifferenzierung und Grenzziehungen

3. Geschlechtsspezifische Segregation des Arbeitsmarktes
3.1 Segregation, was bedeutet das in diesem Kontext ?
3.2 Darstellung des Arbeitsmarktes
3.2.1 Trennung der Arbeitswelt in Frauen- und Männer-Berufe

4. Entwicklung und Ursache der Arbeitsmarktsegregation

5. Theorien zur Erklärung der geschlechtsspezifischen Segregation
5.1. Akteurorientierter Ansatz
5.2. Strukturorientierter Ansatz

6. Schlußbemerkung

7. Literaturnachweis

1. Einleitung

In der Nachkriegszeit hat eine große Veränderungen in der Erwerbsbeteiligung der Frauen stattgefunden. Die Verteilung der Chancen beim Zugang zu bestimmten Berufsgruppen und die beruflichen Karriereaussichten sind zwischen männlichen und weiblichen Arbeitnehmern ungleich verteilt. Dies kommt zunächst darin zum Ausdruck, daß man von typischen Männerberufen und typischen Frauenberufen spricht. Auch heute noch besetzen eher Männer die technischen Berufe und Frauen soziale und Dienstleistungsberufe. Heute haben sich Frauen aber mit der Zeit Berufsfelder erschlossen, die traditionell nur Männer vorbehalten waren. Diese Verschiebung von Berufsfeldern ist jedoch nur vordergründig als Verbesserung für die Stellung der Frau auf dem Arbeitsmarkt zu sehen. Die Hierarchieebenen bestehen nach wie vor. Vereinzelt finden Verschiebungen statt, doch in leitenden Positionen sind Frauen nach wie vor selten zu finden.

Im Folgenden möchte ich unter anderem folgende Fragen klären: Gibt es typische Frauenberufe bzw. Männerberufe? Warum existiert trotz Angleichung der Bildungschancen und steigender weiblichen Erwerbsquote immer noch eine Arbeitsmarktsegregation ? Was sind die Gründe für eine Arbeitsmarktsegregation und sind sie wirklich vorhanden ? Werden durch Überschreitungen der Grenzen gesellschaftliche Differenzen in Hinsicht der gesellschaftlichen Berufszuordnung aufgehoben oder kommt es erst recht zu einer Betonung der Grenzen ?

2. Geschlechterdifferenzierung und Grenzziehungen

Die soziale Ordnung wird über die Grenzziehung hergestellt. Ordnungen entstehen, indem Personen, Dinge und Handlungen separiert und auf spezialisierte soziale Räume verwiesen werden. Nach Michéle Lamont existieren Grenzen aber nicht nur in Form kognitiver Klassifikationsmuster in den Köpfen der Handelnden, sie werden stabilisiert durch praktisches Handeln und sind verfestigt in sozialen Strukturen.

Es existiert kein Zweifel, dass Grenzen durch praktisches Handeln permanent reproduziert werden müssen und gleichzeitig in Strukturen verfestigt sind, die das Handeln mediatisieren und gezielt lenken. Grenzziehungen produzieren Identität und sind gleichzeitig eine wesentliche Bedingung für Ungleichheit. Die Separierung der Menschen in unterschiedliche soziale Gruppen vermittelt auf der einen Seite ein Zusammengehörigkeitsgefühl und ist insofern Basis für die Bildung von Identitäten, auf der anderen Seite ist sie eine triviale aber gleichzeitig auch basale Voraussetzung für Ungleichheiten.

Männer und Frauen haben in unserer Gesellschaft different zu sein. Angleichungen und Überschreitungen der Grenzen werden durch symbolische oder räumliche Markierungen versucht, wieder sichtbar zu machen. Die Geschlechterdifferenz erscheint uns oft als naturgegeben. Hatmann Tyrell (1989) vermerkt, das geschlechtliche Differenzierung ein kulturell höchst voraussetzungsvoller Klassifikationsprozess ist. Das angeborene Geschlecht kann als Vorgaben bzw. als ein Anhaltspunkt für die soziale Differenzierung genutzt werden, es ist aber nicht zwingend. Die Entstehung und der Ausbau der geschlechtlichen Arbeitsteilung ist eine kulturelle Option, kein biologischer Zwang. Demzufolge ist es wichtig festzuhalten, das die körperliche Differenz nicht die Ursache für soziale Differenzierung ist, sondern primär für die Rechtfertigung dieser Differenzierung dient.

Die geschlechtliche Differenzierung macht aus einem kleinen Unterschied eine große Unterscheidung. Ein sehr gutes Beispiel, für die Verdeutlichung der angesprochen großen Unterscheidung, ist die geschlechtsspezifische Segregation des Arbeitsmarktes. Die Vorstellung, dass nicht nur die Arbeitenden ein Geschlecht haben, sondern auch die Arbeit geschlechtlich geprägt ist, wurde durch die Frauenforschung gefördert. Die geschlechtsspezifische Arbeitsmarktstrukturen und betriebliche Personaleinsatzformen sind demnach nicht einfach Ausdruck ökologisch zweckrationaler Verteilungen von Personen auf unterschiedliche Berufe und Tätigkeiten, sondern muss als Resultat komplexer Definitions- und geschlechtsspezifischer Zuweisungsprozesse von Arbeit und Qualifikation durch die beteiligten Akteure gesehen werden. Die Zweigeschlechtlichkeit ist hierbei natürlich ein wichtiger Faktor, der nicht vergessen werden darf. Zum Abschluss dieses kleinen Exkurs möchte ich daran erinnern, dass das Geschlecht weniger etwas ist, was Personen im Sinn einer Eigenschaft haben, als vielmehr etwas, was Personen im Kontext von Interaktionen herstellen. Das Geschlecht drückt sich demnach in Gesten, Haltungen und vor allem durch die berufliche Tätigkeit und Berufsdefinition aus.

3. Geschlechtsspezifische Segregation des Arbeitsmarktes

3.1 Segregation, was bedeutet das in diesem Kontext ?

Das Wort Segregation wird im Fremdwörterbuch wie folgt erklärt: „Absonderung einer Menschengruppe aus gesellschaftlichen, eigentumsrechtlichen oder räumlichen Gründen. Segregieren heißt absondern bzw. abspalten oder trennen.

Die geschlechtsspezifische Segregation des Arbeitsmarktes ist ein zentraler Mechanismus, um die Geschlechter separat zu halten und aus Gleichen Ungleiche zu machen. Die Aufteilung des Arbeitsmarktes in Männer- und Frauenberufe hält die beiden Geschlechter physisch und sozial auseinander. Sie übersetzt Differenz in Ungleichheit und produziert gleichzeitig ihre eigene Rechtfertigung. Es werden damit berufliche Grenzen gezogen. Es existieren zwei Arten von Grenzen mit denen Frauen und Männer in gegengeschlechtlichen Berufen konfrontiert werden können. Zum einem gibt es die Grenzen, die in soziale Strukturen gefasst sind. Zum anderen die Grenzen, die im Rahmen praktischen Handelns durch das Umfeld (Kollegen, Klienten, Vorgesetzte) gesetzt werden. Die strukturelle Grenze wird durch betriebliche Regelungen und Bewertungskriterien gezogen, die für ein Geschlecht gebildet wurden, nämlich dem männlichen Geschlecht. Daraus lässt sich schließen, dass organisatorische Strukturen in der Regel nicht geschlechtsneutral, sondern für das männliche Geschlecht zugeschnitten werden.

Die Arbeitsmarktsegregation kann unterschieden werden in horizontale Segregation und vertikaler Segregation. Die horizontale Segregation unterscheidet nach unterschiedlichen Arbeitsbereichen und die vertikale Segregation separiert nach unterschiedlicher Qualifikation, beruflicher Stellung oder Einkommen.

[...]

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Der aktuelle Arbeitsmarkt in der BRD Arbeitsmarktsegregation und Geschlechterverhältnisse
Hochschule
Universität Potsdam  (Fachbereich Sozologie)
Veranstaltung
Soziologie der Geschlechterverhältnisse
Note
2
Autoren
Jahr
2001
Seiten
16
Katalognummer
V14908
ISBN (eBook)
9783638201872
Dateigröße
498 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Semesterarbeit Hauptstudium
Schlagworte
Arbeitsmarkt, Arbeitsmarktsegregation, Geschlechterverhältnisse, Soziologie, Geschlechterverhältnisse
Arbeit zitieren
Alexandra Stöhr (Autor)A. Stöhr (Autor), 2001, Der aktuelle Arbeitsmarkt in der BRD Arbeitsmarktsegregation und Geschlechterverhältnisse, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/14908

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