In der Nachkriegszeit hat eine große Veränderungen in der Erwerbsbeteiligung der Frauen stattgefunden. Die Verteilung der Chancen beim Zugang zu bestimmten Berufsgruppen und die beruflichen Karriereaussichten sind zwischen männlichen und weiblichen Arbeitnehmern ungleich verteilt. Dies kommt zunächst darin zum Ausdruck, daß man von typischen Männerberufen und typischen Frauenberufen spricht. Auch heute noch besetzen eher Männer die technischen Berufe und Frauen soziale und Dienstleistungsberufe. Heute haben sich Frauen aber mit der Zeit Berufsfelder erschlossen, die traditionell nur Männer vorbehalten waren.
Diese Verschiebung von Berufsfeldern ist jedoch nur vordergründig als Verbesserung für die Stellung der Frau auf dem Arbeitsmarkt zu sehen. Die Hierarchieebenen bestehen nach wie vor. Vereinzelt finden Verschiebungen statt, doch in leitenden Positionen sind Frauen nach wie vor selten zu finden.
Im Folgenden möchte ich unter anderem folgende Fragen klären: Gibt es typische Frauenberufe bzw. Männerberufe? Warum existiert trotz Angleichung der Bildungschancen und steigender weiblichen Erwerbsquote immer noch eine Arbeitsmarktsegregation? Was sind die Gründe für eine Arbeitsmarktsegregation und sind sie wirklich vorhanden? Werden durch Überschreitungen der Grenzen gesellschaftliche Differenzen in Hinsicht der gesellschaftlichen Berufszuordnung aufgehoben oder kommt es erst recht zu einer Betonung der Grenzen?
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Geschlechterdifferenzierung und Grenzziehungen
3. Geschlechtsspezifische Segregation des Arbeitsmarktes
3.1 Segregation, was bedeutet das in diesem Kontext ?
3.2 Darstellung des Arbeitsmarktes
3.2.1 Trennung der Arbeitswelt in Frauen- und Männer-Berufe
4. Entwicklung und Ursache der Arbeitsmarktsegregation
5. Theorien zur Erklärung der geschlechtsspezifischen Segregation
5.1. Akteurorientierter Ansatz
5.2. Strukturorientierter Ansatz
6. Schlußbemerkung
7. Literaturnachweis
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die anhaltende geschlechtsspezifische Segregation auf dem deutschen Arbeitsmarkt trotz zunehmender Bildungsgleichheit. Ziel ist es, die Mechanismen hinter der Aufteilung in Frauen- und Männerberufe zu identifizieren sowie die theoretischen Erklärungsansätze für diese strukturelle Ungleichheit zu analysieren.
- Analyse der historischen und aktuellen Entwicklung von Arbeitsmarktsegregation.
- Untersuchung der Trennung zwischen Männer- und Frauenberufen.
- Darstellung und kritische Würdigung akteurorientierter Erklärungsansätze.
- Evaluierung strukturorientierter Ansätze unter Berücksichtigung sozialer Kontrolle.
- Diskussion der Auswirkungen auf die Chancengleichheit und berufliche Entwicklung.
Auszug aus dem Buch
3.2.1. Trennung der Arbeitswelt in Frauen- und Männer -Berufe
Als alternative Darstellungsform der Arbeitsmarktsegregation können Berufskategorien entsprechend ihrer Geschlechterdominanz herangezogen werden. Unter Heranziehung dieser Berufskategorien lässt sich folgendes Bild der Frauenerwerbstätigkeit nachzeichnen:
• Zwei Drittel der Frauen (67,4%) arbeiten in Frauenberufen, d. h. in Berufen, in denen der Frauenanteil über 50% liegt. Der Kernbereich der segregierten Frauenberufe beinhaltet Berufe, die auch im alltäglichen Sprachgebrauch als Frauenberufe bezeichnet werden, wie Verkäuferinnen, Sekretärinnen, Buchhalterinnen, Lehrerinnen, Friseurinnen, Kellnerinnen, Reinigungskräfte oder Kassiererinnen. Alle Frauenberufe gehören zur Gruppe der Dienstleistungsberufe.
• In den Männerberufen (mehr als 70% Männeranteil) sind nur noch 8% der Frauen beschäftigt, aber die Hälfte der Männer. Sie umfassen Handwerks- und verwandte Berufe im Produktionsbereich, Hilfsarbeiterinnen im Baugewerbe und technische, höhere und leitende Bedienstete in Privatwirtschaft und Verwaltung. Die stark segregierten Männerberufe, in denen der Frauenanteil unter 10% liegt, gehören vorwiegend dem Produktionsbereich an.
Es existiert ein Kernbereich der Frauenbeschäftigung. Frauen und Männer sind nicht nur auf unterschiedliche Berufe verteilt, sondern der Bereich, auf den sich die Frauenberufe konzentrieren, ist auch wesentlich kleiner als jener der Männer.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung thematisiert den Wandel der weiblichen Erwerbsbeteiligung und stellt die Forschungsfrage nach den Ursachen und der Persistenz der Arbeitsmarktsegregation.
2. Geschlechterdifferenzierung und Grenzziehungen: Dieses Kapitel erläutert, wie soziale Grenzen und Geschlechterdifferenzen durch praktisches Handeln und strukturelle Klassifikationen permanent reproduziert werden.
3. Geschlechtsspezifische Segregation des Arbeitsmarktes: Hier werden Definitionen von Segregation sowie die Unterscheidung zwischen horizontaler und vertikaler Segregation auf dem Arbeitsmarkt analysiert.
4. Entwicklung und Ursache der Arbeitsmarktsegregation: Das Kapitel untersucht, warum ökonomische Modernisierung nicht automatisch zum Abbau von Differenzierung führt und welche Rolle symbolische Grenzziehungen spielen.
5. Theorien zur Erklärung der geschlechtsspezifischen Segregation: Es erfolgt eine Gegenüberstellung akteurorientierter Modelle (Sozialisation, Humankapital) sowie strukturorientierter Ansätze zur Erklärung der Berufswahl.
6. Schlußbemerkung: Die Arbeit schließt mit dem Fazit, dass soziale Schließungsprozesse hartnäckig bleiben, obwohl Frauen heute materiell unabhängiger agieren können.
7. Literaturnachweis: Verzeichnis der verwendeten wissenschaftlichen Quellen und weiterführenden Ressourcen.
Schlüsselwörter
Arbeitsmarktsegregation, Geschlechterverhältnisse, Frauenberufe, Männerberufe, Humankapitaltheorie, Sozialisationstheorie, horizontale Segregation, vertikale Segregation, Erwerbsbeteiligung, soziale Kontrolle, geschlechtsspezifische Arbeitsteilung, berufliche Integration, Chancengleichheit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die Strukturen des aktuellen deutschen Arbeitsmarktes mit Fokus auf die geschlechtsspezifische Trennung von Berufsfeldern.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Themen umfassen die Entstehung von Frauen- und Männerberufen, theoretische Erklärungsmodelle zur Berufswahl und die Persistenz von Geschlechterhierarchien.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es zu ergründen, warum trotz steigender Bildungschancen der Frauen weiterhin eine signifikante Segregation auf dem Arbeitsmarkt existiert.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden angewendet?
Die Arbeit nutzt eine theoretische Literaturanalyse sowie die Auswertung soziologischer Konzepte zur Erklärung geschlechtsspezifischer Zuweisungsprozesse.
Welche Aspekte werden im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der Definition von Segregation, der Darstellung von Berufsgruppen und dem Vergleich von Akteur- und Strukturmodellen.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Die wichtigsten Schlagworte sind Arbeitsmarktsegregation, Geschlechterverhältnisse, horizontale und vertikale Segregation sowie soziale Kontrolle.
Was besagt der "Drehtüreneffekt" laut dem strukturorientierten Ansatz?
Der Drehtüreneffekt beschreibt, dass die Ziffer der Personen, die einen untypischen Beruf wählen, fast identisch mit der Ziffer derjenigen ist, die diesen Bereich wieder verlassen, was den Segregationsabbau behindert.
Wie unterscheidet sich die Humankapitaltheorie von der Sozialisationstheorie?
Während die Sozialisationstheorie den Schwerpunkt auf die Verinnerlichung von Normen in der Kindheit legt, betont die Humankapitaltheorie eine rationale Kosten-Nutzen-Kalkulation der individuellen Lebensplanung.
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- Alexandra Stöhr (Author), A. Stöhr (Author), 2001, Der aktuelle Arbeitsmarkt in der BRD Arbeitsmarktsegregation und Geschlechterverhältnisse, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/14908