Der erste Schwerpunkt der vorliegenden Arbeit ist die Darstellung der biografischen Verläufe von hochbegabten Underachievern der Jahrgänge 2003/2004 und 2004/2005 von der Primarstufe bis heute. Die Daten wurden anhand von telefonischen Interviews ermittelt. Die Untersuchungsgruppe bestand aus 16 hochbegabten Underachievern, von denen die Erreichbarkeiten vorlagen.
In Anlehnung an die Ergebnisse der Studie von Stephan Schumann, wurden die Befunde analysiert und interpretiert. Schumann ermittelte die biografischen Verläufe von Jugendlichen, die eine berufsvorbereitende Maßnahme bei der bbw Berufsvorbereitungs- und Ausbildungsgesellschaft mbH absolvierten, interpretierte diese und typisierte deren Werdegänge. Bei der Typisierung legte er den Fokus überwiegend auf den Verbleib der Jugendlichen nach der berufsvorbereitenden Maßnahme (MDQM I).
Die erste zentrale Fragestellung dieser Arbeit lautet: Unterscheiden sich die Lebensläufe der hochbegabten Underachiever stark von den Werdegängen der Jugendlichen in Schumanns Studie? Es wird erwartet, dass die hochbegabten Underachiever aufgrund ihrer Spezifik frühzeitiger Brüche in ihren Werdegängen aufweisen aber bei entsprechender Förderung, die sie bei MDQM erhalten, gute Ergebnisse erzielen können. Im Zusammenhang mit dieser Fragestellung werden die möglichen Ursachen für die Minderleistungen diskutiert. Von besonderem Interesse sind die Tätigkeiten nach MDQM I. Es wird aufgezeigt, ob die Maßnahme ihnen den Eintritt in den Arbeitsmarkt ermöglicht hat.
Der zweite Schwerpunkt der Arbeit ist die Erforschung, mit welchen Empfindungen die hochbegabten Underachiever ihrer Zukunft entgegen gehen. Als Grundlage dienen die Ergebnisse der Shell Studie von 2006. Die Zukunftserwartungen und Ängste der Jugendlichen wurden ebenfalls mit Hilfe telefonischer Interviews ermittelt, welche mit Hilfe eines Fragebogens geführt wurden. Die zweite zentrale Fragestellung lautet somit: Sind die befragten hochbegabten Underachiever hinsichtlich ihrer Zukunft besorgter und ängstlicher als normal begabte Jugendliche, die weniger problematische Lebensläufe aufweisen?
Inhaltsverzeichnis
1. Das berufsbildende System
1.2 Berufsvorbereitungslehrgänge
1.2.1 Vollzeitlehrgang für Arbeitslose (VZ11)
1.2.2 Modulare- Duale- Qualifizierungsmaßnahme Stufe I (MDQM I)
1.2.3 Berufsbefähigender Lehrgang (BB 10)
1.2.4 Einjährige Berufsfachschule (OBF 1)
1.3 Die Berufsausbildung
1.3.1 Betriebliche Ausbildung
1.3.2 Verbundausbildung
1.3.3 Außerbetriebliche Ausbildung
1.3.4 Modulare- Duale- Qualifizierungsmaßnahme Stufe II (MDQM II)
1.3.5 Ausbildung in Berufsfachschulen
1.4 Ausbildungsmarktchancen
2. Biografische Verläufe der Berufsvorbereitungsschüler
2.1 Askriptive, soziokulturelle und biografische Merkmale
2.2 Teilverläufe von der Primarstufe bis zu MDQM I
2.2.1 Primarstufe
2.2.2 Sekundarstufe I
2.2.3 Übergang in den berufsbildenden Bereich
2.2.4 Typisierung der Verläufe der Jugendlichen nach MDQM I
2.3 Zusammenfassung
3. Shell Studie
3.1 Lebensphase Jugend
3.2 Stellung der Familie
3.3 Bedeutung der sozialen Herkunft
3.4 Ängste der Jugendlichen
3.5 Freizeitverhalten
3.6. Zusammenfassung
4. Hochbegabung und Underachievement
4.1 Hochbegabung
4.1.1 Definitionen von Hochbegabung
4.1.1.1 Intelligenz
4.1.1.2 Begabung
4.1.2 Diagnostik von Hochbegabten
4.1.2.1 Erfassung der intellektuellen Fähigkeiten
4.1.2.2 Weitere Identifikationsmöglichkeiten
4.1.3 Grenzen der Hochbegabung
4.1.4 Hochbegabung - angeboren oder erworben?
4.2 Hochbegabte Underachiever
4.2.1 Definition von Underachievement
4.2.2 Ursachen für Underachievement
5. Untersuchung: Hochbegabte Underachiever bei MDQM Berlin
5.1 Untersuchungsdesign
5.1.1 Beschreibung der Untersuchungsgruppe
5.1.2 Erhebungsinstrument
5.1.3 Auswertung
6. Darstellung der biografischen Verläufe
6.1 Schüler Ernst
Auswertung des biografischen Verlaufs von Ernst
6.2 Schülerin Franziska
Auswertung des biografischen Verlaufs von Franziska
6.3 Schüler Lars
Auswertung des biografischen Verlaufs von Lars
6.4 Schüler Norman
Auswertung des biografischen Verlaufs von Norman
6.5 Schülerin Carla
Auswertung des biografischen Verlaufs von Carla
6.6 Schüler Dennis
Auswertung des biografischen Verlaufs von Dennis
6.7 Schüler Michael
Auswertung des biografischen Verlaufs von Michael
6.8 Schüler Olaf
Auswertung des biografischen Verlaufs von Olaf
6.9 Zusammenfassung der biografischen Verläufe der befragten Jugendlichen
6.10 Zusammenfassung
7. Auswertung der Fragebögen
7.1 Lebensphase Jugend
7.2 Soziale Stellung der Familie
7.3 Bedeutung der sozialen Herkunft
7.4 Ängste der Jugendlichen
7.5 Freizeitverhalten der Jugendlichen
7.6 Zusammenfassung
8. Schlussbetrachtungen
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht hochbegabte Underachiever im Berliner Modellprojekt MDQM, um ihre biografischen Werdegänge sowie ihre Zukunftserwartungen und Ängste zu analysieren. Dabei wird der Frage nachgegangen, inwiefern sich diese Jugendlichen von normal begabten Schülern in berufsvorbereitenden Maßnahmen unterscheiden und welche Faktoren ihre schulische und berufliche Entwicklung maßgeblich beeinflussen.
- Biografische Verläufe von hochbegabten Underachievern von der Primarstufe bis zur beruflichen Integration.
- Analyse von Ursachen für Minderleistungen bei hoher kognitiver Begabung.
- Vergleich der Zukunftsängste von Underachievern mit den Ergebnissen der Shell Jugendstudie.
- Evaluation der Wirksamkeit von berufsvorbereitenden Maßnahmen (MDQM) für diese spezielle Klientel.
- Rolle von Elternhaus, Peers und Persönlichkeitsmerkmalen bei der Leistungsentwicklung.
Auszug aus dem Buch
4.1.2 Diagnostik von Hochbegabten
Eine Problematik ist die Identifikation der Hochbegabten. Sie fallen nicht immer durch herausragende Fähigkeiten auf sondern haben oft Schwierigkeiten, ihre Talente zu zeigen und ihre Fähigkeiten einzusetzen. Aus diesem Grund werden sie häufig nicht erkannt und nicht nach ihren intellektuellen Fähigkeiten gefördert. Um dieses Desaster zu umgehen ist es von Vorteil, wenn Lehrer auffällige Kinder zu einem Psychologen schicken, bei dem ein Intelligenztest durchgeführt werden kann. Ich denke, es ist weniger schlimm zu früh einen Test anzuordnen als zu spät, weil die Karrieren der Betroffenen auf dem Spiel stehen. Die nächsten beiden Abschnitte beschäftigen sich mit der Identifikation. Das Kapitel 4.1.2.1 erläutert den Intelligenztest und das Kapitel 4.1.2.2 weitere Möglichkeiten, die der Diagnostik dienen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Das berufsbildende System: Erläutert die Strukturen der Berufsvorbereitung und Berufsausbildung in Deutschland, insbesondere für Jugendliche ohne Schulabschluss oder mit Startschwierigkeiten.
2. Biografische Verläufe der Berufsvorbereitungsschüler: Fasst die Ergebnisse der Schumann-Studie zu den Werdegängen von Jugendlichen in berufsvorbereitenden Maßnahmen zusammen.
3. Shell Studie: Analysiert die Situation der jungen Generation in Deutschland basierend auf der Shell Jugendstudie, um Vergleichswerte zu Zukunftsansichten und Ängsten zu erhalten.
4. Hochbegabung und Underachievement: Definiert die Begriffe Hochbegabung und Underachievement und beleuchtet die Ursachen für Minderleistungen sowie diagnostische Ansätze.
5. Untersuchung: Hochbegabte Underachiever bei MDQM Berlin: Beschreibt das methodische Vorgehen bei der Befragung der 16 identifizierten hochbegabten Underachiever.
6. Darstellung der biografischen Verläufe: Präsentiert die individuellen Zeitstrahlen und biografischen Analysen der acht befragten Jugendlichen.
7. Auswertung der Fragebögen: Vergleicht die Ergebnisse der Befragungen zur Lebenssituation, Ängsten und Zukunftsansichten mit den theoretischen Grundlagen und der Shell Studie.
8. Schlussbetrachtungen: Fasst die zentralen Erkenntnisse der Arbeit zusammen und beantwortet die eingangs gestellten Forschungsfragen zur Situation hochbegabter Underachiever.
Schlüsselwörter
Hochbegabung, Underachievement, Berufsvorbereitung, MDQM, Bildungsbiografie, Schulabsentismus, Intelligenztest, Identifikation, Leistungsversagen, soziale Herkunft, Zukunftsängste, Persönlichkeitsentwicklung, Berufsintegration, Jugendforschung, pädagogische Diagnostik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Situation hochbegabter Jugendlicher, die in der Schule deutlich unter ihren intellektuellen Möglichkeiten bleiben, sogenannten „hochbegabten Underachievern“, und deren Verlauf in berufsvorbereitenden Maßnahmen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Themen sind der biografische Verlauf von der Grundschule bis in die berufliche Qualifizierung, die Identifikation von Hochbegabung, die Ursachen für Minderleistungen sowie die Ängste und Zukunftsansichten der Betroffenen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Hauptziel ist es, aufzuzeigen, dass auch hochbegabte Jugendliche aufgrund mangelnder Förderung und biographischer Brüche in schulischen oder beruflichen Situationen scheitern können und wie sich diese Prozesse im Vergleich zu normal begabten Jugendlichen gestalten.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Untersuchung basiert auf einem qualitativen Forschungsdesign, welches problemzentrierte Telefoninterviews und narrative Elemente nutzt, um die persönlichen Werdegänge der Jugendlichen zu rekonstruieren und zu interpretieren.
Welche Faktoren werden als Hauptursachen für das Underachievement identifiziert?
Die Arbeit identifiziert ein komplexes Zusammenspiel aus Schule (fehlende Förderung, mangelnde Passung), Familie (mangelnde Unterstützung, Erziehungsstil), Peers (negativer Einfluss durch Gleichaltrige) und Persönlichkeitsfaktoren (fehlende Motivation, Leistungsängste).
Welche Eigenschaften charakterisieren die untersuchten Underachiever?
Sie weisen trotz hoher kognitiver Kapazitäten (IQ über 126) Probleme in der schulischen Leistungserbringung auf, neigen zu Schulabsentismus und fühlen sich in Bildungsinstitutionen oft nicht ausreichend individuell gefördert oder verstanden.
Inwiefern unterscheiden sich die Lebensläufe der Probanden von denen in der Schumann-Studie?
Überraschenderweise zeigen die hochbegabten Underachiever ein höheres Durchhaltevermögen bei berufsvorbereitenden Maßnahmen als die normal begabten Vergleichsgruppen, auch wenn der Übergang in den regulären Arbeitsmarkt weiterhin schwierig bleibt.
Wie reagieren hochbegabte Underachiever auf die Unterforderung im Unterricht?
Die Reaktionen reichen von Langeweile und Resignation bis hin zu aktivem Schulabsentismus (Schwänzen), wobei sie den Unterricht oft als inhaltlich uninteressant oder demotivierend empfinden.
Gibt es einen Zusammenhang zwischen dem sozialen Hintergrund und dem Erfolg?
Die Arbeit stellt fest, dass der soziale Hintergrund zwar eine Rolle spielt, jedoch auch Jugendliche aus nicht-bildungsfernen Schichten durch biographische Brüche und fehlende Begleitförderung den Anschluss verlieren können.
- Quote paper
- Yvonne Biedermann (Author), 2007, Hochbegabte Underachiever, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/149091