Banken sind gewinnorientierte Unternehmen, die sich in ihrer Rechnungslegungspolitik auch am Shareholder-Value-Gedanken ausrichten. Da der Bankensektor als einer der bedeutendsten Wirtschaftsbereiche jedoch besonderen Regularien und Aufsichtsinstanzen unterliegt, ist die Anzahl der rechnungslegungspolitischen Instrumente begrenzt. Ziel der Arbeit ist das Aufzeigen von Möglichkeiten eines bezüglich der bankpolitischen Oberziele optimalen Einsatzes der rechnungslegungspolitischen Instrumente im bereich der Kreditrisikovorsorge nach dem Handelsgesetzbuch (HGB) und den International Financial Reporting Standards (IFRS) unter Berücksichtigung der bankaufsichtsrechtlichen Bestimmungen nach Basel II. Beleuchtet werden nicht nur theoretische Aspekte, sondern darüber hinaus auch die Praxisrelevanz der dargestellten Ansatzmöglichkeiten. Zu diesem Zweck wurde eine empirische Untersuchung der Geschäftsberichte über einen 10-Jahreszeitraum von zwölf ausgewählten Kreditinstituten durchgeführt.
Inhaltsverzeichnis
1 Problemstellung und Gang der Untersuchung
2 Unternehmensziele der Kreditinstitute in Deutschland
2.1 Rentabilität als bankpolitisches Oberziel
2.1.1 Eigenkapitalrentabilität als Zielgröße der Rentabilitätssteuerung
2.1.2 Eigenkapitalrentabilität der deutschen Kreditinstitute im nationalen und internationalen Vergleich
2.1.3 Determinanten der Kennzahl Eigenkapitalrentabilität
2.2 Liquidität als bankpolitisches Oberziel
2.2.1 Bedeutung der Liquidität für den Geschäftsbetrieb der Kreditinstitute
2.2.2 Determinanten der Zielgröße Liquidität
3 Rechnungslegungsvorschriften und bankaufsichtsrechtliche Bestimmungen zur Kreditrisikovorsorge der Kreditinstitute
3.1 Rechnungslegungsvorschriften zur Kreditrisikovorsorge nach dem HGB
3.1.1 Allgemeine Grundsätze
3.1.2 Einzelwertberichtigungen
3.1.3 Unversteuerte und versteuerte Pauschalwertberichtigungen
3.2 Rechnungslegungsvorschriften zur Kreditrisikovorsorge nach den IFRS
3.2.1 Allgemeine Grundsätze
3.2.2 Wertberichtigung auf Ebene einzelner Forderungen
3.2.3 Wertberichtigung auf Portfolioebene
3.3 Bankaufsichtsrechtliche Bestimmungen zur Kreditrisikoermittlung
3.3.1 Allgemeine Grundsätze
3.3.2 Kreditrisikoermittlung nach den Standardansätzen
3.3.3 Kreditrisikoermittlung nach den IRB-Ansätzen
4 Möglichkeiten einer optimal gestalteten Kreditrisikovorsorge im Hinblick auf die bankpolitischen Oberziele
4.1 Kreditrisikovorsorge als Instrument zur Beeinflussung der Rentabilität
4.1.1 Gestaltungs- und Darstellungsmöglichkeiten für die Kreditrisikovorsorge im HGB- und IFRS-Abschluss
4.1.2 Erzielung von Nutzungsvorteilen im Rahmen von Basel II
4.1.3 Synergieeffekte durch Nutzung einer gemeinsamen Datengrundlage
4.1.4 Bedeutung der Kreditrisikovorsorge als rechnungslegungspolitisches Instrument für die deutschen Kreditinstitute
4.2 Kreditrisikovorsorge als Instrument zur Beeinflussung der Liquidität
5 Kritische Würdigung und Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Ziel dieser Arbeit ist die Analyse der Möglichkeiten, die Kreditrisikovorsorge gemäß HGB und IFRS unter Berücksichtigung von Basel II als rechnungslegungspolitisches Instrument zur Erreichung bankpolitischer Unternehmensziele, insbesondere Rentabilität und Liquidität, optimal einzusetzen.
- Analyse der bankpolitischen Oberziele Rentabilität und Liquidität
- Gegenüberstellung von HGB- und IFRS-Vorschriften zur Kreditrisikovorsorge
- Untersuchung bankaufsichtsrechtlicher Bestimmungen (Basel II) zur Risikoermittlung
- Beurteilung der Kreditrisikovorsorge als Instrument zur Ertrags- und Ergebnissteuerung
- Empirische Untersuchung der Praxis anhand ausgewählter Kreditinstitute
Auszug aus dem Buch
4.1.1 Gestaltungs- und Darstellungsmöglichkeiten für die Kreditrisikovorsorge im HGB- und IFRS-Abschluss
Wie in den vorherigen Abschnitten bereits angedeutet, bestehen sowohl im HGB- als auch IFRS-Abschluss für die Kreditinstitute zahlreiche Ermessensspielräume bezüglich der Ausgestaltung der Kreditrisikovorsorge, die allerdings in den beiden Rechenwerken unterschiedlich stark ausgeprägt sind. So wird das Institut bei einer sehr guten Ertragslage versuchen, allen nur geringfügig erkennbaren Ausfallrisiken Rechnung zu tragen, die unter Umständen bei einem schlechten Jahresergebnis Gewinn erhöhend wieder aufgelöst werden können. Somit kann eine Glättung vorgenommen werden, was dem bankpolitischen Ziel der relativen Gewinn- und Dividendenkontinuität und damit der Attraktivität für potenzielle Investoren entgegenkommt.
Eine erhebliche bilanzpolitische Manövriermasse im deutschen Handelsrecht bietet der § 340 f HGB. Je nach Ertragslage des Kreditinstituts können die versteuerten stillen Reserven nach § 340 f HGB gebildet oder aufgelöst werden, ohne dass dies für einen Außenstehenden erkennbar ist. Das Ergebnisregulierungspotenzial ist zwar auf 4% des Bestandes an Forderungen und Wertpapieren der Liquiditätsreserve gesetzlich begrenzt, die Kreditinstitute haben allerdings die Möglichkeit, den Wertpapierbestand soweit wie möglich als Wertpapiere der Liquiditätsreserve zu deklarieren, um so eine möglichst hohe Bezugsbasis für die Legung von Vorsorgereserven zu schaffen. Da die Zuordnung weitestgehend im Ermessen der Bank liegt, kann der Handelsbestand somit auf ein dem Abschlussprüfer und dem Bundesaufsichtsamt gegenüber angemessenes Minimum reduziert werden und eine grundsätzliche Zuordnung zum Umlaufvermögen statt zum Anlagevermögen vorgenommen werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Problemstellung und Gang der Untersuchung: Einführung in die Thematik der Kreditrisikovorsorge als Instrument der Unternehmenssteuerung und Festlegung der Zielsetzung der Arbeit.
2 Unternehmensziele der Kreditinstitute in Deutschland: Erörterung der Rentabilität und Liquidität als bankpolitische Oberziele und deren Determinanten.
3 Rechnungslegungsvorschriften und bankaufsichtsrechtliche Bestimmungen zur Kreditrisikovorsorge der Kreditinstitute: Detaillierte Darstellung der regulatorischen Rahmenbedingungen nach HGB, IFRS und Basel II.
4 Möglichkeiten einer optimal gestalteten Kreditrisikovorsorge im Hinblick auf die bankpolitischen Oberziele: Analyse der Kreditrisikovorsorge als rechnungslegungspolitisches Instrument zur Beeinflussung von Rentabilität und Liquidität sowie Synergiepotenziale.
5 Kritische Würdigung und Schlussbetrachtung: Synthese der Untersuchungsergebnisse und Fazit zur Bedeutung der Kreditrisikovorsorge für verschiedene Bankengruppen.
Schlüsselwörter
Kreditrisikovorsorge, Rentabilität, Liquidität, HGB, IFRS, Basel II, Eigenkapitalrentabilität, Risikomanagement, Jahresabschlusspolitik, Ergebnisglättung, Forderungsbewertung, Bankaufsicht, Risikoberichterstattung, Solvabilitätsverordnung, Wertberichtigung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Kreditrisikovorsorge bei Kreditinstituten aus rechnungslegungspolitischer Sicht, wobei der Fokus auf dem Vergleich nationaler (HGB) und internationaler (IFRS) Vorschriften sowie der bankaufsichtsrechtlichen Rahmenbedingungen (Basel II) liegt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentral sind die Zielgrößen Rentabilität und Liquidität in Kreditinstituten, die Ausgestaltung der Kreditrisikovorsorge in verschiedenen Rechnungslegungswerken und die Nutzung von Synergieeffekten zwischen Rechnungslegung und Aufsichtsrecht.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das primäre Ziel ist es aufzuzeigen, wie Kreditinstitute ihre Kreditrisikovorsorge als bilanzpolitisches Instrument nutzen können, um ihre bankpolitischen Ziele – insbesondere eine attraktive Eigenkapitalrentabilität – zu erreichen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit kombiniert theoretische Analysen der geltenden Vorschriften mit einer empirischen Untersuchung der Geschäftsberichte von zwölf ausgewählten Kreditinstituten aus dem Jahr 2005 sowie einer Analyse der Monatsberichte der Deutschen Bundesbank.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung der Zielsysteme, eine detaillierte Erläuterung der HGB- und IFRS-Vorschriften, eine Darstellung der bankaufsichtsrechtlichen Eigenkapitalunterlegung nach Basel II sowie eine abschließende Beurteilung der Eignung der Risikovorsorge zur zielorientierten Steuerung.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind neben der Kreditrisikovorsorge die Eigenkapitalrentabilität, das Shareholder-Value-Konzept, die Trennung in stille und offene Reserven (§ 340 f HGB), die unterschiedlichen Ansätze unter Basel II (Standard- und IRB-Ansätze) und das Incurred-Loss-Modell nach IFRS.
Wie unterscheidet sich die Behandlung der Kreditrisikovorsorge zwischen HGB und IFRS?
Das HGB ermöglicht durch § 340 f HGB die Bildung stiller Reserven zur Ergebnisglättung, was unter IFRS aufgrund des Strebens nach Transparenz (True and Fair View) untersagt ist; dort steht das Incurred-Loss-Modell im Vordergrund, das objektive Hinweise auf Wertminderungen fordert.
Welche Rolle spielt Basel II für die Kreditrisikovorsorge?
Basel II beeinflusst die Kreditrisikovorsorge durch die Notwendigkeit, interne Ratingverfahren (IRB-Ansätze) für eine effiziente Eigenkapitalunterlegung zu nutzen, was wiederum Anforderungen an die Qualität der Daten und die Methodik der Risikomessung stellt.
- Quote paper
- Antje Buchholz (Author), 2007, Die Kreditrisikovorsorge als rechnungslegungspolitisches Instrument bei Kreditinstituten, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/149114