Beim Blick auf die Eisenbahnstrecken des Südschwarzwaldes fällt recht schnell die Eisenbahnlinie zwischen Hintschingen und Oberlauchringen mit ihrer eigenwilligen Linienführung und den vielen Schleifen. Nicht umsonst bezeichnet sie der Volksmund auch als „Sauschwänzlebahn“. Die Wutachtalbahn ist eine der wenigen Linien die, entgegen der bis dato üblichen Planung neuer Eisenbahnstrecken, aus rein militärischen Gründen gebaut wurde. In dieser Hausarbeit soll die Entstehung der Wutachtalbahn besonders in Verbindung mit den Plänen des preußishen Generalstabs veranschaulicht ("Schlieffenplan") werden. Dabei sollen ebenfalls die ursprünglichen Absichten der Badischen Staatsbahn berücksichtigt werden. Insgesamt darf die Wutachtalbahn aber nicht isoliert betrachtet werden, denn nur zusammen mit ihren gleichzeitig erbauten strategischen Schwesterlinien Leopoldshöhe–Lörrach, Schopfheim–Säckingen sowie der Rheinbrücke bei Hüningen und der Donautalbahn auf württembergischem Gebiet bilden sie ein Ganzes und damit einen Mosaikstein im Aufmarschplan Moltkes gegen Frankreich.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Die badische Idee einer Nord-Süd-Bahn
2. Militärischer Eisenbahnbau unter Moltke bis 1890
3. Der Bau der strategischen Wutachtalbahn
4. Schlieffens neue Pläne
Schlussbetrachtungen
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die Entstehung der Wutachtalbahn, einer sogenannten „strategischen Eisenbahnlinie“, im Kontext der militärischen Aufmarschpläne des Großen Generalstabs am Ende des 19. Jahrhunderts. Ziel ist es, den Bau dieser technisch anspruchsvollen Strecke im Großherzogtum Baden zu analysieren, dabei das Spannungsfeld zwischen den Absichten der Badischen Staatsbahn und den militärischen Forderungen Preußens bzw. des Deutschen Reiches aufzuzeigen sowie die Auswirkungen einer veränderten Militärdoktrin unter Generalstabschef Alfred von Schlieffen auf den Nutzen der Bahn zu bewerten.
- Militärisch-strategische Zielsetzungen des Eisenbahnbaus im Deutschen Kaiserreich
- Vergleich zwischen den Aufmarschplänen von Helmuth von Moltke und Alfred von Schlieffen
- Die Rolle Badens und die finanziellen Aspekte des Strategiebahnen-Baus
- Technische Herausforderungen und Besonderheiten beim Bau der Wutachtalbahn
- Die historische Einordnung der Wutachtalbahn als Transit-, Strategie- und später Museumsbahn
Auszug aus dem Buch
3. Der Bau der strategischen Wutachtalbahn
Die Gesetze zum Bau der insgesamt 66 km langen Strategiebahnen in Baden wurden am 12. Juni 1887 erlassen. Da die veranschlagte Bauzeit nur drei Jahre betrug und alle drei Bahnen gleichzeitig gebaut wurden, wurden viele nicht-badische Ingenieure und Geometer eingestellt werden. Diese sehr kurze Bauzeit musste auf Druck des Generalstabs eingehalten werden, da die Gefahr eines Zweifrontenkriegs durch den deutsch-russischen Rückversicherungsvertrag bis 1890 vorläufig noch gebannt war. Die Laufzeiten dieses Vertrages und die Bauzeit der Bahnen waren nahezu identisch.
Während die Umfahrung des Kantons Basel mit den Strecken Leopoldshöhe - Lörrach (6 km) und Schopfheim – Säckingen (20 km mit einem knapp 3200 m langen Tunnel) relativ einfach zu bauen war, gestalteten sich die 41 km um den Kanton Schaffhausen aufgrund der erwähnten Bodenverhältnisse als besonders schwierig. Hangrutschungen erzwangen viele Änderungen des Bauplans. So musste beispielsweise der ursprünglich auf 70 m Länge geplante Biesenbach-Viadukt bei Epfenhofen auf fast 253 m verlängert werden. Um die geforderte Höchststeigung von 10 Promille einzuhalten, die notwendig war um auch schwerste Militärgeschütze schnell befördern zu können, wurde die Strecke insbesondere zwischen Weizen und Blumberg-Zollhaus um ein Vielfaches mit Brücken, Schleifen, Kehren und Tunneln künstlich verlängert. Der Höhenunterschied zwischen diesen Stationen beträgt 231 m bei einer Entfernung von 9,6 km Luftlinie. Die Eisenbahnstrecke aber wurde 25,5 km lang, wovon 4360 m im Tunnel liegen.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die topographischen Besonderheiten der Wutachtalbahn und stellt die Forschungsfrage nach deren militärischer Entstehungsgeschichte im Kontext des preußischen Generalstabs.
1. Die badische Idee einer Nord-Süd-Bahn: Dieses Kapitel zeichnet die verkehrspolitischen Ambitionen Badens am Hochrhein und die Bemühungen um eine Umgehung des Schweizer Staatsgebiets vor 1887 nach.
2. Militärischer Eisenbahnbau unter Moltke bis 1890: Hier wird der Aufstieg des Großen Generalstabs und Moltkes strategische Konzeption einer auf Eisenbahnen basierenden Landesverteidigung erläutert.
3. Der Bau der strategischen Wutachtalbahn: Dieser Abschnitt beschreibt die kurzfristige Umsetzung des Bauprojekts unter hohem militärischen Zeitdruck sowie die damit verbundenen technischen Herausforderungen im Wutachtal.
4. Schlieffens neue Pläne: Das Kapitel analysiert die Verschiebung der strategischen Ausrichtung unter Alfred von Schlieffen, die die Wutachtalbahn kurz nach ihrer Fertigstellung militärisch in den Hintergrund treten ließ.
Schlussbetrachtungen: Die Schlussbetrachtungen resümieren die wechselhafte Geschichte der Bahn und bewerten sie als militärischen Fehlbau, dessen ziviler Nutzen historisch begrenzt blieb.
Schlüsselwörter
Wutachtalbahn, Sauschwänzlebahn, Strategiebahnen, Großer Generalstab, Helmuth von Moltke, Alfred von Schlieffen, Aufmarschplan, Eisenbahnbau, Badische Staatsbahn, Zweifrontenkrieg, Landesverteidigung, militärische Logistik, Hochrheinbahn, Schlieffenplan.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Hintergründe zum Bau der Wutachtalbahn, einer Eisenbahnstrecke im Schwarzwald, die Ende des 19. Jahrhunderts aus militärischen Motiven realisiert wurde.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Themen sind die Eisenbahn- und Militärgeschichte in Südbaden, die strategischen Planungen des preußischen Generalstabs und die damit verbundenen infrastrukturellen Maßnahmen zur Landesverteidigung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, die Entstehung der Wutachtalbahn mit den militärischen Aufmarschplänen des Generalstabs zu verknüpfen und zu prüfen, inwieweit diese Bahn als zweckmäßig für die damaligen militärischen Strategien angesehen werden konnte.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor stützt sich auf eine tiefgehende Analyse zeitgenössischer Quellen, Denkschriften und historischer Fachliteratur, um die politischen und strategischen Entscheidungsprozesse zwischen dem Großherzogtum Baden und dem Deutschen Reich zu rekonstruieren.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt die badischen Eisenbahnpläne, die militärische Strategie unter Moltke, die technischen und baulichen Aspekte der Wutachtalbahn sowie die geänderte Strategie unter Schlieffen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Strategiebahnen, Wutachtalbahn, Großer Generalstab, Aufmarschplan und militärische Doktrin.
Warum wird die Wutachtalbahn im Volksmund „Sauschwänzlebahn“ genannt?
Dieser Name leitet sich von der extrem kurvenreichen und eigenwilligen Streckenführung ab, die aufgrund der notwendigen Steigungsbegrenzung für Militärtransporte in den Berg eingeplant wurde.
Warum wurde die Bahn bereits kurz nach Fertigstellung als militärisch überflüssig eingestuft?
Durch den Strategiewechsel unter Generalstabschef Alfred von Schlieffen, der den Fokus auf andere Aufmarschwege legte, verloren die für Moltkes Defensivkonzept konzipierten Umgehungsbahnen am Hochrhein ihre strategische Bedeutung.
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- Simon Gonser (Author), 2002, Eisenbahnbau im Wutachtal - Zivile und militärische Intentionen am Ende des 19. Jahrhunderts im Großherzogtum Baden und dem Deutschen Reich, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/149120