Die Integration von Millionen heimatvertriebener Menschen ohne soziale Erschütterungen in die deutsche Gesellschaft gilt heute noch als „größtes Nachkriegswunder“ der jungen Bundesrepublik. Wie dieser Vorgang insbesondere in den ländlichen Gebieten Westdeutschlands vonstatten ging, soll im Rahmen dieser Arbeit genauer untersucht werden. Besonderes Augenmerk soll dabei auf eventuelle Veränderungen sozialer Hierarchien im Dorf gelegt werden, und wie die Neuankömmlinge aus dem Osten sich in diese einzuordnen versuchten. Es stellt sich dabei die Frage, ob diese auswärtigen sozialen Gruppen die althergebrachten Deutungs- und Handlungsweisen der gebürtigen Dorfbewohner beeinflussten oder ob sie sich diesen anzupassen hatten. Änderungen im generativen Verhalten sollen dabei genauso analysiert werden wie die Partizipation der Vertriebenen in Politik und im Vereinsleben des Dorfes. Die soziale Dimension der Integration soll dabei im Mittelpunkt stehen. Sie kann aber dabei keineswegs isoliert betrachtet werden, so dass auch eine Nennung der Rahmenbedingungen des Themas wichtig erscheint. Letztendlich soll geklärt werden, ob aus den nun sozial, konfessionell und stammesmäßig bunt zusammengewürfelten Dorfbewohnern wirklich eine Gemeinschaft wurde oder die rasche Integration der Vertriebenen in Deutschland ein Mythos war, der lediglich auf städtische Regionen zutraf.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- 1. Dörfliche Sozialstrukturen vor 1945
- 1.1 Überblick
- 1.2 Soziale Schichten im Dorf
- 1.2.1 Oberschicht
- 1.2.2 Mittelschicht
- 1.2.3 Unterschicht
- 1.3 Kirchen, Vereine und Eliten
- 2. Vertreibung und Integration in West-Deutschland
- 2.1 Flucht, Vertreibung und Nachkriegsjahre
- 2.2 Sozialpolitik als Eingliederungshilfe
- 2.3 Politische Integration
- 2.4 Vertriebene im ländlichen Raum
- 3. Vertriebene und Flüchtlinge in der dörflichen Gesellschaft
- 3.1 Veränderungen im Dorf nach 1945
- 3.2 Das Konfliktpotential der Fremden
- 3.3 Generatives Verhalten
- 3.4 Politische Mitbestimmung
- 3.5 Vereinsleben
- Schluss
- Quellenverzeichnis
- Literaturverzeichnis
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die Arbeit befasst sich mit der Integration von Vertriebenen in die ländliche Gesellschaft Westdeutschlands nach 1945. Sie untersucht, wie sich die sozialen Hierarchien im Dorf durch den Zuzug von Flüchtlingen und Vertriebenen veränderten und wie die Neuankömmlinge sich in diese einordneten. Die Arbeit analysiert, ob die Vertriebenen die althergebrachten Deutungs- und Handlungsweisen der Dorfbewohner beeinflussten oder ob sie sich diesen anzupassen hatten. Dabei werden auch Änderungen im generativen Verhalten sowie die Partizipation der Vertriebenen in Politik und Vereinsleben des Dorfes betrachtet. Die soziale Dimension der Integration steht im Mittelpunkt, wobei auch die Rahmenbedingungen des Themas berücksichtigt werden.
- Veränderungen der sozialen Hierarchien im Dorf nach 1945
- Integration von Vertriebenen in die dörfliche Gesellschaft
- Einfluss der Vertriebenen auf die althergebrachten Deutungs- und Handlungsweisen der Dorfbewohner
- Änderungen im generativen Verhalten der Dorfbewohner
- Partizipation der Vertriebenen in Politik und Vereinsleben des Dorfes
Zusammenfassung der Kapitel
Die Einleitung stellt die Forschungsfrage und den methodischen Ansatz der Arbeit vor. Sie beleuchtet die Bedeutung des Themas und die Herausforderungen, die sich aus der Vielfalt der ländlichen Regionen Westdeutschlands ergeben. Außerdem werden die wichtigsten Prozesse der ländlichen Entwicklung nach 1945, wie Landflucht und Mechanisierung, erwähnt.
Kapitel 1 beschreibt die dörfliche Sozialstruktur vor 1945. Es werden die verschiedenen sozialen Schichten im Dorf, die Rolle von Kirchen und Vereinen sowie die Bedeutung von Tradition und Ordnung dargestellt. Die relative Geschlossenheit der dörflichen Gesellschaft und die enge Vernetzung der Dorfbewohner werden hervorgehoben.
Kapitel 2 behandelt die Vertreibung und Integration in West-Deutschland. Es werden die Flucht und Vertreibung sowie die Nachkriegsjahre beleuchtet. Die Rolle der Sozialpolitik als Eingliederungshilfe und die politische Integration der Vertriebenen werden dargestellt. Außerdem wird der Einfluss der Vertriebenen auf den ländlichen Raum betrachtet.
Kapitel 3 analysiert die Auswirkungen der Vertriebenen auf die dörfliche Gesellschaft. Es werden die Veränderungen im Dorf nach 1945, das Konfliktpotential der Fremden, das generative Verhalten, die politische Mitbestimmung und das Vereinsleben der Dorfbewohner untersucht.
Schlüsselwörter
Die Schlüsselwörter und Schwerpunktthemen des Textes umfassen die Integration von Vertriebenen, die dörfliche Sozialstruktur, die Veränderungen im Dorf nach 1945, die soziale Schichtung, die Kirchen und Vereine, die politische Mitbestimmung, das generative Verhalten und das Vereinsleben. Die Arbeit beleuchtet die Herausforderungen und Chancen der Integration von Flüchtlingen und Vertriebenen in die ländliche Gesellschaft Westdeutschlands.
Häufig gestellte Fragen
Wie verlief die Integration von Vertriebenen in deutschen Dörfern nach 1945?
Die Integration wird oft als „Nachkriegswunder“ bezeichnet, war jedoch in ländlichen Gebieten von starken sozialen Hierarchieverschiebungen und Anpassungskonflikten geprägt.
Welche sozialen Schichten gab es im Dorf vor 1945?
Die dörfliche Struktur war streng in Oberschicht, Mittelschicht und Unterschicht unterteilt, oft dominiert von alteingesessenen Eliten.
Wie veränderte sich das Vereinsleben durch die Neuankömmlinge?
Vertriebene versuchten, durch Partizipation in Vereinen und Politik soziale Anerkennung zu finden, was oft zu Spannungen mit der traditionellen Ordnung führte.
Was war das größte Konfliktpotential bei der Eingliederung?
Unterschiede in Konfession, Stammeszugehörigkeit und sozialen Handlungsweisen führten oft dazu, dass Vertriebene als „Fremde“ wahrgenommen wurden.
War die rasche Integration der Vertriebenen ein Mythos?
Die Arbeit hinterfragt, ob die schnelle Integration eher in Städten gelang, während sie in den geschlossenen Sozialsystemen der Dörfer weitaus schwieriger war.
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- Simon Gonser (Autor), 2004, Veränderungen im Sozialsystem „Dorf“ durch Flüchtlinge und Vertriebene nach 1945, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/149127