Qualitätstestierung in der Weiterbildung

Die Qualitätsmanagementsysteme EFQM und LQW im Vergleich


Hausarbeit (Hauptseminar), 2008
31 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung: Thematik und Aufbau der Arbeit

2. Was ist Qualitat?
2.1 Eine allgemeine Qualitatsdefinition
2.2 Qualitatsmanagement in der Weiterbildung
2.2.1 Die Bedeutung von Qualitat im (Weiter-)Bildungssektor
2.2.2 Grande fur eine systematische Entwicklung von Qualitat in der Weiterbildung
2.2.3 Qualitat und die Rolle des Staates

3. Qualitatsmanagement nach EFQM
3.1 Hintergrund und Entwicklung
3.2 Konzept
3.2.1 Grundlegende Prinzipien
3.2.2 9 Bewertungskriterien
3.2 Zielsetzung
3.3 Vor-und Nachteile von EFQM im Weiterbildungsbereich

4. Qualitatsmanagement nach LQW
4.1 Hintergrund und Entwicklung
4.2 Konzept
4.2.1 Der Qualitatskreislauf
4.2.2 11 Qualitatskriterien
4.3 Zielsetzung
4.4 Vor-und Nachteile von LQW im Weiterbildungsbereich

5. Vergleichende Darstellung von EFQM und LQW
5.1 Gemeinsamkeiten
5.2 Unterschiede

6. Zusammenfassung und Schlussfolgerung

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung: Thematik und Aufbau der Arbeit

Seit in den 1990em zahlreiche Beitrage zum Thema Qualitatsentwicklung in der Literatur veroffentlicht wurden, hat sich auch im Weiterbildungssektor einiges auf diesem Gebiet getan. Mittlerweile bedienen sich viele Weiterbildungseinrichtungen eines anerkannten Qualitatsmanagementmodells, um die Qualitat ihrer Einrichtung zu sichern und zu entwickeln. Jedoch kann es sich fur eine Weiterbildungseinrichtung als schwierig erweisen, unter den vielen Angeboten, die es auf dem Markt gibt, ein geeignetes Modell auszuwahlen.

In Deutschland gibt es fur Weiterbildungseinrichtungen drei Modelle, welchen zurzeit die grofite Beachtung geschenkt wird und die aus der Vielzahl der Qualitatskonzepte herausragen. Dies sind die Normreihe DIN EN ISO 9000 ff., das Modell der European Foundation of Quality Management (EFQM) und die Lernorientierte Qualitatstestierung in der Weiterbildung (LQW) (Bosche/Eckert/Humpert/Kolln-Prisner/Ludwig/Veltjens 2006; Witthaus 2004).

Die folgende Arbeit befasst sich mit den Modellen EFQM und LQW und hat eine vergleichende Darstellung der beiden Modelle zum Gegenstand. Zunachst wird jedoch ein allgemeiner Qualitatsbegriff definiert, um im Anschluss daran, Qualitat in der Weiterbildung genauer zu beleuchten. Es wird auf die speziellen Grunde fur die systematische Entwicklung von Qualitat im Weiterbildungssektor eingegangen und die Rolle des Staates bei der Gesetzgebung wird beleuchtet. In den Kapiteln 3 und 4 werden dann die Qualitatsmanagementmodelle nach EFQM und LQW vorgestellt, um im Anschluss daran die Unterschiede und Gemeinsamkeiten der Modelle zu erortern.

Den Schluss der Arbeit bildet eine Einschatzung daruber, welches der beiden Modelle fur den Weiterbildungsbereich am geeignetsten ist.

2. Was ist Qualitat?

2.1 Eine allgemeine Qualitatsdefinition

Der Begriff “Qualitat” ist eine neutrale Beschreibung und beinhaltet keine Wertung. Erst durch die Zusatze „gute“ bzw. „schlechte“ Qualitat entsteht eine wertende Aussage (Hartz/Meisel 2004, Zech 2007). Im allgemeinen Sprachgebrauch wird jedoch Qualitat oft synonym fur Gute gebraucht und sie gilt daher als wunschenswert und nutzlich (Vock 1998).

Der Ursprung des Wortes ist im Lateinischen zu suchen. „Qualitas“ bedeutet ubersetzt „Beschaffenheit“. Aristoteles machte den Qualitatsbegriff zu einem philosophischen Thema, wo er als die einfachste Aussage uber die Beschaffenheit eines Gegenstandes galt. Heute bezieht sich die Qualitat eines Objekts oder Prozesses auf dessen Beschaffenheit, Klasse oder Wert und sie wird an den Bedurfnissen bzw. der Zufriedenheit der Kunden gemessen, die unterschiedliche Kriterien zur Bewertung heranziehen konnen. Das bedeutet das Qualitatskriterien einen individuellen Bezug haben und von Person zu Person anders ausfallen konnen (Bulow-Schramm 2006). Neben diesem individuellen gibt es auch einen historischen und einen gesellschaftlichen Kontext. Qualitat kann sich somit uber die Zeit verandern und sie ist abhangig vom gesellschaftlichen Bezugsrahmen (Hartz & Meisel 2004). Es zeigt sich, das Qualitat vor allem relativ ist und weder exakt, noch allgemein gultig definierbar ist (Vock 1998).

2.2 Qualitatsmanagement in der Weiterbildung

2.2.1 Die Bedeutung von Qualitat im (Weiter-)Bildungssektor

Auch in der Weiterbildung ist Qualitat ein wichtiger Bestandteil der alltaglichen Arbeit.

In der Weiterbildung folgt der Begriff “Qualitat” jedoch einer etwas anderen Logik, als z.B. in Wirtschaftsunternehmen. Dies ist vor allem darin begrundet, dass sich Bildung als Produkt wesentlich von anderen Produkten unterscheidet. Weiterbildungseinrichtungen fungieren nicht als “Hersteller”, sie konnen Bildung nicht produzieren, wie ein Werkstuck, und an den Lernenden weitergeben. Stattdessen tragt der Lernende, mit all seinen Motivation, Personlichkeitseigenschaften, Erwartungen und Voraussetzungen, selbst einen GroBteil zum Gelingen des Lernprozesses bei. Letztendlich wird aber nur dort gebildet, wo es dem Lernenden ermoglicht wird, seine Beziehung zur Umwelt zu verandern und seine Handlungsmoglichkeiten zu erweitern. Dies geschieht in praktischen und theoretischen Diskussionen und

Auseinandersetzungen, in denen der Lernende von der Weiterbildungseinrichtung gezielt unterstutzt werden muss. Die Grundlagen eines gelungenen, kontrollierten Lernprozess sind demnach, nicht nur motivierte Lernende, sondern auch eine passende Umgebung sowie professionelle Lehrende (Hartz/ Meisel 2004, Witthaus 2004, Zech 2007).

Es ist somit sinnvoll in Weiterbildungseinrichtungen zwischen der Qualitat der Bildung (gemessen an organisatorischen und lerninfrastrukturellen Voraussetzungen, padagogischen Prinzipien, dem eigenen Leistungsprofil sowie Erfolgs- und Misserfolgskriterien) und der Qualitat der Organisation (gemessen an technischen, formalen und verwaltungsseitigen Strukturen), die die Rahmenbedingungen fur Bildung bietet, zu unterscheiden (Witthaus 2004, Zech 2007) und sowohl die Lernenden, als auch die Lehrenden in die Qualitatssicherung und -entwicklung einzubeziehen (Gonon/Hugli/Landwehr/Ricka/Steiner 1999). Mit anderen Worten Die vorangegangenen Ausfuhrungen machen deutlich, dass der Qualitatsbegriff in der Weiterbildung nicht eindeutig greifbar und nachprufbar ist und er stets durch die jeweilige Organisation und ihre Mitarbeiter einrichtungsbezogen festgelegt werden sollte.

2.2.2 Grunde fur eine systematische Entwicklung von Qualitat in der Weiterbildung

Grunde fur die Einfuhrung eines Qualitatssystems in Weiterbildungseinrichtungen gibt es viele. An dieser Stelle sollen nur einige wichtige Punkte genannt werden. Die nachfolgende Aufzahlung erhebt daher nicht den Anspruch auf Vollstandigkeit.

Der erste Punkt ist der gesellschaftliche Wandel. Er ist dafur verantwortlich ist, dass sich soziale Situationen schnell andern. Organisationen, die durch ihre Umstrukturierung den sich immer wieder andernden Umfeld- und Einflussfaktoren entgegenwirken, konnen den Markt und ihr Umfeld beeinflussen und sich besser anpassen. Grade in einer Zeit, in der Bildung als entscheidende

Voraussetzung far das wirtschaftliche Uberleben gilt, tritt die Sorge auf, dass sich Schulen und Bildungswesen nicht schnell genug entwickeln, um der Zukunft gerecht zu werden. Aus dieser Unsicherheit heraus ist die Erwartung gewachsen, dass durch Qualitatssicherung die Reformanspruche an das Bildungswesen wirksamer als bisher angepackt werden konnen (Zech 2007, Gonon u.a. 1999 ).

Zweitens lernen Menschen in ungleichen Umgebungen und ihre Lernmotivationen sind oft unterschiedlich. Weiterbildungseinrichtungen, die ihre Kursangebote am Interesse und an den Voraussetzungen der zukunftigen Teilnehmer ausrichten, werden das Vertrauen ihrer Kunden behalten und neue Kunden gewinnen. In einer Zeit von Bildungsgutscheinen und der vermehrten Selbstfinanzierung durch die Kunden, werden diese qualitatsbewusster und eine wachsende Kundenausrichtung ist daher unerlasslich (Witthaus 2004, Zech 2007).

Der dritte Grund, fur eine systematische Entwicklung von Qualitat in der Weiterbildung, ist die Knappheit finanzieller Mittel. Nur die Organisationen, die ihre Gelder sinnvoll einzusetzen wissen, behalten ihre Legitimation und das Wohlwollen ihrer Geldgeber und Kunden. Durch kurzlich verabschiedete Gesetze, auf Landes- und Bundesebene, wollen die Gesetzgeber gewahrleisten, dass Finanzierungsleistungen des Staates an Qualitatsnachweise der Einrichtungen gekoppelt sind (Hartz /Meisel 2004, Zech 2007, Witthaus 2004).

Viertens lehnt sich der Weiterbildungssektor mehr und mehr an das marktwirtschaftliche Modell bzw. die marktwirtschaftlichen Prinzipien an, was sich zum Grofiteil durch den offentlichem Druck ergibt. Das marktwirtschaftliche Geschehen ruckt immer mehr ins Zentrum des offentlichen Bewusstseins. Die Forderung an die Weiterbildungseinrichtungen nach einem wirkungsorientierten Handeln, das auf dem Ansatz der Wettbewerbsorientierung und auf dem wirtschaftlichen Verfahren zur Qualitatssicherung basiert, ist die Folge (Gonon u.a. 1999, Botel /Krekel 2004).

Weitere Grunde fur eine systematische Entwicklung von Qualitat in der Weiterbildung, sind zum einen die wachsenden Anforderungen an die Arbeitnehmer, deren Motivation durch die Optimierung von Arbeitssablaufen gestarkt werden kann (Gonon u.a. 1999, Zech 2007) und zum anderen die Schwierigkeit, die immer komplexer werdenden Bildungssysteme zentral zu steuem, was es unmoglich macht ein Zentrum mit dem erforderlichen Wissen und dem Uberblick auszustatten, um bildungspolitisch adaquate Entscheidungen und Mafinahmen fur alle Teilsysteme treffen zu konne. Die Folgen dieses letzten Punktes sind Fehlentscheidungen, die es erforderlich machen, einzelnen Teilsystemen mehr Kompetenzen einzuraumen, was wiederum nach neuen Formen der Kontrolle und Evaluation verlangt (Gonon u.a. 1999).

All dies sind Grunde fur die zunehmende Wichtigkeit von transparenter und vergleichbarer Qualitat in Weiterbildungseinrichtungen.

2.2.3 Qualitat und die Rolle des Staates

Bereits 1974 hat der Staat in die Debatte um die mangelnde Weiterbildungsqualitat eingegriffen. Damals entstand das Fernunterrichtsschutzgesetz, das die Anbieter von Fernlehrgangen dazu verpflichtete sich mit einem Prufsiegel versehen zu lassen (Sauter 2004).

In den 1980ern erstellte die Bundesagentur fur Arbeit, in Zusammenarbeit mit dem Bundesinstitut fur Berufsbildung (BIBB), ein Prufverfahren fur Weiterbildungseinrichtungen, das spater sogar durch unangekundigte Qualitatsuberprufungen erweitert wurde (Hartz & Meisel 2004). Mit diesem Begutachtungskatalog, wurden die Weiterbildungseinrichtungen bewertet und nur positiv eingeschatzte Mafinahmen wurden von der Bundesagentur fur Arbeit eingesetzt. Die Vorgaben an die Mafinahmen waren jedoch so gering, dass bei der Begutachtung kein Angebot durchfiel (Sauter 2004).

Die aktuelle Debatte um Qualitat in der Weiterbildung bezieht sich auf das Vorrucken von Marktprinzipien in den Weiterbildungssektor und die 2004 verabschiedeten Gesetzen des Sozialgesetzbuches (Hartz & Meisel, 2004), die unter dem Leitgedanken „Von der Anbieterorientierung zur Nachfrageorientierung“ (Sauter 2004, S. 12) stehen .

Bei dieser Debatte darf nicht vergessen werden, dass fur Fragen der allgemeinen Weiterbildung die einzelnen Lander zustandig sind, aber allein der Bund uber Angelegenheiten der beruflichen Weiterbildung entscheidet Fur die allgemeine Weiterbildung bedeutet dies, dass es neben einigen

Gemeinsamkeiten, auch groBe Unterschiede zwischen den einzelnen Bundeslandern gibt. So sind Einrichtungen in Niedersachsen und Bremen per Gesetz verpflichtet, sich einer externen Evaluation zu unterziehen, wahrend sie in Landern wie Bayern und Baden-Wurttemberg weitgehend freie Hand haben (Hartz/Meisel 2004).

Auf dem Gebiet der beruflichen Weiterbildung, uber die der Bund entscheidet, wurde 2004 mit den Gesetzen des SGB III zur Forderung der beruflichen Weiterbildung, ein entscheidender Schritt getan. GemaB den Artikeln 84 und 85 des SGB III mussen betroffene Weiterbildungseinrichtungen ein Qualitatssicherungssystem anwenden und geforderte MaBnahmen mussen durch eine fachkundige Stelle gepruft und zugelassen werden (Sauter 2004, Bundesministerium fur Bildung und Forschung 2005). Die Intention dieser Gesetze ist sowohl die Starkung der Kunden, als auch die Wettbewerbsforderung unter den Anbietern von WeiterbildungsmaBnahmen (Sauter 2004). Aufgrund dieser uneinheitlichen Vorgehensweisen auf politischer Ebene, ist es wahrscheinlich, dass sich die Weiterbildungsverantwortlichen auch in Zukunft uber ein geeignetes Qualitatsmanagementkonzept uneinig sein werden. Bis dato gibt es jedenfalls kein allgemein gultiges und unbestrittenes Konzept oder Verfahren zur Qualitatssicherung und die beiden, im Folgenden vorgestellten Verfahren, befinden sich daher in einem Konkurrenzkampf.

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Ende der Leseprobe aus 31 Seiten

Details

Titel
Qualitätstestierung in der Weiterbildung
Untertitel
Die Qualitätsmanagementsysteme EFQM und LQW im Vergleich
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München
Veranstaltung
Berufliche Integration benachteiligter Jugendlicher am Übergang Schule – Beruf (Hauptseminar)
Note
1,7
Autor
Jahr
2008
Seiten
31
Katalognummer
V149242
ISBN (eBook)
9783640597437
ISBN (Buch)
9783640597093
Dateigröße
549 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Qualitätstestierung, Weiterbildung, Qualitätsmanagementsysteme, EFQM, Vergleich
Arbeit zitieren
MA Jasmin Rödig (Autor), 2008, Qualitätstestierung in der Weiterbildung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/149242

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