Arbeitszufriedenheit und Emotionsregulation: Emotionen, Regulation und Leistung


Hausarbeit (Hauptseminar), 2009
22 Seiten, Note: 2,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Vorbemerkungen
2.1. Emotionen
2.2. Regulation
2.3. Leistung

3. Modell von Beal et al.
3.1. Theoretische Tageseinteilung
3.2. Leistungsprozess am Tag ohne Emotionen
3.3. Leistungsprozess am Tag mit Emotionen

4. Modell Anwendung in der Praxis

5. Schlussbetrachtung
5.1. Kritische Betrachtung
5.2. Ausblick
5.3. Fazit

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Ein Mitarbeiter hat in einer bestimmten Arbeitssituation ein Gesprach mit seinem Vorge- setzten uber eine durchgefuhrte Tatigkeit. In dieser Unterhaltung legt der Vorgesetzte dem Angestellten nahe, sich wieder mehr auf seine Arbeit zu konzentrieren und zuruck zu seiner fruheren Leistungsfahigkeit zu finden.

In einer anderen Situation befindet sich derselbe Mitarbeiter in einem Streitgesprach mit einem Kollegen uber den weiteren Ablauf der anstehenden Aufgaben und der bisher gezeigten Leistung des jeweils Anderen. Beide finden dabei keinen gemeinsamen Nenner und widmen sich daraufhin wieder, mit angestautem Arger uber den jeweils Anderen, ihrer eigentlichen Tatigkeit.

Ein Lob des Vorgesetzen beim anberaumtem Feedback-Gesprach, ein paar Tage spater, lasst den Mitarbeiter mit einem glucklichen Gefuhl an die Arbeit zuruckkehren.

Alle diese exemplarisch ausgewahlten Situationen haben eins gemeinsam, durch eine be- stimmte Situation wird eine Emotion hervorgerufen, sei es Arger uber die Kritik, Wut uber den Kollegen oder Freude uber das Lob. Meistens kann aus solchen Situationen eine Bewer- tung uber die Arbeitszufriedenheit erfolgen. Negative Erlebnisse haben eine niedrigere Ar- beitszufriedenheit zur Folge und positive im Umkehrschluss eine hohere. Zusatzlich spielt in allen Situationen die Leistung eine Rolle, wobei in der ersten Situation ein Leistungsabfall re- gistriert wurde und in Situation zwei scheinbar unterschiedliche Meinungen uber die Leistung vorherrschen.

Nun konnen anhand dieser beispielhaften Situationen mehrere Fragen gestellt werden. 1st die Leistung an verschiedenen Tageszeitpunkten oder uber einen langer betrachteten Zeitraum unterschiedlich? Werden im Laufe eines Tages verschiedene Emotionen reguliert? Inwieweit wird die Leistung durch die jeweilige Situation beeinflusst? Wie konnen diese verschiedenen Situationen, Leistungen sowie Emotionen das Wohlbefinden auf der Arbeit erklaren?

In der folgenden Arbeit wird versucht Antwortmoglichkeiten auf diese Fragen anhand ei­nes von Beal et al. (2005) theoretisch entwickelten Modells zu geben. In diesem Modell wird versucht die Leistungsschwankungen wahrend eines Tages theoretisch aufzuzeigen. Weiter- hin wird eine Theorie uber das Zusammenspiel zwischen Leistung, Aufmerksamkeit und Emotionen entwickelt.

2. Vorbemerkungen

Fur einen besseren Einstieg und eine genauere Betrachtung der eingangs erwahnten Fragen ist es erforderlich zunachst die grundlegenden Begriffe, die spater verwendet werden, zu defi- nieren. Dies erleichtert spater die Aufstellung und Verstandnis des Modells.

Hierbei sind entscheidend die Fachbegriffe der Emotion und der Emotionsregulation sowie der am Arbeitsplatz erbrachten Leistung. Im Unterkapitel der Leistung erfolgt auch eine kurze Definition der Aufmerksamkeit.

2.1. Emotionen

Emotionen sind den meisten Menschen als Gefuhle bekannt, die positiver oder negativer Natur sein konnen. Sie entstehen aufgrund einer personlichen Reaktion, welches das Indivi- duum als bedeutsam empfindet (Ulrich & Mayring, 1992). Die Emotion sollte aber nicht mit den ubrigen affektiven Prozessen, wie Stress, Stimmung und Impulse verwechselt werden. Sie wird auch als eine psychologische Reaktion sowie ein adaptives Verhalten gesehen, die ihren Ursprung in signifikanten evolutionaren Situationen hat (James, 1884). Bei seinen Un- tersuchungen zur Emotionsregulation bezieht auch Gross (1998) sich auf James (1884) und sieht in den Emotionen verschiedene Reaktionen auf Situationen.

Kleinginna & Kleinginna (1981) haben Emotionen als ein komplexes Muster von Verande- rungen definiert, welches die psychologische Erregung, kognitive Prozesse, Verhaltensweisen und Gefuhle betrifft. Folglich ist, aufgrund dieser verschiedenen Ansatze, keine eindeutige Definition fur Emotion vorhanden. Vielmehr kann sie unterschiedliche Erregungen in den In- dividuen auslosen, die meistens positiver oder negativer Art sind und im Hinblick auf die Leistungsfahigkeit beeinflussend wirken konnten. Somit wird es interessant, inwiefern sich diese Emotionen steuern lassen und welche Auswirkungen sie auf die Leistung und eventuell auf das Wohlbefinden bei der Arbeit haben konnen.

2.2. Regulation

Wenn in der Psychologie von Emotionen die Rede ist, wird meist gleichzeitig deren Regu­lation betrachtet. Der Begriff „Regulierung“ ist eher aus der Wirtschaft bekannt und meint gemeinhin eine Stabilisierung des jeweiligen Wirtschaftsmarktes um unerwunschte Markter- gebnisse zu vermeiden (Gabler Wirtschaftslexikon, 2009). Ahnliches ist auch mit der Regula­tion in der Psychologie gemeint. Der Unterschied dabei ist jedoch, dass die Regulation in der Wirtschaft von Jemandem bewusst durchgefuhrt wird, wogegen in der Psychologie auch au- tomatische oder unbewusste Regulation von Emotionen vorhanden ist.

Parkinson & Totterdell (1999) definieren die Emotionsregulation: “Affect regulation in­cludes any process directed at modifying or maintaining moods or emotions whose operation depends on monitoring of affective information” (S. 278). Dies ist ein eher deskriptiver An- satz von Emotionsregulationsstrategien, welche die Unterscheidungen von automatischer ge- genuber kontrollierter Regulation, Regulation positiver und negativer affektiver Zustande oder Verstarkung bzw. Abschwachung affektiver Zustande beinhaltet.

Gross (1998) spricht von: „...emotion regulation studies how individuals influence which emotions they have, when they have them, and how experience and express them.” (S.271). Dabei kommt es zu einem bestimmten Vorgang. Dieser Ablauf beginnt mit der Situations- auswahl. Danach folgt die Veranderung der Situation, welche die Aufmerksamkeitsverlage- rung nach sich zieht. Diese kann Ablenkung, Konzentration oder Grubeln bedeuten und fuhrt zu einer kognitiven Veranderung, dem sogenannten „Appraisal“, welches nun eine bewusste Bewertung der Situation darstellt. Je nach Bewertung der Situation wird die Emotion ver- schieden gesteuert. Dies geschieht anhand der Fahigkeit, die gestellten Anforderungen zu meistern bzw. inwieweit die Situation selbst eingeschatzt werden kann. Durch das „Reapprai- sal“ kommt es nun dazu, dass die Situation neubewertet wird, und die emotionale Bedeutung gegebenenfalls geandert werden kann. Der Abschluss dieser Reaktionsbewaltigung erfolgt durch die Reaktionsanpassung. Ergebnis ist dann die Emotion, welche das Individuum seiner Umwelt zeigt, anhand der Anpassung in dem jeweiligen Umfang. Eine Bewertung inwieweit die gezeigte Emotion positiv oder negativ wirkt, ist durch den Prozess der Regulation nicht festzustellen.

Im spater beobachteten Modell wird ebenfalls eine Regulation der Aufmerksamkeit auf die erzielte Leistung betrachtet, bevor durch die Regulation der Emotionen die Leistung noch zu- satzlich beeinflusst werden konnte.

2.3. Leistung

Rein physikalisch gesehen ist „Leistung“ gleich „Arbeit“ oder „Energie“ durch „Zeit“. Al­so wie viel Energie in welcher Zeit aufgebracht werden muss, um einen bestimmten Ertrag zu erreichen. In der Physik wird das Ergebnis in Watt gemessen.

Auch in der Arbeitswelt kann diese Formel als Grundelement verwendet werden. Dabei wird die Arbeitsproduktivitat als Leistung gemessen, mit „Leistung“ gleich „erbrachter Er- trag“ durch „erbrachten Arbeitseinsatz“.

Die letzte Variable ist die Aufmerksamkeit. Unter Aufmerksamkeit ist die Konzentration auf bestimmte Vorgange zu verstehen. Je nach Konzentrationsgrad kann die Aufmerksamkeit hoch oder niedrig sein. Im spater betrachteten Modell ist die Leistung an der Aufmerksamkeit gekoppelt.

Inwieweit Emotionen und ihre Regulation Einfluss auf die Leistung wahrend der Arbeit ausuben und wie diese voneinander theoretisch abhangig sein konnten, versuchten Beal et al. (2005) mit einem theoretischen Modell naher zu erfassen.

3. Modell von Beal et al.

In der bisherigen Forschung zum Thema Emotionen und Leistung wurde davon ausgegan- gen, dass immer dieselbe Leistung am Tag erbracht werden kann. D.h. ist einmal die Leistung einer Person bekannt, so wird diese immer gleich angesehen. Die Moglichkeit einer Leis- tungsschwankung im Laufe der Zeit, sogar im Laufe eines Tages, wurde stets auBer Acht ge- lassen. Wenn wurden eher die Leistungen untereinander verglichen (McCloy et al., 1994), als dass auf die Schwankungen eingegangen wurde.

Dazu kommt, dass die Leistung meist getrennt von den Emotionen begutachtet wurde. Sie wurden nie zusammen betrachtet. Es wurde zwar angenommen, dass Emotionen mit der Leis­tung verbunden sein konnen, dabei wurden die Emotionen aber nicht als beeinflussende Va­riable betrachtet, sondern ihnen wurde die Form einer Eigenschaft zugeschrieben (Madjar et al., 2002). Nur konnen die Emotionen nicht als Eigenschaften gesehen werden. Beispielswei- se die Annahme einer positiven Grundstimmung bei einer Person wahrend eines ganzen Ta­ges. Es ist schwer anzunehmen, dass diese Person, durch verschiedene Situationen, ihre posi­tive Grundstimmung den ganzen Tag aufweist. Als gutes Beispiel kann der Montag einer Ar- beitswoche betrachtet werden. Der erste Tag einer Woche lasst bei den meisten Berufstatigen eine negative Grundstimmung dominieren, die gegebenenfalls auch auf die Leistung ubergrei- fen kann. Das hangt wiederrum davon ab, inwiefern der Einzelne diese Situation regulieren kann. Die negative Stimmung ist in der Regel nicht den ganzen Tage anhaltend und kann sich durch verschiedene Situationen z.B. in eine frohliche Gemutslage verandern, aber auch noch verstarkt werden. Diese Anderungen beeinflussen die Leistung dann ebenfalls. Ist die Stim- mungsanderung bereits wahrend eines Tages erkennbar, so wird es bei der Betrachtung einer Woche oder sogar eines noch langeren Zeitraumes nicht anders sein.

Damit stellt sich die Frage, wie diese Erkenntnisse besser beobachtet werden konnen bzw. wie die unterschiedlichen Leistungen am Tag sowie die dazugehorige Emotionsregulation theoretisch erkennbar gemacht werden kann? Dazu haben Beal et al. (2005) ein Modell ent- wickelt, welches den Tag in verschiedene Leistungsphasen einteilt, in deren sich die Leistung und die mogliche Emotionsbeeinflussung besser einschatzen lasst.

[...]

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Arbeitszufriedenheit und Emotionsregulation: Emotionen, Regulation und Leistung
Hochschule
Universität zu Köln
Note
2,7
Autor
Jahr
2009
Seiten
22
Katalognummer
V149294
ISBN (eBook)
9783640599585
ISBN (Buch)
9783640599974
Dateigröße
760 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Emotion, Regulation, Leistung, Wirtschaftspsychologie, Leistungsfähigkeit, Leistungsprozess, Arbeitszufriedenheit, Wohlbefinden, Aufmerksamkeit, Leistungsschwankungen
Arbeit zitieren
Jens Möller (Autor), 2009, Arbeitszufriedenheit und Emotionsregulation: Emotionen, Regulation und Leistung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/149294

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