Thomas Hobbes kann mit recht als Begründer der englischsprachigen Philosophie genannt werden. Fasziniert von wissenschaftlicher Exaktheit der mathematischen Methode, suchte Hobbes in der Geometrie und Mathematik Antworten auf philosophische Fragen. Eine innere Ordnung seiner Philosophie stellt sich in einem Fortschreiten seiner Werke, angefangen bei der Physik (De corpore), über die Anthropologie (De homine), bis hin zu seiner Staatslehre (De cive; Leviathan) dar. Auch in Leviathan kann diese innere Ordnung festgestellt werden. Hobbes konstruiert seine Theorie auf Basis persönlicher Erfahrungen und Reflektionen dieser. Er stellt gesetzesartige Prinzipien auf, die ihre Grundlage auf wissenschaftlichen Erkenntnissen bilden. Sinnliche Erfahrungen werden bei Hobbes als Reaktion auf äußere Reize angesehen und Hobbes’ Menschenbild spiegelt sein Interesse an der Naturwissenschaft wieder. Diesesmechanische oder naturwissenschaftliche Menschenbild überträgt er auf seine Staats- und Gesellschaftslehre. Im Folgenden wird der Frage nachgehen, ob die im Leviathan dargelegte Staatsphilosophie von der des Aristoteles zu unterscheiden ist, oder ob es sich hierbei um eine bloße Kopie antiken Gedankenguts handelt, mit Beschränkung auf einige wenige Merkmale. Anschließend wird hinterfragt, ob der Staat als notwendig angesehen werden muss.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Von der Unverzichtbarkeit des Erkennens eigener Wurzeln
3. Hobbes’ Staatskonstruktion als aristotelische Nachahmung?
4. Von der Notwendigkeit des Staates
5. Resümee
6. Literaturverzeichnis
6.1 Primärliteratur
6.2 Sekundärliteratur
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht den Stellenwert der Anthropologie als Fundament der Staatstheorie von Thomas Hobbes, insbesondere durch einen kontrastierenden Vergleich mit der aristotelischen Lehre. Die zentrale Forschungsfrage fokussiert sich darauf, ob Hobbes’ Staatsphilosophie als bloße Kopie antiken Gedankenguts zu werten ist oder ob sie eine eigenständige, wissenschaftlich begründete Weiterentwicklung des Staatsverständnisses darstellt.
- Anthropologische Grundannahmen bei Thomas Hobbes
- Vergleich des Staatsbegriffs bei Aristoteles und Hobbes
- Die Rolle der Naturzustandstheorie als Gedankenexperiment
- Konfliktnatur versus Sozialnatur des Menschen
- Legitimation staatlicher Gewalt als Instrument der Friedenssicherung
Auszug aus dem Buch
3. Hobbes’ Staatskonstruktion als aristotelische Nachahmung?
Hobbes versucht, wie auch Platon oder Aristoteles, den „wahren“ Staat mit Hilfe der natürlichen Vernunft zu erklären. Die aristotelische Lehre geht davon aus, dass der Mensch von Natur aus ein Zusammenleben mit seinesgleichen anstrebt. Denn erst in einem institutionalisierten Zusammenleben von Freien und Gleichen kann der Mensch sich selbst verwirklichen und strebt daher nach einem erfüllten Leben – als Mitglied einer Polis. Aufgrund verschiedener psychologischer und biologischer Voraussetzungen und Impulse der sozialen Gesellschaft erfährt der Mensch durch ein Miteinander innerhalb der Polis ein glückliches und erfülltes Leben. Nach Aristoteles ist der Staat notwendig, weil der Mensch ein Sozialwesen ist, das „seine Sozialnatur in verschiedenen Primärbeziehungen realisiert.“
Ausschlaggebende Sektoren die zur Bindung anstiften sind z. B. Sexualität, Hilfsbedürftigkeit und Persönlichkeitsbildung (Aufbau der Ich-Identität) durch unterschiedliche Sozialbeziehungen. Es ist kaum vorstellbar, dass der Mensch für sich selbst sorgen soll, zumal jeder unterschiedliche Begabungen, Stärken und Schwächen besitzt. Eine Arbeitsteilung muss, schon um der Erleichterung willen, erfolgen. Daher ist der Mensch auf andere Menschen angewiesen. Soziale Beziehungen wie Ehe und Familie (Primärbeziehungen), Arbeitsbeziehungen und Wirtschaft- oder Sicherungsverbände sind unumgängliche Faktoren. Der Staat wird laut Höffe zur Institution zweiter Ordnung (Sekundärordnung), der die Menschen und ihr Bedürfnis nach Gutem und Gerechtem koordiniert.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung etabliert Hobbes als Begründer der modernen englischsprachigen Philosophie und erläutert die mechanische Herangehensweise an die Anthropologie, die den Ausgangspunkt für die Staatsphilosophie bildet.
2. Von der Unverzichtbarkeit des Erkennens eigener Wurzeln: Dieses Kapitel erläutert, warum das Verständnis der eigenen menschlichen Natur, insbesondere die Differenzierung zwischen natürlichen und künstlichen Körpern, eine methodische Voraussetzung für die Annahme des Leviathans als Staat darstellt.
3. Hobbes’ Staatskonstruktion als aristotelische Nachahmung?: Hier wird der Kontrast zwischen der aristotelischen teleologischen Auffassung des Staates und Hobbes’ mechanischem, interessengeleitetem Staatsmodell herausgearbeitet.
4. Von der Notwendigkeit des Staates: Die Untersuchung befasst sich mit dem Naturzustand als Gedankenexperiment, in dem der Mensch aus Selbsterhaltungstrieb heraus gezwungen ist, durch einen Vertrag den Staat als Friedensgarant zu schaffen.
5. Resümee: Das Resümee fasst zusammen, dass Hobbes’ Theorie keine rein pessimistische Sicht darstellt, sondern eine rationale Weiterentwicklung des Verständnisses von staatlicher Ordnung zur Sicherung der menschlichen Freiheit.
6. Literaturverzeichnis: Auflistung der verwendeten Primär- und Sekundärquellen.
Schlüsselwörter
Thomas Hobbes, Anthropologie, Staatstheorie, Naturzustand, Leviathan, Aristoteles, Selbsterhaltung, Vertragstheorie, Konfliktnatur, Mechanik, Politische Philosophie, Friedenssicherung, Sozialnatur, Vernunft, Rechtspositivismus.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die anthropologischen Grundlagen der Staatstheorie von Thomas Hobbes und setzt diese in einen kritischen Vergleich zur politischen Philosophie von Aristoteles.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Zentrum stehen das Menschenbild bei Hobbes, die Konstruktion des künstlichen Staates (Leviathan), die Bedeutung des Naturzustands und die daraus resultierende Notwendigkeit staatlicher Ordnung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es zu klären, ob Hobbes’ Staatsphilosophie lediglich ein Plagiat antiker Vorbilder ist oder ob sie einen eigenständigen Fortschritt im Denken über die menschliche Natur und Gesellschaft darstellt.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Der Autor nutzt eine vergleichende Analyse sowie eine Rekonstruktion der Argumentationsstruktur von Hobbes, basierend auf einer Auswertung zentraler Sekundärliteratur zur politischen Philosophie.
Was steht im Mittelpunkt des Hauptteils?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des Menschenbildes, die Abgrenzung zum aristotelischen Staatsverständnis und die Herleitung des Staates aus dem rationalen Interesse des Menschen zur Konfliktvermeidung.
Welche Begriffe charakterisieren den Inhalt am besten?
Wesentliche Begriffe sind Anthropologie, Naturzustand, Selbsterhaltung, Leviathan, Konfliktnatur und Vertragsschluss.
Wie unterscheidet sich Hobbes' Verständnis von "Natur" von dem des Aristoteles?
Während Aristoteles den Staat als natürliches Ziel menschlicher Sozialnatur begreift, definiert Hobbes den Staat als rein künstliches, durch Vernunft und Selbsterhaltungsinteresse konstruiertes Gebilde.
Warum hält Hobbes den Staat für absolut notwendig?
Hobbes argumentiert, dass der Mensch im Naturzustand aufgrund seiner Konfliktnatur in ständiger Furcht lebt; nur durch die Unterordnung unter eine staatliche Gewalt kann der "Krieg aller gegen alle" beendet und Frieden gesichert werden.
- Arbeit zitieren
- Martin Rybarski (Autor:in), 2009, Anthropologie als Grundpfeiler in der Staatstheorie von Thomas Hobbes im Kontrast zur aristotelischen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/149323