Diese Masterarbeit untersucht die bedarfsgerechte Gestaltung von Zugängen zu familienorientierten Angeboten der ambulanten Suchthilfe, mit einem besonderen Fokus auf Kinder suchtbelasteter Eltern. Die Zielgruppe der Angehörigen von suchtkranken Menschen wurde lange Zeit vernachlässigt, doch mittlerweile rücken ihre speziellen Bedürfnisse immer mehr in den Fokus von Politik und Forschung. Basierend auf qualitativen Interviews mit Betroffenen und Fachkräften analysiert die Arbeit, wie Hilfsangebote gestaltet sein müssen, um frühzeitig und präventiv in Anspruch genommen zu werden. Dabei werden strukturelle, politische und gesellschaftliche Entwicklungsaufgaben identifiziert, die eine barrierefreie und zielgerichtete Unterstützung ermöglichen sollen.
Diese Arbeit zielt darauf ab, konkrete Handlungsempfehlungen für die Verbesserung der Zugänglichkeit und Wirksamkeit familienorientierter Hilfsangebote in der Suchthilfe zu entwickeln, um frühzeitige präventive Hilfeleistungen für Kinder und Angehörige suchtbelasteter Menschen zu ermöglichen.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
I Theoretischer Hintergrund
1 Begriffsbestimmungen
1.1 Familienorientierung
1.2 Sucht
2 Sucht
2.1 Entstehung / Ursachen
2.1.1 Risikofaktoren
2.1.2 Schutzfaktoren
2.2.1 Kinder suchtbelasteter Eltern
2.2.2 Abhängigkeit des Partners
2.2.3 Eltern suchtbelasteter Kinder
3 Suchthilfe
3.1 Ambulante Suchthilfe
3.2 Stationäre Suchthilfe
3.3 Familienorientierte Angebote im ambulanten und stationären Bereich
3.4 Herausforderungen familienorientierter Ansätze in der ambulanten Suchthilfe
4 Forschungsstand
II Empirie
5 Methodik
5.1 Forschungsfrage und Ziel der Forschungsarbeit
5.2 Forschungsansatz
5.3 Stichprobenauswahl
5.4 Datenerhebung
5.5 Datenauswertung
III Ergebnisse, Diskussion und Ausblick
6 Darstellung der Forschungsergebnisse
6.1 Einflussfaktor Zugangsvoraussetzungen
6.2 Einflussfaktor strukturelle Voraussetzungen
6.3 Einflussfaktor Öffentlichkeitsarbeit / Netzwerke
6.4 Einflussfaktor Familie/Umfeld
6.5 Einflussfaktor professionelle Helfer*innen
6.6 Einflussfaktor persönliche Voraussetzungen
7 Interpretation und Diskussion der Forschungsergebnisse
7.1 Beantwortung der Fragestellung
7.2 Zusammenfassung der Forschungsergebnisse
7.3 Diskussion der Intervieweffekte und der Gütekriterien
8 Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit analysiert, wie familienorientierte Angebote der ambulanten Suchthilfe auf die spezifischen Bedarfe suchtbelasteter Familien angepasst werden können, um eine frühzeitige und präventive Inanspruchnahme von Hilfen zu ermöglichen. Sie untersucht dabei Hürden im Zugangssystem und erarbeitet auf Basis qualitativer Interviews mit Betroffenen und Fachkräften Ansatzpunkte zur Gestaltung bedarfsgerechter Zugangswege.
- Familienorientierung und systemische Suchthilfe
- Bedürfnisse und vulnerable Lage von Kindern suchtbelasteter Eltern
- Strukturelle Rahmenbedingungen und Finanzierung ambulanter Suchthilfe
- Einflussfaktoren für die Inanspruchnahme von Hilfsangeboten
- Entwicklungsaufgaben auf struktureller, politischer und gesellschaftlicher Ebene
Auszug aus dem Buch
Niedrigschwelligkeit des Angebots
Die Unterkategorie Niedrigschwelligkeit wurde in fünf von sieben Interviews angesprochen - bei allen Experteninterviews und einem Teilnehmer*innen-Interview. Dabei wurde in allen der fünf Interviews benannt, dass die Erreichbarkeit im Sinne von Wohnortnähe und guter Anbindung ausschlaggebend für die Teilnahme sei (vgl. Anhang, S. 11; S. 16; S. 26; S. 27; S. 54; S. 72).
Als Gründe für eine nicht zustande kommende Teilnahme wurden in Interview 3 und Interview 7 eine zu große Entfernung zum Wohnort genannt (vgl. Anhang, S. 36; S. 80).
In Interview 2 wurde von sehr guten Erfahrungen mit dem Angebot eines Fahrdienstes berichtet, der die Kinder für das Gruppenangebot abholt (vgl. Anhang, S. 26). So könne gewährleistet werden, dass Kinder regelmäßig teilnehmen, da dies für die Zielgruppe oft eine Herausforderung darstelle:
„Ja, es macht Sinn, dass sie regelmäßig kommen, ne, das sagen wir auch den Eltern und bieten auch einen Fahrdienst an. Weil eben das die Erfahrung zeigt, dass das vor allem die Eltern mit Suchthintergrund halt dann nicht schaffen, regelmäßig ihr Kind hierherzubringen und abzuholen. Und deshalb gibt es einen Fahrdienst.“ (Anhang, S. 26)
In vier Interviews wurde als zusätzliche Unterstützung für eine bessere Erreichbarkeit der Zielgruppe die Möglichkeit genannt, Angebote auch im eigenen Wohnraum durchzuführen (vgl. Anhang, S. 16; S. 27; S. 54; S. 71). So könne eine zusätzliche Hürde abgebaut werden:
„Ne, also, wir haben angeboten, also schon alleine, wenn wir gesagt haben – ‚Wir machen es alleine, kommen sie ins Büro‘, dann kommen die meisten auch. Und wenn die Hürde auch zu groß ist, haben wir gesagt, kommen wir auch gerne nach Hause. Und das funktioniert, da lassen sie sich drauf ein.“ (Anhang, S. 27)
Zusammenfassung der Kapitel
1 Begriffsbestimmungen: Klärung der zentralen terminologischen Grundlagen wie Familienorientierung und Sucht, um eine gemeinsame Basis für die Analyse zu schaffen.
2 Sucht: Beleuchtung der Hintergründe von Suchterkrankungen mit Fokus auf Risiko- und Schutzfaktoren sowie deren Auswirkungen auf familiäre Bezugssysteme.
3 Suchthilfe: Analyse des deutschen Suchthilfesystems, seiner verschiedenen Leistungsformen und der speziellen Anforderungen an familienorientierte Angebote.
4 Forschungsstand: Überblick über nationale und internationale Forschungsergebnisse zur Wirksamkeit und zu den Barrieren suchtspezifischer Unterstützungsangebote.
5 Methodik: Darstellung des qualitativen Forschungsdesigns, der Stichprobenauswahl sowie der Datenerhebung und -auswertung mittels Inhaltsanalyse nach Mayring.
6 Darstellung der Forschungsergebnisse: Systematische Aufbereitung der erhobenen Interviewdaten anhand von sechs zentralen Einflussfaktoren.
7 Interpretation und Diskussion der Forschungsergebnisse: Beantwortung der Forschungsfrage durch Abgleich der Empirie mit den theoretischen Grundlagen.
8 Fazit und Ausblick: Zusammenfassung der zentralen Handlungsbedarfe und Anregungen für zukünftige Entwicklungen in der Suchthilfe.
Schlüsselwörter
Suchthilfe, Familienorientierung, Suchterkrankung, ambulante Suchthilfe, Kinder suchtbelasteter Eltern, qualitative Sozialforschung, Hilfeinanspruchnahme, Prävention, Netzwerkarbeit, Finanzierung, Zugangswege, Resilienz, Kooperation, Suchtberatung, Stigmatisierung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Masterarbeit?
Die Arbeit analysiert die Zugangswege zu familienorientierten Angeboten der ambulanten Suchthilfe und identifiziert Faktoren, die Eltern und Kinder dazu bewegen, solche Hilfen anzunehmen oder abzulehnen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Studie?
Die Untersuchung konzentriert sich auf die Schnittstellen zwischen Suchthilfe, Jugendhilfe und familiärer Lebenswelt, insbesondere im Kontext von Schutz- und Risikofaktoren für Kinder suchtbelasteter Eltern.
Was ist das primäre Forschungsziel?
Das Ziel ist die Beantwortung der Frage, wie Zugänge zu familienorientierten Angeboten der ambulanten Suchthilfe bedarfsgerecht gestaltet werden können, um Prävention und Hilfe frühzeitiger zu ermöglichen.
Welche wissenschaftliche Methode wird angewendet?
Die Autorin wählt einen qualitativen Forschungsansatz und führt leitfadengestützte Interviews mit Betroffenen und Fachkräften durch, die anschließend mittels qualitativer Inhaltsanalyse nach Mayring ausgewertet werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Neben der theoretischen Fundierung zu Sucht und Suchthilfe bildet die empirische Analyse von Einflussfaktoren wie Finanzierung, Akquise und persönlicher Motivation den Kern der Arbeit.
Was sind die charakteristischen Schlüsselwörter?
Zentrale Begriffe sind Suchthilfe, Familienorientierung, Bedarfsanalyse, Kooperation und suchtspezifische Prävention.
Welche Rolle spielen eigene Kinder für die Motivation der Eltern?
Die Interviews zeigen, dass eigene Kinder oft der stärkste Motivator für Eltern sind, Hilfe in Anspruch zu nehmen, sobald sie die Belastungssituation ihrer Kinder reflektieren.
Wie bewerten die Fachkräfte die aktuelle Finanzierungslage?
Die befragten Experten kritisieren die Befristetheit von Projektfinanzierungen und betonen den Bedarf nach gesicherten Regelfinanzierungen, um kontinuierliche und bedarfsgerechte Angebote zu gewährleisten.
- Quote paper
- Lara-Marie Bachmann (Author), 2024, Bedarfsgerechte Zugänge zu familienorientierten Angeboten in der ambulanten Suchthilfe, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1493773