In der vorliegenden Hausarbeit sollen verschiedene Strömungen der Entwicklungstheorie anhand der Darstellung acht entwicklungspolitischer Studien untersucht werden. Dabei soll das Augenmerk vor allem auf die Frage nach der Konzeption von Demokratie und Entwicklung gelegt werden. Wie definieren die Entwicklungstheoretiker Entwicklung, wie Demokratie? Welchen Zusammenhang sehen die Autoren zwischen Demokratie und Entwicklung? Ist der Zusammenhang positiv oder negativ und welche ist die abhängige, welche die unabhängige Variable?
Grob kategorisiert werden können die untersuchten Arbeiten einerseits anhand ihres theoretischen Ansatzes (Modernisierungs-, Dependenz-, strukturalistische Theorie) andererseits aber auch aufgrund des von ihnen formulierten Zusammenhangs von Demokratie und Entwicklung. Auf der einen Seite stehen die optimistischen Entwicklungstheoretiker, die einen positiven Zusammenhang zwischen wirtschaftlicher Entwicklung und Demokratie sehen, auf der anderen Seite die pessimistischen Entwicklungstheoretiker, die keine Konvergenz zwischen Entwicklung und Demokratie vermuten oder sogar einen negativen Zusammenhang befürworten.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Modernisierungstheorien
2.1 Seymour Martin Lipset: Soziologie der Demokratie
2.2 Richard Löwenthal: Staatsfunktion und Staatsform in Entwicklungsländern
2.3 Walt Rostow: Stadien des wirtschaftlichen Wachstums
2.4 David Apter: The Politics of Modernization
2.5 Samuel P.Huntington: Politische Entwicklung und politischer Verfall
3. Dependenztheorien
Fernando H. Cardoso und Enzo Faletto: Abhängigkeit und Entwicklung in Lateinamerika
4. Bürokratischer Autoritarismus
Guillermo O’Donnell: Modernization and Bureaucratic Authoritarianism,
5. Strukturalismus
Dietrich Rueschemeyer, Evelyne Huber Stephens und John Stephens: Capitalist Development and Democracy
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Verhältnis von Demokratie und Entwicklung anhand von acht klassischen entwicklungstheoretischen Studien. Ziel ist es, die unterschiedlichen Konzeptionen der Autoren zu analysieren und zu hinterfragen, ob zwischen wirtschaftlicher Entwicklung und der Herausbildung demokratischer Systeme ein positiver oder negativer Zusammenhang besteht.
- Vergleich verschiedener entwicklungstheoretischer Ansätze (Modernisierungs-, Dependenz-, strukturalistische Theorie)
- Analyse der Definitionen von Demokratie und Entwicklung bei verschiedenen Theoretikern
- Untersuchung der Rolle von wirtschaftlichem Wohlstand für politische Stabilität
- Kritische Beleuchtung von Modernisierungsprozessen in Entwicklungsländern
- Darstellung von Machtkonstellationen und Klassenverhältnissen als Determinanten der Demokratisierung
Auszug aus dem Buch
2. 1 Seymour Martin Lipset: Wirtschaftliche Entwicklung und Demokratie
Seymour Martin Lipset versucht in seiner Studie aus dem Jahre 1960 der Frage nachzugehen, welche sozialen Faktoren die Entwicklung eines demokratischen Systems begünstigen (vgl. Lipset 1962, S. 35). Dabei geht er von einer schon von Max Weber angenommenen Korrelation zwischen wirtschaftlicher Entwicklung bzw. Industrialisierung und der Entwicklung der Demokratie aus (vgl. Lipset 1962, S.34). Jedoch kann niemals eine absolute Korrelation zwischen wirtschaftlicher Entwicklung und Demokratie angenommen werden, weil die Demokratie als „politische Form auch unter solchen Bedingungen weiter existieren kann, die für ihre Entstehung normalerweise ungünstig sind“ (Lipset 1962, S. 34).
Lipset will sich also auf die notwendigen Vorraussetzungen für die Entwicklung einer Demokratie konzentrieren, nicht auf deren Erhaltung. Seine Haupthese ist „Je wohlhabender ein Volk, desto größer die Aussicht, dass es eine Demokratie entfalten wird“ (Lipset 1962, S.42). Er kann damit eindeutig den optimistischen Modernisierungstheoretikern zugeordnet werden. Methodisch wählt Lipset eine vergleichende empirische Studie, in der er mit Hilfe der multivariten Datenanalyse die Abhängigkeit der Demokratieentwicklung von verschiedenen Faktoren messen kann. Sein Ziel ist es also nicht, einen Grund für die Entwicklung eines demokratischen Systems ausmachen zu können, sondern die Entwicklung der Demokratie in einem multikausalen Zusammenhang zu beschreiben (vgl. Lipset 1962, S.68f).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Zielsetzung ein, verschiedene Strömungen der Entwicklungstheorie hinsichtlich ihres Demokratieverständnisses und der Beziehung zwischen wirtschaftlicher Entwicklung und demokratischer Stabilität zu analysieren.
2. Modernisierungstheorien: Dieses Kapitel untersucht die Ansätze von Lipset, Löwenthal, Rostow, Apter und Huntington, die Modernisierung unterschiedlich interpretieren und differierende Schlüsse über den Zusammenhang mit Demokratie ziehen.
3. Dependenztheorien: Hier wird Cardoso und Falettos Theorie diskutiert, die Entwicklung als abhängiges Phänomen innerhalb sozialer Strukturen und Interessenkonflikte in Lateinamerika betrachtet.
4. Bürokratischer Autoritarismus: Dieses Kapitel analysiert O’Donnells Konzept, das aufzeigt, wie Modernisierung in Südamerika zu exklusiven, autoritären politischen Systemen führen kann.
5. Strukturalismus: Hier wird der Ansatz von Rueschemeyer, Stephens und Stephens vorgestellt, der Demokratisierung als Ergebnis von Machtkonstellationen zwischen gesellschaftlichen Klassen begreift.
6. Fazit: Das Fazit bewertet die behandelten Theorien kritisch und hebt die Bedeutung des strukturalistischen Ansatzes für ein tieferes Verständnis der historischen und sozialen Bedingungen von Demokratisierung hervor.
Schlüsselwörter
Demokratie, Entwicklungstheorie, Modernisierung, Dependenztheorie, Strukturalismus, Wirtschaftswachstum, Politische Stabilität, Klassenverhältnisse, Industrialisierung, Autoritarismus, Politische Partizipation, Institutionenbildung, Sozialstruktur, Entwicklungsländer, Machtkonstellationen
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert kritisch acht zentrale Texte klassischer Entwicklungstheorien, um deren Verständnis von Demokratie und Entwicklung zu vergleichen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind der Zusammenhang zwischen wirtschaftlicher Modernisierung und Demokratisierung sowie die Rolle von sozialen Strukturen, Machtverhältnissen und staatlichen Institutionen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das primäre Ziel ist es, die Definitionen von Demokratie und Entwicklung bei den gewählten Autoren herauszuarbeiten und zu prüfen, ob die Theorien einen positiven oder negativen Zusammenhang zwischen beiden sehen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Analyse und Kritik der ausgewählten Literatur, die den Ansatz einer vergleichenden Gegenüberstellung verfolgt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich nach den verschiedenen theoretischen Strömungen: Modernisierungstheorien, Dependenztheorien, bürokratischer Autoritarismus und Strukturalismus.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Schlüsselwörter sind Modernisierung, Demokratisierung, Abhängigkeit, politische Stabilität und Klassenkonflikte.
Warum ordnet die Autorin Rostow als optimistisch ein?
Rostow wird als optimistisch eingestuft, da er in seinem stufenweisen Wachstumsmodell implizit davon ausgeht, dass wirtschaftliche Entwicklung langfristig zwangsläufig zu Demokratie führt.
Was ist laut O’Donnell die Ursache für den bürokratischen Autoritarismus?
Laut O’Donnell entsteht dieser Systemtyp in hoch modernisierten Ländern durch die Unfähigkeit demokratischer Regierungen, die Forderungen der durch Modernisierung mobilisierten Bevölkerungsschichten zu erfüllen, was zu repressiven Maßnahmen führt.
Warum bevorzugt die Autorin den strukturalistischen Ansatz von Rueschemeyer et al.?
Der Ansatz wird bevorzugt, weil er keine vereinfachenden Kausalzusammenhänge postuliert, sondern die historische Entwicklung und Demokratisierung multikausal über komplexe Klassenstrukturen und Machtkonstellationen erklärt.
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- Stefanie Graf (Author), 2008, Demokratie und Entwicklung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/149395