Rational Choice als Voraussetzung für Philip Pettits Theorie institutioneller Personen


Seminararbeit, 2010

11 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.Einleitung

2. Rational Choice

3. Pettits Beweisführung
3.1 Das diskursive Dilemma
3.2 Institutionelle Personen

4. Alternative Ansätze

5. Zusammenfassung

6. Bibliographie

1.Einleitung

Philip Pettit geht bei der Entwicklung seiner Theorie institutioneller Personen von rational handelnden Individuen aus, die sich immer darum bemühen werden, ihre Handlungen möglichst konsistent auszuführen. Seine Annahmen entnimmt der Philosoph der Rational Choice Theorie, die in Wirtschaft, Politik und Soziologie zur Anwendung kommt und vom Menschen als wirtschaftlich denkendes Individuum oder als 'homo oeconomicus' ausgeht. Der Mensch würde seine Handlungswahl immer in Hinblick auf den Nutzen treffen und Kollektive wie Staaten wären nur durch das egoistische Verhalten der Mitglieder erklärbar.

Pettit entwickelt ausgehend von dieser Theorie die Annahme, dass Kollektive einen eigenen Geist besitzen, der von dem seiner Mitglieder verschieden ist. Zwar behauptet Pettit nicht, dass Kollektive in bestimmten Fällen die gleichen Eigenschaften haben wie einzelne Individuen. Jedoch versucht er in seinem Essay „Gruppen mit einem eigenen Geist“[1] zu beweisen, dass bestimmte Kollektive unter gewissen Voraussetzungen dazu gezwungen sind, Vernunft zu kollektivieren. In diesem Fall seien Gruppen „autonome Entitäten […], die institutionelle Personen konstituieren.“[2]

In meiner Seminarbeit werde ich zu zeigen versuchen, welche Voraussetzungen Philip Pettit für das Vorhandensein institutioneller Personen nennt und seine Beweisführung hinsichtlich der Annahmen aus der Rational Choice Theorie näher untersuchen. Ich möchte diskutieren, inwiefern diese Art der Beweisführung tragbar ist, welche Alternativen möglich wären und ob die Theorie auch praktischen Wert besitzt.

2. Rational Choice

Die natürliche Person ist das ultimative Zentrum des Handelns, und wenn es für einen Menschen rational ist, im Namen eines Kollektivs zu handeln – das heißt, rational in dem Sinn, dass die relevanten Präferenzen maximiert werden –, dann ist es in Bezug auf die Präferenzen der natürlichen Person rational.[3] Der Begriff 'Rationalität' impliziert bei Pettit weniger ein objektiv vorgegebenes Bestreben des Einzelnen nach Gemeinwohl gemäß der Ideenlehre von Platon und Aristoteles[4]. Er vertritt eher die Auffassung, dass eine Person rational handelt, wenn sie diejenigen Handlungen hinsichtlich eines Ziels ausführt, die zur Nutzenmaximierung beitragen können. Demzufolge geht Pettit von einem 'homo oeconomicus' bzw. dem 'RREEMM'[5] aus, wie er im 19. Jahrhundert von der neoklassischen Wirtschaftswissenschaft unter Einfluss von Adam Smiths Nationalökonomie konstituiert wurde. Gemäß der neoklassischen Theorie wird das Wirtschaftssubjekt vor der Ausführung seiner Handlung eine 'Präferenzordnung' erstellen und die bereitstehenden Güter vergleichen, um jenes Gut zu wählen, welches die größte Befriedigung verspricht.[6] Nach der Rational Choice Theorie des 20.Jahrhunderts ist es möglich, die rationale Wahlhandlung in Modellen vorauszusagen, da angenommen wird, dass das Verhalten einer Person konsistent ist und sie stets die nutzenbringendste Handlung präferiert.[7] In Rational Choice-Modellen wird als Handlungsmotiv ausschließlich Zweckrationalität berücksichtigt. Die anderen von Max Weber festgelegten Handlungsmotive – Werterationalität, Affekthandlungen oder Traditionshandlungen – existieren in dieser Theorie nicht.[8]

Mithilfe dieser Reduktion ist es möglich, Modelle zu erstellen, die „sozial[e] Verhältnisse, Ereignisse und Institutionen einzig und allein aus den einzelnen Individuen und ihren Eigenschaften“[9] erklären.

Allerdings schließt die Theorie nicht aus, dass auch die soziale Struktur Einfluss auf das Individuum nehmen kann. Gemäß Colemans soziologischer Erklärung, sind Subjekte zwar Träger des Geschehens, allerdings ist festzustellen, „dass die soziale Struktur die individuelle Situationsinterpretation deutlich beeinflusst.“[10] Wie eine Person handelt, ist also von der Situation abhängig, in der sie sich befindet und zu der sie sich rational verhält. Die Situation innerhalb der SPD ist für deren Mitglieder eine andere als für die der CDU, sodass sie unterschiedliche Entscheidungen zu unterschiedlichen Themen fällen werden. Die Einstellungen der SPD-Mitglieder hinsichtlich religiöser Debatten dürfte eine andere sein, als die der CDU. Ebenso verfolgt die CDU möglicherweise andere Parteiziele bezüglich Einwanderungsfragen, als ihre sozialdemokratischen Gegenspieler.

[...]


[1] Pettit, Philip: Gruppen mit einem eigenen Geist. In: Kollektive Intentionalität. Eine Debatte über die Grundlagen des Sozialen. Hg. von Bernhard Schmid und David P. Scheikard. Frankfurt am Main: Suhrkamp 2009 (Suhrkamp Taschenbuch Wissenschaft), Bd.1898 , S. 586-625.

[2] Pettit, S.586.

[3] Pettit, S.621.

[4] vergl. Braun, Dietmar: Theorien rationalen Handelns in der Politikwissenschaft. Eine kritische Einführung.Opladen: Leske + Budrich 1999 (Grundwissen Politik), Bd. 25, S.29.

[5] Der 'RREEMM' entspricht der Subjekttheorie des Rational Choice-Ansatzes, welche von einem „resourceful, restricted, evaluating, expecting, maximazing man“ ausgeht. Der 'RREEMM' kann als Weiterentwicklung des 'homo oecologicus' gesehen werden.

[6] Vergl. Braun, S.31f.

[7] Vergl., Braun, S. 33.

[8] Vergl. Braun, S.34ff.

[9] Braun, S.42.

[10] Hill, Paul B.: Rational-Choice-Theorie. Bielefeld: Transcript Verlag 2002 (Soziologische Themen),Band ?, S.25.

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Rational Choice als Voraussetzung für Philip Pettits Theorie institutioneller Personen
Hochschule
Technische Universität Dresden
Veranstaltung
Soziale Ontologie
Note
1,7
Autor
Jahr
2010
Seiten
11
Katalognummer
V149437
ISBN (eBook)
9783640599714
ISBN (Buch)
9783640600083
Dateigröße
432 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Philip Pettit, Rational Choice, Wir Absichten
Arbeit zitieren
Johanna Sailer (Autor), 2010, Rational Choice als Voraussetzung für Philip Pettits Theorie institutioneller Personen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/149437

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