Quartäre Morphogenese der mitteleuropäischen Mittelgebirge


Hausarbeit, 2009
20 Seiten

Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung

2 Das Klima als dominanter Einflussfaktor auf die Morphogenese
2.1 Geomorphologische Prozesskombinationen in Abhangigkeit des Klimas
2.2 Die Vergletscherung mitteleuropaischer Mittelgebirge im Kontext des Formenwandels

3 Das Periglazialgebiet als Charakteristika der mitteleuropaischen Mittelgebirge
3.1 Charakterisierung der periglazialen Zone
3.2 Raumliche Abgrenzung der periglazialen Hohengrenze mit Hilfe von Leitformen

4 Quartare periglaziale Bildungen in den Mittelgebirgen

5 Zusammenfassung

Literatur

Abbildungen

Abb. 1: Die Vergletscherung der mitteleuropaischen Mittelgebirge

Abb. 2: Maximale Ausdehnung des Periglazials zur letzten Eiszeit

Abb. 3: Ubergang von Kryoturbations- zu Solifluktionsstrukturen

Abb. 4: Steinstreifen

Abb. 5: Delle bei Lindelbrunn im Dahner Felsenland

Tabellen

Tab. 1: Morphogenetic systems of the world

1 Einleitung

„Die Gebirge sind stumme Meister und machen schweigsame Schtiler“

(Goethe 1821:284)

Dieses Zitat Goethes deutet darauf hin, dass die Formenvielfalt der Gebirge schon Anfang des 19. Jahrhunderts Gegenstand der Wissenschaft war, deren Morphogenese jedoch nahezu unbegreiflich schien. Bereits Carl Ritter und Alexander von Humboldt versuchten, „die Formen der Erdoberflache durch MaBe zu kennzeichnen, beiden Mannern lag aber eine genetische Morphologie ferne“ (Penck 1894:5). Die Morphogenese wird heute als wissenschaftliches Teilgebiet der Geomorphologie definiert, die sich mit der Entstehung und langzeitlichen Entwicklung der Landformen befasst (Ahnert 2003:20). Dennoch scheint es heute noch, als ob die Landoberflache und „die wissenschaftliche Kenntnis ihrer Formen, deren Entwicklung und der auf ihnen ablaufenden Prozesse noch recht wenig verbreitet“ (Ahnert 2003:12) ist. Die Beseitigung dieses Defizits, bezogen auf das Gebiet der mitteleuropaischen Mittelgebirge, ist daher Gegenstand der vorliegenden Arbeit. Im Mittelpunkt der Untersuchung soll dabei der Frage nachgegangen werden, ob die quartare Morphogenese im betrachteten Gebiet zufallig ablief oder vielmehr einer verallgemeinerungsfahigen Regelhaftigkeit folgt.

Fur die Beantwortung dieser Fragestellung ist mit Blick auf die Landerkarte Europas die horizontale Ausweitung des Untersuchungsgebietes uber die Grenzen der heutigen Bundesrepublik Deutschland zwingend notwendig. Des Weiteren sollen im Kontext der obigen Fragestellung auch die, fur die Entstehung der unterschiedlichen oberflachenformen verantwortlichen morphologischen Prozesse, dargestellt werden. Denn erst wenn diese identifiziert sind, „beginnen die geographischen Gemalde gleichsam selbst uns anzureden und die Schicksale der Landerraume zu erzahlen“ (Peschel 1883:5).

Die vorliegende Arbeit gliedert sich in funf Kapitel. Zunachst soll dargestellt werden, welche Gebiete der mitteleuropaischen Mittelgebirge im Quartar vergletschert waren bzw. unter periglazialen Einfluss standen. Das Periglazialgebiet ist es auch, was im Folgenden im Mittelpunkt der Betrachtungen stehen soll. Im Kontext seiner Charakterisierung stellt sich die Frage nach der raumliche Abgrenzung der periglazialen Zone. Im Anschluss daran sollen typische periglaziale Hang und Talformen der Mittelgebirge vorgestellt werden, deren Entstehung vornehmlich in das Mittel- und Jungpleistozan eingeordnet werden konnen.

2 Das Klima als dominanter Einflussfaktor auf die Morphogenese

2.1 Geomorphologische Prozesskombinationen in Abhangigkeit des Klimas

Ohne Zweifel war es vor allem Julius Budel, der die Klimageomorphologie aus ihrem stiefmutterlichen Dasein befreit hat und das Konzept entwickelte, „dass unter bestimmten klimatischen Bedingungen ganz bestimmte geomorphologische Prozesse vorherrschen“ (Goudie 2007:52). Budel unternahm den ersten Versuch einer klimatisch- geomoprhologischen Zonierung der Erde, wobei „diese Zonen [...] dadurch definiert sind, dass in jeder von ihnen ein hochst komplexes, von dem dort herrschenden Klima gesteuertes Prozessgefuge herrscht“ (Budel 1982:2). Tabelle 1 stellt diesen Versuch der Klassifikation, leicht modifiziert durch Wilson (1968:720) dar. Ganz im Sinne des Aktualismusprinzips nach Hutton gilt fur die weiteren Betrachtungen, dass die „vergangenen Entwicklungen in der Erdgeschichte unter den selben Naturgesetzen standen, die auch heute gelten und das sie mit denselben Prozessen abliefen, die wir auch heute beobachten konnen“ (Ahnert 2003:20).

Tabelle 1: Morphogenetic systems of the world (Wilson 1968:720)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Es wird deutlich, dass innerhalb der verschiedenen morphogenetischen Systeme auch verschiedene geomorphologische Prozesse ablaufen. Auf eine ausfuhrliche Darstellung dieser geomorphologischen Prozesse soll an dieser Stelle jedoch verzichtet werden. Da „der Formenschatz ehemals vergletscherter Gebiete im Gegensatz zu dem der ehemals eisfreien Gebiete steht“ (Budel 1944:482), soll vielmehr dargestellt werden, welche mitteleuropaischen Mittelgebirge ausschlieBlich periglazialem Einfluss unterlagen, respektive welche Mittelgebirge auch glazial gepragt wurden.

2.2 Die Vergletscherung mitteleuropaischer Mittelgebirge im Kontext des Formenwandels

Im Gebiet des heutigen Frankreichs war das Zentralmassiv als auch die Vogesen vergletschert. Am Grand Ballon (1424m), der hochsten Erhebung der Vogesen, konnte mit Hilfe der Endmorane in 340m Hohe an der Westseite des Gebirges der langste Gletscher (40km) nachgewiesen werden (Mercier & Jeser 2004:116). Die Endmoranen an den ostexponierten Hangen hingegen lassen darauf schlieBen, dass deren Gletscher ungleich kleiner waren (ca. 5km).

Im heutigen Gebiet der Bundesrepublik Deutschland war neben dem Schwarzwald und dem Bayrischen Wald auch der Harz vergletschert (Liedtke 2003:66). Im Schwarzwald waren die Hochlagen, wie beispielsweise das Gebiet um den Feldberg (1493m), vergletschert. Die Moranen der GletschervorstoBe reichen dabei bis in Hohenlagen von 720m herab (Volkel 1995:13). „In the Bayrischer Wald [...] mountain traces of former glaciation have been identified in most areas higher than 1300m. End moraines of the last glaciation reach down to an altitude of 900m” (Fiebig et al. 2004:147). Lange Zeit wurde des Weiteren vermutet, dass auch das Fichtelgebirge sowie die Schwabische Alb vergletschert waren. Jedoch konnten diese Vermutungen bisweilen nicht eindeutig belegt werden.

„Mountain ranges within the Czech Republic were glaciated to a very limited extent“ (Ruzicka 2004:27). Es muss davon ausgegangen werden, dass weder das Heiligkreuzgebirge (612m) noch das Isergebirge (Tafelstein 1072) vergletschert waren (Klebelsberg 1949:660).Im Riesengebirge war die Schneekoppe (1602m) vergletschert. Die groBten Gletscher traten dabei an den Sudhangen des Riesengebirges auf, deren Endmoranen in ca. 1200 m Hohe lokalisiert werden konnen (Chamal & Traczyk 1999:11).

In Polen nahm das Eis der Sanian 2 Kaltzeit beinahe das gesamte Gebiet des Landes ein. „The ice passed over the middle mountains of Poland, the highest parts of them being presumably the nunataks. There are no traces of local glaciations in the Polish middle mountains during the Quaternary” (Marks 2009). Von der Gerlsdorfer Spitze (2655m) flossen Gletscher im letzten Hochglazial bis ca. 1310m hinab (Urdea 2004:306). In der Ukraine ragt der Howerla mit 2061m als hochster Berg der Ukrainischen Karpaten hervor. „Traces of glacier activity such as cirques [...] and small end moraine ridges occur at altitudes in the range of 1350 - 1600m“ (Matoshko 2004:436).

Im nachfolgenden Diagramm werden die eben erwahnten Daten graphisch dargestellt. Neben der hochsten Erhebung des jeweiligen Gebirges ist auch die Hohenlage der Endmoranen eingezeichnet. In Anlehnung an Schwarzbach (1974:230) ist weiterhin die zu vermutende Pleistozane Schneegrenze fur die weitere Interpretation der Ergebnisse dargestellt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Die Vergletscherung der mitteleuropaischen Mittelgebirge

Es wird ersichtlich, dass die Vergletscherung der Mittelgebirge in Westeuropa deutlich ausgepragter war, als dies im Gebiet des heutigen Osteuropas der Fall war. Die Ursache dafur liegt unter anderem im abgeschwachten Einfluss des Golfstroms auf das Klima wahrend der letzten Kaltzeit (Warrick et al. 1993:99 f.). Die folglich verhaltnismaBig kuhlen Temperaturen zur letzten Eiszeit im Westen Mitteleuropas hatten zur Folge, dass die Schneegrenze in den Vogesen auf ca. 900m abfiel (Schwarzbach 1974:230, Frenzel 1967:147 f.). Auch wenn pauschalisierend gesagt werden darf, dass sich der Jahresdurchschnittsniederschlag auf Grund der groBen Kalte vor allem im Jungpleistozan verringert hat, fiel im Westen Europas immer noch genugend schneebringender Niederschlag, um diese Vergletscherungen hervorzurufen. Mit zunehmender Kontinentalitat nimmt die Vergletscherung mit fallenden Niederschlagsmengen und steigender Schneegrenze nach Osten hin ab. Somit kann die Frage einer verallgemeinerungsfahigen Regelhaftigkeit der Vergletscherung respektive der quartaren Morphogenese mitteleuropaischer Mittelgebirge in erster Linie mit Hilfe des westostlichen -und hypsometrischen Formenwandels beantwortet werden.

Es wurde jedoch bereits angedeutet, dass auch die Exposition des Hangs bzw. die Streichung des Gebirges einen signifikanten Einfluss auf die Morphogenese ausubt (Weischet & Endlicher 2000:55). Die heute vorherrschenden niederschlagsreichen Westwinde in den mittleren Breiten dominierten auch im Quartar (Klebelsberg 1949:435), daher erscheint es nicht verwunderlich, dass die westexponierten Hange die weitaus machtigeren Gletscher trugen. Verstarkt wird dieser makroklimatische Faktor weiter durch den Luv - Lee Effekt.

[...]

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Quartäre Morphogenese der mitteleuropäischen Mittelgebirge
Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena  (Institut für Geographie)
Veranstaltung
Quartärer Klima- und Landschaftswandel Mitteleuropa
Autor
Jahr
2009
Seiten
20
Katalognummer
V149446
ISBN (eBook)
9783640599738
ISBN (Buch)
9783640600267
Dateigröße
1911 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Vier Seiten Literaturangabe
Schlagworte
Quartäre, Morphogenese, Mittelgebirge
Arbeit zitieren
Sebastian Paesold (Autor), 2009, Quartäre Morphogenese der mitteleuropäischen Mittelgebirge, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/149446

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