Diese Arbeit beschäftigt sich mit der Frage, ob und inwieweit Konrad von Würzburgs „Herzmäre“ als Minnemäre bezeichnet werden kann. Für eine solche Analyse ist eine terminologische Klärung der Begriffe „Märe“, „Minne“ und „Minnemäre“ notwendig, die zu Beginn der Arbeit nach der Einleitung erfolgt. Anschließend werden das Herzmäre und sein Autor Konrad von Würzburg knapp vorgestellt, bevor es zum Kern der Arbeit kommt. Dieser besteht aus der Analyse des „Herzmäre“ und in der Untersuchung, inwiefern es mären– und minnetypische Eigenschaften aufweist, durch die es möglicherweise als Minnemäre betitelt werden könnte.
Die Arbeit endet mit einem zusammenfassenden Fazit. Fundament der Arbeit ist selbstverständlich eine Ausgabe des „Herzmäre“ Konrad von Würzburgs, die aus dem Werk „Novellistik des Mittelalters“ von Klaus Grubmüller entnommen wurde. Für den definitorischen Teil der Arbeit, der sich mit den Begriffen des Märe und der Minne auseinandersetzt, wurde mit besonderem Bezug zu Hanns Fischer gearbeitet, der in seinem Werk „Studien zur deutschen Märendichtung“ den Märenbegriff kategorisiert und definiert. Im gleichen Zug halfen die Werke „Ehre und Mut. Aventiure und Minne. Höfische Wortgeschichten im Mittelalter“ von Otfrid Ehrismann und „Studien zur Wissensbestimmung der höfischen Minne“ von Hans Furstner, den Begriff der Minne in einem für diese Arbeit notwendigen Rahmen vorzustellen.
In der Hauptanalyse des „Herzmäre“ konnten sich die Untersuchung Ursula Schulzes „Konrads von Würzburg novellistische Gestaltungskunst im ‚Herzmäre‘“, Rüdiger Brandts Werk „Konrad von Würzburg. Kleinere epische Werke“, sowie Klaus Grubmüllers „Die Ordnung, der Witz und das Chaos. Eine Geschichte der europäischen Novellistik im Mittelalter: Fabliau – Märe – Novelle“ als sehr nützlich erweisen. Auf einen Vergleich mit anderen Mären, die womöglich eine ähnliche Thematik und Motivik aufweisen, kann aufgrund des begrenzten Rahmens der Arbeit des Proseminars nicht eingegangen werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Begrifflichkeiten
2.1 Das Märe
2.2 Die (hohe) Minne
2.3 Minnemäre
3. Konrad von Würzburg: Herzmäre
4. Herzmäre = Minnemäre?
5. Fazit
6. Literaturverzeichnis
6.1 Primärliteratur
6.2 Sekundärliteratur
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht Konrad von Würzburgs „Herzmäre“ hinsichtlich der literaturwissenschaftlichen Kategorisierung als „Minnemäre“. Dabei wird analysiert, inwiefern das Werk typische Merkmale der Gattungen Märe und Minne vereint und ob die spezifische Gestaltung der Liebesthematik eine Einordnung als demonstratives Märe der unbedingten Liebe rechtfertigt.
- Terminologische Abgrenzung der Begriffe Märe, Minne und Minnemäre
- Analyse der narrativen Gestaltungskunst Konrad von Würzburgs im „Herzmäre“
- Untersuchung der Umdeutung des „gegessenen Herzens“-Motivs
- Vergleich der Herzmäre-Struktur mit Gattungskategorien der Forschung
- Diskussion der polarisierenden Motive wie Liebe und Leid sowie Leben und Tod
Auszug aus dem Buch
3. Konrad von Würzburg: Herzmäre
Hauptgegenstand dieser Arbeit ist das „Herzmäre“ Konrad von Würzburgs. Das Geburtsdatum des am meisten überlieferten Autors des 13. Jahrhunderts ist nicht bekannt, seinen Tod datiert man auf das Jahr 1287. Mit 14 Überlieferungsträgern ist sein „Herzmäre“ eines der am umfangreichsten erhaltenen Werke der mittelalterlichen Märendichtung. Aufgrund von Unvollständigkeiten oder Unterschieden entfällt in manchen Handschriften der Name des Autors oder es wird fälschlicherweise Gottfried von Straßburg als Autor genannt. Auch wenn Konrad sich nur in zwei Handschriften selbst als Autor nennt, ordnet man ihm den Text aufgrund der Stilistik zu. Der Entstehungszeitraum des „Herzmäre“ ist nicht genau bekannt, trotzdem vermuten manche Historiker aufgrund der enthaltenen Kreuzzugsmotivik eine zeitliche Nähe zum Kreuzzug von 1267. Es ist möglich, dass Konrad für seine Geschichte einen französischen Text oder eine französische Geschichte als Vorlage benutzte und aus diesem in der Nähe von Basel das „Herzmäre“ verfasste. Es ist gut möglich, dass die Zeit, in der die erzählte Geschichte spielen soll, sich mit dem Entstehungszeitraum deckt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Fragestellung ein, ob Konrad von Würzburgs „Herzmäre“ als Minnemäre klassifiziert werden kann, und erläutert die verwendete methodische Grundlage sowie den Aufbau der Analyse.
2. Begrifflichkeiten: Dieser Abschnitt erarbeitet die theoretischen Definitionen von Märe, Minne und Minnemäre, um ein fundiertes Verständnis für die anschließende Textanalyse zu gewährleisten.
3. Konrad von Würzburg: Herzmäre: Das Kapitel bietet einen kurzen Überblick über den Autor Konrad von Würzburg und die Überlieferungsgeschichte sowie den historischen Kontext seines Werkes „Herzmäre“.
4. Herzmäre = Minnemäre?: Die Hauptanalyse untersucht die spezifische Erzählstruktur des „Herzmäre“, insbesondere die Umdeutung klassischer Motive, um die Eignung der Gattungsbezeichnung Minnemäre zu prüfen.
5. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und kommt zu dem Schluss, dass das „Herzmäre“ aufgrund der demonstrativen Darstellung unbedingter Liebe durchaus als Minnemäre bezeichnet werden kann.
6. Literaturverzeichnis: Hier werden die in der Arbeit herangezogenen Primär- und Sekundärquellen chronologisch und systematisch aufgelistet.
Schlüsselwörter
Herzmäre, Konrad von Würzburg, Mittelhochdeutsche Literatur, Minnemäre, Märe, Höfische Minne, Liebesmotivik, Gegessenes Herz, Exemplarische Erzählung, Literaturgeschichte, Gattungsbestimmung, Mittelalterliche Novellistik, Liebestod, Minne-Ehe-Spannung, Demonstratives Märe
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit untersucht Konrad von Würzburgs Werk „Herzmäre“ und hinterfragt, ob es legitim ist, dieses als „Minnemäre“ zu klassifizieren.
Welche zentralen Themenfelder behandelt die Untersuchung?
Im Zentrum stehen die Gattungsbestimmung mittelalterlicher Kleinepik, die Definition der höfischen Minne sowie die erzählerische Gestaltung von Liebeskonzeptionen im 13. Jahrhundert.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, durch eine terminologische Klärung der Gattungsbegriffe und eine Analyse des Primärtextes festzustellen, ob das Herzmäre spezifisch als Minnemäre eingeordnet werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Analyse verwendet?
Die Arbeit nutzt eine philologische Analyse des Textes unter Einbeziehung der einschlägigen Forschungsliteratur, insbesondere der Mären-Kategorisierung nach Hanns Fischer.
Welcher Inhalt steht im Hauptteil im Fokus?
Der Hauptteil analysiert, wie Konrad von Würzburg das bekannte Motiv des „gegessenen Herzens“ umdeutet, um Liebe statt Rache als zentrale Antriebskraft der Erzählung zu inszenieren.
Welche Schlagworte charakterisieren das Werk?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Herzmäre, Minne, Märe, Gattungsbestimmung und Liebestod beschreiben.
Warum wird die „Hohe Minne“ kritisch hinterfragt?
Die Arbeit zeigt auf, dass der Ritter und die Dame im Herzmäre auf Augenhöhe agieren, was der hierarchischen Struktur der klassischen „Hohen Minne“ widerspricht.
Welche Schlussfolgerung zieht der Autor zur Bezeichnung „Minnemäre“?
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass die Klassifizierung als Minnemäre passend ist, sofern man darunter demonstrative Erzählungen unbedingter Liebe versteht, der selbst der Tod nicht im Wege steht.
- Arbeit zitieren
- Lukas Körfer (Autor:in), 2021, Konrads von Würzburg "Herzmäre". Ein Minnemäre?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1495365