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Michel Foucaults Machtanalyse aufgezeigt am Beispiel des Sexualitäts-Dispositivs in "Der Wille zum Wissen. Sexualität und Wahrheit I"

Title: Michel Foucaults Machtanalyse aufgezeigt am Beispiel des Sexualitäts-Dispositivs in "Der Wille zum Wissen. Sexualität und Wahrheit I"

Term Paper (Advanced seminar) , 2008 , 20 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Christian Finger (Author)

Philosophy - Philosophy of the 20th century
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Foucaults zentrales Anliegen in seiner 1976 in Frankreich erschienen Histoire de la sexualité ist die „Entschlüsselung der Beziehungen zwischen der Macht, dem Wissen und dem Sex [...]“. Dabei verwehrt er sich der insbesondere zu seiner Zeit beliebten Repressions-Hypothese und behauptet stattdessen: der abendländische Mensch wird zu einem Geständnis-Tier. Anders formuliert lautet Foucaults Gegen-These: „Die modernen Gesellschaften zeichnen sich nicht dadurch aus, daß sie den Sex ins Dunkel verbannen, sondern daß sie unablässig von ihm sprechen und ihn als das Geheimnis geltend machen.“ Zur Beweisführung seiner Behauptung führt er einen Begriff von Macht ein, der – wie im weiteren ausführlich zu behandeln sein wird – besagt, dass Macht keine unterdrückende Institution ist, sondern im Gegenteil eine Struktur, die den jeweiligen Dispositiven immanent ist. Was Foucault genau unter Macht und Dispositiv im Allgemeinen und einem Sexualitäts-Dispositiv im Besonderen versteht, soll zunächst theoretisch aufgezeigt werden, um weiterhin zu konkretisieren, wie sich die Macht in eben diesem exemplarisch ausgesuchten Sexualitäts-Dispositiv äußert. Dabei ist der Tatsache, dass dies ausgerechnet am Dispositiv der Sexualität geschehen soll, gemäß Foucault keine besondere Bedeutung beizumessen. So verweist dieser im Vorwort explizit darauf, „daß die Sexualität hier nur ein Beispiel für ein allgemeines Problem ist [...]: wie ist in den abendländischen Gesellschaften die Produktion von Diskursen, die (zumindest für eine bestimmte Zeit) mit einem Wahrheitswert geladen sind, an die unterschiedlichen Machtmechanismen und –institutionen gebunden?“.

Um dem komplexen Thema auf 'erhellende' Weise gerecht werden zu können, sind die relevanten Textstellen aus Foucaults "Der Wille zum Wissen. Sexualität und Wahrheit I" im "Close-reading"- Verfahren gelesen und kommentiert worden - u.a. unter zu Hilfenahme von Philipp Sarasin: "Michel Foucault zur Einführung" und Gilles Deleuze: "Was ist ein Dispositiv?"

Diese Vorgehensweise einer gründlichen und also genauen Lektüre ist zudem ganz im Sinne des Autors Michel Foucault, bemerkte doch dieser einmal in einem Interview: "Es ist eine Tatsache, dass es immer weniger gute Leser gibt...Das erste Buch, das man schreibt, wird gelesen, weil man nicht bekannt ist und es wird wirr und durcheinander gelesen, was für mich ganz in Ordnung ist...Eine ernste Sache ist, dass man, je mehr Bücher man schreibt überhaupt nicht mehr gelesen wird...".

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

Hinführung zum Thema

1.0 Foucaults Kritik an der Repressionshypothese

1.1 Foucaults Konzept der strategischen Macht

1.2 Die Immanenz von Macht und Widerstand

2.0 Das Wirken der strategischen Macht im Sexualitäts-Dispositiv

2.1 Was ist ein Dispositiv?

2.2 Der Wille zum Wissen: Sexualität als Wahrheitsquelle

2.3 Das Sexualitäts-Dispositiv

2.4 Genealogie der intrinsischen Verbindung von Sexualität und Macht

3.0 Foucaults Machtbegriff und -analyse: Kritik und Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht Michel Foucaults machtanalytisches Konzept anhand seines Werkes "Der Wille zum Wissen. Sexualität und Wahrheit I". Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Macht als strategisches, immanentes Geflecht innerhalb von Dispositiven operiert, anstatt als repressives Instrument staatlicher Institutionen verstanden zu werden.

  • Foucaults Kritik an der Repressionshypothese und sein Verständnis von Macht.
  • Die theoretische Konzeption des "Dispositivs" als strategisches Netzwerk.
  • Die Verknüpfung von Sexualität, Wissen und Wahrheit.
  • Machtmechanismen als produktive Kraft statt als reine Unterdrückung.
  • Die Rolle der Familie und die Entstehung der "Bio-Macht".

Auszug aus dem Buch

1.0 Foucaults Kritik an der Repressionshypothese

Ausgangspunkt für Foucaults Begriffsdefinition von Macht ist seine Kritik an dem bisherigen Verständnis, wie die Macht sich in den letzten Jahrhunderten in den abendländischen Gesellschaften auf den Sex ausgewirkt haben soll: dass nämlich die „Geschichte der letzten Jahrhunderte in den abendländischen Gesellschaften wenig vom Spiel einer wesenhaft repressiven Macht zeigt.“ So benennt Foucault zunächst einmal zur schärferen Abgrenzung seines Konzepts der Macht einige Merkmale dieser angeblich repressiven oder auch juridisch-diskursiven Macht:

Die negative Beziehung: Zwischen Macht und Sex gibt es nur ein negatives Verhältnis. Negativ meint hier, dass Macht die Wissensproduktion, die Produktion von Positivitäten unterbindet.

Die Instanz der Regel: Die Macht ist wesenhaft das, was dem Sex sein Gesetz diktiert; das binäre Regime lautet: erlaubt / verboten. Oder anders herum: die Macht schreibt dem Sex eine Ordnung vor.

Der Zyklus der Untersagung: Zum Sex verhält sich die Macht nur, indem sie ein Sperrgesetz über ihn verhängt (du sollst nicht berühren, du sollst nicht genießen etc.); ihr Ziel: der Sex soll sich selber entsagen; ihre Methode: die Androhung einer Strafe, die nichts als eine Auslöschung ist.

Die Logik der Zensur: Die Macht verhängt über den Sex die paradoxe Logik eines Gesetzes, das sich als Einschärfung von Nichtexistenz, Nichtkundgabe und Schweigenmüssen äußert.

Zusammenfassung der Kapitel

Hinführung zum Thema: Erläutert das Anliegen Foucaults, die Repressionshypothese zu hinterfragen und die Entschlüsselung der Beziehungen zwischen Macht, Wissen und Sex als zentrales Ziel zu etablieren.

1.0 Foucaults Kritik an der Repressionshypothese: Analysiert das herkömmliche Verständnis von Macht als repressiv und stellt diesem Foucaults Konzept einer strategischen, produktiven Macht gegenüber.

1.1 Foucaults Konzept der strategischen Macht: Definiert Macht als Vielfältigkeit von Kräfteverhältnissen und erläutert deren immanente Regeln sowie die taktische Polyvalenz von Diskursen.

1.2 Die Immanenz von Macht und Widerstand: Beschreibt die wechselseitige Beziehung zwischen Macht und Widerstand, wobei Macht als intentional, aber nicht subjektiv und als überall präsent verstanden wird.

2.0 Das Wirken der strategischen Macht im Sexualitäts-Dispositiv: Überleitet zu der Frage, wie sich das strategische Machtmodell konkret im Sexualitäts-Dispositiv äußert.

2.1 Was ist ein Dispositiv?: Klärt den Begriff des Dispositivs als heterogenes Ensemble von Diskursen, Institutionen und Gesetzen mit vorwiegend strategischer Funktion.

2.2 Der Wille zum Wissen: Sexualität als Wahrheitsquelle: Untersucht, warum die Sexualität in der Moderne zu einer zentralen Quelle der Wissensproduktion und Selbstkenntnis wurde.

2.3 Das Sexualitäts-Dispositiv: Arbeitet die Konstellation heraus, welche die Sexualität als Wissensgegenstand installiert und sie von älteren Allianzsystemen unterscheidet.

2.4 Genealogie der intrinsischen Verbindung von Sexualität und Macht: Zeichnet historisch nach, wie die Verbindung von Geständnis, Medizin und Pädagogik die Sexualität als Macht- und Wissensfeld konstituierte.

3.0 Foucaults Machtbegriff und -analyse: Kritik und Fazit: Reflektiert Foucaults Thesen gegenüber psychoanalytischen und marxistischen Positionen und zieht ein Fazit über die Unmöglichkeit eines "Ausstiegs" aus der Macht.

Schlüsselwörter

Michel Foucault, Machtanalyse, Sexualitäts-Dispositiv, Repressionshypothese, Strategische Macht, Diskurs, Bio-Macht, Wissen, Wahrheit, Widerstand, Dispositiv, Genese, Subjekt, Sexualität, Gouvernementalität

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert Foucaults Machttheorie anhand seines Werks "Der Wille zum Wissen", um zu zeigen, dass Macht nicht unterdrückend wirkt, sondern aktiv Wissen und Diskurse produziert.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Im Zentrum stehen die Kritik an der Repressionshypothese, das Konzept der strategischen Macht sowie die Funktionsweise des Sexualitäts-Dispositivs als Machtinstrument.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie sich Macht in den modernen abendländischen Gesellschaften im Dispositiv der Sexualität äußert und warum die Sexualität zu einem primären Werkzeug der Wissensproduktion wurde.

Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer genauen Lektüre (close reading) der Primärtexte von Michel Foucault, um dessen Machtbegriff und die Historisierung der Sexualität präzise zu rekonstruieren.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Begriffsbestimmung von Macht und Dispositiv sowie die konkrete Anwendung dieser Begriffe auf die historische Entstehung des Sexualitäts-Dispositivs.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?

Zentrale Begriffe sind Machtanalyse, Dispositiv, Sexualität, Wissen, Wahrheit, Bio-Macht und die Abgrenzung zur juridisch-diskursiven Macht.

Wie unterscheidet sich Foucaults Machtbegriff vom traditionellen Verständnis?

Traditionell wird Macht als unterdrückend (juridisch-diskursiv) gesehen. Foucault hingegen betrachtet sie als ein strategisches, produktives Netzwerk, das Diskurse erzeugt und den Körper erst konstituiert.

Was genau versteht Foucault unter einem "Dispositiv"?

Es ist ein heterogenes Ensemble aus Diskursen, Institutionen, architektonischen Einrichtungen und Gesetzen, das historisch entstanden ist, um auf einen Notstand zu antworten und strategische Machtverhältnisse zu stabilisieren.

Warum ist laut Foucault kein Ausstieg aus der Macht möglich?

Da Macht immanent ist und es kein "Außen" gibt, das nicht bereits durch Macht geformt wurde, kann Widerstand nur innerhalb des Machtfeldes als taktische Umkehrung lokaler Kräfteverhältnisse erfolgen.

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Details

Title
Michel Foucaults Machtanalyse aufgezeigt am Beispiel des Sexualitäts-Dispositivs in "Der Wille zum Wissen. Sexualität und Wahrheit I"
College
Humboldt-University of Berlin  (Institut für Kultur- und Kunstwissenschaften)
Course
Michel Foucault: Der Wille zum Wissen. Sexualität und Wahrheit I
Grade
1,3
Author
Christian Finger (Author)
Publication Year
2008
Pages
20
Catalog Number
V149547
ISBN (eBook)
9783640609253
ISBN (Book)
9783640609505
Language
German
Tags
Foucault Machtanalyse Wissen Sexualität Wahrheit Dispositiv Histoire Sex Diskurs Sarasin
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Christian Finger (Author), 2008, Michel Foucaults Machtanalyse aufgezeigt am Beispiel des Sexualitäts-Dispositivs in "Der Wille zum Wissen. Sexualität und Wahrheit I", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/149547
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