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Die Nixenfigur bei Eichendorff und Keller

Konzepte der Ästhetischen Kommunikation im 19. Jahrhundert

Titel: Die Nixenfigur bei Eichendorff und Keller

Hausarbeit , 2015 , 22 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: Adriana Lütz (Autor:in)

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
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Zusammenfassung Leseprobe Details

In der folgenden Arbeit soll herausgestellt werden, dass die Nixenfigur mit ihrem Gesang viel mehr ist als nur ein literarisches Motiv: Die Nixe stellt eine poetologische Figur dar, sprich ein Mittel zur Reflexion über Dichtung. Das heißt, an ihr kann abgelesen werden, wie die Dichtung konzipiert sein und welche Wirkungsweise diese entfalten soll. Diese Funktion der Nixe als Reflexion über Dichtung wird im weiteren Verlauf dieser Arbeit mit dem Begriff der Ästhetischen Kommunikation bezeichnet.

Es soll gezeigt werden, dass anhand der Nixenfigur verschiedene Konzepte der Ästhetischen Kommunikation verhandelt werden. Der Schwerpunkt liegt bei dieser Betrachtung auf zwei Nixengedichten aus dem 19. Jahrhundert, anhand derer begründet werden soll, dass ein Wandel am Medium der Ästhetischen Kommunikation des 19. Jahrhunderts stattfindet: Das Medium des Akustischen wird von dem Medium des Visuellen abgelöst.

Um dies zu verdeutlichen, soll zunächst der Nixengesang und seine Funktion genauer betrachtet werden, um zu erläutern, inwiefern dieser als doppelseitiges ästhetisches Konzept bezeichnet werden kann. Hiernach wird das enge Verhältnis der Begriffe Gesang und Lyrik näher untersucht, um zu zeigen, dass gerade der Gesang als Element der Lyrik ein hervorragendes Mittel zur Reflexion über die Dichtung darstellt. Auf dieser Grundlage werden im vierten Kapitel die Nixengedichte "Der Stille Grund" von Eichendorff und "Winternacht" von Keller daraufhin untersucht, inwiefern diese verschiedene Konzepte der Ästhetischen Kommunikation anhand der dort beschriebenen Nixenfigur aufzeigen.

Die Nixenfigur stellt seit der Antike ein stetig wiederkehrendes Motiv in der abendländischen Literatur dar. Dabei ist die Erscheinung der Nixe besonders durch ihren Gesang markiert. Angefangen bei Homers Sirenen der Odyssee, über Shakespeares singende Ophelia, die von Hamlet selbst als Nymphe bezeichnet wird, bis hin zur romantischen Figur der Loreley steht immer wieder der Nixengesang im Vordergrund.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis der Arbeit

1. Einleitung

2. Nixengesang als doppelseitiges ästhetisches Konzept

2.1 Nixengesang als Teil der ästhetischen Figur der Nixe

2.2 Nixengesang als Mittel der Ästhetischen Kommunikation

3. Der (Nixen)Gesang als Element der Lyrik

4. Konzepte der Ästhetischen Kommunikation im 19. Jahrhundert

4.1 Joseph von Eichendorff: Der stille Grund

4.1.1 Ästhetische Kommunikation am Medium des Hörens

4.1.2 Gefahr des Versinkens im „stillen Abgrund“ der Dichtung

4.2 Gottfried Keller: Winternacht

4.2.1 Ästhetische Kommunikation am Medium des Sehens

4.2.2 Der „erstickte Jammer“ als Indiz der Entzauberung des Nixengesangs

4.2.3 Konsequenz der Entzauberung des Nixengesangs

5. Fazit

Zielsetzung & Themen der Untersuchung

Die vorliegende Arbeit untersucht die Nixenfigur als poetologisches Konzept, um aufzuzeigen, wie sie als Medium der Ästhetischen Kommunikation im 19. Jahrhundert fungiert. Dabei wird analysiert, wie sich die Reflexion über Dichtung durch den Wandel von akustischen zu visuellen Leitmedien vollzieht, illustriert an den Gedichten von Joseph von Eichendorff und Gottfried Keller.

  • Analyse der Nixenfigur als Mittlerin zwischen Dichter und Kunstwerk.
  • Untersuchung des Wandels von akustischer zu visueller Kommunikation im 19. Jahrhundert.
  • Kontrastive Betrachtung von Eichendorffs „Der stille Grund“ und Kellers „Winternacht“.
  • Erarbeitung der Bedeutung der „Entzauberung des Nixengesangs“ für die Literatur.
  • Erforschung der Verbindung zwischen weiblicher Naturdarstellung und poetischer Selbstreflexion.

Auszug aus dem Buch

4.2.1 Ästhetische Kommunikation am Medium des Sehens

Keller demonstriert in seinem Gedicht Winternacht, entstanden zwischen 1846 und 1847, ebenfalls anhand der Nixenfigur ein Konzept der Ästhetischen Kommunikation. Dieses Konzept funktioniert jedoch nicht mehr anhand des Medium des Hörens, wie es bei Eichendorff der Fall ist. Vielmehr scheint Keller mit seinem Gedicht anzudeuten, dass sich in der Ästhetischen Kommunikation des 19. Jahrhunderts eine Verschiebung von der Akustik hin zum Visuellen abzeichnet.

Auch Kellers Gedicht beginnt mit einem Natureingang. Diese Natur erscheint jedoch erstarrt und ohne Leben, wie die dreifache Verwendung der Negationspartikel „nicht“ (V. 1 u. 3) und „keine“ (V. 4) unterstreicht. Alles ist still, selbst der See verursacht kein Geräusch, sodass die Natur nur mit dem Auge wahrgenommen werden kann. Dieses Unterfangen ist jedoch eher unangenehm, da der weiße Schnee das Auge blendet und dadurch für eine unheimliche, kalte, geradezu schmerzhafte Helligkeit sorgt.

Die Schwere der eisig erstarrten Atmosphäre, die das gesamte Gedicht durchzieht, findet sich auch im Metrum wieder. Gert Sautermeister spricht in seiner Interpretation von einer „zögernd[en] und stauend[en], durch schwere Hebungen gebrochene[n] Bewegung, die zum rhythmischen Gesetz des Gedichtes wird“. Des weiteren wird die Stauung des Verstempos von Zeile zu Zeile dadurch begünstigt, dass Zeilen- und Satzende stets zusammenfallen und es sich jedes Mal eine auffällige Zäsur bildet. Wo Eichendorffs Stiller Grund gar liedhafte Züge trägt, fällt es in Kellers Winternacht schwer, die Verse in einem gleichmäßigen Verstempo zu lesen, geschweige denn zu singen.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Hier wird die Nixenfigur als poetologisches Konzept eingeführt und die Forschungsfrage über den Medienwandel (Akustik zu Visuellem) dargelegt.

2. Nixengesang als doppelseitiges ästhetisches Konzept: Dieses Kapitel erläutert die Ambivalenz des Gesangs als traditionelles Merkmal der Nixe und zugleich als Reflexionsmedium der Dichtung.

3. Der (Nixen)Gesang als Element der Lyrik: Hier wird die enge Verknüpfung von Musik, Gesang und dem Begriff der Lyrik erörtert, um die theoretische Grundlage für die Analyse der Gedichte zu schaffen.

4. Konzepte der Ästhetischen Kommunikation im 19. Jahrhundert: Der Hauptteil vergleicht die Gedichte von Eichendorff und Keller, um den Übergang von akustisch geprägten zu visuell dominierten ästhetischen Kommunikationskonzepten aufzuzeigen.

5. Fazit: Die Kapitelinhalte werden zusammengeführt, um die Rolle der Nixe als wandelbares poetisches Zeichen in der Literatur des 19. Jahrhunderts zu bestätigen.

Schlüsselwörter

Nixenfigur, Ästhetische Kommunikation, Nixengesang, Lyrik, Eichendorff, Keller, Medienwandel, Akustik, Visuelles, Poetologie, Weiblichkeit, Entzauberung, Mythos, Literaturwissenschaft, Winternacht

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es im Kern der Arbeit?

Die Arbeit untersucht, wie die Nixenfigur in der Lyrik des 19. Jahrhunderts als „poetologisches Konzept“ genutzt wird, um über die Konzeption und Wirkungsweise von Dichtung selbst zu reflektieren.

Welche zentralen Themen werden behandelt?

Im Zentrum stehen die Ästhetische Kommunikation, der Wandel von auditiven zu visuellen Leitmedien des Poetischen sowie die literarische Entzauberung des Nixen- und Sirenenmythos.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es zu zeigen, dass sich an den Nixengedichten von Eichendorff und Keller eine Verschiebung der ästhetischen Mittel feststellen lässt, bei der das Akustische immer stärker vom Visuellen abgelöst wird.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Die Untersuchung arbeitet mit einer literaturtheoretischen Analyse, die Begriffe wie „Ästhetische Kommunikation“ und „Weiblichkeit“ ins Verhältnis zum Nixengesang setzt und Gedichte textnah interpretiert.

Was wird im Hauptteil analysiert?

Analysiert werden die Gedichte „Der stille Grund“ von Joseph von Eichendorff (mit Fokus auf das Medium des Hörens) und „Winternacht“ von Gottfried Keller (mit Fokus auf das Medium des Sehens).

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zu den zentralen Begriffen zählen Nixenfigur, Ästhetische Kommunikation, Nixengesang, Musik der Sprache, Medienreflexion und der Übergang von der Romantik zum Realismus.

Wie verändert sich die Rolle der Nixe bei Keller im Vergleich zu Eichendorff?

Während die Nixe bei Eichendorff noch in eine akustische Verführungsszene eingebunden bleibt, wird sie bei Keller zu einer „erstarrenden Kunstfigur“ und schließlich zur „Wasserleiche“, was das Scheitern ihrer ursprünglichen Verführungskraft verdeutlicht.

Was bedeutet die „Entzauberung des Nixengesangs“ in „Winternacht“?

Die Entzauberung beschreibt den Verlust der verführerischen Stimme der Nixe, die durch ihre Sprachlosigkeit, den „erstickten Jammer“ und die zunehmende visuelle Distanz zur Marginalisierung des Weiblichen in der Literatur des späten 19. Jahrhunderts führt.

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Die Nixenfigur bei Eichendorff und Keller
Untertitel
Konzepte der Ästhetischen Kommunikation im 19. Jahrhundert
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München  (Institut für Deutsche Philologie)
Veranstaltung
Tod durch Ertrinken. Von literarischen Gewässern und der Ästhetik ihrer Leichen
Note
1,0
Autor
Adriana Lütz (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2015
Seiten
22
Katalognummer
V1495712
ISBN (PDF)
9783389056622
ISBN (Buch)
9783389056639
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Nixenfigur Nixe Eichendorff Keller Winternacht Der Stille Grund Motiv Lyrik Gedicht Ästhetische Kommunikation Nixengesang poetologische Figur Dichtung 19. Jahrhundert Ästhetik
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Adriana Lütz (Autor:in), 2015, Die Nixenfigur bei Eichendorff und Keller, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1495712
Blick ins Buch
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Leseprobe aus  22  Seiten
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