Zweifelsohne steht Kleists Lustspiel, vor allem in Anbetracht der zeitgenössischen Literatur innerhalb der Romantik, sowie der Klassik, recht einsam da. Dies könnte auch der Grund dafür sein, dass sich bei den ersten Inszenierungen die gewünschte komische Wirkung des Stückes nicht vollständig einstellte. Mittlerweile wird es allerdings als eines der bedeutendsten Lustspiele innerhalb der deutschen Literaturgeschichte angesehen, was nicht zuletzt auch am immensen Gehalt der inhaltlichen Motive und Symbole liegen mag. In Kleists analytischem Drama verhandelt die Hauptperson Richter Adam als Vorsitzender des Dorfgerichtes in der Sache eines zu Bruch gegangenen Krugs, der aus dem Besitz der Marthe Rull stammt. Hierbei versucht Adam von Beginn an zu verbergen, dass er selbst der eigentliche Schuldige ist und für die Tat zur Verantwortung gezogen werden müsste.
Basierend auf dieser Rahmenhandlung sollen im weiteren Verlauf der Arbeit die Elemente der Komik herausgearbeitet, sowie anhand von Textbeispielen erläutert und analysiert werden. Darüber hinaus wird der biblisch- philosophische Hintergrund des Lustspiels in Form von Richter Adams Sündenfall interpretiert.
Doch zunächst einmal soll der Fokus auf einige Gedanken zum Komödienbegriff, des Weiteren auf dessen Abgrenzung zur Tragödie, sowie anschließend auf die Eigenschaften und Formen von Komik gerichtet werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Komödiengattung
3. Ausprägungen der Komik
4. Die Personenkonstellation im „zerbrochnen Krug“
4.1. Richter Adam
4.2. Schreiber Licht
4.3. Frau Marthe Rull
4.4. Eve Rull
4.5. Ruprecht Tümpel
5. Komiktheoretische Interpretationen
6. Der Sündenfall des Richter Adam
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die komischen Elemente in Heinrich von Kleists Lustspiel „Der zerbrochne Krug“. Dabei wird analysiert, wie durch die Personenkonstellation, das Handeln der Akteure sowie spezifische Komiktheorien die humoristische Wirkung des Stücks erzeugt wird und inwiefern der Sündenfall des Richters Adam in diesen Kontext eingebettet ist.
- Die Gattungsbestimmung der Komödie und deren Abgrenzung zur Tragödie.
- Die Analyse der zentralen Personenkonstellation und ihrer jeweiligen Charakterkomik.
- Die Untersuchung der Situations- und Wortkomik innerhalb des Werkes.
- Die Interpretation des biblisch-philosophischen Hintergrunds des Sündenfalls von Richter Adam.
Auszug aus dem Buch
Die Personenkonstellation im „zerbrochnen Krug“
Um die Komik innerhalb des Lustspiels besser verstehen und nachvollziehen zu können, soll das Kapitel eine knappe Personencharakteristik liefern. Hierbei werden einige Elemente der Komik, auf die in Kapitel 5 intensiver eingegangen wird, an einigen Punkten bereits angedeutet. Es sollen allerdings nicht alle teilnehmenden Figuren betrachtet werden. So erhalten ausschließlich die Hauptpersonen Richter Adam, Schreiber Licht, Frau Marthe und Tochter Eve sowie ihr Verlobter Ruprecht eine nähere Betrachtung.
4.1. Richter Adam
Adam, die Hauptperson von dem der gesamte Handlungsstrang ausgeht, ist von Beruf Dorfrichter im kleinen niederländischen Ort Husum. Bereits sein Äußeres trägt teilweise zur Komik bei, da der ältere Mann kahlköpfig ist, einen Klumpfuß besitzt und zu Beginn der Handlung mit Gesichtsverletzungen die Bühne betritt. Somit entspricht er nicht der vom Publikum erwarteten Erscheinung, die einem Richter normalerweise zugeordnet werden würde.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Schwierigkeit der Definition des Komödiengenres und führt in die Thematik von Kleists „zerbrochnen Krug“ ein.
2. Die Komödiengattung: In diesem Kapitel wird der Komödienbegriff theoretisch gefasst und der Komödie die Tragödie gegenübergestellt.
3. Ausprägungen der Komik: Hier werden verschiedene theoretische Ansätze zur Komik diskutiert und in die Teilbereiche Situations-, Charakter- und Wortkomik unterteilt.
4. Die Personenkonstellation im „zerbrochnen Krug“: Eine detaillierte Charakterisierung der Hauptfiguren verdeutlicht, wie deren Verhalten und Eigenschaften zur komischen Wirkung beitragen.
5. Komiktheoretische Interpretationen: Das Kapitel verknüpft die Handlung des Stücks mit wissenschaftlichen Komiktheorien und beleuchtet die Wirkung auf den Zuschauer.
6. Der Sündenfall des Richter Adam: Diese abschließende Analyse setzt den Fall Adams in Beziehung zum biblischen Sündenfall und interpretiert dessen moralische sowie dramatische Implikationen.
Schlüsselwörter
Heinrich von Kleist, Der zerbrochne Krug, Komödie, Lustspiel, Komik, Charakterkomik, Situationskomik, Wortkomik, Richter Adam, Literaturwissenschaft, Sündenfall, Personenkonstellation, Dramentheorie, Humor, Literaturanalyse
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der Analyse der komischen Elemente in Heinrich von Kleists bekanntem Lustspiel „Der zerbrochne Krug“.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Fokus stehen die Gattungsbestimmung der Komödie, die Analyse der Figurenkonstellation sowie der komiktheoretische und biblisch-philosophische Hintergrund des Werks.
Welches primäre Ziel verfolgt der Autor?
Ziel ist es, die spezifischen Mechanismen herauszuarbeiten, die in Kleists Stück zur Komik führen, insbesondere unter Berücksichtigung der Hauptfigur Richter Adam.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden angewandt?
Es handelt sich um eine textbasierte literaturwissenschaftliche Analyse, die verschiedene Komiktheorien auf die spezifische Handlung und die Dialoge des Stücks anwendet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Gattungsdefinition, eine Untersuchung der Personenkonstellation, eine komiktheoretische Reflexion und eine Deutung des Sündenfallmotivs.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit?
Zu den prägenden Begriffen gehören Komik, Lustspiel, Charakterkomik, Situationskomik und die Interpretation des Adamsfalls im literarischen Kontext.
Welche Rolle spielt die Hauptfigur Richter Adam für die Komik des Stücks?
Richter Adam ist als zentrale Figur der Hauptträger der Komik, da er durch seine ständigen Lügen, seine körperliche Erscheinung und seinen Kontrollverlust eine fortwährende Quelle für komische Situationen bildet.
Inwiefern wird der Krug selbst als komisches Element interpretiert?
Der Krug fungiert nicht nur als Streitobjekt, sondern als Symbol für die zerbrochene Ordnung; die Missverständnisse der Charaktere bezüglich des Krugs erzeugen dabei wesentliche Wortkomik.
Welche Bedeutung hat der Vergleich zwischen Richter Adam und dem biblischen Adam?
Der Autor zeigt auf, dass beide Figuren durch einen Sündenfall aus ihrer ursprünglichen Position vertrieben werden, wobei Kleists Adam die Situation jedoch ins Komische verkehrt.
- Arbeit zitieren
- Julian Hofmann (Autor:in), 2010, Kleist - Komikelemente im 'Zerbrochnen Krug', München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/149612