Die Arbeit fokussiert auf die Forschungsthese antiserbischer mediale Berichterstattung in Österreich und versucht diese These mittels der Methode der qualitativen Inhaltsanalyse zu verifizieren. Theoretisch verortet sie sich auf dem Feld der Öffentlichkeitsforschung, wobei explizit auf Habermas und Luhmann Bezug genommen wird; weiters werden die Denkfigur des kollektiven Gedächtnisses und der Stereotypenbildung miteinbezogen. Die Medien werden als Konstrukteure gesellschaftlicher Wirklichkeiten betrachtet.
Nach dem theoretischen Teil folgt ein kurzer historischen Abriss zum Jugoslawienkrieg 1991-1995 und die Inhaltsanalyse der gewählten Printmedien. Die zur Beantwortung der Forschungsfrage bestimmten Kategorien sind geeignet, die Hypothese nach antiserbischer Berichterstattung österreichischer Printmedien zu untersuchen. Die dabei gewonnenen Ergebnisse bestätigen – mit einer Ausnahme - das die analysierten Printmedien durchgehend auf antiserbische Stereotypen zurückgreifen bzw. antiserbische Feindbildkonstruktionen verwenden. In den Schlußbemerkungen werden Begründungen für diese Berichterstattung vorgeschlagen.
Inhaltsverzeichnis
1 SCHÖPFUNG DER FRAGEN
1.1 FORSCHUNGSTHESE
1.2 THEORIE
1.2.1 Methode
1.3 INHALT UND AUFBAU
2 VORVERSTÄNDNISSE: MEDIEN, ÖFFENTLICHKEIT, KOLLEKTIVE SYMBOLE
2.1 STRUKTURWANDEL DER ÖFFENTLICHKEIT IM LAUFE DER ZEIT
2.2 DAS VERHÄLTNIS MEDIEN UND ÖFFENTLICHKEIT
2.2.1 Mediale Öffentlichkeit und Medienwirkung
2.2.2 Medien und Macht
2.2.3 Medien als Ort des Diskurses und des politischen Geschehens
2.2.4 Printmedien als öffentlicher Raum in Österreich?
2.3 BEGRIFFSABKLÄRUNGEN
2.3.1 Ein Modell der Öffentlichkeit
2.3.2 Information
2.3.3 Massenmedien
2.3.4 Medienkompetenz
2.4 WIRKLICHKEITSKONSTRUKTION DER MEDIEN IM KRIEG
2.4.1 Krisendefinition und die Medienfunktion der Krisenkommunikation
2.4.2 Konstruierte Realität und soziale Wirklichkeit
2.4.3 Stereotype als Denkfigur und Kollektivsymbole
2.4.4 Feindbildkonstruktion
2.4.4.1 Die Funktion der Sprache und Sprachbilder
2.4.4.2 “Atrocity Propaganda“ – ein historischer Exkurs
2.5 DIE FORSCHUNGSLEITENDE METHODE – QUAL DER WAHL?
2.5.1 Qualitative oder quantitative Methode?
2.5.2 Text- und Inhaltsanalyse als qualitative Forschungsstrategie
3 ABRISS DES KRIEGSVERLAUFS
3.1 DER BEGINN DES KRIEGS 1991
3.2 KONZENTRATIONSLAGER IN BOSNIEN-HERZEGOWINA 1992
3.3 DAS KRIEGSJAHR 1993
3.4 DIE INTERNATIONALISIERUNG DES KRIEGES
3.5 BOSNIEN-HERZEGOWINA 1995
4 INHALTSANALYSE: DIE MEDIEN UND DER JUGOSLAWISCHE KRIEG
4.1 KOMMUNIKATIONSEREIGNISSE
4.1.1 Erzählungen über den Krieg – „balkanische Zustände“
4.1.1.1 Der Balkan als kulturelle Peripherie
4.1.1.2 Die mediale Sprache - Kriegsbeschreibungen
4.1.2 Das Arsenal der Holocaust-Erinnerungen
4.1.2.1 Vergleiche mit dem Nationalsozialismus
4.1.2.2 Sklaven und Deportationen
4.1.2.3 Konzentrationslager
4.1.2.4 Genozid und ethnische Säuberungen
4.1.3 Exkurs: „Ein Bild sagt mehr als tausend Worte“
4.1.4 Spezifika in der Darstellung der Serben
4.1.4.1 Der Aggressor
4.1.4.2 Tschetniks
4.2 ERKENNTNISGEWINN UND SCHLUSSBEMERKUNGEN
Zielsetzung & Themen
Die Diplomarbeit untersucht, inwiefern die österreichische Printmedienlandschaft in ihrer Berichterstattung über den jugoslawischen Krieg im Zeitraum 1991–1995 ein einseitiges, primär „antiserbisches“ Narrativ verfolgte, das die Medien als aktiven Akteur bei der Konstruktion gesellschaftlicher Realität und Feindbilder positionierte.
- Theorie der Öffentlichkeit und Wirklichkeitskonstruktion der Massenmedien.
- Analyse der Kriegsberichterstattung unter Verwendung von Stereotypen, Kollektivsymbolen und historischen NS-Analogien.
- Untersuchung der Rolle von PR-Agenturen in der medialen Aufbereitung des Konflikts.
- Empirische Inhaltsanalyse österreichischer Printmedien zur Verifizierung der „antiserbischen“ Berichterstattungsthese.
- Kritische Reflexion der Medienverantwortung und der Macht von Bildern in Krisenzeiten.
Auszug aus dem Buch
2.4.1 Krisendefinition und die Medienfunktion der Krisenkommunikation
Das Wort "Krise" hat seinen Stamm im Griechischen ("Кρισις") und bedeutet "Trennung, Wende, Entscheidung." Trotz dieser eigentlich neutralen Bedeutungsinhalte hat der Ausdruck für die Menschen eine gefahrvolle Konnotation.
Die Politikwissenschaft hat trotz der Unterscheidung der politischen Krise in verschiedene Krisentypologien wie der Rationalitätskrise, der Legitimationskrise, der ökonomischen Krise und der Motivationskrise, auf die hier nicht näher eingegangen wird, eine als allgemein gültig angesehen werden könnende Definition erarbeitet: Eine Krise ist demzufolge eine länger anhaltende, exogen oder endogen bedingte schwerwiegende Störung der System- oder Sozialintegration eines gesellschaftlichen, wirtschaftlichen oder politischen Systems.
Die Systemtheorie nach Luhmann schließt sich dieser Denkfigur an und findet folgende Definition einer Krise, die den im kollektiven Gedächtnis vorhandenen gefahrvollen Bedeutungsinhalt mitdenkt: "Krisen sind unerwartete, thematisch nicht vorbereitete Bedrohungen nicht nur einzelner Werte, sondern des Systembestandes mit seinem eingelebten Anspruchsniveau. Sie stimulieren und sammeln Aufmerksamkeit dadurch, dass sie den Erfüllungsstand zahlreicher Werte diffus, unbestimmt und unter Zeitdruck gefährden."
Zusammenfassung der Kapitel
1 SCHÖPFUNG DER FRAGEN: Einführung in die Forschungsthese, die die einseitige „antiserbische“ Berichterstattung österreichischer Medien postuliert, sowie Darlegung der theoretischen Grundlagen und methodischen Vorgehensweise.
2 VORVERSTÄNDNISSE: MEDIEN, ÖFFENTLICHKEIT, KOLLEKTIVE SYMBOLE: Theoretische Auseinandersetzung mit der Rolle der Massenmedien als Akteure, der Konstruktion von Wirklichkeit im Krieg und der Verwendung von Stereotypen und Symbolik in der Krisenkommunikation.
3 ABRISS DES KRIEGSVERLAUFS: Deskriptive Chronologie der Ereignisse des jugoslawischen Krieges von 1991 bis 1995, die als Kontext für die nachfolgende Medienanalyse dient.
4 INHALTSANALYSE: DIE MEDIEN UND DER JUGOSLAWISCHE KRIEG: Empirischer Hauptteil, der die mediale Darstellung des Konflikts, die Verwendung von Holocaust-Analogien, die Rolle von PR-Agenturen und die spezifische Stigmatisierung der Serben detailliert untersucht.
Schlüsselwörter
Jugoslawienkrieg, Medienmacht, Öffentlichkeit, Wirklichkeitskonstruktion, Krisenkommunikation, Stereotype, Feindbildkonstruktion, Antiserbismus, Inhaltsanalyse, Österreichische Printmedien, Kollektivsymbole, Kriegsberichterstattung, Propaganda, Medienethik, Srebrenica.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Berichterstattung österreichischer Printmedien über den jugoslawischen Krieg zwischen 1991 und 1995 hinsichtlich einer möglichen einseitigen, „antiserbischen“ Ausrichtung.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit behandelt die Medientheorie, die Rolle der Massenmedien als Akteure in Krisenzeiten, die Konstruktion von Wirklichkeit und die Verwendung von historischen Symbolen und Feindbildern.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist zu verifizieren, ob sich die österreichische Medienlandschaft bei der Berichterstattung auf eine einseitige und ausschließlich zu Lasten der Serben gehende Darstellung beschränkt hat.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt die qualitative Inhalts- und Textanalyse, um den Datenkorpus bestehend aus österreichischen Printmedienartikeln empirisch zu untersuchen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden konkrete Kommunikationsereignisse, der Einsatz von Stereotypen und Sprachbildern sowie die strategische Nutzung von Holocaust-Analogien durch österreichische Medien analysiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den zentralen Begriffen zählen Medienmacht, Wirklichkeitskonstruktion, Feindbildkonstruktion, Antiserbismus, Inhaltsanalyse und Kriegsberichterstattung.
Warum ist die Rolle der PR-Agenturen im jugoslawischen Krieg wichtig?
Die Arbeit beleuchtet, wie PR-Agenturen wie Ruder Finn aktiv an der Implementierung von Feindbildern arbeiteten, die von den Medien unkritisch übernommen wurden und somit die Berichterstattung massiv beeinflussten.
Welche Bedeutung kommt dem Bildmaterial in der Analyse zu?
Medienbilder werden als Instrumente der „Atrocity Propaganda“ identifiziert; insbesondere das Bild aus dem Lager Trnopolje dient als Beispiel, wie manipulierte Abbilder die öffentliche Meinung und Politik nachhaltig beeinflussen können.
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- Angelika Roselstorfer (Autor), 2010, Medien als Akteur im Krieg, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/149615