Das Verhältnis von Politik und Medien in Deutschland


Hausarbeit, 2010
18 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Mediengesellschaft und Offentlichkeit

3. Politik und Medien aus medialer Perspektive
3.1. Struktur und Ausrichtung der Medienlandschaft
3.2. Funktion und Logik der Medien

4. Politik und Medien mit Fokus auf die Politik
4.1. Politische Kommunikation
4.2. Mediatisierung der Politik

5. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Mediokratie oder Mediendemokratie sind Begrifflichkeiten, die sich groBer Beliebtheit erfreuen, wenn es um die Beschreibung des Verhaltnisses von Politik und Medien in Deutschland geht. Ziel dieser Hausarbeit ist es jedoch nicht diese Begrifflichkeiten zu erklaren sondern die ihnen zugrunde liegende Frage zu beantworten: In welchem Verhaltnis stehen Politik und Medien in Deutschland zueinander? Aufgrund der Tatsache, dass die Beziehung zwischen Politik und Medien auBerst komplex ist und diese Arbeit deshalb keinen Anspruch auf Vollstandigkeit erheben kann, ist es notwendig, eine bestimmte Herangehensweise an diese Thematik zu entwickeln, die ich im Folgenden erlautern werde.

Wenn man sich mit dem Verhaltnis von Politik und Medien auseinandersetzt, ist es wichtig, neben diesen beiden Systemen auch die Rezeptionsebene also die Gesellschaft zu betrachten. Dabei ist zu berucksichtigen, dass sich die Gesellschaft aufgrund „des Booms neuer Medien wie auch der zunehmenden Bedeutung der Medien-Branche“ (Jarren 2001: 11) zu einer Mediengesellschaft entwickelt hat. Deshalb geht diese Arbeit in einem ersten Schritt auf den Begriff und die Charakteristika der Mediengesellschaft ein. Des Weiteren werden die Begriffe Offentlichkeit und offentliche Meinung geklart, die mit den Medien und der Politik in enger Beziehung stehen. AnschlieBend wird in einem zweiten Schritt, das Verhaltnis von Politik und Medien aus medialer Perspektive untersucht. Hier steht die Struktur und Ausrichtung der deutschen Medienlandschaft sowie die Funktion und Logik der Medien im Fokus der Betrachtungen. Dieses Kapitel soll neben einigen Grundkenntnissen uber die Arbeitsweise der Medien auch aufzeigen, warum es zur Interaktion zwischen Medien und Politik aus medialer Sicht kommt und welche Konsequenzen sich daraus fur den politischen Prozess und fur das politische System ergeben. In einem dritten Schritt wird auf das Verhaltnis zwischen Medien und Politik aus dem Blickwinkel der Politik eingegangen. Der Abschnitt uber die politische Kommunikation soll dabei verdeutlichen, warum sich die Politik uberhaupt mit den Medien auseinandersetzen muss und weshalb sich politische Kommunikation bzw. Politik in den Mediengesellschaften verandert hat. Danach werden die Veranderungen der politischen Kommunikation bzw. der Politik in der Mediengesellschaft skizziert. Und abschlieBend wird ein Fazit mit Blick in die Zukunft formuliert.

2. Mediengesellschaft und Offentlichkeit

Der Begriff Mediengesellschaft wurde vor allem von Ulrich Saxer gepragt und bezieht sich auf moderne Gesellschaften, „in denen Medienkommunikation, also uber technische Hilfsmittel realisierte Bedeutungsvermittlung, eine allgegenwartige und alle Spharen des gesellschaftlichen Seins durchwirkende Pragekraft entfaltet.“ (Saxer 1998: 53). Das zentrale Handlungskonzept und Kennzeichen dieser Mediengesellschaften ist die Medialisierung bzw. Mediatisierung, d.h. unterschiedliche „Funktionssysteme der Gesellschaft wie die Okonomie aber auch die Politik fugen zu ihrer eigenen Funktionslogik ein weiteres Orientierungssystem hinzu, das als Medienlogik bezeichnet werden kann.“ (Rhomberg 2009: 106ff). Otfried Jarren sieht weitere Charakteristika der Mediengesellschaft in der quantitativen und qualitativen Ausbreitung publizistischer Medien; der Herausbildung neuer Medienformen; der Zunahme der Vermittlungsgeschwindigkeit und -leistung von Informationen durch die Medien und in der Tatsache, dass Medien eine groBere gesamtgesellschaftliche Anerkennung und Aufmerksamkeit erhalten (Jarren 2001: 11). Des Weiteren lasst sich annehmen, dass in den Mediengesellschaften durchschnittlich mehr Zeit mit massenmedialer Kommunikation verbracht wird als mit personeller Kommunikation (Dorner 2001: 41), was u.a dazu beitragt, dass politische und gesellschaftliche Akteure bzgl. ihrer Informations- und Kommunikationspraxis zunehmend auf die Medien angewiesen sind, weil es ohne Medien mittlerweile „keine anhaltende, stabile Kommunikation zwischen den Akteuren wie auch zwischen Akteuren und den Burgern [gibt]“ (Jarren 2001: 12). Eine herausragende Stellung bei der massenmedialen Kommunikation hat dabei das Fernsehen eingenommen, das „zum politischen Leitmedium geworden“ ist (Rhomberg 2009: 190) und als „zentraler Bildspender der Gegenwartskultur betrachtet werden“ kann (Dorner 2001: 35).[1]

Auch die Offentlichkeit als „offenes Kommunikationsforum fur alle, die etwas sagen oder das, was andere sagen, horen wollen“ (Neidhardt 1994: 9) wird in modernen Gesellschaften zunehmend massenmedial vermittelt (Dorner 2001: 97),[2] wobei die Massenmedien dabei auch „an der Entstehung von offentlichen Meinungen beteiligt [sind]“ (Rhomberg 2009: 74). Offentlichkeit und offentliche Meinung[3] sind fur die Gesellschaft von zentraler Bedeutung, weil sich die Offentlichkeit „am Publikum orientiert, Informationen sammelt, diese zu offentlichen Meinungen aggregiert und an das politische System weitergibt“ (Rhomberg 2009: 68ff) und umgekehrt werden durch die Offentlichkeit politische Entscheidungsprozesse an das Publikum vermittelt, was die Eigensteuerung und Anpassungsfahigkeit der Gesellschaft erhoht (Rhomberg 2009: 69). Somit ubernimmt die medial vermittelte Offentlichkeit auch eine Orientierungsfunktion fur die Burger, weil sie Konsens herstellt und diesen sichtbar macht (Dorner 2001: 103).

3. Politik und Medien aus medialer Perspektive

3.1. Struktur und Ausrichtung der Medienlandschaft

Medien sind wesentliche Elemente und Determinanten der Mediengesellschaft und moderner Demokratien (Karmasin 2006: 107). Der Bedeutung von Presse, Rundfunk, Fernsehen und Internet, fur die Aufmerksamkeitsgenerierung und den Meinungsbildungsprozess wird in Artikel 5, Absatz 1 des Grundgesetzes Rechnung getragen (Meinungs- und Informationsfreiheit). Die Vielfalt der Meinungen und Kommunikationen soll sich dabei in den Massenmedien widerspiegeln (Rhomberg 2009: 134). So zeichnet sich die Medienlandschaft der BRD durch eine „Vielfalt privater Druckerzeugnisse (Tageszeitungen, Wochenschriften u.a.) einerseits und die kleinere Zahl offentlich-rechtlicher Rundfunk- und Fernsehanstalten sowie privater Funkmedien andererseits [aus]“ (Rudzio 2006: 386). Die offentlich-rechtlichen Rundfunk- und Fernsehanstalten sind politisch legitimiert und u.a. abhangig vom politischen System.[4] Sie haben die Aufgabe eine Grundversorgung zu gewahrleisten und finanzieren sich zum GroBteil aus Gebuhren (Rudzio 2006: 385). Aufgrund dieser Tatsache ist es den Sendern moglich, ihre Themenauswahl und Programmgestaltung weitgehend unabhangig vom Werbemarkt und von Profiten zu gestalten und z.B. mehr politische Informationen als Privatsender zu vermitteln (Pfetsch 2004: 41). Im Gegensatz dazu finanzieren sich die privaten Sender vor allem durch Werbung und befinden sich deshalb in einem scharfen Konkurrenzkampf um Einschaltquoten und Maximierung der Marktanteile. Daraus ergibt sich, dass die Publikumsattraktivitat entscheidender Faktor bei der Programmgestaltung und Informationsvermittlung ist und das Programm uberwiegend unterhaltungsorientiert angelegt wird (Pfetsch 2004: 41). Die zunehmende Okonomisierung der Massenkommunikation hat jedoch zu einem Medienwandel gefuhrt (Pfetsch 2004: 36). Der politische Informationsanteil einiger kommerzieller Sender (Kabel 1, RTL 2) geht mittlerweile gegen null (Entpolitisierung) (Pfetsch 2004: 41ff) und der durch kommerzielle Sender erzeugte Quotendruck hat sich auch auf die offentlich-rechtlichen Sender ausgewirkt, die darauf mit weniger politischen Informationen und mehr Unterhaltungsprogramm reagiert haben (Meyer 2001: 61ff). Daraus folgt fur das politische System einerseits, dass skandaltrachtige Berichterstattung und Infotaiment[5] in den Vordergrund rucken (Rhomberg 2009: 89)[6] und andererseits, dass das politische System zunehmend in einem konkurrierenden Kommunikationsverhaltnis zu anderen Systemen steht, die ebenfalls Informationen bereitstellen und das Kriterium der Unterhaltung besser erfullen (Delhaes 2002: 200).

3.2. Funktion und Logik der Medien

Die zentrale Leistung, welche die Massenmedien fur die Politik erbringen, ist die Ausleuchtung des politischen Systems und die Herstellung von Offentlichkeit (Rhomberg 2009: 25). Fur die Massenmedien ergeben sich deshalb aus

politikwissenschaftlicher Sicht folgende Funktionen: „(1) die Informations- und Artikulationsfunktion, (2) die Kritik- und Kontrollfunktion und (3) die Funktion der Bildung und Sozialisation“ (Rhomberg 2009: 26). Bei der Wahrnehmung dieser Aufgaben bzw. Funktionen sind die Medien auf Informationen[7] angewiesen.

[...]


[1] Mittlerweile verfugen mehr als 98% der Haushalte in Deutschland uber ein Fernsehgerat, wobei die durchschnittliche Sehdauer pro Tag ca. 170 Minuten betragt (Dorner 2001: 41).

[2] Allerdings kann bspw. das Forum der Versammlungsoffentlichkeit auch heutzutage noch fur Parteien oder soziale Bewegungen partiell wichtig sein (Dorner 2001: 97).

[3] Nach Neidhardt ist offentliche Meinung ein „kollektives Produkt von Kommunikationen, das sich zwischen den Sprechern als >herrschende Meinung< darstellt“ (Neidhardt 1994: 26).

[4] Durch Vertreter verschiedener Interessen (Politik, Verbande, Kirchen, Gewerkschaften usw.) in den Aufsichtsgremien der Sender wird der Einfluss gesellschaftlicher Krafte auf „die Intendanten-Wahl, die Beratung bei der Programmgestaltung sowie [auf] die Genehmigung des Haushaltsplans und des Jahresabschlusses“ (Rhomberg 2009: 136) sichergestellt. Allerdings haben sich innerhalb der Gremien fraktionsahnliche „Freundeskreise“ von Unions- und SPD-Sympathisanten herausgebildet, was zu politischen Mehrheiten in einigen Anstalten gefuhrt hat und die o.g. Abhangigkeit erklart (Rudzio 2006: 394).

[5] Nach Rhomberg bezieht sich Infotaiment „auf alle medialen Formen, bei denen Informationen unterhaltsam aufbereitet und dargestellt werden“ (Rhomberg 2009: 89).

[6] Nach der These der Video bzw. Media Malaise konnen diese Formen der politischen Berichterstattung bei weniger gebildeten Konsumenten Politikentfremdung bzw. Politikverdrossenheit hervorrufen (Rhomberg 2009: 84).

[7] Burkart definiert Information als „eine Mitteilung, die den jeweiligen Kenntnisstand, das subjektive Wissen des Empfangers erweitert, indem sie dessen Unkenntnis bzw. sein subjektives Nichtwissen verringert oder beseitigt“ (Burkart 2002: 402).

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Das Verhältnis von Politik und Medien in Deutschland
Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin  (Institut für Sozialwissenschaften)
Veranstaltung
Politik und Regierung in Deutschland im europäischen Kontext
Note
1,3
Autor
Jahr
2010
Seiten
18
Katalognummer
V149619
ISBN (eBook)
9783640604791
ISBN (Buch)
9783640605088
Dateigröße
487 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Politik, Medien, Politische Kommunikation, Medienlogik, Nachrichtenfaktoren, Politainment, Medienlandschaft, Mediengesellschaft, Mediatisierung, Medialisierung, politische Unterhaltung, unterhaltende Politik, Wahlkampf, symbolische Politik, Fernsehen, massenmediale Kommunikation, Interdependenz
Arbeit zitieren
Andreas Filko (Autor), 2010, Das Verhältnis von Politik und Medien in Deutschland, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/149619

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