Mediokratie oder Mediendemokratie sind Begrifflichkeiten, die sich großer Beliebtheit erfreuen, wenn es um die Beschreibung des Verhältnisses von Politik und Medien in Deutschland geht. Ziel dieser Hausarbeit ist es jedoch nicht diese Begrifflichkeiten zu
erklären sondern die ihnen zugrunde liegende Frage zu beantworten: In welchem Verhältnis stehen Politik und Medien in Deutschland zueinander? Aufgrund der Tatsache, dass die Beziehung zwischen Politik und Medien äußerst komplex ist und
diese Arbeit deshalb keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben kann, ist es notwendig, eine bestimmte Herangehensweise an diese Thematik zu entwickeln, die ich im Folgenden erläutern werde.
Wenn man sich mit dem Verhältnis von Politik und Medien auseinandersetzt, ist es wichtig, neben diesen beiden Systemen auch die Rezeptionsebene also die Gesellschaft zu betrachten. Dabei ist zu berücksichtigen, dass sich die Gesellschaft aufgrund „des Booms neuer Medien wie auch der zunehmenden Bedeutung der Medien-Branche“(Jarren 2001: 11) zu einer Mediengesellschaft entwickelt hat. Deshalb geht diese Arbeit in einem ersten Schritt auf den Begriff und die Charakteristika der Mediengesellschaft
ein. Des Weiteren werden die Begriffe Öffentlichkeit und öffentliche Meinung geklärt, die mit den Medien und der Politik in enger Beziehung stehen. Anschließend wird in
einem zweiten Schritt, das Verhältnis von Politik und Medien aus medialer Perspektive untersucht. Hier steht die Struktur und Ausrichtung der deutschen Medienlandschaft sowie die Funktion und Logik der Medien im Fokus der Betrachtungen. Dieses Kapitel
soll neben einigen Grundkenntnissen über die Arbeitsweise der Medien auch aufzeigen, warum es zur Interaktion zwischen Medien und Politik aus medialer Sicht kommt und welche Konsequenzen sich daraus für den politischen Prozess und für das politische
System ergeben. In einem dritten Schritt wird auf das Verhältnis zwischen Medien und Politik aus dem Blickwinkel der Politik eingegangen. Der Abschnitt über die politische Kommunikation soll dabei verdeutlichen, warum sich die Politik überhaupt mit den Medien auseinandersetzen muss und weshalb sich politische Kommunikation bzw. Politik in den Mediengesellschaften verändert hat. Danach werden die Veränderungen der politischen Kommunikation bzw. der Politik in der Mediengesellschaft skizziert. Und abschließend wird ein Fazit mit Blick in die Zukunft formuliert.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Mediengesellschaft und Öffentlichkeit
3. Politik und Medien aus medialer Perspektive
3.1. Struktur und Ausrichtung der Medienlandschaft
3.2. Funktion und Logik der Medien
4. Politik und Medien mit Fokus auf die Politik
4.1. Politische Kommunikation
4.2. Mediatisierung der Politik
5. Fazit
Zielsetzung und Themen
Die Arbeit untersucht das komplexe wechselseitige Verhältnis zwischen Politik und Medien in der Bundesrepublik Deutschland, um aufzuzeigen, wie diese beiden Systeme in der modernen Mediengesellschaft interagieren und sich gegenseitig beeinflussen.
- Charakteristika der modernen Mediengesellschaft
- Struktur und Funktionslogik der deutschen Medienlandschaft
- Mechanismen der politischen Kommunikation
- Phänomene der Mediatisierung und des Politainments
- Interdependenzen zwischen politischen Akteuren und Medien
Auszug aus dem Buch
4.2. Mediatisierung der Politik
Wenn man von der Mediatisierung der Politik spricht, ist es wichtig zu berücksichtigen, „dass die medialen Logiken nicht politische Logiken ersetzen, sondern dass dem komplexen Regelgefüge der Politik weitere (mediale) Regeln wie Produktionsroutinen, Formatzwänge und Nachrichtenwerte hinzugefügt werden“ (Rhomberg 2009: 117). Daraus ergibt sich, dass sich die Mediatisierung der Politik an einer ganzen Reihe von Merkmalen erkennen lässt.
Zuerst einmal unterliegt der Ort des politischen Diskurses einem Wandel, weil das Parlament nicht mehr die zentrale Bühne öffentlicher politischer Auseinandersetzung darstellt, sondern zunehmenden Talkshows, Diskussionsrunden oder andere Formen medialer Präsentation, für die Vermittlung eigener politischer Vorhaben und Überzeugungen genutzt werden (Glaeßner 2006: 520). In diesem Zusammenhang steht auch der von Andreas Dörner eingeführte Begriff des Politainment, das in Form von politischer Unterhaltung und unterhaltender Politik in Erscheinung tritt (Dörner 2001: 31).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung definiert das Ziel der Arbeit, das komplexe Verhältnis zwischen Politik und Medien in Deutschland zu analysieren und das methodische Vorgehen darzulegen.
2. Mediengesellschaft und Öffentlichkeit: Dieses Kapitel erläutert den Begriff der Mediengesellschaft sowie die zentrale Rolle der Öffentlichkeit und öffentlichen Meinung als Kommunikationsforen.
3. Politik und Medien aus medialer Perspektive: Hier werden die Struktur der Medienlandschaft sowie die spezifische Funktion und Logik der Medien untersucht.
3.1. Struktur und Ausrichtung der Medienlandschaft: Dieser Abschnitt analysiert das duale Rundfunksystem und die Vielfalt der Medienlandschaft in Deutschland.
3.2. Funktion und Logik der Medien: Dieser Teil behandelt Nachrichtenfaktoren und Selektionsmechanismen, die beeinflussen, wie politische Realität medial konstruiert wird.
4. Politik und Medien mit Fokus auf die Politik: In diesem Kapitel wird die Perspektive der politischen Akteure und die Notwendigkeit politischer Kommunikation beleuchtet.
4.1. Politische Kommunikation: Dieser Abschnitt beschreibt die Instrumente der Politikvermittlung und die Funktion der Medien als Transmissionsriemen.
4.2. Mediatisierung der Politik: Dieses Kapitel analysiert, wie mediale Zwänge den politischen Prozess verändern, etwa durch Politainment und den Zwang zur Bildschirmtauglichkeit.
5. Fazit: Das Fazit fasst die wechselseitigen Abhängigkeiten zusammen und wagt einen Ausblick auf die Rolle des Internets und die zukünftige Autonomie der Medien.
Schlüsselwörter
Mediengesellschaft, Öffentlichkeit, politische Kommunikation, Mediatisierung, Politainment, Medienlogik, Agenda-Setting, Framing, Parteiendemokratie, Medienwandel, politische Berichterstattung, Informationsfunktion, Interdependenz, Massenmedien.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das komplexe Wechselverhältnis zwischen den Systemen Politik und Medien in Deutschland innerhalb der heutigen Mediengesellschaft.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die Struktur der Medienlandschaft, die Mechanismen politischer Kommunikation sowie der Prozess der Mediatisierung und des Politainments.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die wechselseitigen Abhängigkeiten und Beeinflussungen zwischen Politik und Medien zu durchleuchten und zu klären, wie diese die politische Praxis verändern.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Literaturanalyse und der Aufarbeitung politikwissenschaftlicher Konzepte zur Medienwirkung und politischen Kommunikation.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine mediale Perspektive (Medienlogik, Selektionsmechanismen) und eine politische Perspektive (Kommunikation, Mediatisierung des politischen Handelns).
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen gehören Mediatisierung, Politikvermittlung, Medienlogik, Öffentlichkeit, Politainment und die Interdependenz beider Systeme.
Wie beeinflusst das "Politainment" die politische Arbeit?
Politainment bezeichnet die Unterhaltungsform der Politik, die dazu zwingt, politische Inhalte medien- und fernsehgerecht aufzubereiten, um Aufmerksamkeit zu gewinnen.
Warum wird im Fazit die Rolle des Internets hervorgehoben?
Da das Internet keinen klassischen Nachrichtenfiltern unterliegt, wird angenommen, dass politische Akteure künftig verstärkt auf diesen direkten Kommunikationskanal setzen werden.
- Quote paper
- Andreas Filko (Author), 2010, Das Verhältnis von Politik und Medien in Deutschland, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/149619