Unter Berücksichtigung dieser Forschungsstände untersucht die vorliegende Arbeit die Sichtweisen von Lehrkräften unterschiedlicher Schulformen auf das Thema (Hoch-)Begabung und geht der Frage nach: „Welche Sichtweisen besitzen Lehrer*innen auf das Thema (Hoch-)Begabung und welche Chancen und Herausforderungen ergeben sich durch diese im Umgang mit (hoch-)begabten Schüler*innen in der schulischen Praxis?“ Mit Blick auf dieser Fragestellung wird im ersten Hauptteil der theoretischen Fundierung eine Definition der Begriffe „Begabung“ und „Hochbegabung“ unter Abgrenzung zu den Begriffen „Intelligenz“ und „Talent“ geliefert. Daran anschließend werden im dritten Kapitel insgesamt drei Hochbegabungsmodelle beleuchtet, die ein mehrdimensionales Begriffsverständnis von (Hoch-)Begabung aufweisen. Im darauffolgenden vierten Kapitel erfolgt eine Auseinandersetzung mit Verfahren zur Feststellung einer (Hoch-)Begabung, ehe im fünften Kapitel Maßnahmen zur Förderung von (Hoch-)Begabung in der Schule betrachtet und erläutert werden. Dabei werden besonders die Fördermaßnahmen „Innere Differenzierung im Unterricht“, „Enrichment“, „Akzeleration“ und „spezielle Schulen und Klassen“ beleuchtet.
Daran anschließend folgt der empirische Teil der Arbeit, in dem zunächst die Forschungsfrage, die Forschungsmethode und das Forschungsdesign begründet werden. Daran anknüpfend wird auf der Grundlage der Analyse der erhobenen Datenmaterialien im siebten Kapitel die Präsentation der Ergebnisse vorgenommen. Die Auswertung dieser Ergebnisse erfolgt dabei anhand von Kategorien, die mit Blick auf die Forschungsfrage mittels der qualitativen Inhaltsanalyse nach Mayring entwickelt wurden. Im darauffolgenden Kapitel werden die Erkenntnisse präsentiert, die aus den Ergebnissen der Analyse gewonnen wurden, ehe eine Reflexion der Untersuchung folgt. Die Arbeit schließt mit einem abschließenden Fazit und Ausblick.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Theoretische Fundierung
2.1. Begabung
2.2. Hochbegabung
2.3. Intelligenz
2.4. Talent
3. Hochbegabungsmodelle
3.1. Das Drei-Ringe-Modell (Renzulli 1978)
3.2. Das Münchner Hochbegabungsmodell (Heller et al. 1994)
3.3. Das Integrative Begabungs- und Lernprozessmodell (Fischer 2015)
3.4. Zusammenfassung der (Hoch-)Begabungsmodelle
4. Das Erkennen einer (Hoch-)Begabung
4.1. Intelligenztests zur (Hoch-)Begabungsdiagnostik
4.2. Feststellung nicht-kognitiver (Hoch-)Begabungsmerkmale
5. Förderung von Hochbegabung in der Schule
5.1. Der Schulunterricht zwischen Anforderung und Herausforderung
5.2. Basiselemente der schulischen Begabtenförderung
6. Forschungsmethodologisches Vorgehen
6.1. Die Forschungsfrage
6.2. Die Forschungsmethode
6.3. Durchführung
6.4. Die Stichprobe
6.5. Die Transkription
6.6. Auswertung des Datenmaterials
7. Präsentation der Ergebnisse
7.1. Das Begriffsverständnis von Begabung
7.2. Feststellung von Begabung
7.3. Umgang mit Begabung
7.4. Herausforderungen im Umgang mit Begabung
7.5. Chancen durch den Umgang mit Begabungen
7.6. Vorerfahrungen durch das Studium
8. Erkenntnisgewinn
9. Reflexion der Untersuchung
10. Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Forschungsthemen
Die vorliegende Masterarbeit untersucht die Sichtweisen von Lehrkräften verschiedener Schulformen auf das Thema (Hoch-)Begabung, mit dem Ziel aufzudecken, welche impliziten Theorien diese besitzen und welche Chancen und Herausforderungen sich daraus für die schulische Praxis im Umgang mit (hoch-)begabten Schüler*innen ergeben.
- Implizite Theorien und Begriffsverständnis von Lehrkräften zu Begabung
- Diagnose- und Identifikationsverfahren im schulischen Alltag
- Förderstrategien und praktische Maßnahmen zur Begabtenförderung
- Herausforderungen im Spannungsfeld von Heterogenität und Ressourcen
- Chancen durch die Förderung und Begleitung individueller Entwicklungsprozesse
Auszug aus dem Buch
3.1. Das Drei-Ringe-Modell (Renzulli 1978)
Der Amerikaner Joseph Renzulli beschäftigte sich Ende der 1970er Jahre mit der Frage, welche Faktoren neben der Intelligenz für das Erbringen hoher Leistungen erforderlich seien. Basierend auf seiner Forschungsfrage, welche Merkmale eine Person neben der Intelligenz für das Erbringen von innovativen Leistungen aufweise, analysierte Renzulli die Biografien berühmter Persönlichkeiten (vgl. Brunner u. a. 2005: 14). Durch die Analyse ergaben sich drei Merkmale, die allen Personen gemein waren: Zum einen verfügten sie über Fähigkeiten in einem bestimmten Gebiet, die überdurchschnittlich hoch ausgeprägt waren, zum anderen waren alle Personen sehr kreativ und begegneten ihren Aufgaben mit großer Motivation und Ehrgeiz (vgl. Friedl u. a. 2015: 15).
Beruhend auf seinen Entdeckungen entwickelte Renzulli im Jahr 1978 ein erstes mehrdimensionales Hochbegabungsmodell, welches Hochbegabung als die Schnittmenge von drei Personenmerkmalen betrachtet: „[Ü]berdurchschnittliche intellektuelle Fähigkeiten, Aufgabenverpflichtung […] und Kreativität als originelles, produktives, flexibles und individuell-selbstständiges Vorgehen bei der Aufgabenbearbeitung“ (Preckel und Vock 2021: 26).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Beschreibt die steigende Bedeutung von Begabungsförderung im Rahmen der Inklusion und die Herausforderungen im Schulalltag.
2. Theoretische Fundierung: Definiert die Begriffe Begabung, Hochbegabung, Intelligenz und Talent in der aktuellen Forschungsliteratur.
3. Hochbegabungsmodelle: Stellt das Drei-Ringe-Modell, das Münchner Hochbegabungsmodell und das Integrative Begabungs- und Lernprozessmodell vor.
4. Das Erkennen einer (Hoch-)Begabung: Analysiert Diagnoseverfahren und die Rolle der Intelligenzdiagnostik sowie nicht-kognitiver Merkmale.
5. Förderung von Hochbegabung in der Schule: Erläutert Basiselemente wie Binnendifferenzierung, Akzeleration und Enrichment.
6. Forschungsmethodologisches Vorgehen: Begründet die Wahl qualitativer Experteninterviews zur Untersuchung der Lehrersichtweisen.
7. Präsentation der Ergebnisse: Wertet die Interviewdaten anhand der entwickelten Kategorien aus und interpretiert diese.
8. Erkenntnisgewinn: Fasst die Kernergebnisse der Studie zusammen und verknüpft sie mit den vorgestellten theoretischen Grundlagen.
9. Reflexion der Untersuchung: Kritische Betrachtung der methodischen Vorgehensweise hinsichtlich sozialer Erwünschtheit und Selbstaussagen.
10. Fazit und Ausblick: Beantwortet die Forschungsfrage und liefert Impulse für die zukünftige Gestaltung der Lehrerbildung und Praxis.
Schlüsselwörter
(Hoch-)Begabung, Begabungsförderung, Lehrersichtweisen, Binnendifferenzierung, Enrichment, Akzeleration, Hochbegabungsmodelle, Diagnostik, Inklusion, Heterogenität, Lehrerbildung, Selbstwirksamkeit, Underachievement, Performanz, Begabungsbegriff.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Masterarbeit?
Die Arbeit untersucht das Verständnis und den Umgang von Lehrkräften mit (Hoch-)Begabung in verschiedenen Schulformen mittels leitfadengestützter Interviews.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themen umfassen diagnostische Herangehensweisen, schulische Fördermaßnahmen wie Binnendifferenzierung und Enrichment sowie die Herausforderungen des Lehreralltags in inklusiven Lerngruppen.
Was ist das primäre Ziel der Studie?
Das Ziel ist es, aufzudecken, welche impliziten Theorien Lehrkräfte über (Hoch-)Begabung haben und welche Chancen und Herausforderungen sie im praktischen Umgang identifizieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Untersuchung nutzt einen qualitativen, explorativen Forschungsansatz, basierend auf leitfadengestützten Experteninterviews mit sechs Lehrkräften, ausgewertet durch die qualitative Inhaltsanalyse nach Mayring.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine fundierte Theoriearbeit, eine methodische Herleitung und die Präsentation sowie Interpretation der empirischen Ergebnisse aus den Interviews.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Begabungsförderung, Inklusion, Lehrersichtweisen, Binnendifferenzierung und Hochbegabungsmodelle.
Wie gehen Lehrkräfte in der Praxis mit (Hoch-)Begabung um?
Lehrkräfte setzen primär auf Binnendifferenzierung im Unterricht und Enrichment-Angebote, nutzen selten jedoch explizite Akzelerationsmaßnahmen.
Welchen Einfluss hat das Lehramtsstudium auf das Wissen über Begabung?
Die Studie zeigt, dass die befragten Lehrkräfte das Thema im Studium als unterrepräsentiert wahrnahmen und ihre Expertise primär durch Berufspraxis und Austausch mit Kollegen erwarben.
Warum wird im Lehreralltag oft der Fokus auf leistungsschwache Schüler gelegt?
Lehrkräfte berichten von einer starken Fokussierung im schulinternen und fortbildungsbezogenen Kontext auf die Unterstützung Schwacher, was zu einem wahrgenommenen Ungleichgewicht und zu Lasten der Begabtenförderung geht.
- Arbeit zitieren
- N. Pulpanek (Autor:in), 2023, Umgang mit (Hoch-)Begabung in unterschiedlichen Schulformen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1496853