8. Fazit
8.1. Kernpunkte der Untersuchung
Die Rolle von Persönlichkeit im Rahmen der Unternehmensnachfolge ist eine Problematik, die in der Wirtschaft bisher wenig Beachtung gefunden hat. Es handelt sich hierbei um einen Nahtstelle zwischen den Fachgebieten Wirtschaft und Psychologie, mit einer hohen Praxisrelevanz. Eine Untersuchung des Instituts für Mittelstandsforschung in Bonn untermauert die Tatsache, dass Geschäftsführer die persönlichen Eigenschaften des Nachfolgers für wichtiger halten als deren Fachkompetenz. Inwieweit sich die Persönlichkeitsstrukturen des Altinhabers und des Nachfolgers entsprechen, rückte jedoch in den Hintergrund. An diese Stelle knüpft diese Untersuchung an. Die folgende Rückschau wird sich an der Gliederung der Arbeit orientieren, die Befundlage zusammenführen und Anregungen für zukünftige Forschungen ableiten.
Ziel der Arbeit war den Forschungsbestand der Thematik der Unternehmensnachfolge zu erweitern und neue praxisrelevante Erkenntnisse zu generieren. Dazu sollte am Beispiel sächsischer Unternehmen aufgezeigt werden, wie stark die Persönlichkeitsstrukturen von Altinhaber und Nachfolger zusammenhängen. Es galt folgende Fragestellungen zu klären:
1. Entscheidet sich ein Geschäftsführer im Kontext der Unternehmensnachfolge für einen Nachfolger, der seiner Persönlichkeitsstruktur entspricht?
2. Oder entscheidet sich ein Geschäftsführer für einen Nachfolger, dessen Persönlichkeitsstruktur von seiner abweicht.
3. Kann hinsichtlich dieser Entscheidung eine Prognose für den Nachfolger getroffen werden?
Um diese Fragen zu klären, wurde zunächst die Situation der Unternehmensnachfolge genauer erläutert. Anschließend wurde der Bereich der Persönlichkeitspsychologie aufgegriffen und das Fünf-Faktoren-Modell vorgestellt. Während der Vorstellung des Modells wurden Hypothesen abgeleitet, die es in der empirischen Erhebung zu überprüfen galt.
Grundlage für die Untersuchung war das NEO-FFI von Borkenau und Ostendorf aus dem Jahr 1993. Dieses galt es zunächst in der wissenschaftlichen Testtheorie einzuordnen und anschließend näher vorzustellen. Der Persönlichkeitsfragebogen beinhaltet 60 Aussagen, wovon sich jeweils 12 auf die fünf Dimensionen (Neurotizismus, Extraversion, Offenheit für Erfahrungen, Verträglichkeit und Gewissenhaftigkeit) beziehen. Die Antwortmöglichkeiten sind kodiert, sodass eine eindeutige Zuordnung hinsichtlich der Ausprägung der Dimensionen möglich war.
[...]
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung
1.1. Allgemeiner Bezugsrahmen
1.2. Zielsetzung der Arbeit
1.3. Inhaltlicher Aufbau
2. Die Problematik der Unternehmensnachfolge
2.1. Unternehmensnachfolge
2.1.1. Definition
2.1.2. Anlässe für eine Unternehmensnachfolge
2.1.3. Unternehmensnachfolger
2.1.4. Formen der Unternehmensnachfolge
2.2. Problemsituation
2.2.1. Allgemeine Beschreibung der Situation
2.2.2. Chancen
2.2.3. Risiken
3. Die Persönlichkeit
3.1. Definition
3.2. Fünf-Faktoren-Modell
3.2.1. Neurotizismus
3.2.2. Extraversion
3.2.3. Offenheit für Erfahrungen
3.2.4. Verträglichkeit
3.2.5. Gewissenhaftigkeit
3.2.6. Abschließende Betrachtung
4. Einordnung in die wissenschaftliche Testtheorie
4.1. Testtheorie
4.2. Klassifikation von Testverfahren zu einer Person
5. Darstellung der empirischen Erhebung
5.1. Beschreibung des eingesetzten Fragebogens
5.2. Beschreibung der Stichprobe
5.2.1. Auswahl
5.2.2. Durchführungszeit
5.2.3. Rücklauf
5.2.4. Illustration der Probanden
6. Ergebnisse
6.1. Auswertung der einzelnen Dimensionen
6.1.1. Gesamtüberblick
6.1.2. Neurotizismus
6.1.3. Extraversion
6.1.4. Offenheit für Erfahrungen
6.1.5. Verträglichkeit
6.1.6. Gewissenhaftigkeit
6.2. Gewonnene Erkenntnisse
7. Diskussion der Ergebnisse
7.1. Die Eigenschaftstheorie verbunden mit dem NEO-FFI
7.2. Die empirische Erhebung
8. Fazit
8.1. Kernpunkte der Untersuchung
8.2. Herausforderungen für weitere Forschungsvorhaben
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Untersuchung setzt sich zum Ziel, die Problematik der Unternehmensnachfolge zu beleuchten, indem sie die Fachgebiete Wirtschaft und Psychologie zusammenführt. Dabei soll herausgefunden werden, ob ein Geschäftsführer bei der Wahl eines Nachfolgers eine Person bevorzugt, deren Persönlichkeitsstruktur der eigenen entspricht, oder ob er sich für einen Nachfolger entscheidet, der in seinen Eigenschaften davon abweicht, und ob dies prognostizierbar ist.
- Analyse der Unternehmensnachfolge als wirtschaftliches Phänomen.
- Theoretische Fundierung des Fünf-Faktoren-Modells (Big Five) der Persönlichkeit.
- Empirische Erhebung mittels des NEO-FFI-Fragebogens bei sächsischen Unternehmen.
- Statistische Auswertung der Persönlichkeitsähnlichkeiten zwischen Altinhaber und Nachfolger.
- Diskussion der Eignung eigenschaftstheoretischer Modelle für Nachfolgeprognosen.
Auszug aus dem Buch
1.1. Allgemeiner Bezugsrahmen
„Das Hotel steht in einem wunderschönen Kurort im Erzgebirge. Es ist alteingesessen und wird vom Eigentümer seit über fünfzig Jahren geführt. Er hat mit seiner Frau gerade goldene Hochzeit gefeiert. Er ist sechsundachtzig. Die „Kinder“, ein Sohn und eine Tochter, sind fünfundvierzig und vierzig Jahre alt. Der Sohn ist gut situierter und etablierter Bankkaufmann in Wien. Die Tochter, gelernte Hotelfachfrau und Magistra der Betriebswirtschaftslehre, führt praktisch das Hotel von der Rezeption aus. Sie hat in mehreren großen internationalen Hotels gearbeitet, in zwei davon auch in leitender Position. Nun ist sie seit knapp zwei Jahren zu Hause, weil der Vater Hilfe brauchte. Er macht die Honneurs bei Gästen, etwas altmodisch ihrer Meinung nach. Vor allem lässt er keine Änderungen zu, soweit er nicht – beispielsweise durch seine Bank – dazu gezwungen wird. So hat die Tochter doch einigen Spielraum gewonnen. Zu den Bankverhandlungen des Vaters darf sie allerdings nicht mit. Dass sie allein auch zu Bankverhandlungen geht, weiß er nicht.
Mehrmals hat sie die Frage der Übergabe in den letzten vier Monaten anzusprechen versucht. Die Mutter hat das nicht ungern gehört, aber der Vater hat schroff reagiert. Beim dritten Versuch hat er gesagt, sie, die Tochter, möge sich das aus dem Kopf schlagen. Das Hotel bekäme der Sohn. Nur ein Mann könne so ein Hotel führen. Deswegen führe ja auch er nach wie vor die Bankverhandlungen. Die würden zwar immer schwerer (die Tochter weiß warum), aber der Sohn wäre ja ein Bankmann und würde es denen dann schon zeigen.
Der Sohn wiederum hat keinerlei Interesse daran, seinen Beruf in Wien aufzugeben. Er ist ebenfalls dafür, dass seine Schwester das Hotel übernimmt. Aber der Vater bleibt stur. Daraufhin sucht sich die Tochter eine Führungsposition in einem bedeutenden Hotel einer internationalen Hotelkette. Sie sagt das dem Vater. Er hat nur einen Satz als Kommentar: „Dann musst du eben gehen.“ Kurz darauf kündigt die Bank die Kredite. Das Hotel wird verkauft. [...]“
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführung: Die Einleitung beleuchtet die Problematik der Unternehmensnachfolge anhand eines Fallbeispiels und definiert das Ziel sowie den Aufbau der Arbeit.
2. Die Problematik der Unternehmensnachfolge: Dieses Kapitel definiert die Unternehmensnachfolge, beleuchtet Anlässe, Formen und die generelle Problemsituation samt Chancen und Risiken.
3. Die Persönlichkeit: Es erfolgt eine theoretische Einführung in das Konstrukt „Persönlichkeit“ mit Fokus auf das Fünf-Faktoren-Modell und dessen Dimensionen.
4. Einordnung in die wissenschaftliche Testtheorie: Hier wird das NEO-FFI als empirisches Instrument in den Kontext der klassischen Testtheorie eingeordnet.
5. Darstellung der empirischen Erhebung: Das Kapitel beschreibt den verwendeten Fragebogen sowie die methodische Durchführung der Stichprobenauswahl im Raum Sachsen.
6. Ergebnisse: Die gesammelten Daten werden statistisch ausgewertet und die Ergebnisse zu den einzelnen Persönlichkeitsdimensionen präsentiert.
7. Diskussion der Ergebnisse: Kritische Auseinandersetzung mit der Eigenschaftstheorie und Reflexion über die Aussagekraft der empirischen Untersuchung.
8. Fazit: Zusammenfassung der wichtigsten Erkenntnisse und Aufzeigen von Herausforderungen für zukünftige Forschungsarbeiten.
Schlüsselwörter
Unternehmensnachfolge, Nachfolgeregelung, Persönlichkeitspsychologie, Fünf-Faktoren-Modell, NEO-FFI, Mittelstand, Sachsen, Eigenschaftstheorie, empirische Erhebung, Unternehmensführung, Generationswechsel, Altinhaber, Nachfolger, Testtheorie, Wirtschaftspsychologie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen der Persönlichkeitsstruktur von Altinhabern und ihren Nachfolgern in mittelständischen Unternehmen im Raum Sachsen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die Arbeit verknüpft betriebswirtschaftliche Aspekte der Unternehmensnachfolge mit psychologischen Konzepten, speziell der Persönlichkeitspsychologie.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Es soll geklärt werden, ob Geschäftsführer einen Nachfolger wählen, der eine ähnliche Persönlichkeitsstruktur aufweist wie sie selbst, oder ob bewusst von der eigenen Struktur abgewichen wird.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt den „NEO-Fünf-Faktoren-Inventar“ (NEO-FFI) zur Erhebung der Persönlichkeitsdaten und wertet diese mit statistischen Methoden wie t-Tests und Regressionsanalysen aus.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung der Unternehmensnachfolge und Persönlichkeitstheorie, eine methodische Beschreibung der Testtheorie sowie die Auswertung und Diskussion der empirischen Ergebnisse.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Unternehmensnachfolge, Fünf-Faktoren-Modell, NEO-FFI, Persönlichkeit, Mittelstand und empirische Forschung.
Welche Rolle spielt der Standort Sachsen in der Studie?
Die Stichprobe besteht ausschließlich aus Unternehmen aus dem Raum Sachsen, was einerseits regionale Relevanz bietet, andererseits die Übertragbarkeit auf ganz Deutschland einschränkt.
Welche Schlussfolgerung zieht die Autorin bezüglich der Prognosefähigkeit?
Die Autorin stellt fest, dass für die meisten Dimensionen keine zuverlässige Prognose möglich ist, lediglich im Bereich der „Verträglichkeit“ konnte ein signifikanter linearer Zusammenhang nachgewiesen werden.
- Quote paper
- Marion Pohl (Author), 2010, Persönlichkeit im Rahmen der Unternehmensnachfolge, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/149719