Mit dem hier zur Untersuchung stehenden zeitgenössischen Horrorfilm GET OUT von Jordan Peele will exemplarisch veranschaulicht werden, welche Entwicklung das Horror-Genre erfahren, wie Race sich medialisiert hat. Die Analyse widmet sich den genrekonstitutiven Bedingungen sowie der Rassifizierungsproblematik, insbesondere dem kategorialen Konnex zwischen Genre und Race, will also die Frage beantworten: Wie ist dem Rassediskurs gelungen, in das Medium Horrorfilm vorzudringen?
Es wird sich zeigen, inwiefern sich Genres im Allgemeinen und das Horror-Genre im Besonderen weiter politisieren werden. Das gegenwärtig heranreifende politische Interesse einer wachsenden Diversifizierung bietet genug Stoff, um den genrespezifischen Transformationsprozess weiter zu befördern. Rassismus geht uns alle an. Mit der Black-Lives-Matter-Bewegung hat der aktuelle politische Diskurs um die Race-Kategorie frischen Wind bekommen. Die Globalisierung bzw. Technologisierung hat einen Weg zu einer Medialisierung geebnet, der sich die Gesellschaft der Gegenwart nicht mehr entziehen kann. Vor diesem Hintergrund bietet unsere dominant-visuell-ästhetische Kultur mit dem (Horror-) Film ein wirkmächtiges Medium an, in das inzwischen auch das Politikum aktueller Rassismus-Debatten Einzug gehalten hat.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Genre und Race
2.1 Rasse als diskursives Konstrukt
2.2 Stereotype als Repräsentationsmittel
2.3 Genre als Prozess
2.4 Posthorror
3. Get out – Posthorror als Rassismuskritik
3.1 Der Schwarze Blick
3.2 Das Schwarze Trauma
3.3 Der Schwarze Held
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Horrorfilm "Get out" von Jordan Peele als exemplarisches Beispiel für die mediale Transformation des Genres zum sogenannten Posthorror. Ziel ist es zu analysieren, wie der Film das Thema Race und Rassismus ins Zentrum rückt, bestehende rassistische Repräsentationsmuster dekonstruiert und als Medium für zeitgenössische Rassismuskritik fungiert.
- Analyse der Verschränkung von Genre-Theorie (insb. Posthorror) und Race-Diskursen.
- Untersuchung der filmischen Darstellung des "Schwarzen Traumas" als historisch verankertes Kollektivgedächtnis.
- Gegenüberstellung und Umkehr der klassischen Figurentypologie (Final Girl vs. Black Guy).
- Reflexion über die mediale Inszenierung des "Schwarzen Blicks" und dessen identitätsstiftende Wirkung.
- Bewertung des Films als politischer Beitrag im zeitgenössischen medienwissenschaftlichen Diskurs.
Auszug aus dem Buch
3.1 Der Schwarze Blick
Als filmeinleitendes ästhetisches Stilmittel haben die dem Zuschauer präsentierten kontrastreichen Schwarzweiß-Fotografien eine Doppelfunktion: Sie symbolisieren einerseits den Black-White-Antagonismus und offenbaren andererseits die für die Schlüssigkeit der Handlung sinnstiftende Rolle des Protagonisten als Fotograf; seine Augen sind das Objekt der Begierde für den blinden Kunsthändler Jim Hudson (dargestellt von Stephen Root).
In Jims letzter Offenbarung in Form einer Videoansprache wird Chris über den Ablauf der Transplantation, des sogenannten Coagula-Verfahrens aufgeklärt. Hier fallen Intra- und Extradiegese zusammen, weil auch der Zuschauer erst jetzt explizit informiert wird oder sich bestätigt, was er bis dahin zumindest nur erahnen sollte. Der Verstehensprozess wird verdeutlicht durch den Einsatz visueller Rückblenden: Erinnert wird der noch zu erläuternde „versunkene Bereich“, Georginas empathischer sowie Andres aggressiver Impuls. Hier werden im Übrigen auf subtile Weise genderspezifische Stereotype mit eingeflochten: Der weibliche Impuls wird dargestellt durch Tränenfluss, der männliche durch Nasenbluten und anschließendem Aggressionsdurchbruch.
Peele spielt mit den Blickstrukturen und will dem Publikum den Blick aus Schwarzer Perspektive anbieten. In diesem Zusammenhang soll auf partikularistische Konzeptionen widerständiger Blickstrukturen nach Manthia Diawara und bell hooks hingewiesen werden: Während Diawara’s resisting spectator auf den Schwarzen Mann als Zuschauer und dessen Identifizierungsproblematik zielt, steht im Zentrum von hook’s oppositional gaze die Schwarze Frau als Zuschauerin.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung verortet das Thema Rassismus im Kontext des Horrorfilms und stellt die Forschungsfrage nach den Merkmalen von "Get out" als Posthorror-Film.
2. Genre und Race: Dieses Kapitel liefert theoretische Grundlagen zu Rasse als Konstrukt, der Funktion von Stereotypen, dem prozessualen Genrebegriff und dem modernen Genre-Subtyp "Posthorror".
3. Get out – Posthorror als Rassismuskritik: Das Hauptkapitel wendet die theoretischen Konzepte auf den Film an und analysiert filmästhetische Elemente unter den Schlagworten Schwarzer Blick, Trauma und Heldenrolle.
4. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und betont die politische Relevanz der filmischen Auseinandersetzung mit Diversität und Rassismus.
Schlüsselwörter
Get out, Posthorror, Rassismuskritik, Race, Schwarzer Blick, Schwarzes Trauma, Genre-Transformation, Jordan Peele, Stereotype, diskursives Konstrukt, Epidermisierung, Whiteness, Black Lives Matter, Repräsentation, Filmgeschichte
Häufig gestellte Fragen
Was ist das Kernthema der Arbeit?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Repräsentation von Rassismus und Race in dem Horrorfilm "Get out" und ordnet diesen in den neuen Genre-Begriff des Posthorror ein.
Welches Ziel verfolgt die Untersuchung?
Das primäre Ziel ist es, die spezifischen filmischen Strategien zu identifizieren, mit denen Jordan Peele rassistische Strukturen dekonstruiert und das Horror-Genre politisiert.
Was versteht man unter dem Begriff "Posthorror" in dieser Arbeit?
Posthorror wird als eine moderne Strömung beschrieben, die klassische Horror-Tropes mit Elementen minimalistischer Arthouse-Filme kombiniert, das Erzähltempo verlangsamt und sich ernsteren, komplexeren Themen widmet.
Welche wissenschaftliche Methode liegt der Arbeit zugrunde?
Es handelt sich um eine kultur- und medienwissenschaftliche Filmanalyse, die durch theoretische Diskursanalysen (u.a. Stuart Hall, bell hooks, Manthia Diawara) gestützt wird.
Welche inhaltlichen Schwerpunkte werden im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des "Schwarzen Blicks", die Analyse des "Schwarzen Traumas" mittels der Trope des "versunkenen Bereichs" sowie die Untersuchung der Heldenfigur.
Was sagen die verwendeten Schlüsselwörter über die Arbeit aus?
Die Schlagworte verdeutlichen den Fokus auf Identitätspolitik, mediale Bildsprache und die wissenschaftliche Einordnung des Films in postkoloniale und kulturhistorische Diskurse.
Wie unterscheidet sich die Heldenfigur in "Get out" von klassischen Horror-Tropen?
Peele ersetzt das klassische "Final Girl" durch einen Schwarzen männlichen Protagonisten, der selbstbestimmt agiert und die rassistische Bedrohung aktiv überwindet.
Welche Bedeutung hat der "versunkene Bereich" für die Filmanalyse?
Dieses filmische Stilmittel wird als Metapher für die Ohnmacht und die transgenerationale traumatische Erfahrung der afroamerikanischen Kultur interpretiert.
- Citation du texte
- Thorsten Schmidt (Auteur), 2023, Genre und Race im Posthorror-Film "Get out", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1497450