Entgegen der biblischen Ermahnung „Du sollst nicht stehlen“ wurden auszugsweise Zinnkannen, Tiere – wie Pferde, Fische oder Schafe – aber auch Kleidung und Nahrungsmittel – etwa Milch oder Sülze – sowie vieles mehr im Hochstift Bamberg im frühen 17. Jahrhundert unrechtmäßig entwendet. Was uns aus heutiger Sicht als Bagatelle bzw. Kleinkriminalität erscheint, wurde in der frühneuzeitlichen Gesellschaft, und so auch im Hochstift, als überaus ernstzunehmendes und ahndungswürdiges Verbrechen empfunden, in Form einer Halsgerichtsordnung normiert und mit der hohen Gerichtsbarkeit hart sanktioniert. Den Dieben, derer die Obrigkeit habhaft werden konnte, drohten harte Strafen. Die Delinquenten wurden beispielsweise mit der Urfehde, öffentlicher Bloßstellung, dem Abschneiden der Ohren, Schlägen, Tod durch Rädern, Hängen oder dem Schwert bestraft. Der Vielfalt an Diebesgut stand eine Vielfalt an Bestrafungsmöglichkeiten gegenüber. Inwieweit diese Bestrafungsmöglichkeiten eine Anwendung erfuhren, was also die volle Tragweite von Eigentumsdelinquenz im Hochstift Bamberg im frühen 17. Jahrhundert war, soll in der vorliegenden Untersuchung detailliert dargestellt werden.
Inhaltsverzeichnis
- I. Einleitung
- 1. Methode und Gliederung
- 2. Forschungsüberblick
- 3. Allgemeine Begriffe
- II. Stadt und Hochstift im frühen 17. Jahrhundert
- 1. Forschungsstand
- 2. Politische Rahmenbedingungen
- 2.1. Fränkischer Reichskreis und Reich
- 2.2. Hochstift Bamberg
- 3. Geographische Rahmenbedingungen
- 4. Ökonomische Rahmenbedingungen
- 5. Institutionelle Rahmenbedingungen
- 6. Zusammenfassung
- III. Normative Grundlagen
- 1. Bamberger Halsgerichtsordnung
- 1.1. Eigentumsdelinquenz in der Bamberger Halsgerichtsordnung
- 1.2. Rechtsbegriff der Eigentumsdelinquenz
- 1. Bamberger Halsgerichtsordnung
- IV. Analyse
- 1. Quellenkritik
- 2. Straf- und Prozesswirklichkeit
- 2.1. Forschungsstand
- 2.2. Strafwirklichkeit
- 2.2.1. Geld- und Freiheitsstrafen, Freilassungen
- 2.2.2. Ehrenstrafen
- 2.2.3. Körperstrafen
- 2.2.4. Todesstrafen
- 2.3. Die Prozesse von Matthes Weber und Pancratz Kellner - zwei Exempel der Prozesswirklichkeit
- 2.4. Zusammenfassung
- 3. Begnadigungspraxis
- 3.1. Forschungsstand
- 3.1.1. Thesen der Forschung
- 3.1.2. Begriff und Herkunft der Gnade
- 3.2. Begnadigungspraxis im Hochstift Bamberg
- 3.3. Zusammenfassung
- 3.1. Forschungsstand
- 4. Ego-Dokumente
- 4.1. Forschungsstand
- 4.2. Begriff des Ego-Dokuments
- 4.3. Malefizamtsakten und Rechnungen der Hofstellen als Ego-Dokumente?
- 4.4. Zusammenfassung
- V. Schlussbetrachtung
- VI. Quellen- und Literaturverzeichnis
- 1. Quellen
- 2. Literatur
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die vorliegende Diplomarbeit befasst sich mit der Eigentumsdelinquenz im Hochstift Bamberg im frühen 17. Jahrhundert. Sie analysiert ausgewählte Diebstahlsdelikte, um die Strafnorm und -praxis dieser Zeit zu beleuchten. Die Arbeit zielt darauf ab, die Vollstreckung der herrschenden Norm in der Praxis zu untersuchen und die Tragweite von Eigentumsdelinquenz im Hochstift Bamberg zu erforschen.
- Die Untersuchung der Eigentumsdelinquenz im Hochstift Bamberg im frühen 17. Jahrhundert.
- Die Analyse ausgewählter Diebstahlsdelikte.
- Die Untersuchung der Strafnorm und -praxis dieser Zeit.
- Die Erforschung der Vollstreckung der herrschenden Norm in der Praxis.
- Die Analyse der Tragweite von Eigentumsdelinquenz im Hochstift Bamberg.
Zusammenfassung der Kapitel
Die Einleitung führt in das Thema der Eigentumsdelinquenz im Hochstift Bamberg im frühen 17. Jahrhundert ein und erläutert die Methode und Gliederung der Arbeit. Sie stellt den Forschungsüberblick dar und definiert wichtige Begriffe. Das zweite Kapitel beleuchtet die Stadt und das Hochstift Bamberg im frühen 17. Jahrhundert, einschließlich der politischen, geographischen, ökonomischen und institutionellen Rahmenbedingungen. Das dritte Kapitel widmet sich den normativen Grundlagen der Eigentumsdelinquenz, insbesondere der Bamberger Halsgerichtsordnung. Die Analyse im vierten Kapitel untersucht die Straf- und Prozesswirklichkeit von Diebstahl im Hochstiftsterritorium, einschließlich der Begnadigungspraxis und der Rolle von Ego-Dokumenten. Die Schlussbetrachtung fasst die Ergebnisse der Arbeit zusammen und zieht Schlussfolgerungen.
Schlüsselwörter
Die Schlüsselwörter und Schwerpunktthemen des Textes umfassen Eigentumsdelinquenz, Diebstahl, Hochstift Bamberg, Frühe Neuzeit, Strafnorm, Strafpraxis, Halsgerichtsordnung, Prozesswirklichkeit, Begnadigungspraxis, Ego-Dokumente, Quellenkritik, Archivforschung, Regionalgeschichte.
Häufig gestellte Fragen
Was galt im 17. Jahrhundert in Bamberg als Eigentumsdelinquenz?
Dazu zählte der Diebstahl von Tieren (Pferde, Schafe), Kleidung, Nahrungsmitteln oder Haushaltsgegenständen wie Zinnkannen.
Welche Strafen drohten Dieben im Hochstift Bamberg?
Die Strafen reichten von öffentlicher Bloßstellung und dem Abschneiden der Ohren bis hin zu Todesstrafen durch Hängen, Rädern oder das Schwert.
Was ist die "Bamberger Halsgerichtsordnung"?
Es war das normative Regelwerk, das festlegte, welche Verbrechen wie zu bestrafen waren und wie die Prozesse abzulaufen hatten.
Gab es Möglichkeiten zur Begnadigung?
Ja, die Arbeit untersucht die Begnadigungspraxis, bei der harte Strafen in mildere Formen umgewandelt werden konnten.
Was sind "Ego-Dokumente" in diesem Kontext?
Es handelt sich um Quellen wie Malefizamtsakten, die Einblicke in die persönliche Sichtweise oder die Lebensumstände der Delinquenten geben können.
Warum wurde "Kleinkriminalität" damals so hart bestraft?
In der frühneuzeitlichen Gesellschaft galt Diebstahl als schwerwiegender Angriff auf die soziale Ordnung und wurde daher konsequent sanktioniert.
- Arbeit zitieren
- Dipl.-Hist. Andrea Franz (Autor:in), 2007, Eigentumsdelinquenz im Hochstift Bamberg im frühen 17. Jahrhundert, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/149752