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Mittendrin statt nur dabei?

Eine qualitative Befragung zum Nähe-Distanz-Problem im Sport- und Politikjournalismus.

Title: Mittendrin statt nur dabei?

Thesis (M.A.) , 2009 , 130 Pages , Grade: 1,00

Autor:in: Magistra Artium Maike Falkenberg (Author)

Communications - Journalism, Journalism Professions
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„Mittendrin statt nur dabei“ – 71.200 Treffer ergibt die Google-Suche derzeit nach diesem Slogan, mit dem unter anderem das Deutsche Sportfernsehen (DSF) für Unabhängigkeit, Kompetenz und Zuverlässigkeit wirbt (vgl. [1]). Mittendrin zu sein, ist offenbar „in“. Mittendrin zu sein, das verspricht exklusive Informationen, echte Emotionen, hohes Prestige und damit einen Vorsprung vor den anderen Journalisten und Medien, die eben „nur“ dabei sind. Wer mittendrin ist im Geschehen, der hat einen Vorteil gegenüber der Konkurrenz. Doch welcher Eintrittspreis ist dafür zu zahlen? Welche Zugeständnisse machen die Journalisten? Welche Probleme bekommen sie? Und wie unabhängig bleiben sie, wenn sie „mittendrin statt nur dabei“ sind? Fragen, auf die das DSF keine Antworten auf seiner Website gibt. Fragen, die sich aber jeder Journalist stellen muss. Denn dahinter steckt ein Problem, das dem Journalismus – unabhängig von Ressort oder Medium – per se immanent ist: das Nähe-Distanz-Problem. Journalisten benötigen jeden Tag Informationen, die sie sammeln, selektieren, bearbeiten und veröffentlichen müssen, um die Aufgabe des Journalismussystems zu erfüllen (vgl. Weischenberg 1994a: 429). Eine gewisse Nähe zum Berichterstattungsge-genstand ist dafür also notwendig. Journalisten dürfen demnach durchaus mittendrin sein. Gleichzeitig aber müssen Journalisten so objektiv wie möglich sein, denn erst das Streben nach Objektivität und Überparteilichkeit unterscheidet sie von Schriftstellern oder Pressesprechern. Eine gewisse Distanz zum Berichter-stattungsgegenstand ist dafür also ebenso notwendig. DSF-externe Journalisten müssen, so scheint es, in ihrer alltäglichen Arbeit eine Balance finden zwischen Nähe und Distanz, zwischen „mittendrin“ und „dabei“.
Wie ihnen dieser Balanceakt gelingt, wie viel Nähe und Distanz zum Berichterstattungsgegenstand sie zulassen, wie „in“ es tatsächlich ist, „mittendrin“ zu sein, welche Chancen und Probleme dies mit sich bringt, welchen (systemischen) Zwängen und Einflüssen die Journalisten per se ausgesetzt sind, welche Rolle Kumpaneien und informelle Quellen im Arbeitsalltag spielen und welches Maß an Objektivität sie in ihrem Handeln anstreben, soll in dieser Arbeit in Theorie und Praxis, mit Hilfe einer qualitativen, leitfadengestützten Befragung, untersucht werden. Dies soll am Beispiel von Sport- und Politikjournalisten bei deutschen Regionalzeitungen geschehen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Nähe und Distanz im Journalismus – Eine Annäherung

2.1 Objektivität im Journalismus

2.2 Das Nähe-Distanz-Problem aus systembezogener Perspektive

2.3 Das Nähe-Distanz-Problem aus akteursbezogener Perspektive

2.4 Nähe und Distanz im Sportjournalismus

2.4.1 Entstehung und Entwicklung des Sportressorts in der Tagespresse

2.4.2 Einflüsse auf Nähe und Distanz im Sportressort

2.4.3 Das Nähe-Distanz-Problem im Alltag der Sportjournalisten

2.5 Nähe und Distanz im Politikjournalismus

2.5.1 Entstehung und Entwicklung des Politikressorts in der Tagespresse

2.5.2 Einflüsse auf Nähe und Distanz im Politikressort

2.5.3 Das Nähe-Distanz-Problem im Alltag der Politikjournalisten

2.6 Zwischenfazit

3. Empirische Untersuchung

3.1 Forschungsfragen

3.2 Untersuchungsdesign der Fallstudie

4. Ergebnispräsentation

4.1 Hobby und Beruf – Die Verbindung zum Berichterstattungsgegenstand

4.2 Seitenwechsel: Einflüsse der eigenen Biographie im Journalistenalltag

4.3 Balanceakt: Die Nähe zu den Aktiven

4.4 Kumpel Sportjournalist? Die Kumpanei-Vorwürfe

4.5 Nähe: Chancen und Probleme

4.6 Informelle Informanten – Ihre Bedeutung im Alltag

4.7 Kontaktpflege – Der Einfluss auf die Arbeit

4.8 Auf Augenhöhe: Die Position des Journalisten

4.9 Die Spielregeln: Kodizes für den Umgang mit Aktiven

4.10 Die objektive Berichterstattung – Anspruch und Wirklichkeit

5. Schlussbetrachtung

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit untersucht das dem Journalismus immanente Nähe-Distanz-Problem, welches Journalisten dazu zwingt, ein Gleichgewicht zwischen notwendiger Nähe zu Informationsquellen und der für die Objektivität erforderlichen Distanz zu finden. Ziel ist es, am Beispiel des Sport- und Politikjournalismus bei deutschen Regionalzeitungen zu analysieren, wie Redakteure diesen Balanceakt bewältigen und welchen systemischen sowie persönlichen Einflüssen sie dabei ausgesetzt sind.

  • Analyse des Nähe-Distanz-Problems im Journalismus aus system- und akteurstheoretischer Sicht.
  • Vergleich der Ressorts Sport und Politik hinsichtlich ihrer Entstehung und Spezifika.
  • Untersuchung des Einflusses der persönlichen Biographie von Journalisten auf den Arbeitsalltag.
  • Reflektion der Rollenselbstbilder und der Bedeutung von Objektivitätsansprüchen.
  • Empirische Untersuchung mittels leitfadengestützter Experteninterviews mit Redakteuren.

Auszug aus dem Buch

2.2 Das Nähe-Distanz-Problem aus systembezogener Perspektive

Von einer individuumzentrierten Journalismusforschung Mitte des 20. Jahrhunderts ging der Weg in Richtung einer systemischen Betrachtung des Forschungsgegenstandes. Der Journalismus wird folglich mittlerweile in der Regel nicht mehr auf einzelne Personen oder die Addition derselben beschränkt, sondern als – funktionales – System erfasst, das komplex strukturiert und mit anderen sozialen Systemen vernetzt ist (Vgl. u.a. Frütel 2005: 30; Weischenberg 1994a: 428). Bereits seit Ende des 19. Jahrhunderts hat sich die journalistische Aussagenentstehung systematisiert. Sie beruht nicht mehr auf individuellen Leistungen, sondern ist in erster Linie das Ergebnis von Handlungen in einem systemischen Kontext (Vgl. Weischenberg 1994b: 232; Weischenberg 1994a: 432).

Journalistisches Handeln ist also nicht als individuelles Handeln zu analysieren, sondern stets vor dem Hintergrund systemischer Bedingungen zu sehen. Der Umgang mit Nähe und Distanz im Journalismus ist folglich nicht zu verstehen, wenn der Untersuchungsansatz auf die akteursspezifische Ebene beschränkt bleibt – im Gegenteil: Betrachtet man das Nähe-Distanz-Thema aus systemtheoretischer Sicht, wird deutlich, dass es sich um ein Problem handelt, das dem Journalismussystem insgesamt immanent ist.

Deutlich wird dies bereits dadurch, dass der Kontakt zwischen Journalist und Informant nicht willkürlich stattfindet, sondern aus einem systemischen Kontext heraus: Ein Handelnder des Journalismussystems kommuniziert mit einem Handelnden eines anderen Sozialen Systems, das der Umwelt des Journalismussystems zuzurechnen ist. Das geschieht, weil beide Systeme miteinander kommunizieren müssen. Dies wird deutlich, wenn bedacht wird, dass die Systeme in einer ausdifferenzierten, modernen Gesellschaft stets eine Funktion erfüllen müssen, um damit gesellschaftliche Probleme zu lösen und sich selbst zu erhalten.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung führt in das spannungsreiche Nähe-Distanz-Problem im Journalismus ein, das sich aus dem notwendigen Zugang zu Informationen und dem gleichzeitigen Anspruch auf Objektivität ergibt.

2. Nähe und Distanz im Journalismus – Eine Annäherung: Dieses Kapitel liefert eine theoretische Aufarbeitung des Nähe-Distanz-Verhältnisses aus verschiedenen Perspektiven, wobei insbesondere die Historie und Besonderheiten von Sport- und Politikressorts gegenübergestellt werden.

3. Empirische Untersuchung: Hier wird das Untersuchungsdesign vorgestellt, das auf einer qualitativen, leitfadengestützten Befragung von elf Sport- und Politikjournalisten regionaler Zeitungen basiert.

4. Ergebnispräsentation: In zehn Unterkapiteln werden die empirischen Erkenntnisse zu Themen wie Seitenwechseln, Kumpanei, Kontaktpflege und dem Objektivitätsanspruch detailliert dargestellt.

5. Schlussbetrachtung: Das Schlusskapitel fasst die wichtigsten Ergebnisse zusammen, reflektiert die gewählte Methodik und gibt einen Ausblick auf weiteren Forschungsbedarf.

Schlüsselwörter

Journalismus, Nähe-Distanz-Problem, Sportjournalismus, Politikjournalismus, Objektivität, Systemtheorie, Kumpanei, Rollenselbstbild, Hintergrundinformationen, Informanten, Regionalzeitung, Fallstudie, Medienkonkurrenz, Arbeitsrolle, Journalistenalltag.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht das journalistische Spannungsfeld zwischen der notwendigen Nähe zu Informationsquellen einerseits und der für eine objektive Berichterstattung erforderlichen professionellen Distanz andererseits.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind die systemischen Zwänge im Journalismus, die Unterschiede zwischen Sport- und Politikressort, die Rolle individueller Journalistenbiographien sowie die Bedeutung von Informanten und Netzwerken.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Ziel ist es, den Balanceakt zwischen Nähe und Distanz am Beispiel von Sport- und Politikredakteuren deutscher Regionalzeitungen empirisch zu untersuchen und bestehende Annahmen der Journalismusforschung zu hinterfragen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Verfasserin nutzt eine qualitative, leitfadengestützte Befragung von elf Experten (fünf Politik- und sechs Sportjournalisten), um detaillierte Einblicke in deren Berufsalltag zu gewinnen.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung (inkl. Systemtheorie und Rollenverständnis) und eine empirische Fallstudie, die konkrete Strategien der Journalisten im Umgang mit Akteuren beleuchtet.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Nähe-Distanz-Problem, Objektivität, Kumpanei, systemtheoretische Journalismusforschung, Rollenverständnis und die Arbeit bei Regionalzeitungen.

Gibt es einen Unterschied zwischen Sport- und Politikjournalisten bei der Kontaktpflege?

Die Arbeit zeigt, dass Sportjournalisten aufgrund ihrer Arbeitsbedingungen (z.B. tägliche Präsenz beim Verein) oft einen intensiveren persönlichen Kontakt zu Aktiven pflegen müssen als Politikjournalisten, die häufiger formalere Wege oder Telefonkontakte nutzen.

Wie gehen Journalisten mit der Gefahr der Instrumentalisierung durch ihre Quellen um?

Die Befragten betonen in der Regel ihre professionelle Rolle und betrachten Nähe als journalistisches Werkzeug. Sie sind sich der Gefahr bewusst, instrumentaliert zu werden, versuchen aber, durch Distanz und die Verpflichtung gegenüber dem Leser gegenzusteuern.

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Details

Title
Mittendrin statt nur dabei?
Subtitle
Eine qualitative Befragung zum Nähe-Distanz-Problem im Sport- und Politikjournalismus.
College
University of Münster  (Institut für Kommunikationswissenschaft)
Grade
1,00
Author
Magistra Artium Maike Falkenberg (Author)
Publication Year
2009
Pages
130
Catalog Number
V149794
ISBN (eBook)
9783640606320
ISBN (Book)
9783640605972
Language
German
Tags
Mittendrin Eine Befragung Nähe-Distanz-Problem Sport- Politikjournalismus
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Magistra Artium Maike Falkenberg (Author), 2009, Mittendrin statt nur dabei?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/149794
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