Das Aussehen und der Arbeits-Workflow einer grafischen Oberfläche (engl. Graphical User Interface - GUI) entscheiden oft, ob eine Software von Benutzern akzeptiert wird. Je benutzerfreundlicher die GUI ist, desto besser schätzt der Benutzer die Qualität der Software ein. Deshalb muss die grafische Bedienoberfläche frühzeitig an den Wünschen des Kunden angepasst werden. Dabei ist es wichtig, dass nicht nur das Layout der GUI mit dem Kunden abgestimmt wird, sondern auch der Arbeits-Workflow der Anwendung. Dieser Prozess findet in der Spezifikationsphase statt. Es wird meist das Layout der Oberfläche auf Papier oder mittels eines Programms gezeichnet und der Workflow nur textuell beschrieben. Doch wäre es sicherlich voteilhaft, schon beim Entwurf der GUI zu sehen, wie sich die Software später "anfühlt". Dabei können MockUp-Konzepte helfen, indem ein MockUp der grafischen Oberfläche erstellt wird.
Mit einem GUI-MockUp kann der Kunde den Workflow der Anwendung besser nachvollziehen und frühzeitig Anforderungen erkennen, welche in statischen Konzepten meist übersehen werden. Ein Beispiel hierfür wäre die Fenstergröße, die von der Bildschirmauflösung abhängig ist. Mit einem MockUp könnte getestet werden, ob die Fenstergröße zur Bildschirmauflösung des Kundenrechners passt. Deshalb werden in dieser Arbeit MockUp-Konzepte in den Spezifikationsprozess der Capgemini sd&m AG integriert. Zur Erstellung von MockUps können sogenannte MockUp-Tools verwendet werden. Um ein geeignetes MockUp-Tool zu finden, wird eine Marktanalyse durchgeführt und mittels eines eigenen Entscheidungsverfahrens das passende Tool ausgewählt.
Zur Erstellung der Spezifikation wird in vielen Softwareprojekten ein Modellierungswerkzeug eingesetzt. Aus diesem Grund wird in der vorliegenden Arbeit eine Architektur zur Integration eines MockUp-Tools in ein Modellierungswerkzeug entwickelt und implementiert.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Motivation
1.2 Problemstellung
1.3 Gliederung der Arbeit
2 Integration von MockUp-Konzepten in das Vorgehensmodell von Entwicklungsprojekten
2.1 Was sind MockUp-Konzepten?
2.2 Das Vorgehensmodell der Capgemini sd&m AG
2.3 Die Spezifikationsmethodik von Capgemini sd&m Research
2.4 Enterprise Architect in der Spezifikationsphase
2.5 Abgrenzung zu verwandten Arbeiten
2.5.1 Methoden und Werkzeuge für das Prototyping und ihre Integration
2.5.2 Vorgehensweisen und Werkzeuge für ein Ineinandergreifen von Modellierung und Prototyping
3 Entscheidungsverfahren zur Auswahl des MockUp-Tools
3.1 Allgemeine Entscheidungsverfahren
3.2 Eigenes Entscheidungsverfahren
4 Analyse des Spezifikationsprozesses von grafischen Oberflächen und Analyse der Anforderungen von MockUp-Tools
4.1 Vorgehen
4.2 Ziele der Interviews
4.3 Durchführung der Interviews
4.4 Fragebogen zur Durchführung der Interviews
4.4.1 Ziel: Spezifikationsprozess und verwendete Werkzeuge und Methoden
4.4.2 Ziel: Integration des MockUp-Tools in den Spezifikationsprozess
4.4.3 Ziel: Kriterien für die Evaluierung der MockUp-Tools finden
4.5 Auswertung der Interviews
4.5.1 Ergebnisse: Spezifikationsprozess und verwendete Tools und Methoden
4.5.2 Ergebnisse: Integration des MockUp-Tools in den Spezifikationsprozess
4.5.3 Ergebnisse: Kriterien für die Evaluierung der MockUp-Tools finden
5 Evaluierung der MockUp-Tools
5.1 Aufbau der Entscheidungsmatrix
5.1.1 Die Kriterien
5.1.2 Gewichtung, Bedingungsformeln und Aggregationsformeln der Kriterien
5.2 Arten von MockUp-Tools
5.3 Ergebnisse der Evaluierung
5.4 Entscheidung
6 Architektur zur Integration eines MockUp-Tools in ein Modellierungswerkzeug
6.1 Analyse
6.1.1 Anforderungen an die Architektur
6.1.2 Anwendungsfälle
6.1.2.1 Anwendungsfall - MockUp importieren
6.1.2.2 Anwendungsfall - MockUp editieren
6.1.2.3 Anwendungsfall - MockUp exportieren
6.2 Die entworfene Architektur
6.2.1 Komponenten
6.2.2 Das Common Dialog Model
6.2.3 Modelltransformationen zur Synchronisation der Daten
6.2.4 Vorteile der entworfenen Architektur
7 Technische Umsetzung der entworfenen Architektur
7.1 Technische Grundlagen
7.1.1 Balsamiq Mockups
7.1.2 Enterprise Architect
7.2 Verwendete Programmiersprachen und Technologien
7.3 Implementierung
7.3.1 Implementierung der MockUp-Komponente
7.3.2 Implementierung der Modellierungs-Komponente
7.3.3 Implementierung der Synchronisations-Komponente
7.4 Installer für das entwickelte System
8 Einsatz und Erweiterbarkeit des entwickelten Systems
8.1 Installation des Systems
8.2 Szenarien zum Einsatz des Systems
8.2.1 Erstellen eines neuen MockUps
8.2.2 Editieren eines MockUps
8.2.3 Exportieren eines MockUps
8.2.4 Importieren eines MockUps
8.3 Szenarien zum Erweitern des Systems
8.3.1 MockUp-Tool wechseln
8.3.2 MockUp-Tool hinzufügen
8.3.3 Modellierungswerkzeug wechseln
9 Zusammenfassung und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel dieser Arbeit ist die Verbesserung des Spezifikationsprozesses von grafischen Benutzeroberflächen (GUI) bei der Capgemini sd&m AG durch die Integration von MockUp-Konzepten in das bestehende Modellierungswerkzeug "Enterprise Architect". Die Forschungsfrage adressiert dabei, wie ein geeignetes MockUp-Tool gefunden, bewertet und technisch so nahtlos in das System integriert werden kann, dass eine effiziente Synchronisation zwischen MockUp-Design und Systemspezifikation gewährleistet ist.
- Integration von MockUp-Konzepten in bestehende Softwareentwicklungsprozesse.
- Marktanalyse und Auswahlverfahren für geeignete MockUp-Tools.
- Entwicklung einer plattformunabhängigen Softwarearchitektur zur Werkzeugintegration.
- Technische Implementierung mittels Adaptern und Modelltransformationen.
- Evaluierung der Lösung anhand von Praxisszenarien.
Auszug aus dem Buch
1.1 Motivation
Die Qualität einer Software wird schnell mit dem Verständnis, dem Aussehen und dem Workflow ihrer grafischen Bedienoberfläche (engl. Graphical User Interface - GUI) gleichgesetzt. Der Grund hierfür ist, dass der Benutzer meist nur die GUI einer Software zu sehen bekommt und die grafische Oberfläche somit der Teil der Anwendung ist, mit dem der Benutzer direkt konfrontiert wird. Je benutzerfreundlicher sie ist, umso besser schätzt der Benutzer die Qualität der Software ein. Deshalb ist es umso wichtiger, dass die Dialoge und der Arbeits-Workflow einer Anwendung frühzeitig nach den Wünschen des Kunden definiert und gestaltet werden. Für den Entwurf der grafischen Oberfläche ist der fachliche Designer zuständig. Er könnte hierfür verschiedene Programme verwenden. Zum Zeichnen des Layouts einer Anwendung könnte er zum Beispiel Microsoft PowerPoint oder Microsoft Visio nehmen und damit die GUI mit dem Kunden abstimmen. Doch kann der Kunde so den Workflow einer Anwendung schlecht nachvollziehen, da er nicht vorher testen kann, wie sich die Anwendung „anfühlt“ und er nicht sieht, wie er damit arbeiten kann.
Ähnliche Probleme befinden sich auch außerhalb der Softwareentwicklung. Beispielsweise beim Kauf einer Küche ist folgende Situation vorstellbar: Der Käufer beschreibt dem Verkäufer welche Küche er haben möchte, woraufhin der Verkäufer einen statischen Bauplan der Küche zeichnet. Aus Sicht des Käufers ist es jedoch anschaulicher, die Küche in 3D präsentiert zu bekommen, damit er sich eine bessere Vorstellung in den eigenen Räumen machen kann. Die Entscheidungsfindung des Käufers, ob er die Küche kaufen möchte und welche Küche er nimmt, wird so erheblich erleichtert.
Die Situation eines Küchenkaufs lässt sich leicht auf den Entwurf grafischer Oberflächen übertragen: Es wäre sicher hilfreich, sowohl für den Kunden als auch für den fachlichen Designer, schon beim Entwurf der GUI durch MockUp-Konzepte zu erleben, wie die Software sich später präsentiert. Dies erleichtert das frühzeitige Auffinden von Designfehlern, Usability-Problematiken und fehlende Funktionalitäten. GUI-MockUps sind Prototypen der Oberfläche, die ihr Layout visualisieren und ihr Verhalten simulieren, ohne dabei die dahinter steckende fachliche Funktionalität zu implementieren.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Dieses Kapitel motiviert die Notwendigkeit von MockUp-Konzepten für eine benutzerfreundliche Spezifikation und umreißt die Problemstellung sowie die Gliederung der Arbeit.
2 Integration von MockUp-Konzepten in das Vorgehensmodell von Entwicklungsprojekten: Es werden die Grundlagen von MockUp-Konzepten definiert und das Vorgehensmodell der Capgemini sd&m AG sowie die Spezifikationsmethodik im Kontext von Enterprise Architect analysiert.
3 Entscheidungsverfahren zur Auswahl des MockUp-Tools: Dieses Kapitel stellt gängige Entscheidungsmethoden vor und beschreibt ein eigenes Verfahren zur systematischen Auswahl des MockUp-Tools.
4 Analyse des Spezifikationsprozesses von grafischen Oberflächen und Analyse der Anforderungen von MockUp-Tools: Hier werden die Ergebnisse aus Experten-Interviews ausgewertet, um spezifische Anforderungen an das zu findende MockUp-Tool abzuleiten.
5 Evaluierung der MockUp-Tools: Es erfolgt eine Marktanalyse und Bewertung verschiedener Tools anhand der im Kriterienkatalog definierten Anforderungen, woraus die Wahl auf Balsamiq Mockups fällt.
6 Architektur zur Integration eines MockUp-Tools in ein Modellierungswerkzeug: Dieses Kapitel entwirft eine Architektur, die den Austausch von Tools ermöglicht und eine Synchronisation über ein "Common Dialog Model" vorsieht.
7 Technische Umsetzung der entworfenen Architektur: Die praktische Implementierung der Architektur wird detailliert erläutert, inklusive der Adapter-Entwicklung und der Modelltransformationen.
8 Einsatz und Erweiterbarkeit des entwickelten Systems: Anhand von praktischen Anwendungsszenarien wird die Funktionsweise und Erweiterbarkeit des Systems demonstriert.
9 Zusammenfassung und Ausblick: Diese Kapitel rekapituliert die Ergebnisse der Arbeit und gibt einen Ausblick auf potenzielle Weiterentwicklungen, wie die Generierung von Quellcode oder Testfällen.
Schlüsselwörter
GUI-Spezifikation, MockUp, Enterprise Architect, Capgemini sd&m, Softwareentwicklung, Prototyping, Anforderungsanalyse, Entscheidungsmatrix, Modelltransformation, Common Dialog Model, Benutzerschnittstelle, Usability, Balsamiq Mockups, Systemintegration.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit befasst sich mit der Integration von sogenannten "MockUp-Konzepten" in den Spezifikationsprozess für grafische Bedienoberflächen bei der Capgemini sd&m AG.
Welche zentralen Themenfelder werden abgedeckt?
Zentrale Themen sind die Anforderungsanalyse für GUI-Tools, die Evaluierung von Prototyping-Software, die Architektur von Synchronisationssystemen zwischen verschiedenen Tools und deren technische Implementierung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, ein geeignetes MockUp-Tool auszuwählen und eine Softwarearchitektur zu implementieren, die es ermöglicht, MockUps effizient und synchronisiert in den Spezifikationsprozess mittels "Enterprise Architect" zu integrieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt qualitative Forschungsmethoden wie leitfadenorientierte Interviews mit Software-Ingenieuren und Usability-Experten, sowie ein strukturiertes Entscheidungsverfahren mittels gewichteter Entscheidungsmatrizen zur Tool-Auswahl.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil umfasst die Analyse des Ist-Zustands, die Definition eines Kriterienkatalogs, die Evaluierung verschiedener MockUp-Tools, den Entwurf einer flexiblen Systemarchitektur und deren technische Realisierung durch Adapter und XML-Modelltransformationen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind GUI-Spezifikation, MockUp, Enterprise Architect, Prototyping und Modelltransformation.
Warum wurde Balsamiq Mockups als Tool gewählt?
Balsamiq Mockups schnitt in der technischen Evaluierung am besten ab, da es als einziges Tool zum Zeitpunkt der Arbeit die Anforderungen an die Screen-Generierung erfüllte und eine API bzw. eine einfache XML-Struktur (BMML) für die Daten-Synchronisation bereitstellte.
Wie erfolgt die Synchronisation zwischen MockUp und Modellierungswerkzeug?
Die Synchronisation erfolgt über ein eigens entworfenes "Common Dialog Model" im XML-Format, wobei Groovy-Skripte für die notwendigen Modelltransformationen zwischen dem Tool-spezifischen Format und dem gemeinsamen Dialogmodell sorgen.
Ist das System erweiterbar?
Ja, das System wurde modular konzipiert, sodass durch die Bereitstellung neuer Adapter und entsprechender Transformationsskripte sowohl das MockUp-Tool als auch das Modellierungswerkzeug ausgetauscht oder ergänzt werden können.
- Quote paper
- Nurije Ljaci (Author), 2010, Integration von MockUp-Konzepten in die Spezifikation grafischer Bedienoberflächen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/149829