Die Tätigkeit des Allgemeinen Deutschen Sprachvereins im Bereich der Fremdwortbekämpfung im Dritten Reich


Hausarbeit (Hauptseminar), 2002
17 Seiten, Note: 2,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

0. Einleitung

1. Die Vorgeschichte des Allgemeinen Deutschen Sprachvereins und seine ursprünglichen Ziele

2. Die Tätigkeit des Allgemeinen Deutschen Sprachvereins im Bereich der Fremdwortbekämpfung unmittelbar nach der Machtergreifung von 1933 durch die Nationalsozialisten
2.1. Die Verdeutschungsversuche der Sprachpuristen
2.2. Die antisemitische Stufe des Sprachpurismus

3. Das Verhältnis der Naziregierung zum Fremdwort und der Fremdwortjagd des Allgemeinen Deutschen Sprachvereins.

4. Die Folgen der Kritik durch die Nazi-Größen für den Allgemeinen Deutschen Sprachverein

5. Fazit

Literaturverzeichnis

0. Einleitung

Die vorliegende Arbeit entstand im Rahmen des Seminars "Fremdes im deutschen Wortschatz". Das Thema also waren Fremdwörter: einerseits ging es um Wortentlehnungen, bei denen es sich um Wörter handelt, die aus anderen Sprachen übernommenen wurden, der Sprachstruktur des Deutschen nicht angepaßt oder nur teilweise angepaßt sind; andererseits ging es um Lehnwortbildungen, also um Wörter, die innerhalb des Deutschen von fremdstämmigen Wörtern und Wortbildungseinheiten geprägt sind, und ebenfalls nicht assimiliert oder nur teilweise assimiliert sind. Ein großer Teil des Seminars war den Entlehnungen aus dem Englischen gewidmet, es wurden aber auch Internationalismen, Romanismen und Lateinismen behandelt.

Das Thema "Fremdwort" geht normalerweise Hand in Hand mit dem Sprachpurismus. Der Sprachpurismus, oder auch Sprachreinigung, ist keinesfalls nur ein deutsches Phänomen, sondern er ist in allen europäischen Sprachgemeinschaften aufzuweisen.

Da es sich allerdings hier um das Fremde im deutschen Wortschatz handelt, werden der deutsche Sprachpurismus und seine Entwicklungsgeschichte dargelegt.

Der deutsche Sprachpurismus nimmt seinen Ursprung im Barockzeitalter (1600 - 1750) (s. Wells, S. 283ff.) und läßt sich grob in zwei Zeitabschnitte aufgliedern: das 17. und 18.Jh., sowie das 19. und 20.Jh. (s. Kirkness, 1998:407ff). Der Sprachpurismus im 17. und 18.Jh verfolgte das Ziel, eine gültige hochsprachliche Norm herauszubilden und bezog sich damit auf syntaktische, phonologische, morphologische und lexikalische Prinzipien innerhalb der deutschen Sprache. In der zweiten Phase der Entwicklung des deutschen Sprachpurismus stieg das Nationalgefühl unter dem Einfluß politischer Ereignisse (Niedergang der Napoleonischen Herrschaft, Reichsgründung von 1871, Ausbruch des ersten Weltkrieges), die innersprachlichen Auseinandersetzungen traten in den Hintergrund und die Aufmerksamkeit der Puristen richtete sich auf die Lexik, vor allem auf die Wörter und Wortbildungseinheiten fremden Ursprungs.

Aus dieser Periode der Geschichte des deutschen Sprachpurismus ist die Tätigkeit der Sprachreiniger im Dritten Reich (1933 - 1945) von besonderem Interesse. Der Sprachpurismus im Dritten Reich wird eng mit der Tätigkeit des Allgemeinen Deutschen Sprachvereins verknüpft und eben aus diesem Grund werden in der vorliegenden Arbeit die Aktivitäten des Sprachvereins im Zeitabschnitt von 1933 bis 1940 (der Erlaß der Auflösung des ADSV durch Hitler) unter der Berücksichtigung der Fremdwortjagd verfolgt. Vorab werden die Entstehungsgeschichte des Vereins und seine ursprünglichen Ziele dargestellt, danach wird die Tätigkeit des Vereins im Bereich der Fremdwortbekämpfung nach der Machergreifung von 1933 durch die Nationalsozialisten erörtert. Ferner wird das Verhältnis der Nazi-Regierung zum Fremdwort sowie zum Sprachverein und seinen Unternehmen erläutert, um ein umfassendes Zeitverständnis zu generieren. Anschließend werden die Folgen und die Gründe der kritischen Haltung der Nazis gegenüber dem Verein dargestellt.

1. Die Vorgeschichte des Allgemeinen Deutschen Sprachvereins und seine ursprünglichen Ziele

Die erfolgreichste deutsche Sprachgesellschaft wurde 1885 von dem Braunschweiger Kunsthistoriker Hermann Riegel (1834-1900) gegründet. Zu den Sympathisanten des Vereins gehörten vor allem Lehrer, Philologen, Juristen und Beamte. 1930 zählte der Verein an die 50.000 Mitglieder. Der Sprachverein hatte zwei wesentliche Mottos: „Kein Fremdwort für das, was deutsch ausgedrückt werden kann“ und „Gedenke auch, wenn du die deutsche Sprache sprichst, daß du ein Deutscher bist“. Der dreifache Zweck des Vereins bestand laut Satzung darin, "die Reinigung der deutschen Sprache von den fremden Bestandteilen zu fördern, die Erhaltung und Wiederherstellung des echten Geistes und eigentümlichen Wesens der deutschen Sprache zu pflegen, und auf diese Weise das allgemeine nationale Bewußtsein im deutschen Volk zu kräftigen". (s. Kirkness, 1998:413ff.) Der Fremdwortpurismus zog sich wie ein roter Faden durch die sonstigen Bemühungen des Sprachvereins. Es wurden nur nichtassimilierte Wörter fremdsprachlicher Herkunft abgelehnt, für die eine gute heimische Entsprechung zur Verfügung stand, wobei der Begriff „Gute Entsprechung“ auch innerhalb des Vereins durchaus verschieden interpretiert wurde. Die Zeitschrift des Allgemeinen Deutschen Sprachvereins - Muttersprache - veranstaltete Wettbewerbe für die Eindeutschung von Fremdwörtern. Die Vorschläge, die die Preise davon trugen, setzten sich nicht immer durch. So sind Rauchrolle für Zigarre und das Aut für Auto spurlos wieder aus der Sprache verschwunden. (s. Wells, 1990: 425ff.)

Der Gründer des Vereins, Hermann Riegel, war in seinem Sprachpurismus gemäßigt. Wenn er zwischen keinen Fremdwörtern im Deutschen und allen wählen müßte, so würde er lieber alle haben, sagte Riegel (s. Wells, 1990:425).

Gegen die Fremdwörter argumentierte man, daß sie die Schönheit und Ursprünglichkeit des Deutschen negativ beeinflußten, in der Dichtung stilistisch störend wirkten und daß sie das Deutsche daran hindern, die eigenen Wortbildungsmittel zu entwickeln. Die häufig unklaren und mehrdeutigen Fremdwörter sollten die Verarmung des Wortschatzes darstellen. Zusätzlich wurde dem Fremdwortgebrauch die übertriebene Hochachtung vor allem Ausländischen bei gleichzeitiger Selbstverachtung vorgeworfen. Diese Behauptung paßte sehr wohl ins Programm des Sprachvereins, neben dem Fremdwortpurismus das Nationalbewußtsein im deutschen Volke zu stärken.

1923 trat eine neue Satzung des Deutschen Sprachvereins in Kraft, die die Fremdwörterjagd zwar nicht mehr explizit erwähnte, die nationale Zielsetzung jedoch wiederum hervorhob. Die Pflege der Muttersprache galt nach wie vor als Pflege des Deutschtums.

2. Die Tätigkeit des Deutschen Sprachvereins im Bereich der Fremdwortbekämpfung unmittelbar nach der Machtergreifung von 1933 durch die Nationalsozialisten

Die Erwartungen der deutschen Sprachpuristen stiegen nach der Machergreifung im Jahre 1933 von Hitler an. Die gröberen Strömungen eines völkischen Nationalsozialismus, die von Anfang an im Verein vorhanden gewesen waren, traten an die Oberfläche. Man erwartete vom nationalsozialistischen Regime eine besondere Pflege des Germanentums im Bereich der sprachlichen Entwicklung. Die erste Reaktion auf die Machergreifung der Nazis zeigt sich in einem Aufruf des Vorsitzenden des deutschen Sprachvereins, Richard Jahnke, im Aprilheft der Muttersprache unter dem Schlagwort „Deutschland, erwache!“. Diese Losung ist allerdings das einzige, was man in folgendem Aufruf als nationalsozialistisch bezeichnen kann, der übrige Text hält sich im Rahmen der alten konservativ-puristischen Tradition des Sprachvereins:

„Wir wollen uns darauf besinnen, daß wir ein großes Volk sind, würdig, gleichberechtigt neben den anderen Völkern zu stehen, nicht ihr Sklave und Spielzeug. Wenn Ihr das wollt, deutsche Volksgenossen, dann besinnt Euch darauf, daß ein Volk, das sich selbst achtet, seine Sprache heilig hält, daß es nicht hinter den anderen herläuft und sich groß vorkommt, wenn es aus ihren Sprachen ein paar Brocken aufgelesen hat ...“[1]

Der Aufruf wurde mit einer ziemlich mutigen Mahnung an die obersten Naziführer abgeschlossen:

„Und Ihr, Staatsmänner, in deren Händen des Reiches Schicksal liegt, bedenkt: Wer einem Volke Führer sein will, muß ihm ein Beispiel sein, nicht nur in Tapferkeit, Einsicht und Besonnenheit, sondern auch in der Lebensführung, und zu der gehört eine reine, sorgfältige Sprache. Und wer zu allen Volksgenossen spricht, wer auf alle einwirken will, dessen Pflicht ist es, so zu sprechen, daß allen verständlich sei. Wer Deutsche führen will, muß deutsch zu ihnen reden. Deutsche, erwachet!“[2]

Diese Mahnung war der Ursprung des späteren Konfliktes mit den Nationalsozialisten.

2.1. Die Verdeutschungsversuche der Sprachpuristen

Die Fremdwortproblematik als zentrales Thema des Sprachvereins seit seiner Gründung bestimmte auch dessen Tätigkeit in den ersten Jahren nach der Machtergreifung.

Mit großem Enthusiasmus machten sich die Mitglieder des Sprachvereins an das Werk der Reinigung der deutschen Sprache von Fremdwörtern. Im April 1933 wandte sich der Vorstand der Sprachvereins mit einem Schreiben an die zuständigen Regierungsstellen. In diesem Schreiben erhoffte der Sprachverein

"[...] Erlässe über Pflege und Schutz der deutschen Sprache, vor allem auf folgenden Gebieten:

1. Behörden und Titelwesen,
2. Schule,
3. Rundfunk,
4. Standesämter,
5. Reichspatentamt,
6. Sport,
7. Gasthofnamen,
8. Ladenschilder,
9. Straßennamen.

[...] Zu 2: Die Schule soll im deutschen Unterricht nicht nur deutsche Schriftwerke erläutern, sondern auch in die Schönheit und den Reichtum der Sprache einführen, das Wortverständnis wecken im Sinne Rudolf Hildebrands, Klarheit geben über Fremdwörter, Lehnwörter, Wortbegriff, Wortgeschichte u. dgl. Sie soll die Schüler zum bewußten Gebrauch der Sprache erziehen. So soll sie unnötige Fremdwörter meiden und ihre Gedanken klar ausdrücken lehren."[3]

[...]


[1] Polenz, S. 117

[2] Polenz, S. 117

[3] Simon, S. 156

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Die Tätigkeit des Allgemeinen Deutschen Sprachvereins im Bereich der Fremdwortbekämpfung im Dritten Reich
Hochschule
Ruhr-Universität Bochum  (Germanistisches Institut)
Veranstaltung
Fremdes im deutschen Wortschatz
Note
2,3
Autor
Jahr
2002
Seiten
17
Katalognummer
V14986
ISBN (eBook)
9783638202350
Dateigröße
506 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Tätigkeit, Allgemeinen, Deutschen, Sprachvereins, Bereich, Fremdwortbekämpfung, Dritten, Reich, Fremdes, Wortschatz
Arbeit zitieren
Oxana Karpenko (Autor), 2002, Die Tätigkeit des Allgemeinen Deutschen Sprachvereins im Bereich der Fremdwortbekämpfung im Dritten Reich, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/14986

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