Der Praktikumsbericht entstand im Laufe eines Praktikums im Geschichtsunterricht der neunten Klasse an einem Gymnasium. Der Hospitationsbericht fokussiert sich vor allem darauf, wie die Lehrperson den Unterrichtseinstieg gestaltet, wie mit Unterrichtsstörungen seitens der Schüler*innen umgegangen wird und auf welche Weise die Lehrkraft ihre Körpersprache im Unterricht einsetzt. Er umfasst eine Bedingungsanalyse, einen Hospitationsbericht, die Konzeption einer Unterrichtsstunde zum Thema Judenverfolgung in der Zeit des Nationalsozialismus samt tabellarischer Verlaufsplanung sowie den verwendeten Unterrichtsmaterialien, eine methodisch-didaktische und eine Sachanalyse und eine Reflexion der gehaltenen Stunde, in der Problemstellen und Alternativen diskutiert werden. Die gehaltene Stunde erhielt überwiegend positives Feedback mit einigen Änderungsvorschlägen, die im Rahmen der Reflexion beleuchtet werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Bedingungsanalyse
2. Hospitationsbericht
3. Konzeption einer Unterrichtsstunde
3.1 Sachanalyse
3.2 Didaktisch-methodische Analyse
3.3 Tabellarischer Verlaufsplan der Unterrichtsstunde
4. Reflexion der Unterrichtsstunde
5. Reflexion des Praktikums
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, die Planung, Durchführung und Reflexion einer Geschichtsstunde zum Thema Judenverfolgung im Nationalsozialismus in einer 12. Klasse darzustellen. Die zentrale Forschungsfrage untersucht, wie durch schüleraktivierende, problemorientierte Methoden und den gezielten Einsatz von Medien das Interesse sowie das Problembewusstsein der Lernenden für historische Zusammenhänge und ideologische Grundlagen geweckt werden kann.
- Bedingungsanalyse der Lern- und Lehrumgebung
- Hospitationsergebnisse zu Unterrichtseinstieg, Störungskultur und Körpersprache
- Konzeption einer Unterrichtsstunde zu den ersten drei Phasen der Judenverfolgung bis 1941
- Methodische Gestaltung historischer Quellenarbeit im Geschichtsunterricht
- Reflexion über Praxisanforderungen und eigene fachdidaktische Entwicklungsmöglichkeiten
Auszug aus dem Buch
3.1 Sachanalyse
Die hier dargelegte Unterrichtsstunde thematisierte die Phasen der Judenverfolgung in der Zeit des Nationalsozialismus. Zugrunde gelegt wurde dabei eine Unterteilung in vier Zeitabschnitte, wobei in der betreffenden Stunde lediglich auf die ersten drei Phasen bis 1941 eingegangen werden sollte. Die erste Phase umfasst die Zeit von 1933 bis 1935 und ist gekennzeichnet durch einzelne scheinlegale Maßnahmen, die gegen jüdische Menschen erlassen wurden und bereits unmittelbar nach der „Machtergreifung“ einsetzten. Sie verliefen sowohl auf gesetzlichem Wege als auch in Form gewalttätiger Ausschreitungen. Mit dem staatlich organisierten Boykott jüdischer Geschäfte, der vom 1. bis zum 3. April 1933 stattfand, setzte die gesellschaftliche und wirtschaftliche Ausgrenzung von Jüdinnen und Juden im nationalsozialistischen Deutschland ein.12 Kurz darauf erließ die Regierung im April 1933 das „Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“, durch welches jüdische Menschen aus dem öffentlichen Dienst ausgeschlossen wurden. Der darin enthaltene „Arierparagraph“ führte in der Folge zu weiteren Einschränkungen und Berufsverboten insbesondere für jüdische Ärztinnen und Ärzte, Richter*innen sowie Staats- und Rechtsanwälte bzw. -anwältinnen. Durch das „Gesetz gegen die Überfüllung deutscher Schulen und Hochschulen“ wurden die Ausbildungs- und Studienmöglichkeiten für jüdische Personen zudem stark eingeschränkt.13 Im Sommer 1935 wurde darüber hinaus vermehrt die Losung „Juden unerwünscht“ an vielen Geschäften, Ortseingängen und Lokalen angebracht. Ebenso nahmen Kampagnen zur Anprangerung von Liebesbeziehungen zwischen „Ariern“ und jüdischen Menschen zu, die als „Rassenschande“ verurteilt wurden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Bedingungsanalyse: Erläutert die Rahmenbedingungen des Schulumfeldes, die technische Ausstattung und die Lernausgangslage der 12. Klasse.
2. Hospitationsbericht: Dokumentiert Beobachtungen zur Gestaltung von Unterrichtseinstiegen, dem Umgang mit Unterrichtsstörungen sowie der Bedeutung nonverbaler Körpersprache.
3. Konzeption einer Unterrichtsstunde: Beschreibt die inhaltliche Sachanalyse, die didaktisch-methodische Strukturierung des Unterrichts sowie den detaillierten Verlaufsplan zur Themenstellung "Judenverfolgung im NS".
4. Reflexion der Unterrichtsstunde: Kritische Auseinandersetzung mit dem erreichten Lernfortschritt, der Wirksamkeit der methodischen Impulse und der aktiven Einbindung der Lerngruppe.
5. Reflexion des Praktikums: Fazit zu den persönlichen Entwicklungsschwerpunkten sowie den gewonnenen Erfahrungen bezüglich der Lehrpraxis während der gesamten Praktikumsdauer.
Schlüsselwörter
Judenverfolgung, Nationalsozialismus, Geschichtsdidaktik, Unterrichtsplanung, Antisemitismus, Quellenkritik, Problemorientierung, Hospitation, Unterrichtsstörungen, Körpersprache, Partizipation, Rassegesetze, Holocaust, Erinnerungskultur, Schulpraktikum.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Arbeit schwerpunktmäßig?
Die Arbeit fokussiert sich auf die theoretische Planung, praktische Durchführung und systematische Reflexion von Geschichtsunterricht während der letzten Praxisphase vor dem Referendariat.
Welche Aspekte werden unter dem Punkt Hospitation analysiert?
Es werden Strategien von Lehrpersonen hinsichtlich der Einstiegsgestaltung, Reaktionen auf Unterrichtsstörungen sowie der effektive Einsatz der Körpersprache und Mimik untersucht.
Was ist das zentrale didaktische Ziel der geplanten Unterrichtsstunde?
Das Ziel ist es, den Schüler*innen ein Bewusstsein für die zunehmende Verschärfung der nationalsozialistischen Verfolgungspraxis (von der ersten bis zur dritten Phase) zu vermitteln und die Ideologie dahinter zu reflektieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Analyse herangezogen?
Neben der Hospitationsbeobachtung wird ein problemorientierter Ansatz verfolgt, der durch geschichtsdidaktische Prinzipien wie die Quellenkritik und handlungsorientierte Diskussionen begleitet wird.
Was wird im Hauptteil des Unterrichts konkret bearbeitet?
Die Schüler*innen analysieren die historische Entwicklung der Judenverfolgung anhand von drei Phasen, wobei sie den Boykott, die "Nürnberger Gesetze" und die "Reichspogromnacht" unter die Lupe nehmen.
Welche Schlagworte charakterisieren das pädagogische Konzept der Arbeit?
Die zentralen Pfeiler sind Problemorientierung, Schüleraktivierung, emotionale Ansprache durch Medien und die reflektierte Integration historischer Fachinhalte in den Unterricht.
Warum war das gewählte NS-Propaganda-Plakat als Einstieg entscheidend?
Es diente als Provokation, um die Schüler*innen auf einer emotionalen Ebene zu erreichen, das Problembewusstsein für antisemitische Stereotype zu schärfen und eine direkte Partizipation am Unterricht zu erzwingen.
Wie bewertet die Autorin den eigenen Redeanteil im Unterricht?
Kritisch betrachtet, da bei komplexen Diskussionen der Redeanteil der Lehrperson zu hoch war und die Schüler*innen weniger Raum für eigene Gedanken und komplexe Antworten erhielten als angestrebt.
- Citar trabajo
- Anonym (Autor), 2022, Judenverfolgung in der Zeit des Nationalsozialismus, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1498955