Diese Arbeit thematisiert die Herausforderungen der Anwerbung neuer Pflegekräfte im Kontext des demografischen Wandels und der steigenden Anzahl pflegebedürftiger älterer Menschen. Gleichzeitig verschärfen die unzureichenden Arbeitsbedingungen die Personalflucht aus der Pflege, was zu einer kritischen Personalknappheit in Akut- und Langzeiteinrichtungen führt. Dies beeinträchtigt die Pflegequalität und führt zu Missing Nursing Care (MNC), mit schwerwiegenden Folgen wie nosokomialen Infektionen und erhöhter Mortalität. Auszubildende werden oft ohne angemessene Praxisanleitung allein gelassen und als günstige Arbeitskräfte eingesetzt, was zu Kompetenzüberschreitungen führt. Die Arbeit setzt sich zudem kritisch mit dem Einsatz von sozio-interaktiven Robotern auseinander, die als Lösung für den Pflegenotstand vorgeschlagen werden, jedoch aufgrund fehlender emotionaler Reaktionsfähigkeit keine vollwertige Alternative zu menschlichen Pflegekräften darstellen. Zudem wird auf die unzureichende Umsetzung der GuKG-Novelle 2016 in Österreich eingegangen, die die Akademisierung des gehobenen Dienstes für Gesundheits- und Krankenpflege (DGKP) vorsieht.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Praxis
2.1. Pflegetätigkeiten versus Pflegequalität
2.2. Personalmangel versus Pflegelehre
2.3. Praxisanleitung versus Kompetenzen
3. Akademisierung versus nicht-akademische Pflegeberufe
4. Robotik versus Empathie
5. Schlussfolgerung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die aktuelle Problematik des Pflegenotstands in Österreich, die durch demografischen Wandel und hohe Fluktuation gekennzeichnet ist. Das zentrale Ziel ist es, Hürden in der Pflegepraxis und Ausbildung zu identifizieren und Strategien zu entwickeln, um die Pflegequalität zu sichern, den Beruf attraktiver zu gestalten und eine nachhaltige Aufwertung des Pflegeberufs zu erreichen.
- Analyse von Missing Nursing Care (MNC) und deren Auswirkungen auf die Patientensicherheit.
- Kritische Beleuchtung der Pflegelehre und der aktuellen Ausbildungssituation.
- Notwendigkeit einer einheitlichen Akademisierung des gehobenen Dienstes für Gesundheits- und Krankenpflege.
- Diskussion über den Einsatz von Robotik versus menschliche Empathie und Kommunikation.
- Entwicklung von Empfehlungen für zukunftsfähige Arbeitszeitmodelle und Kompetenzstrukturen.
Auszug aus dem Buch
Robotik versus Empathie
Aktuelle Studien zeigen das die Digitalisierung im Gesundheits- und Sozialwesen, wie z.B. Krankenhäusern, permanent weiter ausgebaut wird [177-179]. Besonders verbreitet sind die elektronischen Pflege-Dokumentationssysteme und eine stetig steigende Technologisierung der medizinischen Versorgung [179,180]. Mania [181] betont, dass die neuen Pflege-Expertensysteme digitale Plattformen sind, die die Pflege-Dokumentationssysteme zukünftig ablösen sollen. Diese Pflege-Expertensysteme sollen Pflegekräfte wie Experten assistieren, dass komplexe Tätigkeiten gelöst werden können. Dies geschieht mit Daten der Patient*innen, einer Analyse durch Sensoren (z.B. Blasen-Füllstandsensor) und Handlungsempfehlungen aus einer Wissensbasis mittels Künstlicher Intelligenz (KI). So sollen Vorhersagen von Risiken (z.B. Dekubitalulcera) und Phänomene vorbeugender Pflegeinterventionen aufgezeigt werden, die Pflegekräfte umsetzen sollen.
Um den Personalmangel und verstärkte Versorgung von Patient*innen gerecht zu werden, werden immer wieder neue technische Erfindungen wie Robotik in der Pflegepraxis diskutiert [182]. Es gibt verschiedene technische Innovationen wie Exoskeletten, die Pflegekräfte bei der Umlagerung von Patient*innen tragen sollen, um ihren Rücken zu schonen [183,184], Reinigungsrobotik/Desinfektionsroboter, OP-Assistenz, Transportroboter und Roboter, die soziale Funktionen übernehmen sollen [183,185]. Bei einer Umfrage wurde festgestellt, dass Pflegekräfte aus dem Akut- und Langzeitbereichen (mit hoher technischer Kompetenz), den Einsatz technologischer Hilfsmittel unterschiedlich gegenüberstehen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Beschreibt die Ausgangslage des Pflegepersonalmangels in Österreich und definiert den Zweck der Übersichtsarbeit, Problematiken in der Praxis und Ausbildung aufzuzeigen sowie Lösungsansätze zu identifizieren.
2. Praxis: Analysiert die negativen Folgen von Arbeitsverdichtung und Personalmangel auf die Pflegequalität (Missing Nursing Care), beleuchtet die bildungspolitische Debatte um die Pflegelehre und kritisiert die derzeitige Qualität der Praxisanleitung im klinischen Alltag.
3. Akademisierung versus nicht-akademische Pflegeberufe: Diskutiert die Notwendigkeit der tertiären Ausbildung für den gehobenen Dienst sowie die Herausforderungen bei der Umsetzung der Bologna-Vorgaben und der Nachqualifizierung für nicht-akademisches Personal.
4. Robotik versus Empathie: Hinterfragt kritisch den Einsatz von Robotern in der Pflege, insbesondere deren mangelnde Fähigkeit zur echten Empathie, und stellt fest, dass menschliche Zuwendung durch Algorithmen nicht ersetzbar ist.
5. Schlussfolgerung: Führt konkrete Handlungsempfehlungen zusammen, darunter die Einführung von Persönlichkeitstests für angehende Pflegekräfte, die Anpassung des Bachelorstudiums und die Aufwertung des Praxislehrers.
Schlüsselwörter
Kompetenzen, Pflegefachassistenz, Pflegeassistenz, Gehobene Dienst für Gesundheits- und Krankenpflege, Akademisierung, Praxisanleitung, 3. Lernort, Pflegeethik, Psychohygiene, physische und psychische Belastung, Pflegelehre, Personalmangel, Robotik, Seele, Empathie, Pflegequalität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Publikation im Wesentlichen?
Die Arbeit analysiert kritisch den aktuellen Pflegenotstand in Österreich, dessen Ursachen in belastenden Arbeitsbedingungen liegen, und bewertet aktuelle bildungspolitische sowie technologische Lösungsansätze.
Was sind die zentralen Themenfelder der Studie?
Die Schwerpunkte liegen in den Bereichen Arbeitsbedingungen, Praxisanleitung, Akademisierung der Pflege und der Bewertung technologischer Innovationen wie Robotik.
Welches primäre Ziel verfolgt die Autorin?
Ziel ist es, Wissenslücken zu schließen und durch eine fundierte Analyse Empfehlungen zur Aufwertung des Pflegeberufs und zur Sicherung der Patientensicherheit abzuleiten.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es handelt sich um eine Übersichtsarbeit, die auf einer umfassenden Literaturanalyse und dem Vergleich von nationalen sowie internationalen Studienergebnissen basiert.
Was behandelt der Hauptteil der Arbeit?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der pflegerischen Praxis (Qualitätsverlust durch Mangel), die kritische Auseinandersetzung mit der Pflegelehre, die Notwendigkeit der Akademisierung und die ethische Bewertung von Robotik gegenüber menschlicher Empathie.
Welche Schlüsselwörter beschreiben diese Publikation am besten?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Pflegepersonalmangel, Akademisierung, Missing Nursing Care, Praxisanleitung, Skill-Grade-Mix und Empathie.
Wie bewertet die Autorin die Einführung einer Pflegelehre?
Die Autorin äußert sich sehr kritisch: Sie sieht darin keine Lösung für den Personalmangel, da die prekären Arbeitsbedingungen den Status eines Hilfsarbeiters für junge Menschen unattraktiv machen.
Warum reicht ein bloßer Kompetenz- oder Kommunikationsunterricht laut der Autorin nicht aus?
Sie argumentiert, dass professionelle Kompetenz und echte Empathie eng mit dem gesunden Selbstwert der Pflegekraft verknüpft sind und fordert daher eine tiefere psychologische Auseinandersetzung sowie Persönlichkeitstests.
Was ist der Kern der Kritik an sozial-interaktiven Robotern?
Die Autorin stellt klar, dass Roboter über keine echten Gefühle verfügen und niemals die menschliche Interaktion ersetzen können, da die Algorithmen für die Komplexität menschlicher Seelen und Erfahrungen nicht ausreichen.
Welche Veränderung schlägt die Autorin konkret für Praxisanleiter vor?
Sie schlägt vor, den Praxisanleiter zum „Praxislehrer“ aufzuwerten, der über ein Pflegepädagogikstudium auf Masterniveau verfügt und ausschließlich für die Ausbildung zuständig ist, um die Qualität der Praxisanleitung maßgeblich zu verbessern.
- Arbeit zitieren
- Katrin Figl (Autor:in), 2023, Pflegenotstand und Akademisierung. Herausforderungen und Lösungsansätze im Gesundheitswesen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1499083