Die vorliegende Fallstudie unternimmt den Versuch der konzeptionellen Darstellung einer Schulentwicklung einer Förderschule hin zu einer Schule für alle.
Mehr als 10 Jahre nach der Ratifizierung der UN BRK in Deutschland, sind viele Bundesländer auf dem Weg Richtung Inklusion. In Politik und Gesellschaft wird Inklusion immer wieder thematisiert. Art. 24 der UN BRK ist für viele Länder, so auch Deutschland und der Schweiz ein klarer Auftrag zur Entwicklung von Schulen. Die Umsetzung und was unter Inklusion in der Schule verstanden wird ist jedoch heterogen.
Inhaltsverzeichnis
1. Schulentwicklung
1.1. Versuch einer Definitionsklärung
1.2. Umfang, Inhalt von Schulentwicklung
2. Schulische Inklusion Definition
3. Zusammenhang zwischen Schulentwicklung und Schulischer Inklusion
4. Kennzeichen einer inklusiven Schule
4.1. Schülerschaft
4.2. Unterrichtsgestaltung
4.3. soziale Gruppenprozesse
4.4. Interdisziplinarität
5. Normatives Bildungsmanagement
5.1. Begriffsklärung Normatives Bildungsmanagement
5.2.1. Zielebene
5.2.2. Massnahmen auf Handlungsebene
5.3. Übersicht der Ziele und Massnahmen
6. Strategisches Bildungsmanagement
6.1. Strategische Umsetzung „Inklusive Werte“
6.2. Individuelle, bestmögliche Förderung
6.3. Lehrkörper als Team
7. Operatives Bildungsmanagement und Balanced Scorecard
7.1. Balanced Scorecard Vision „Inklusive Werte“
7.2. Balanced Scorecard Vision „Individuelle, bestmögliche Förderung“
7.3. Balanced Scorecard Vision „Lehrerschaft als Team“
8. Bedingungen für das Gelingen von Schulentwicklung im Kontext Inklusion
8.1. Professionelle Führung
8.2. Commitment
8.3. Ressourcen
8.4. Strategie und Kennzahlen
8.5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit entwickelt ein konzeptionelles Schulentwicklungskonzept für eine Förderschule mit dem Schwerpunkt Geistige Entwicklung, um diese zu einer inklusiven Schule für alle Kinder des Einzugsgebiets zu öffnen. Im Fokus steht dabei die Transformation durch ein systematisches Bildungsmanagement, das inklusive Werte, bestmögliche individuelle Förderung und eine kooperative Teamkultur strategisch sowie operativ verankert.
- Methodische Grundlagen der Schulentwicklung und Inklusion
- Dimensionen inklusiver Schulkultur und Unterrichtsgestaltung
- Anwendung des normativen, strategischen und operativen Bildungsmanagements
- Einsatz der Balanced Scorecard zur Steuerung von Veränderungsprozessen
- Erfolgsfaktoren und Gelingensbedingungen für den Öffnungsprozess
Auszug aus dem Buch
4.3. soziale Gruppenprozesse
Die Klasse, die Schule, Lerngruppe u.v.m. sind Gruppen, denen die Kinder (mehr oder weniger) freiwillig angehören. Wir alle möchten Teil der Gesellschaft, Teil einer Gruppe sein. Wir wollen aber auch in unserer Individualität, Einzigartigkeit anerkannt und geschätzt werden (Kress, 2014, S. 7). Dieses Spannungsverhältnis ist umso grösser, vielfältiger, je heterogener die Gruppe ist. In einer inklusiven Schule gilt es also umso mehr diesem Spannungsverhältnis Aufmerksamkeit zu schenken und Rechnung zu tragen. Schule muss daher aktiv die Wertschätzung und Anerkennung von Diversität fördern und fordern. Konkret kann dies bedeuten, dass (vor allem zu Beginn eines Gruppenprozesses) Vielfalt der Gruppe dargestellt wird z.B. in Form einer Selbstportrait Vernissage mit dem didaktischen Schwerpunkt auf „wir sind alle anders“(Reich, 2014, S. 115).
Wertschätzung und Anerkennung können durch verschiedenste Aktivitäten gefördert werden, z.B. Projekte, Aufführungen, Kulturtag, welche Diversität als Bereicherung darstellen, bearbeiten und positiv konnotieren. Grundlage dieser inklusiven Haltung muss ein – auch nach aussen – vermitteltes Leitbild, Commitment mit der Verpflichtung und dem Einstehen für Inklusion sein. Zu beachten ist, dass gerade in inklusiven Settings, die „Verinnerlichung“/Akzeptanz und das „Zusammenwachsen“ Zeit benötigt (bpb, 2021, o.S.). Unterstützt werden kann dieser Prozess durch Methoden und Didaktiken die den Gruppenzusammenhalt stärken, Vielfalt als Ressource herausstellen u.v.m. Auch Metakommunikation spielt hierbei eine grosse Rolle, da Sprache und wie wir miteinander kommunizieren oft Haltungen und Werte zum Ausdruck bringt. Metakommunikation regt uns an, darüber nachzudenken. In Gruppen ist dies überaus sinnvoll, um unterschiedliche Haltungen und Werte sichtbar zu machen und zu reflektieren (bpb, 2021, o.S.)
Gelingende inklusive Schule benötigt daher gute Gruppendynamik und Gruppenprozesse. Inklusion zeichnet sich, wie schon unter Kap. 4.2. erläutert, durch Gemeinsamkeit im Unterricht aus. Gemeinsames Lernen kann durch soziale Gruppenprozesse unterstützt werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Schulentwicklung: Dieses Kapitel definiert Schulentwicklung als dynamischen, prozessorientierten Wandel der Einzelschule, der auf Basis von Personal-, Unterrichts- und Organisationsentwicklung gestaltet werden muss.
2. Schulische Inklusion Definition: Hier wird der Begriff der schulischen Inklusion auf Basis der UN-Behindertenrechtskonvention definiert, wobei der Fokus auf dem Recht auf Bildung ohne Diskriminierung und dem gemeinsamen Lernen aller Kinder liegt.
3. Zusammenhang zwischen Schulentwicklung und Schulischer Inklusion: Das Kapitel erläutert, warum die Öffnung für eine heterogene Schülerschaft eine notwendige Transformation des Systems Schule erfordert und welche Werte wie Availability und Accessibility dabei ausschlaggebend sind.
4. Kennzeichen einer inklusiven Schule: Es werden zentrale Qualitätsmerkmale wie eine inklusive Schülerschaft, diversitätsorientierte Unterrichtsgestaltung, soziale Gruppenprozesse und interdisziplinäre Zusammenarbeit als Fundamente einer inklusiven Schule identifiziert.
5. Normatives Bildungsmanagement: Dieses Kapitel beschreibt die handlungsleitende Ebene des Managements, die den werteorientierten Rahmen, die Visionen und die Legitimation für den Schulentwicklungsprozess vorgibt.
6. Strategisches Bildungsmanagement: Hier wird die langfristige Ausrichtung für die Bereiche inklusive Werte, individuelle Förderung und die Entwicklung des Lehrkörpers zum Team festgelegt und zeitlich strukturiert.
7. Operatives Bildungsmanagement und Balanced Scorecard: Das Kapitel zeigt auf, wie durch konkrete Maßnahmen, Messgrößen und die Balanced Scorecard der Schritt vom Planen zum Tätigwerden in der Schulentwicklung gelingt.
8. Bedingungen für das Gelingen von Schulentwicklung im Kontext Inklusion: Abschließend werden kritische Gelingensfaktoren wie professionelle Führung, ein starkes Commitment aller Beteiligten sowie die strategische Ressourcenplanung und zielorientierte Kennzahlensteuerung erörtert.
Schlüsselwörter
Schulentwicklung, Inklusion, Förderschule, Bildungsmanagement, Schulintegration, Werteorientierung, Balanced Scorecard, Individualisierung, Binnendifferenzierung, Teamteaching, Multiprofessionalität, Schulkultur, Heterogenität, Organisationsentwicklung, Inklusiver Unterricht.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der theoretischen und konzeptionellen Planung der Öffnung einer Förderschule (Schwerpunkt Geistige Entwicklung) hin zu einer inklusiven Schule für alle Schüler.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zentrale Themen sind die theoretische Fundierung von Schulentwicklung und Inklusion, das normative, strategische und operative Bildungsmanagement sowie die konkrete Gestaltung einer inklusiven Schulkultur und Unterrichtsstruktur.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist die Erstellung eines Schulentwicklungskonzepts, das durch bildungsmanagement-theoretische Ansätze den Transformationsprozess hin zu einer inklusiven Einrichtung strukturiert und steuerbar macht.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse und dem Transfer von Managementtheorien (insbes. St. Gallener Management-Modell und Balanced Scorecard) auf den schulischen Kontext zur Gestaltung eines Schulentwicklungsprozesses.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Definition von Inklusion, die Identifikation von Qualitätsmerkmalen einer inklusiven Schule und die detaillierte Planung der Entwicklung mittels normativer, strategischer und operativer Managementebenen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Schlagworte sind Inklusion, Schulentwicklung, Bildungsmanagement, Balanced Scorecard, Lehrkooperation, heterogene Lerngruppen und Werteorientierung.
Wie kann eine Förderschule erfolgreich gegenüber Widerständen öffnen?
Erfolgsfaktoren sind laut Arbeit eine partizipatorische Erarbeitung des Konzepts, ein starkes Commitment der Beteiligten, die Einbindung der Lehrkräfte in den Veränderungsprozess und eine klare Vision, die den Mehrwert für alle verdeutlicht.
Warum wird die Balanced Scorecard als Instrument gewählt?
Sie ermöglicht es, den komplexen Veränderungsprozess in vier Perspektiven (Vision, interne Prozesse, Potentialentwicklung, Finanzen) zu strukturieren, messbare Kennzahlen zu definieren und so den Erfolg der Implementierung überprüfbar zu machen.
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- Claudia Mayr (Author), 2021, Schulentwicklungskonzept zur Öffnung einer Förderschule, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1499234