Die Rolle der italischen Bundesgenossen im römischen Heer


Hausarbeit (Hauptseminar), 2006

14 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Vertragliche Fixierungen im römischen Bundesgenossensystem
II a.) Grundlage und Aushebungsmaßstab - die formula togatorum
II b.) Die Problematik des Aushebungsmaßstabes

III. Die italischen Bundesgenossen im römischen Heer
III. a.) Organisatorische Realisierung der Aushebung
III. b.) Der Sonderstatus der Bundesgenossen im Dienste der römischen Armee
III. c.) Der Anteil an den Kriegseinnahmen

IV. Fazit

Literaturverzeichnis

I. Einleitung

Die Frage nach der Rolle Roms innerhalb des italischen Einigungsprozesses wird in der althistorischen Forschung kontrovers diskutiert. Mit dem Ende des Bundesgenossenkrieges und der Verleihung des römischen Bürgerrechtes an alle mit Rom verbündeten italischen Stämme 88 v. Chr. findet diese Entwicklung scheinbar ihren logischen Abschluss. Gerade von deutschen Altertumswissenschaftlern des 19. Jahrhunderts wurde Rom als jene Macht angesehen, welche die historische Mission zu erfüllen hatte die Stämme der Apenninhalbinsel unter ihre Vorherrschaft zu einen. Heute wird der Vorwurf artikuliert, dass gerade Historiker wie Theodor Mommsen von ihrem eigenen Zeithorizont zu stark beeinflusst waren. Bildeten doch die unter Preußens Führung geeinten deutschen Länder ein ideales Schema für jene Überlegungen. Man geht sogar soweit zu behaupten, dass die Bundesgenossen 91 v. Chr. nicht für den Erhalt des römischen Bürgerrechtes gegen Rom aufbegehrten, sondern für eine Loslösung vom bisherigen Abhängigkeitsverhältnis eintraten.

Die Bundesgenossen (socii), verschiedene, italische Stämme mit Unterschieden in Sprache, Kultur und Herkunft, hatten gegenüber Rom die Verpflichtung, eigene Truppen im Bedarfsfall für militärische Unternehmungen an die römische Armee anzugliedern. Da die socii aufgrund der Bevölkerungsverteilung oftmals sogar die Mehrheit im Heer stellten, waren sie nicht unwesentlich an der Expansion Roms beteiligt. Die Hausarbeit widmet sich daher der Fragestellung, in welchem Maße die Bundesgenossen durch vertragliche Regelungen eingebunden waren und wie diese zu bewerten sind. Weiterhin wird untersucht, ob die socii in den Diensten der römischen Armee gleichberechtigt waren bzw. ob es Benachteiligungen gegeben hat. Ferner soll geprüft werden, ob der Heeresdienst zur Ausbildung eines gesamtitalischen Gemeinschaftsgefühls beitrug und somit als Integrationsraum fungieren konnte.

Im ersten Teil der Hausarbeit werden ausführlich die vertraglichen Grundlagen im Verhältnis der Italiker zu Rom erörtert. Darüber hinaus liegt der Blickpunkt im zweiten Abschnitt vor allem auf der organisatorischen Aushebung, Aufstellung und Versorgung bundesgenössischer Soldaten. Mit den Ergebnissen beider Teilbereiche soll beurteilt werden, ob diese Arten von Verflechtungsdichte zur Entstehung eines italischen Nationalcharakters beitragen konnte.

II. Vertragliche Fixierungen im italischen Bundesgenossensystem

II. a.) Grundlage und Aushebungsmaßstab: die formula togatorum

Den Römern gelang in weniger als einem halben Jahrtausend die Ausbreitung ihres Machtbereichs auf die gesamte Apenninhalbinsel. Sie errangen bereits unter der Herrschaft etruskischer Könige im 6. Jahrhundert v. Chr. eine Vormachtstellung über die latinischen Nachbargemeinden. Nach der Beseitigung der Monarchie um das Jahr 475 v. Chr. und der Errichtung einer republikanischen Verfassung, gelang es den Römern, ihre Hegemonie in Latium zu behaupten und diese bereits um 400 v. Chr. über die Stämme der Volsker und Etrusker auszubreiten. Die große mittelitalische Volksgruppe der Samniten stand ab 304 v. Chr. in römischer Abhängigkeit und nach dem gescheiterten Versuch des Molosser-Königs Pyrrhus von Epirus, die unteritalischen Griechenstädte gegen Rom zu verteidigen, gerieten diese ab 275 v. Chr. unter römische Herrschaft.[1]

Zur besseren Verständigung sei hier kurz auf die besondere Verbindung Roms zu den Latinern hingewiesen. Da Rom selbst latinische Stadt war, somit kulturell wie sprachlich mit den restlichen Gemeinden Latiums verbunden, wurden diesen besondere Rechte eingeräumt. So etwa das Recht der Eheschließung mit legitimer Nachkommenschaft (connubium) oder die Möglichkeit selbst gültige Verträge abzuschließen (commercium).[2] Um 338 v. Chr. begann Rom damit, Kolonien an strategisch wichtigen Punkten zu gründen, denen latinisches Recht gewährt wurde. Bei Rückkehr nach Rom wurde diesen „Militärsiedlern“ (Bringmann) sogar das römische Vollbürgerrecht zugestanden. Im Gegensatz dazu hatten die restlichen Bundesgenossen weder die zivilrechtliche Gleichstellung, noch ein potentielles römisches Vollbürgerrecht. Die nicht-latinischen socii bildeten selbständige Gemeinden mit eigener Verfassung und Rechtsordnung, mussten jedoch durch vertragliche Festlegung den Römern Truppen stellen und hatten damit das hoheitliche Recht, Kriege zu führen, verwirkt.[3] Da die Verträge mit den nicht-latinischen Bundesgenossen, dem Muster der Abkommen Roms mit den Latinern gleichen, sollen ihre Beziehungen zu Rom hier auch nur als Ganzes betrachtet werden.[4]

Die Bundesgenossen wurden also in erster Linie dazu verpflichtet, der römischen Armee Truppen zur Verfügung zu stellen. Grundlage dafür war die formula togatorum. Dieses Register von Wehrfähigen ist in den antiken Quellen durch die lex agraria des Jahres 111 v. Chr. überliefert und verzeichnet:

[...] diejenigen, die dort römische Bürger sind oder Bundesgenossen oder zur latinischen Gruppe gehören, aus denen [die Römer] nach der Liste der Togaträger Soldaten im Land Italien ausheben […]. [5]

Der zeitliche Ursprung der formula togatorum ist immer wieder Gegenstand historischer Untersuchungen. Der Historiker Michael Crawford berichtet in seinem Überblickswerk „Die römische Republik“ von einer griechischen Inschrift, welche die spätere Formulierung vorwegnimmt und aus dem frühen zweiten Jahrhundert vor Christus stammt.[6]

Auch Theodora Hantos argumentiert, dass es die formula togatorum vor 225 v. Chr. nicht gegeben haben kann.[7] Angeführt wird unter anderem, dass sich Rom während des Kelteneinfalls im Jahre 225 v. Chr. erst durch eine Anfrage bei den socii ein genaues Bild über die vermeintliche Truppenstärke der Bundesgenossen aufbauen konnte. Der griechische Historiker Polybios berichtet uns in seinen Historien, einer nur teilweise erhaltenen Abhandlung über die Geschichte der Römer, von dieser Begebenheit:

And naturally so: for the old fear of the Gauls had never been eradicated from their minds. No one thought of anything else: they were incessantly occupied in mustering the legions, or enrolling new ones, and in ordering up such of the allies as were ready for service. The proper magistrates were ordered to give in lists of all citizens of military age; that it might at once be known to what the total of the available forces amounted. [8]

Den Ausführungen Hantos´ folgend, gab es also vor 225 v. Chr. keine einheitliche Auflistung aller für das römische Militär zur Verfügung stehenden Bundestruppen. Es ist anzunehmen, dass die Römer im aufgeführten Fall zunächst lediglich mit den örtlich verfügbaren Truppen im nördlichen Italien operierten.

Die Frage stellt sich, wie nun die Römer vor der Aufstellung des Registers der formula togatorum den Zuzug der italischen Truppen innerhalb des Bundesgenossensorganisationsverbandes regelten. Rom schloss mit großer Wahrscheinlichkeit mit jedem der unterworfenen Italikerstämme einen Vertrag nach Muster des foedus Cassianum. Dieses Abkommen wurde vermutlich um das Jahr 371 v. Chr. vom Konsul Spurius Cassus mit den Latinerstämmen Roms zum Abschluss gebracht. Der Vertrag war wohl in seiner Ursprungsform vor allem eine Gewaltverzichtserklärung der vertragsschließenden Parteien, sowie ein Beistandspakt bei Angriff einer dritten Macht. Zudem gewährte er noch die Option, welche jeder Partei das Recht auf die Führung von eigenen Offensivkriegen zugestand.[9] Natürlich ging mit der Ausbreitung des römischen Herrschafts- und Machtbereichs das souveräne Recht auf eigene Kriegführung schrittweise verloren. Die Gewichte in den Verträgen verlagerten sich bei Erneuerung bzw. Diktierung (im Falle eines Aufstandes) deutlich auf die Seite Roms. Die Geschichtswissenschaft unterteilt meist für die Folgejahre in die Vertragsformen des foedus aequum und des foedus iniquum. Trotzdem, so Toynbee, sollte man nicht annehmen, dass es für Rom nur diese zwei standardisierten Arten gab.[10]

[...]


[1] Zusammengefasst aus Crawford, Michael: Die römische Republik, München 1990, S.41ff.

[2] Siehe ebd. S.46.

[3] Vgl. Bringmann, Klaus: Geschichte der römischen Republik. Von den Anfängen bis Augustus, München 2002,

S. 52.

[4] Siehe Beloch, Julius: Der Italische Bund unter Roms Hegemonie (Studia Historica 1), Rom 1964. S. 200f.

[5] lex agraria [111 v. Chr.], Z. 21.

[6] Vgl. Crawford, Michael: Die römische Republik, a.a.O., S. 49.

[7] Hantos, Theodora: Das römische Bundesgenossensystem in Italien, München 1983, 166 ff.

[8] Polybios II, 23.

[9] Livius VIII, 2.

[10] Vgl. Toynbee, Arnold J.: Hannibal’s Legacy. The Hannibalic War’s Effects on Roman Life, Bd. 1: Rome and Her Neighbours before Hannibal’s Entry, London 1965, S.262.

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Details

Titel
Die Rolle der italischen Bundesgenossen im römischen Heer
Hochschule
Technische Universität Dresden  (Institut für Geschichte / Lehrstuhl für Alte Geschichte)
Veranstaltung
Politik in der mittleren Römischen Republik
Note
1,7
Autor
Jahr
2006
Seiten
14
Katalognummer
V150017
ISBN (eBook)
9783640611652
ISBN (Buch)
9783640611355
Dateigröße
447 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Rolle, Bundesgenossen, Heer
Arbeit zitieren
Christian Knape (Autor), 2006, Die Rolle der italischen Bundesgenossen im römischen Heer, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/150017

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