Problem: Das Thema „Gewalt an Schulen“ und der Umgang mit dieser Gewalt ist eines der zentralen Probleme im Bildungsbereich. Das mediale Interesse ist nach Vorkommnissen wie beispielsweise im März 2006 an der Berliner Rütli Schule, den Amokläufen von Winnenden im März 2009 oder von Ansbach im September 2009 hoch. Forderungen nach präventiven Maßnahmen, Sensibilisierung der SchülerInnen für das Thema Gewalt oder für den Umgang mit dieser Gewalt werden von der Öffentlichkeit gefordert. Dabei gibt es eine Vielzahl von Maßnahmen, seien es Anti-Aggressions-Training, Programme gegen Mobbing oder eben auch Schüler-Streitschlichter-Programme. Doch wie wirksam sind solche Programme? Sind diese Programme langfristig auf eine Verhaltensänderung angelegt, oder nur aus blankem Aktionismus heraus überstürzt installiert worden, um der Öffentlichkeit zu suggerieren, dass schon ‚etwas läuft’ gegen diese Gewalt?
Im Rahmen dieser Arbeit geht es um Schüler-Streitschlichter-Programme. In der deutschsprachigen Literatur gibt es zwar eine Vielzahl von Publikationen zum Thema Schüler-Streitschlichter-Programme, jedoch kaum empirische Studien, die eine Effektivität solcher Programme nachweisen können.
Gegenstand der Untersuchung: Es sollen LehrerInnen, SchulleiterInnen und SchulsozialarbeiterInnen an vier ausgewählten unterfränkischen Hauptschulen mit integrierter Schulsozialarbeit nach ihrer Meinung zu Schüler-Streitschlichter-Programmen befragt werden. Es handelt sich hierbei um eine deskriptive Untersuchung. An drei Hypothesen sollen Aussagen zur Effektivität dieser Programme an den vier Schulen getroffen werden.
Geplantes Vorgehen: Zunächst sollen verschiedene Schüler-Streitschlichter-Programme vorgestellt werden. Danach folgt ein Überblick über den aktuellen Stand der Forschung im deutschsprachigen Raum, einige ausgewählte Ergebnisse einer Untersuchung im Bundesland Mecklenburg-Vorpommern und eine Beschreibung zu Gewalt an Schulen. Auf der Grundlage dieser Literaturrecherchen werden anschließend die Fragebögen für die LehrerInnen, SchulleiterInnen und SchulsozialarbeiterInnen erstellt und an den vier, - in Zusammenarbeit mit der Regierung von Unterfranken - ausgewählten Schulen verteilt. Die Ergebnisse dieser Befragungen werden anschließend grafisch aufbereitet und deskriptiv dargestellt. Drei Hypothesen sollen Ergebnisse zur Frage nach der Effektivität von Schüler-Streitschlichter-Programmen an diesen vier Schulen liefern.
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG
2 SCHULSOZIALARBEIT – EINE BEGRIFFSBESTIMMUNG
2.1 AUFGABEN DER SCHULSOZIALARBEIT
2.2 ZIELE DER SCHULSOZIALARBEIT
2.3 JUGENDSOZIALARBEIT AN SCHULEN IN BAYERN – EIN ÜBERBLICK
3 MEDIATION – EIN ÜBERBLICK
3.1 MEDIATION ALLGEMEIN
3.2 MEDIATION IN DER SCHULE
3.3 ZUSAMMENHANG ZWISCHEN MEDIATION UND STREITSCHLICHTERPROGRAMMEN
3.4 STREITSCHLICHTERPROGRAMME – EIN ÜBERBLICK
3.5 BESCHREIBUNG EINER SCHÜLER-STREITSCHLICHTER-AUSBILDUNG NACH HIERDEIS UND GREßIRER (2005)
3.6 AUFGABEN DER SCHÜLER-STREITSCHLICHTER
3.7 ZIELE VON STREITSCHLICHTUNG
3.8 GRENZEN DES SCHÜLER-STREITSCHLICHTER-PROGRAMMS
3.9 ZUSAMMENFASSUNG DES FORSCHUNGSSTANDS ZUM THEMA STREITSCHLICHTERPROGRAMME AN SCHULEN IM DEUTSCHSPRACHIGEN RAUM
3.10 KURZDARSTELLUNG WICHTIGER ERGEBNISSE DER EVALUATIONSSTUDIE ZUR WIRKSAMKEIT VON SCHÜLER STREITSCHLICHTER-PROGRAMMEN AN SCHULEN IN MECKLENBURG-VORPOMMERN
3.11 FORMEN VON GEWALT
4 BETEILIGTE SCHULEN AN DER UNTERSUCHUNG
4.1 EICHENDORFF-VOLKSSCHULE VEITSHÖCHHEIM (HAUPTSCHULE)
4.2 KONRAD-VON-QUERFURT-VOLKSSCHULE KARLSTADT (HAUPTSCHULE)
4.3 VOLKSSSCHULE HÖCHBERG (GRUND- UND HAUPTSCHULE)
4.4 ANTON-KLIEGL-VOLKSSCHULE BAD KISSINGEN (HAUPTSCHULE)
5 KONZEPTION UND DURCHFÜHRUNG DER UNTERSUCHUNG
5.1 ALLGEMEINES ZUR KONZEPTION UND DURCHFÜHRUNG DER UNTERSUCHUNG
5.2 DIE WAHL DES FORSCHUNGSPROBLEMS
5.3 HYPOTHESENBILDUNG
5.3.1 Erste Hypothese
5.3.2 Zweite Hypothese
5.3.3 Dritte Hypothese
5.4 KONZEPTSPEZIFIKATION/BEGRIFFSKLÄRUNG
5.5 KONZEPTION DER FRAGEBÖGEN
5.5.1 Konzeption des Fragebogens für LehrerInnen
5.5.2 Konzeption des Fragebogens für die Schulleitung
5.5.3 Konzeption des Fragebogens für die Schulsozialarbeit
5.6 FORSCHUNGSDESIGN
5.7 AUSWAHL DER SCHULEN
5.8 DIE DATENERHEBUNG
5.9 DIE DATENANALYSE
5.9.1 Darstellung der Daten für die Hypothesen
5.9.2 Weitere ausgewählte Ergebnisse der Befragung
5.10 DIE ERGEBNISSE DER UNTERSUCHUNG
6 FAZIT UND SCHLUSSFOLGERUNG
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Effektivität von Schüler-Streitschlichter-Programmen an vier ausgewählten unterfränkischen Hauptschulen. Ziel ist es, durch eine deskriptive Untersuchung mittels Fragebögen an Lehrkräfte, Schulleitungen und Schulsozialarbeiter herauszufinden, ob diese Programme zur Gewaltreduzierung, zur Verringerung von Disziplinarmaßnahmen sowie zur Verbesserung des Schulklimas beitragen.
- Effektivität von Schüler-Streitschlichter-Programmen an Hauptschulen
- Rolle der Schulsozialarbeit bei der Konfliktbewältigung
- Methodik und Durchführung einer deskriptiven empirischen Untersuchung
- Einfluss auf das Schul- und Klassenklima
- Herausforderungen bei der Implementierung von Mediationskonzepten
Auszug aus dem Buch
3.1 Mediation allgemein
Jamie Walker beschreibt Mediation wie folgt:
„Mediation ist die Vermittlung in Konfliktfällen durch unparteiische Dritte. Anders als bei der herkömmlichen Schlichtung hilft die Mediatorin den Konfliktparteien – die aufgrund gestörter Kommunikation nicht (mehr) in der Lage sind, direkt bzw. ohne Hilfe von außen miteinander zu verhandeln -, eine selbstbestimmte Lösung für ihr gemeinsames Problem zu finden“ (Walker 2001, S.14).
Wichtige Grundvoraussetzungen für erfolgreiche Mediation sind, dass die Mediation möglichst alle Konfliktparteien mit einbezieht, die Konfliktparteien freiwillig an der Mediation teilnehmen und der Mediator neutral und all- bzw. unparteiisch ist. Der Mediator ist verantwortlich für den Verlauf des Gesprächs, nicht aber für den Inhalt (vgl. ebd., S. 14). Besonders wichtig bei der Mediation ist, dass das vorhandene Problem zwar aufgearbeitet wird, jedoch nach ausgewogenen, realistischen und fairen Lösungen für die Zukunft gesucht wird, da „eine Grundannahme der Mediation ist, dass die Beteiligten sich eher an eine Abmachung halten, die sie selbst ausgearbeitet haben“ (ebd., S. 14). Das Erarbeiten einer Lösung für den Konflikt ist daher Aufgabe der Konfliktparteien. Dem Mediator kommt lediglich die Aufgabe der Vermittlung und Gesprächsleitung zu. Das heißt, er wertet keine Lösungsvorschläge und gibt auch selbst keine Vorschläge zur Lösung des Konflikts. Mediation ist besonders dann sinnvoll, wenn die Streitparteien ein Interesse daran haben, ihre Beziehung weiter zu führen, oder ihre Beziehung weiterführen müssen. Dieses Müssen ist vor allem bei Nachbarschaftsstreiterein, ArbeitskollegInnen oder bei Kindern, welche dieselbe Schule oder Klasse besuchen, der Fall.
Zusammenfassung der Kapitel
1 EINLEITUNG: Einführung in das Thema der Arbeit, Zielsetzung sowie ein kurzer Ausblick auf die gewählte Methodik zur Datenerhebung und -auswertung.
2 SCHULSOZIALARBEIT – EINE BEGRIFFSBESTIMMUNG: Definition der Schulsozialarbeit, Klärung ihrer Aufgaben und Ziele sowie eine Darstellung der spezifischen Situation der Jugendsozialarbeit an Schulen in Bayern.
3 MEDIATION – EIN ÜBERBLICK: Theoretische Grundlagen der Mediation, deren Anwendung in der Schule, der Zusammenhang mit Streitschlichterprogrammen sowie aktuelle Forschungsergebnisse und ein Exkurs zu Formen von Gewalt.
4 BETEILIGTE SCHULEN AN DER UNTERSUCHUNG: Vorstellung der vier Schulen, die an der Untersuchung teilgenommen haben, inklusive relevanter Kerndaten wie Schüler- und Lehrerkapazitäten.
5 KONZEPTION UND DURCHFÜHRUNG DER UNTERSUCHUNG: Detaillierte Beschreibung der methodischen Vorgehensweise, Operationalisierung der Hypothesen und Vorstellung ausgewählter Untersuchungsergebnisse.
6 FAZIT UND SCHLUSSFOLGERUNG: Zusammenfassende Bewertung der Ergebnisse und ein Ausblick auf die Zukunft der untersuchten Programme.
Schlüsselwörter
Schüler-Streitschlichter-Programm, Mediation, Schulsozialarbeit, Gewaltprävention, Konfliktbewältigung, Schulklima, Klassenklima, Hauptschule, Empirische Sozialforschung, Fragebogen, Peer Mediation, Konfliktlösung, Unterfranken, Disziplinarmaßnahmen, Evaluation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Bachelor-Thesis grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Effektivität von Schüler-Streitschlichter-Programmen an vier ausgewählten Hauptschulen im Regierungsbezirk Unterfranken unter besonderer Berücksichtigung der Schulsozialarbeit.
Welche Themenfelder stehen im Zentrum der Untersuchung?
Im Zentrum stehen die Fragen nach der Gewaltreduzierung, der Verringerung von Disziplinarmaßnahmen sowie der positiven Veränderung des Schulklimas durch den Einsatz von ausgebildeten Schülern als Mediatoren.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das primäre Ziel ist es, das Meinungsbild und die Einschätzung von Lehrkräften, Schulleitungen und Schulsozialarbeitern hinsichtlich der Effektivität und Implementierung dieser Programme empirisch zu erfassen.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Datenerhebung verwendet?
Der Autor verwendet eine deskriptive Untersuchung in Form einer schriftlichen Vollerhebung mittels standardisierter Fragebögen, die an den beteiligten Schulen an Lehrkräfte, Schulleitungen und Schulsozialarbeiter ausgegeben wurden.
Was wird schwerpunktmäßig im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische fundierte Auseinandersetzung mit Schulsozialarbeit und Mediation sowie den empirischen Teil, in dem die Konzeption der Untersuchung und die Auswertung der Fragebögen grafisch und deskriptiv dargestellt werden.
Wie lässt sich die Arbeit anhand von Schlüsselwörtern charakterisieren?
Die zentralen Aspekte sind Schüler-Streitschlichter-Programme, Gewaltprävention, Mediation, Schulklima und empirische Sozialforschung im schulischen Kontext.
Welche Bedeutung kommt der Schulleitung laut den Befragungsergebnissen bei diesen Programmen zu?
Die Ergebnisse legen nahe, dass eine Einbindung der Schulleitung und deren Anerkennung des Programms entscheidende Faktoren für die erfolgreiche Implementierung und Verankerung im Schulprofil darstellen.
Wie beurteilen die befragten Gruppen die Rolle der Schulsozialarbeit im Kontext von Streitschlichterprogrammen?
Die Untersuchung zeigt, dass die befragten Lehrkräfte und Schulsozialarbeiter mehrheitlich keinen gesteigerten Bedarf für ein stärkeres Engagement der Schulsozialarbeit in diesen Programmen sehen, da die Initiative und Betreuung primär bei den Lehrkräften verortet zu sein scheint.
Was ist das zentrale Fazit bezüglich der Gewaltreduktion durch diese Programme?
Die empirischen Daten zeigen ein eher ernüchterndes Ergebnis: Ein direkter, signifikanter Rückgang von Gewaltvorfällen infolge der Einführung der Programme konnte an den untersuchten Schulen im Rahmen dieser Untersuchung nicht nachgewiesen werden.
- Citation du texte
- Frank Albert (Auteur), 2010, Zur Effektivität von Schüler-Streitschlichter-Programmen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/150046