In dieser Arbeit wird die Berufsethik von Übersetzern und Dolmetschern in Brasilien untersucht, um festzustellen, ob diese Ethik universell oder kulturspezifisch ist. Die Analyse stützt sich auf brasilianische Gesetzgebung sowie ethische Kodizes ausgewählter Berufsverbände. Es wird ein Überblick über die relevante Gesetzgebung gegeben, gefolgt von einer kritischen Betrachtung der ethischen Richtlinien. Abschließend wird diskutiert, inwiefern die Berufsethik von Übersetzern in Brasilien möglicherweise besondere kulturelle Merkmale aufweist, die sie von der Ethik anderer Länder unterscheidet.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Relevante Gesetzgebung
2.1 Zivilprozessordnung
2.2 Bürgerliches Gesetzbuch
2.3 Strafprozessordnung und Arbeitsgesetzbuch
2.4 Gesetz Nr. 13.609 vom 21. Oktober 1943
3. Ethische Kodizes ausgewählter Berufsverbände für Übersetzer und Dolmetscher in Brasilien
3.1 SINTRA und APIC
3.2 ATPRIO
4. Von Heiligen und Utopien
5. Schluss: universell oder kulturspezifisch?
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Berufsethik von Übersetzern und Dolmetschern im brasilianischen Kontext. Das zentrale Ziel ist es, mittels einer Analyse einschlägiger Gesetzgebungen und ethischer Kodizes verschiedener Berufsverbände festzustellen, ob die Berufsethik in Brasilien universellen Prinzipien folgt oder spezifische kulturelle Ausprägungen aufweist.
- Analyse der brasilianischen Gesetzgebung für Translatoren
- Untersuchung ethischer Kodizes der Verbände SINTRA, APIC und ATPRIO
- Kritische Reflexion über die Kodifizierung von Berufsethik als Instanz sozialer Kontrolle
- Suche nach Kulturspezifika in brasilianischen ethischen Standards im Vergleich zu globalen Idealen
Auszug aus dem Buch
Die Problematik der Ernennung einer geeigneten Person
Noch einmal steht die Problematik der Ernennung einer „geeigneten“ Person im Vordergrund wie im Art. 215 der Zivilprozessordnung. Eine weitere Gemeinsamkeit beider Bestimmungen ist die Forderung nach einem „öffentlichen“ Übersetzer bzw. Dolmetscher.
Ebenfalls lehrreich ist Art. 281 der brasilianischen Strafprozessordnung, der dem Dolmetscher in einem Strafverfahren den Status eines Sachverständigen ausdrücklich zuerkennt, anders als der Art. 153 der Zivilprozessordung, der sich eines Verweises bedient, um dem Dolmetscher solch einen Status in der Zivilsache zu verleihen:
Art. 281 – Os intérpretes são, para todos os efeitos, equiparados aos peritos.
Art. 281 – Die Dolmetscher sind für alle Fälle den Sachverständigen gleichgestellt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Problematik ethischer Fragen bei Übersetzern und Dolmetschern und Formulierung der Forschungsfrage nach der Universalität oder Kulturspezifik der brasilianischen Berufsethik.
2. Relevante Gesetzgebung: Bestandsaufnahme der brasilianischen Gesetzeslage, einschließlich Zivilprozessordnung, Bürgerlichem Gesetzbuch und dem bedeutenden Gesetz Nr. 13.609.
3. Ethische Kodizes ausgewählter Berufsverbände für Übersetzer und Dolmetscher in Brasilien: Gegenüberstellung und Analyse der Kodizes von SINTRA, APIC und ATPRIO im Hinblick auf deren Struktur, sprachliche Gestaltung und inhaltliche Bestimmungen.
4. Von Heiligen und Utopien: Kritische theoretische Auseinandersetzung mit dem Idealtypus des perfekten Translators und der Funktion ethischer Kodizes als Instrumente gesellschaftlicher Autorität.
5. Schluss: universell oder kulturspezifisch?: Zusammenfassende Beantwortung der Ausgangsfrage, wobei kaum explizite Kulturspezifika festgestellt werden konnten, da die Kodizes einem globalen Idealbild folgen.
Schlüsselwörter
Berufsethik, Brasilien, Übersetzer, Dolmetscher, Gesetzgebung, SINTRA, ATPRIO, ethische Kodizes, Translatoren, Kulturspezifik, Universalität, Sachverständige, Professionalität, Berufsverband, Handelsdolmetscher
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der Berufsethik von Übersetzern und Dolmetschern in Brasilien und untersucht, inwieweit diese durch kulturelle Besonderheiten geprägt ist.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Es werden die rechtlichen Rahmenbedingungen des Übersetzerberufs in Brasilien sowie die ethischen Richtlinien bedeutender Berufsverbände analysiert.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, zu ermitteln, ob eine spezifisch brasilianische Berufsethik existiert oder ob es sich um ein global einheitliches Konzept handelt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin kombiniert eine deskriptive Rechtsanalyse mit einer kritischen inhaltlichen Untersuchung ethischer Berufskodizes unter Einbeziehung soziologischer Aspekte.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Neben einer ausführlichen Darstellung relevanter Gesetze (wie dem Gesetz Nr. 13.609) werden die Kodizes von SINTRA, APIC und ATPRIO analysiert und philosophisch-soziologisch reflektiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Berufsethik, Brasilien, Übersetzer, Dolmetscher, Gesetzgebung, ethische Kodizes und Kulturspezifik stehen im Mittelpunkt der Analyse.
Welche Rolle spielt das Gesetz Nr. 13.609 für den Übersetzer in Brasilien?
Dieses Gesetz bildet die zentrale staatliche Grundlage, regelt den Zugang zum Amt des beeidigten Übersetzers und Handelsdolmetschers und schützt die entsprechenden Berufsbezeichnungen.
Wie bewertet die Arbeit die Rolle der Berufsverbände?
Die Verbände fungieren als moralische Instanzen, die jedoch durch ihre Kodizes ein nahezu unerreichbares Idealbild des Übersetzers zeichnen und als Mittel sozialer Kontrolle agieren.
Was ist das Ergebnis bezüglich der Kulturspezifik?
Es konnten keine signifikanten kulturellen Besonderheiten identifiziert werden; die analysierten Kodizes orientieren sich weitgehend an globalen, standardisierten Vorstellungen von Berufsethik.
- Citar trabajo
- Héder de Oliveira Machado (Autor), 2008, Berufsethik des Übersetzers in Brasilien. Universell oder kulturspezifisch?, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1500780