Der demographische Wandel im Spannungsfeld zwischen Medikalisierung und Kompression

Neue Herausforderung an das Gesundheitswesen


Essay, 2009
12 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Demographischer Wandel als Herausforderung für das Gesundheitssystem

2. Diskussion der Konzepte: Medikalisierungsthese vs. Kompressionsthese

3. Ergebnisse der demographischen Entwicklung

4. Externe und Interne Herausforderungen des Gesundheitssystems in Deutschland

5. Systemimmanente Komplexität

6. Medizinische Versorgungszentren

7. Ökonomischer Nutzen

8. Literaturverzeichnis

1. Demographischer Wandel als Herausforderung für das Gesundheitssystem

Im Forum des Bundespräsidenten zum demographischen Wandel heißt es: „Der demographische Wandel wird unsere Gesellschaft und unser Miteinander verändern. Welche vielfältigen Auswirkungen auf alle Lebensbereiche das mit sich bringt, beginnen wir in Deutschland gerade erst richtig zu erfassen. (…) Die Herausforderungen früh zu erkennen und Probleme offen zu benennen, ist der beste Weg, sie zu lösen“ (Horst Köhler 2008).

Unter dem Begriff „demographischer Wandel“ wird eine langfristige Veränderung der Bevölkerungsstruktur der Gesellschaft verstanden (Niehaus 2006). In den vergangenen 125 Jahren ist die Lebenserwartung in Deutschland gravierend angestiegen (Kolip 2002). Nach Angaben Bertelsmann Stiftung wird durch demographischen Wandel die Zahl der heute über Achtzigjährigen von 3,7 Mio. auf fast 6 Mio. 2020 ansteigen (Bertelsmann Stiftung 2008).

2. Diskussion der Konzepte: Medikalisierungsthese vs. Kompressionsthese

Die beiden zu diskutierenden Konzepte Medikalisierung vs. Kompression beziehen sich auf unterschiedliche Kausalableitungen zu Pro-Kopf Gesundheitsausgaben im Alter. Die in der Literatur kontrovers geführte Debatte über unerwünschte gesundheitliche und ökonomische Auswirkungen des Altwerdens sowie einer relativen Zunahme älterer Menschen (vgl. gestiegene Lebenserwartung) reicht von dramatisierend im Sinne „demographischer Katastrophe“ bis zur Betrachtung als Gewinn gesellschaftlicher Lebensqualität (Felder 2008). Die Veränderungen der Bevölkerungsstruktur, um die es hier geht, beziehen sich auf die Geburten- und Sterberate sowie den Wanderungssaldo, also die Rate der Zu- und Abwanderungen zusammen. Die Problembetrachtung verdeutlicht, dass es sich hier um ein quantitatives Missverhältnis zwischen „Alten“ und „Jungen“ handelt. Wenn die Gesamtzahl der älteren Bevölkerung im Vergleich zu der jüngeren Bevölkerung schneller ansteigt, kann von einer objektiven Alterung der Bevölkerung gesprochen werden (Schwartz et al. 2003). Der demographische Wandel wird durch folgende Faktoren beeinflusst Prävention, medizinisch technischen Fortschritt, Mortalitätsreduktion, steigende Lebenserwartung, sinkende Geburtenzahlen, gesellschaftliche Einflüsse. Sinkende oder gleich bleibend niedrige Geburtenzahlen bei steigender Lebenserwartung führen zur Alterung der Bevölkerung mit Bevölkerungsrückgang. Das Ergebnis ist ein unausgewogener Altersaufbau (Kühn 2005). Die Auswirkungen der höheren Lebenserwartung bezogen auf die Gesundheit und die Gesundheitsausgaben beschäftigen Vertreter aus Politik, Wissenschaft und Gesellschaft. Die auffallend umfassend diskutierten Hypothesen, die Kompressionsthese und die Medikalisierungsthese, gehen von der Betrachtung der Gesundheitsausgaben für Erkrankungen als relevante Größe aus und kommen zu unterschiedlichen Prognosen über die künftig anfallenden Kosten (Gesundheitsversorgungs- und Pflegekosten). Die Kompressionsthese wurde von Fries 1980 begründet und geht davon aus, dass die Morbidität bei steigender Lebenserwartung abnimmt. Mit Hilfe der Primärprävention wird die Morbidität aufgeschoben und damit die Kompression. Immer besser gelingt es der kurativen Medizin, chronische Krankheiten und die hiermit verbundenen Komplikationen in den Griff zu bekommen. Die Folge ist eine Verlängerung der Lebenszeit, d.h. dazugewonnene Lebensjahre werden vornehmlich in Gesundheit verlebt. Einige Verfechter der Kompressionstheorie gehen davon aus, dass die Kompression der Krankheit vor dem Tod keine Auswirkung auf die Gesundheitsausgaben hat (Kühn 2005). Dem gegenüber steht die Medikalisierungsthese oder Morbiditätsexpansionsthese nach Gruenberg (1977). Es wird davon ausgegangen, dass die durch den Anstieg an Lebenserwartung dazu gewonnenen Jahre hauptsächlich in Krankheit (multimorbid) verbracht werden (Verbrugge 1984). Die Folge ist eine überproportionale Steigerung der Gesundheitskosten mit zunehmender Alterung der Bevölkerung. Medikalisierungs- und Kompressionsthese wirken im Bereich der Lebensqualität.

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Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Der demographische Wandel im Spannungsfeld zwischen Medikalisierung und Kompression
Untertitel
Neue Herausforderung an das Gesundheitswesen
Hochschule
Hochschule Magdeburg-Stendal; Standort Magdeburg
Note
2,0
Autor
Jahr
2009
Seiten
12
Katalognummer
V150090
ISBN (eBook)
9783640612468
ISBN (Buch)
9783640612352
Dateigröße
488 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Literaturverzeichnis 19 Einträge
Schlagworte
Demographische Wandel, Gesndheitssystem, Gesundheitswesen, Kompressionsthese, Medikalisierungsthese, Ökonomische Auswirkungen, externe und interne Herausforderungen, Lebensqualität, Inanspruchnahmeverhalten, Gesundheitsausgaben, systemimmanente Komplexität, Medizinische Versorgungszentren
Arbeit zitieren
Heiko Schumann (Autor), 2009, Der demographische Wandel im Spannungsfeld zwischen Medikalisierung und Kompression, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/150090

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