Die demographische Entwicklung im Spannungsfeld zwischen Medikalisierung- und Kompressionstheorie, führt in allen Industriestaaten zu großen Finanzierungsproblemen im Gesundheitswesen. Im folgendem werden die wesentlichen Beeinflussungsfaktoren und Lösungsansätze in Bezug auf das Gesundheitswesen in Deutschland dargestellt.
Mit der Einführung von Medizinischen Versorgungszentren (MVZ) besteht eine Aussicht zu Rationalisierungsmaßnahmen und Optimierung von Ressourcen. Die Folgen sind Interventionen und Steuerungsmaßnahmen des Gesetzgebers, wie zum Beispiel Gebühren für Arzneimittel, Zulassungsbeschränkung für Ärzte, Praxisgebühr, Selbstbehalt, Zuzahlungen und Eigenleistungen (Rosenbrock 2006). Ziel ist es, mit integrierten und verschiedenen Leistungssektoren übergreifende Versorgung Strukturen zu schaffen, die als Kooperationsformen flexibel genutzt werden können (Ulmer Papier 2008).
Inhaltsverzeichnis
1. Demographischer Wandel als Herausforderung für das Gesundheitssystem
2. Diskussion der Konzepte: Medikalisierungsthese vs. Kompressionsthese
3. Ergebnisse der demographischen Entwicklung
4. Externe und Interne Herausforderungen des Gesundheitssystems in Deutschland
5. Systemimmanente Komplexität
6. Medizinische Versorgungszentren
7. Ökonomischer Nutzen
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Auswirkungen des demographischen Wandels auf das deutsche Gesundheitssystem und analysiert dabei kritisch das Spannungsfeld zwischen den Hypothesen der Medikalisierung und der Kompression. Ziel ist es, aufzuzeigen, wie sich veränderte Bevölkerungsstrukturen auf die Gesundheitsausgaben und die medizinische Versorgung auswirken und welche strukturellen Herausforderungen sowie Lösungsansätze, wie etwa Medizinische Versorgungszentren (MVZ), bestehen.
- Demographischer Wandel und seine Auswirkungen auf die Bevölkerungsstruktur
- Medikalisierungsthese versus Kompressionsthese
- Interne und externe Herausforderungen des Gesundheitssystems
- Systemimmanente Komplexität und Inanspruchnahmeverhalten
- Medizinische Versorgungszentren (MVZ) als strukturelle Innovation
Auszug aus dem Buch
Diskussion der Konzepte: Medikalisierungsthese vs. Kompressionsthese
Die beiden zu diskutierenden Konzepte Medikalisierung vs. Kompression beziehen sich auf unterschiedliche Kausalableitungen zu Pro-Kopf Gesundheitsausgaben im Alter. Die in der Literatur kontrovers geführte Debatte über unerwünschte gesundheitliche und ökonomische Auswirkungen des Altwerdens sowie einer relativen Zunahme älterer Menschen (vgl. gestiegene Lebenserwartung) reicht von dramatisierend im Sinne „demographischer Katastrophe“ bis zur Betrachtung als Gewinn gesellschaftlicher Lebensqualität (Felder 2008).
Die Veränderungen der Bevölkerungsstruktur, um die es hier geht, beziehen sich auf die Geburten- und Sterberate sowie den Wanderungssaldo, also die Rate der Zu- und Abwanderungen zusammen. Die Problembetrachtung verdeutlicht, dass es sich hier um ein quantitatives Missverhältnis zwischen „Alten“ und „Jungen“ handelt. Wenn die Gesamtzahl der älteren Bevölkerung im Vergleich zu der jüngeren Bevölkerung schneller ansteigt, kann von einer objektiven Alterung der Bevölkerung gesprochen werden (Schwartz et al. 2003).
Die auffallend umfassend diskutierten Hypothesen, die Kompressionsthese und die Medikalisierungsthese, gehen von der Betrachtung der Gesundheitsausgaben für Erkrankungen als relevante Größe aus und kommen zu unterschiedlichen Prognosen über die künftig anfallenden Kosten (Gesundheitsversorgungs- und Pflegekosten). Die Kompressionsthese wurde von Fries 1980 begründet und geht davon aus, dass die Morbidität bei steigender Lebenserwartung abnimmt. Mit Hilfe der Primärprävention wird die Morbidität aufgeschoben und damit die Kompression. Immer besser gelingt es der kurativen Medizin, chronische Krankheiten und die hiermit verbundenen Komplikationen in den Griff zu bekommen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Demographischer Wandel als Herausforderung für das Gesundheitssystem: Dieses Kapitel definiert den demographischen Wandel als langfristige Veränderung der Bevölkerungsstruktur und verweist auf die signifikante Zunahme der Lebenserwartung.
2. Diskussion der Konzepte: Medikalisierungsthese vs. Kompressionsthese: Hier werden die gegensätzlichen Thesen gegenübergestellt, ob ein längeres Leben zu mehr Krankheit und Kosten führt oder ob Morbidität durch Prävention in das höhere Alter verschoben werden kann.
3. Ergebnisse der demographischen Entwicklung: Die Ergebnisse beleuchten die Schwierigkeit, demographische Veränderungen direkt in monetäre Entlastungen des Gesundheitssystems zu übersetzen, und fordern eine Entdramatisierung der Debatte.
4. Externe und Interne Herausforderungen des Gesundheitssystems in Deutschland: Dieses Kapitel erläutert die Wechselwirkungen zwischen bedarfs- und angebotsbestimmenden Faktoren, die das deutsche Gesundheitssystem in einem stetigen Reformdruck halten.
5. Systemimmanente Komplexität: Die Analyse konzentriert sich auf die zunehmende Komplexität des Systems, insbesondere durch das Inanspruchnahmeverhalten der Bevölkerung und die damit verbundene Ausweitung des medizinischen Angebots.
6. Medizinische Versorgungszentren: Das Kapitel stellt die Einführung von MVZ als eine organisationsrechtliche Innovation vor, die ursprünglich als Zukunftsmodell zur Ressourcenoptimierung gedacht war.
7. Ökonomischer Nutzen: Hier wird diskutiert, welche ökonomischen Potenziale, etwa durch Einsparungen bei Verwaltungskosten und durch Case Management, mit einer Umstrukturierung der Versorgung einhergehen können.
Schlüsselwörter
Demographischer Wandel, Medikalisierungsthese, Kompressionsthese, Gesundheitssystem, Lebenserwartung, Morbidität, Medizinische Versorgungszentren, MVZ, Gesundheitsausgaben, Bevölkerungsstruktur, Primärprävention, Case Management, Gesundheitswesen, Systemkomplexität, Reformbedarf
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit den Auswirkungen des demographischen Wandels auf die Struktur und die Kosten des deutschen Gesundheitssystems.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den Kernpunkten gehören die Alterung der Gesellschaft, der Vergleich zwischen Medikalisierungs- und Kompressionsthese sowie strukturelle Reformen im Gesundheitswesen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die kritische Analyse des Spannungsfeldes zwischen einer alternden Bevölkerung und den daraus resultierenden ökonomischen und gesundheitspolitischen Herausforderungen.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse aktueller gesundheitswissenschaftlicher Konzepte und deren Übertragung auf die deutsche Versorgungslage.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Ursachen des demographischen Wandels, vergleicht theoretische Hypothesen zur Morbidität und diskutiert Lösungsansätze wie die Implementierung von Medizinischen Versorgungszentren.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie demographischer Wandel, Medikalisierung, Kompression, Gesundheitsökonomie und Versorgungsstrukturen geprägt.
Welche Rolle spielen Medizinische Versorgungszentren in dieser Arbeit?
MVZ werden als ein organisatorisches Instrument zur Rationalisierung und strukturellen Vernetzung der ambulanten medizinischen Versorgung betrachtet.
Wie unterscheidet sich die Medikalisierungsthese von der Kompressionsthese?
Während die Medikalisierungsthese postuliert, dass gewonnene Lebensjahre vornehmlich in Krankheit verbracht werden, geht die Kompressionsthese davon aus, dass Morbidität durch Prävention in das letzte Lebensalter verschoben werden kann.
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- Heiko Schumann (Author), 2009, Der demographische Wandel im Spannungsfeld zwischen Medikalisierung und Kompression, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/150090