Problemstellung
Während meinen Hospitationen habe ich einen sehr fachsystematisch geprägten Englischunterricht erlebt, in dem die Rezeption von Texten und die deduktive Vermittlung grammatikalischer Strukturen im Mittelpunkt stand. Ohne Frage sind dies wesentliche Aspekte des Fremdsprachenerwerbs, ohne die fremdsprachliches Handeln schlechterdings unmöglich ist.
Betrachtet man jedoch die Anforderungen, die heutzutage vom Arbeitsmarkt an die Schüler gestellt werden, so trägt ein rein instruktiver und fachsystematischer Fremdsprachenunterricht wenig dazu bei, die Schüler auf ein lebenslanges selbstständiges Lernen vorzubereiten. Wenn auch die „Halbwertzeit“ des Wissens nicht ganz so kurz zu sein scheint, wie oft recht unreflektiert behauptet wird , so trifft es dennoch zu, dass aufgrund von kürzer werdenden Innovationszyklen gerade im technisch-medialen Bereich die Fähigkeit, sich schnell und selbstständig an die neuen Anforderungen anpassen zu können, zu einer Schlüsselqualifikation geworden ist. Der Fremdsprachenerwerb ist zwar insofern von dieser Entwicklung ausgenommen, als dass die Sprache sich wesentlich langsamer wandelt, nichtsdestotrotz rechtfertigt dies nicht, die Förderung der Selbstständigkeit der Schüler deswegen im Fremdsprachenunterricht zu vernachlässigen. Die Arbeit mit einem lernprozessbegleitenden E-Portfolio bietet hier durch die gezielte Förderung metakognitiver Fähigkeiten die Möglichkeit, das Bewusstsein der Schüler für ihren individuellen fremdsprachlichen Lernprozess zu schärfen. Durch eine solche Strategie wird die Lernerautonomie gefördert und die Schülerinnen und Schüler werden so befähigt, auch nach Abschluss der Schule weiter selbstständig am Ausbau ihrer fremdsprachlichen Fähigkeiten zu arbeiten.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Problemstellung
3. Die Genese des E-Portfoliokonzepts
3.1. Begriffsbestimmung Portfolio
3.2. Lerntheoretische Grundlagen des Portfoliokonzepts
3.3. Das elektronische Portfolio
3.4. Ziele der E-Portfolioarbeit im Fach Englisch im Bildungsgang GTA
4. Konzeptionelle Überlegungen zur Einführung von E-Portfolioarbeit im Fach Englisch im Bildungsgang GTA
4.1. Technische Voraussetzungen
4.2. Gestalt und Komponenten des E-Portfolios
4.3 Planungsschritte zur Entwicklung der E-Portfolios
4.4. Konsequenzen für den Unterricht
5. Das Potential von E-Portfolioarbeit zur Kompetenzförderung der Schüler im Bildungsgang GTA/FHR
5.1 Das Potential von E-Portfolioarbeit zur Gestaltung eines Unterrichts, der den individuellen motivationalen Profilen der Schülerinnen und Schüler gerecht wird
5.1.1. Lerntheoretische Grundlagen der Motivationsforschung
5.1.2 Steven Reiss’ fundamentale Motive menschlichen Handelns
5.1.3. Das Verhältnis von Emotion und Kognition aus Sicht der Neurobiologe
5.2. Das Potential der E-Portfolioarbeit zur Förderung fachübergreifenden Arbeitens
5.3. Das Potential der E-Portfolioarbeit zur Förderung der kommunikativen Kompetenz
5.4. Das Potential der E-Portfolioarbeit zur Förderung des selbstständigen Lernens im Fremdsprachenunterricht
5.4.1. Warum Selbstständigkeit fördern?
5.4.2. Metakognition als Mittel zur Förderung des selbstständigen Lernens
5.4.2.1 Begriffsklärung
5.4.2.2. Hinführung zu metakognitiver Praxis
5.4.2.3. Das Lerntagebuch
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Hausarbeit untersucht die Möglichkeiten und Grenzen der E-Portfolioarbeit im Englischunterricht eines doppelqualifizierenden Bildungsgangs (Gestaltungstechnische Assistenten/FHR). Im Zentrum steht dabei die Forschungsfrage, wie durch den Einsatz von E-Portfolios die Lernerautonomie, die metakognitive Reflexionsfähigkeit sowie eine binnendifferenzierte, motivierende Gestaltung des Fremdsprachenunterrichts gefördert werden können.
- Konzeption und praktische Umsetzung von E-Portfolios im Englischunterricht.
- Verzahnung von konstruktivistischer Lerntheorie und schüleraktiven Methoden.
- Förderung der fachübergreifenden Zusammenarbeit und Medienkompetenz.
- Einbindung metakognitiver Reflexion durch Lerntagebücher (Weblogs).
- Bedeutung von Motivation und Flow-Erlebnissen im Lernprozess.
Auszug aus dem Buch
3.2. Lerntheoretische Grundlagen des Portfoliokonzepts
Entwickelt wurde das Portfoliokonzept aus der Sicht einer konstruktivistisch orientierten Lerntheorie. Grundannahme eines konstruktivistischen Lernkonzepts ist es, dass die Lernenden sich ihr Wissen nicht durch eine mimetische Abbildungsleistung erwerben, sondern dass sie sich Wissen in einem aktiven Handlungsprozess selbst konstruieren. Wegweisend für die konstruktivistische Lerntheorie war Jean Piagets Verständnis von Lernprozessen. Für ihn besteht der Lernprozess aus einem Wechselspiel von Assimilation und Akkomodation. Im Gegensatz zu behavioristischen Lerntheorien, in denen der „eher passive Lerner durch Umweltreize und durch steuerbare Stimuli zur Verhaltensänderung angehalten wird“, entsteht nach Piaget die kognitive Strukturbildung in der aktiven Auseinandersetzung des Einzelnen mit seiner Umwelt.
„Auf dem Weg zur optimalen Anpassung an die Umwelt kommt es zu einer ständigen Neuorganisation der vorhandenen und neu herausgebildeten Strukturen.“ Können die Lernenden eine neue und unbekannte Erscheinung der äußeren Umwelt in ein bekanntes Erklärungsschema einbringen, so spricht Piaget von einem Assimilationsprozess. Müssen die Lernenden zur Erklärung einer neuen und unbekannten Erscheinung ein neues Erklärungsmuster entwerfen, so spricht Piaget vom Prozess der Akkomodation. Lernen ist demnach ein dynamischer und intra-personeller Konstruktionsprozess des selbsttätigen Individuums. Treibende Kraft hinter diesem Konstruktionsprozess ist das Bedürfnis der Lernenden, auftretende Widersprüche, auch kognitive Konflikte genannt, zu bewältigen. Dies geschieht durch den so genannten Äquilibrationsprozess, in dem die Lernenden versuchen, Wissen und Erkenntnis zunehmend widerspruchsfrei zu organisieren um somit zunehmend stabile und leistungsfähige kognitive Strukturen aufzubauen. Für Piaget stellt dieser Prozess den Motor der menschlichen Entwicklung dar.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit führt in die Relevanz von E-Portfolioarbeit für den Bildungsgang der gestaltungstechnischen Assistenten ein und skizziert die motivationale Ausgangslage der Schülerschaft.
2. Problemstellung: Das Kapitel kritisiert die fachsystematische Ausrichtung des klassischen Englischunterrichts und identifiziert die Notwendigkeit, Selbstständigkeit und prozessorientiertes Lernen stärker in den Vordergrund zu rücken.
3. Die Genese des E-Portfoliokonzepts: Hier werden die historischen Ursprünge und die lerntheoretische Einbettung des Portfoliokonzepts in einer konstruktivistischen Perspektive dargelegt.
4. Konzeptionelle Überlegungen zur Einführung von E-Portfolioarbeit im Fach Englisch im Bildungsgang GTA: Dieses Kapitel erläutert die technischen Notwendigkeiten sowie die methodische Planung und Integration des E-Portfolios in den schulischen Alltag.
5. Das Potential von E-Portfolioarbeit zur Kompetenzförderung der Schüler im Bildungsgang GTA/FHR: Das Hauptkapitel untersucht detailliert, wie E-Portfolios Motivation, fachübergreifendes Arbeiten, kommunikative Kompetenz und selbstständiges Lernen unterstützen können.
6. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen, diskutiert die zeitintensiven Anforderungen und würdigt das enorme Potential der E-Portfolioarbeit für eine lebendige, schülerzentrierte Unterrichtskultur.
Schlüsselwörter
E-Portfolio, Englischunterricht, Lernerautonomie, Konstruktivismus, Metakognition, Lerntagebuch, Weblogs, Selbstständigkeit, Kompetenzförderung, Motivation, Fachübergreifendes Arbeiten, Medienkompetenz, Reflexion, Sprachlernerfolg, Gestaltungstechnische Assistenten.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit thematisiert die Einführung und Erprobung von E-Portfolios im Englischunterricht für den Bildungsgang "Gestaltungstechnische Assistenten" am Adolf-Kolping-Berufskolleg.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die Schwerpunkte liegen auf lerntheoretischen Grundlagen, technischer Konzeption, der Förderung von Selbstständigkeit durch Metakognition sowie der Verknüpfung von Fremdsprachenerwerb und Mediennutzung.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie durch Portfolioarbeit eine konstruktivistische Lernumgebung geschaffen werden kann, die den Lernprozess in den Mittelpunkt stellt und die Autonomie der Lernenden stärkt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor stützt sich auf eine theoretische fundierte Analyse (u.a. konstruktivistische Lerntheorie, Motivationsforschung nach Reiss) und reflektiert dabei eigene Hospitationserfahrungen sowie die praktische Erprobung in seiner Referendariatsklasse.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert das Potential der E-Portfolioarbeit in den Bereichen Motivationspsychologie, fachübergreifendes Arbeiten, kommunikative Kompetenz und die gezielte Förderung metakognitiver Reflexionsstrategien.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
E-Portfolio, Lernerautonomie, Metakognition, Konstruktivismus, Lerntagebuch und Fremdsprachenunterricht sind die zentralen Begriffe.
Wie wird mit der Herausforderung umgegangen, dass Portfolioarbeit zeitintensiv ist?
Der Autor diskutiert dies im Fazit und weist darauf hin, dass die Zeitinvestition durch den hohen Zuwachs an Selbstständigkeit und die tiefere Auseinandersetzung mit dem Lerngegenstand gerechtfertigt ist.
Welche Rolle spielt die Metakognition für die Lernenden?
Metakognition dient als Werkzeug zur Bewusstmachung des eigenen Lernprozesses, was es den Schülern ermöglicht, eigene Lernhürden zu erkennen und ihren Lernweg autonom zu steuern.
- Arbeit zitieren
- Johannes Klaas (Autor:in), 2008, E-Portfolioarbeit im Fach Englisch im Bildungsgang „Gestaltungstechnische AssistentInnen“ am AKBK in Kerpen-Horrem, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/150172