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Umgang mit Personen mit psychischer oder geistiger Beeinträchtigung in frühneuzeitlichen Spitälern

Título: Umgang mit Personen mit psychischer oder geistiger Beeinträchtigung in frühneuzeitlichen Spitälern

Tesis (Bachelor) , 2023 , 49 Páginas , Calificación: 1,7

Autor:in: Anonym (Autor)

Historia - Europa
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Die Situation von Menschen im Mittelalter mit geistiger Behinderung und der dazugehörige Hintergrund soll im ersten Teil der Arbeit genauer ausgeführt werden, sodass ein Vergleich vor der verstärkten Etablierung von Hospitälern ermöglicht wird. Nach einem Überblick über den Forschungsstand, der auch einen Einblick in die Thesen der „Disability Studies“ beinhaltet, sollen wichtige Schlüsselbegriffe, deren Definition die Grundlage der nachfolgenden Untersuchung bilden, erklärt werden. Daraus sollte u.a. ersichtlich werden, dass, auch wenn der Fokus der Arbeit darauf ausgelegt ist, den Wandel im Umgang mit psychisch beeinträchtigten Personen zu erörtern, dieser kaum unabhängig von der Lebensrealität von Menschen mit anderen Leiden zu trennen ist. Ebenso soll das Konzept der „totalen Institution“ nach Goffman erläutert werden, um der Analyse der Struktur des Spitals einen Rahmen zu geben.

Anschließend soll die zwiespältige Rolle der Betroffenen im Mittelalter genauer dargestellt werden, unter Berücksichtigung einiger Fallbeispiele. Das folgende Kapitel soll, durch zwei Unterkapitel unterteilt, einen Einblick in zwei mittelalterliche Erklärungskonzepte von (geistigen) Krankheiten bieten, dazu gehört der humoralpathologische Ansatz sowie theologische Begründungszusammenhänge. Existierten diese Ansichten unabhängig voneinander und inwiefern beeinflussten sie die Behandlung der Kranken? Aufschluss über die Antwort lässt auch das letzte Kapitel des ersten Teiles „Verstecken oder behandeln? – Orte des Ausschlusses und Hospitalbildung“ zu, welches sich insbesondere mit dem Umgang von als störend wahrgenommenen Personen beschäftigt. Zudem thematisiert das Kapitel die Anfänge der Hospitalbildung.

Extracto


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Forschungsstand und Methodik

3 Schlüsselbegriffe und ihre Definition

4 Die ambivalente Rolle psychisch kranker Menschen im Mittelalter

5 Erklärungskonzepte der (Geistes-/ Krankheit)

5.1 Humoralpathologischer Ansatz

5.2 Religiöse Vorstellungen

6 Verstecken oder behandeln? – Orte des Ausschlusses und Hospitalbildung

6.1 Orte des Ausschlusses

6.2 Hospitalbildung

7 Konzept und Intention hinter der Gründung des hohen Hospitals Haina

8 Alltagsleben der Insassen und Organisation im Hospital Haina

8.1 Das Aufnahmeverfahren und die Hospitaliten

8.2 Formen der Unterbringung: Disziplinierend oder bedürfnisgerecht?

8.3 Alltag und Konflikte

9 Das Krankheitsverständnis und die daraus resultierende Behandlung

9.1 Anwendung von Arzneien, Diätetik und Chirurgie

9.2 Seelsorge

10 Haina im 21. Jahrhundert

11 Fazit und Ausblick

12 Anlagen

Zielsetzung und Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht den Wandel im Umgang mit psychisch und geistig beeinträchtigten Menschen in frühneuzeitlichen Spitälern am Beispiel des hessischen Hospitals Haina, um die Frage zu beantworten, inwiefern die frühneuzeitliche Spitalbildung eine Zäsur in diesem Bereich markierte.

  • Historischer Umgang mit geistigen Behinderungen und psychischen Erkrankungen im Mittelalter und in der frühen Neuzeit
  • Die Entwicklung von Hospitalstrukturen und deren Einfluss auf die Versorgung Bedürftiger
  • Strukturelle Analyse des Hospitals Haina als Institution, unter Einbeziehung des Konzepts der "totalen Institution"
  • Untersuchung von Alltag, Konfliktbewältigung und Behandlungsmethoden (medizinisch und seelsorgerisch)

Auszug aus dem Buch

8.2 Formen der Unterbringung: Disziplinierend oder bedürfnisgerecht?

Durch die Beschreibung des Küchenverwalters Crantz über die Räumlichkeiten des ehemaligen Klosters und seine externen Gebäude, wobei im Folgenden insbesondere jene, die der Beherbergung dienten im Fokus der Aufmerksamkeit stehen sollen, lassen sich sowohl Lebensbedingungen der Hospitaliten wie auch eine zeitgenössische Wertung der verschiedenen Unterbringungsarten ableiten. Bei der Belegung der Quartiere fällt die Einteilung der Patienten in verschiedene Gruppen auf. Die Zuteilung war abhängig von ihrer Beeinträchtigung und ihrem Verhalten, wobei ihr potenzieller Störfaktor oder die Gefährdung anderer und ihrer selbst eine entscheidende Rolle spielte. Durch diese Einteilung lässt sich auch die Zusammenlegung von „Wahnsinnigen“ und Taubstummen erklären, da die Aufwärter annahmen, dass sich diese nicht an ihnen stören würden, da sie akustische Störungen nicht wahrnehmen konnten.

Crantz Darstellung über die Aufteilung der Armenquartiere, welche zentral im Flügel gegen Morgen lagen, veranschaulicht die Berücksichtigung der Bedürfnisse der Kranken. Denn die unterste Etage, welche über große und räumliche Zimmer verfügte, wurde gebrechlichen Menschen mit unterschiedlichsten Erkrankungen zugeteilt. Die darüber liegenden ehemaligen Mönchszellen, dessen Erreichen mehr Mobilität voraussetzte, wurden von körperlich gesünderen Patienten bewohnt. Ferner wurden Insassen auch in weiteren Räumen des aufgelösten Klosters untergebracht. Dazu gehörten innerhalb des Klostergevierts auch der Kapitelsaal, das Parlatorium und das Dormitorium. In diesen Räumlichkeiten waren insbesondere pflegeleichte Kranke untergebracht, die durch Personal beaufsichtigt werden konnten, welches sich aus ihren eigenen Reihen rekrutierte.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Themenstellung ein und erläutert die Relevanz der Untersuchung des Wandels beim Umgang mit Menschen mit Beeinträchtigungen am Beispiel des Hospitals Haina.

2 Forschungsstand und Methodik: Der Forschungsstand wird im Kontext der „Disability Studies“ beleuchtet und die methodische Vorgehensweise bei der Auswertung historischer Quellen diskutiert.

3 Schlüsselbegriffe und ihre Definition: Das Verständnis von Krankheit im Mittelalter und in der Frühen Neuzeit wird definiert und das Modell der „totalen Institution“ nach Erving Goffman eingeführt.

4 Die ambivalente Rolle psychisch kranker Menschen im Mittelalter: Die zwiespältige soziale Stellung Betroffener wird zwischen Nächstenliebe, Diskriminierung und rechtlicher Behandlung (z.B. im Sachsenspiegel) aufgezeigt.

5 Erklärungskonzepte der (Geistes-/ Krankheit): Hier werden die medizinische Humoralpathologie und religiöse Deutungsmuster als zwei zentrale Erklärungskonzepte für Krankheitsursachen gegenübergestellt.

6 Verstecken oder behandeln? – Orte des Ausschlusses und Hospitalbildung: Das Kapitel analysiert die Entwicklung von externen Verwahrungsorten wie „Dorenkisten“ bis hin zur Institutionalisierung durch frühe Hospitäler.

7 Konzept und Intention hinter der Gründung des hohen Hospitals Haina: Die Transformation des ehemaligen Klosters Haina in ein Hospital unter Landgraf Philipp an der Reformation wird als sozialreformerischer Akt thematisiert.

8 Alltagsleben der Insassen und Organisation im Hospital Haina: Der Fokus liegt auf der Aufnahmeordnung, den Unterbringungsformen und dem täglichen Leben, das von Disziplinierungsmaßnahmen geprägt war.

9 Das Krankheitsverständnis und die daraus resultierende Behandlung: Die medizinischen Therapieansätze sowie die essenzielle Rolle der Seelsorge im Behandlungskonzept werden analysiert.

10 Haina im 21. Jahrhundert: Ein kurzer Überblick über die moderne psychiatrische Nutzung und die historische Aufarbeitung im heutigen Vitos-Klinikum.

11 Fazit und Ausblick: Eine abschließende Zusammenfassung der Ergebnisse zum Wandlungsprozess des Hospitals und dessen Stellung in der psychiatriegeschichtlichen Entwicklung.

Schlüsselwörter

Hospital Haina, Frühe Neuzeit, Psychiatriegeschichte, Geisteskrankheit, Humoralpathologie, Totale Institution, Disability Studies, Sozialfürsorge, Reformation, Landgraf Philipp, Behandlungsmethodik, Seelsorge, Inklusion, Arzneimittelversorgung, Armenfürsorge.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht den Umgang mit psychisch oder geistig beeinträchtigten Menschen in frühen Hospitälern, wobei das Hospital Haina als zentrales Fallbeispiel für eine historische Untersuchung der Psychiatriegeschichte dient.

Welche zentralen Themenfelder behandelt der Verfasser?

Die Schwerpunkte liegen auf der Entwicklung von Verständnismodellen für Krankheiten, den institutionalisierten Formen der Unterbringung und Versorgung sowie den sozialen und religiösen Rahmenbedingungen dieser Zeit.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es zu beantworten, inwiefern die Etablierung des Krankenhauswesens in der Frühen Neuzeit eine Zäsur im Umgang mit psychisch beeinträchtigten Personen markierte.

Welche wissenschaftliche Methode wird zur Analyse genutzt?

Es werden historische Quellen, ergänzt durch Theorien der „Disability Studies“ und das Konzept der „totalen Institution“ nach Erving Goffman, analysiert, um eine sozialhistorische Einordnung vorzunehmen.

Was steht im Hauptteil der Arbeit im Vordergrund?

Im Hauptteil liegt der Fokus konkret auf der Geschichte und Organisation des Hospitals Haina, dessen Alltag, Patientenaufnahmen sowie den angewandten medizinischen und pastoralen Behandlungsmethoden.

Welche Begriffe charakterisieren diese Arbeit besonders?

Die Arbeit ist fachlich geprägt durch Begriffe wie "Samthospitäler", "Humoralpathologie", "Disziplinierung", "Supplikationen" und "Reformationsgeschichte".

Warum spielt der "Philippstein" eine so wichtige Rolle für das Verständnis des Hospitals?

Der Philippstein visualisiert als historisches Denkmal die Stiftungsabsichten Landgraf Philipps und verdeutlicht das damalige Selbstverständnis von christlicher Wohltätigkeit gegenüber Armen und Kranken.

Welche Rolle spielten die Hospitaliten im Machtgefüge der Einrichtung?

Obwohl die Hospitaliten strikten Regeln unterworfen waren, konnten sie mittels Bittstellungen (Supplikationen) ihre Interessen gegenüber der Hospitalverwaltung vertreten, was ein gewisses, wenn auch begrenztes Widerstandspotenzial aufzeigt.

Final del extracto de 49 páginas  - subir

Detalles

Título
Umgang mit Personen mit psychischer oder geistiger Beeinträchtigung in frühneuzeitlichen Spitälern
Universidad
University of Siegen
Curso
-
Calificación
1,7
Autor
Anonym (Autor)
Año de publicación
2023
Páginas
49
No. de catálogo
V1501743
ISBN (Ebook)
9783389064498
ISBN (Libro)
9783389064504
Idioma
Alemán
Etiqueta
Spital frühe Neuzeit Spätmittelalter Hildegard von Bingen Randgruppen
Seguridad del producto
GRIN Publishing Ltd.
Citar trabajo
Anonym (Autor), 2023, Umgang mit Personen mit psychischer oder geistiger Beeinträchtigung in frühneuzeitlichen Spitälern, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1501743
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