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Vom "homo-mensura-Satz" bis zu "Bionade"

Formen des menschlichen Naturverständnis’ unter besonderer Berücksichtigung von literarischen Texten

Title: Vom "homo-mensura-Satz" bis zu "Bionade"

Lesson Plan , 2010 , 54 Pages , Grade: 1,5

Autor:in: Vera Fischer (Author)

Didactics - Biolology
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In einem Interview für das Magazin „Cicero“ gefragt, welchen Begriff von Natur die moderne Gesellschaft habe, antwortete der Philosoph und Schriftsteller Rüdiger Safranski:
„Für die Moderne ist Natur etwas, das Risiko und Rendite bringt“.
Ich stimme Safranski zu. Die Natur ist einerseits ein Risiko für uns, man denke an den Klimawandel, Naturkatastrophen oder Krankheiten und andererseits wirft sie Rendite ab, seien es Lebensräume, Nahrungsmittel oder medizinische Erkenntnisse.
Natürliche Medizin, das ist zwar heute sehr gefragt, aber eine Medizin, die noch intelligenter ist als die Natur selbst, die ist noch mehr gefragt. Wenn die erste Ausgabe des Spiegels von 2010 titelt: „Die Schöpfung im Labor. Forscher auf der Suche nach der Formel des Lebens.“ ist dies keine Replik auf einen
neuen Kinofilm. Es ist Ausdruck eines neuen Naturverständnis’. Was bislang der Natur und ihren eigenen Gesetzmäßigkeiten überlassen war, nämlich Leben zu stiften, das soll künftig künstlich, in Unabhängigkeit von der Natur vonstatten gehen. Wie die Forschung bereits das Genom entschlüsselt hat, könnte bald die Formel für das Leben insgesamt gefunden sein. Die Möglichkeiten der modernen Genforschung werden die Zukunft sicherlich verändern. Leben wir zukünftig in einer synthetischen, weil künstlich geschaffenen Welt? Was ist ein sinnvoller Umgang mit der Natur? Ökologischer Landbau als Ausweg aus der Genfalle? Diese und viele andere Fragen beherrschen die aktuellen Meinungsdiskurse. Wenn die Schule ein Ort sein soll, der sich als Teil der Gesellschaft versteht und nicht isoliert von dieser betrachtet, darf vor allem der Ethikunterricht nicht hinweggehen
über diese Fragen. Es liegt vielmehr eine große Chance darin, diese Fragen mit den Schülern auseinanderzusetzen. Sie leben in einer stark technisierten Welt und erleben Natur meistens nur dann, wenn sie nicht den uns gewohnten, sinnhaften Gesetzen gehorcht, wie es in diesen Tagen das dramatische Erdbeben von Haiti deutlich gemacht hat.
Indem sich die Schüler beschäftigen mit dem, wie andere Kulturen zu anderen Zeiten das Verhältnis zwischen Mensch und Natur bestimmt haben, werden sie nicht nur intensiv über Natur nachdenken, sondern vor allem Grundzüge eines historisch gewachsenen Menschenbildes entdecken und kritisch hinterfragen können, ganz im Sinne der Worte Goethes:
„Wer nicht von dreitausend Jahren
sich weiß Rechenschaft zu geben,
bleib im Dunkeln unerfahren,
mag von Tag zu Tage leben.“

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

VORWORT

SACHANALYSE

Natur versus Kultur

Antikes Naturverständnis – Sophokles’ Antigone

Klassischer Geniegedanke – Goethes Faust. Der Tragödie zweiter Teil

Romantisches Naturverständnis – Naturlyrik der Romantik

Der „homo mensura Satz“ des Protagaros

Modernes Naturverständnis – Genforschung und Ökologie

DIDAKTISCHE ANALYSE

Bedingungsanalyse

Bezug zum Bildungsplan

Relevanz der Thematik

Hauptlernziele und Kompetenzerwerb

METHODISCHE ANALYSE

Zum Einsatz von literarischen Texten im Ethikunterricht

Philosophische Methoden nach Ekkehard Martens

Kreative, stundenübergreifende Hausaufgabe

DOKUMENTATION DER UNTERRICHTSEINHEIT

Stoffverteilungsplan (Übersicht)

Kurzbeschreibung aller Doppelstunden

1. Doppelstunde: Natur versus Kultur

2. Doppelstunde: Mensch, Mensch, Mensch

3. Doppelstunde: Der Mensch als Genius seiner selbst

4. Doppelstunde: Im Rausch der Natur

5. Doppelstunde: Alles „Bio“ der was?

6. Doppelstunde: Präsentation der kreativen Hausaufgabe

Dokumentation ausgewählter Doppelstunden

Die dritte Doppelstunde: Der Mensch als Genius seiner selbst

Die fünfte Doppelstunde: Alles „Bio“ oder was?

SCHLUSSWORT

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, Schülern der gymnasialen Oberstufe ein tieferes Verständnis für das historische und moderne Verhältnis zwischen Mensch und Natur zu vermitteln. Anhand literarischer Texte und philosophischer Methoden wird das Spannungsfeld zwischen der Natur als eigenständigem Kosmos und dem menschlichen Streben nach kultureller sowie technischer Beherrschung (bis hin zur Genforschung) kritisch hinterfragt.

  • Historische Evolution des Naturverständnisses (Antike bis Moderne)
  • Kulturelle Identität und die Abgrenzung zur natürlichen Umwelt
  • Ethische Reflexion moderner Gentechnik (Genomforschung, Klonen)
  • Ökologisches Bewusstsein und kritische Konsumanalyse
  • Interdisziplinäre Verbindung von Literatur, Philosophie und Naturwissenschaft

Auszug aus dem Buch

Modernes Naturverständnis – Genforschung und Ökologie

„Homo Faber“ – Der Mensch als Handwerker, so hat Max Frisch seinen als „Bericht“ ausgewiesenen Roman von 1957 betitelt. Wie ließe sich der moderne Mensch besser charakterisieren als ein Handwerker. Er ist, wie seit Beginn der Menschheit, auf seinen Körper zwar angewiesen, muss seine Hände ins Werk setzen, doch was er mit seinen Händen alles wirken kann, das scheint vor allem in der heutigen Zeit ins Unermessliche zu gehen. Der Homo Faber des 20. und des 21. Jahrhunderts baut sich seine eigene Wirklichkeit; die von ihm erfundene Technik ist sein Baumaterial, die Natur seine Baustelle. Ein anschauliches Beispiel dafür, wie weit moderne Fabrikation gehen kann, gibt die moderne Gentechnik. Sei es die Pränatal- sowie die Präimplantationsdiagnostik, die Stammzellenforschung sowohl adulter als auch embryonaler Stammzellen, das Klonen oder die so genannte synthetische Biologie, die es sich zum Ziel gemacht hat, biologische Systeme (Moleküle, Zellen, Organismen) künstlich zu „designen“, wie es in der Fachsprache heißt. Gemeinsam ist all diesen Formen moderner Gentechnik der Anspruch, mindestens genauso gut, wenn nicht noch besser, effizienter und zuverlässiger als die Natur zu sein.

Doch dies ist nur ein Blick auf das moderne Naturverständnis. Eine andere Perspektive eröffnet sich, wenn man die vom modernen Menschen gewünschten Lebensbedingungen in den Blick nimmt: Mobilität, Flexibilität, Globalisierung, Konsum- und Profitgesellschaft. Zwar sind dies nur Schlaglichter, die, wenn überhaupt, nur einen groben Überblick aufzeigen können, dennoch lässt sich die These vertreten, dass unter all den Bedingungen, die die moderne Welt erfüllen muss, der Raum einer intakten Natur immer kleiner wird. Der so genannte Klimawandel könnte eine Reaktion der Natur auf das sein, was die modernen Handwerker aus und mit ihr gemacht haben. Wenn der letzte Weltklimagipfel in Kopenhagen auch nur bedingt sein Ziel erreicht hat, zeichnet sich dennoch ab, dass der moderne Mensch, wenn er sich denn überhaupt so typisieren lässt, trotz aller Machbarkeitsvorstellungen immer mehr ein Bedürfnis nach einer intakten Natur entwickelt.

Zusammenfassung der Kapitel

SACHANALYSE: Dieses Kapitel erläutert die geschichtliche Entwicklung des Naturverständnisses von der griechischen Antike über Goethes Klassik und die Romantik bis hin zur heutigen, von Technik und Genforschung geprägten Moderne.

DIDAKTISCHE ANALYSE: Hier wird der Ethikkurs der Jahrgangsstufe 11 analysiert, wobei besonders die Lernvoraussetzungen, der Bezug zum Bildungsplan sowie die Lernziele und Kompetenzen für die Unterrichtseinheit definiert werden.

METHODISCHE ANALYSE: Dieses Kapitel begründet den Einsatz literarischer Texte im Ethikunterricht und stellt die philosophischen Methoden nach Ekkehard Martens vor, die als Grundlage für die Unterrichtsgestaltung dienen.

DOKUMENTATION DER UNTERRICHTSEINHEIT: Dieser Hauptteil dokumentiert die detaillierte Planung, Durchführung und Reflexion der sechs Doppelstunden, inklusive Stundenzielen, Unterrichtsschritten und der kreativen Hausaufgabe.

SCHLUSSWORT: Hier zieht die Autorin ein Resümee über das Erreichen der Lernziele und diskutiert Möglichkeiten der interdisziplinären Zusammenarbeit mit anderen Schulfächern.

Schlüsselwörter

Naturverständnis, Kultur, Ethik, Genforschung, Literarische Texte, Antigone, Faust, Ökologie, Gentechnik, Mensch-Natur-Verhältnis, Bio-Produkte, Philosophie, Bildung, Anthropozentrie, Nachhaltigkeit.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundlegend?

Die Arbeit befasst sich mit der Untersuchung des menschlichen Naturverständnisses durch verschiedene Epochen und Kulturen und wie dieses Verständnis den aktuellen Umgang mit ökologischen und ethischen Herausforderungen beeinflusst.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zu den zentralen Themen gehören das Spannungsfeld Natur versus Kultur, der klassische Geniegedanke, das romantische Naturbild sowie moderne Problematiken der Gentechnik und des ethisch fragwürdigen Konsums von Bioprodukten.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist es, Schülern zu verdeutlichen, dass der Mensch als Teil der Natur in einem Abhängigkeitsverhältnis steht, und sie dazu anzuregen, kritische Standpunkte zu aktuellen gesellschaftlichen Fragen wie der Genmanipulation oder dem Klimawandel zu entwickeln.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt philosophische Methoden nach Ekkehard Martens, insbesondere die phänomenologische, hermeneutische, analytische, dialektische und spekulative Methode, um literarische Texte ethisch zu erschließen.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil dokumentiert detailliert sechs Doppelstunden, die von der theoretischen Auseinandersetzung mit dem Begriff „Natur“ über Analysen klassischer Werke bis hin zur kritischen Reflexion moderner Alltagswerbung für Bioprodukte reichen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Naturverständnis, Ethik, Genforschung, Mensch-Natur-Verhältnis, Nachhaltigkeit und Literarische Analyse geprägt.

Warum ist das antike Drama „Antigone“ in dieser Unterrichtseinheit wichtig?

Das Stück dient als Beispiel für den Konflikt zwischen menschlicher und göttlicher Macht und illustriert das antike Verständnis von Natur als Ganzheit, das als Gegenpol zum modernen, technisch geprägten Naturverständnis fungiert.

Welche Rolle spielt das Beispiel der „Bionade“ in der fünften Doppelstunde?

Die Bionade dient als konkretes Alltagsbeispiel, um die Diskrepanz zwischen dem Wunsch nach einem „natürlichen“ Leben und der kommerziellen Vermarktung („Öko als Marktlücke“) sowie die ethische Frage nach echter Verantwortung kritisch zu beleuchten.

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Details

Title
Vom "homo-mensura-Satz" bis zu "Bionade"
Subtitle
Formen des menschlichen Naturverständnis’ unter besonderer Berücksichtigung von literarischen Texten
Grade
1,5
Author
Vera Fischer (Author)
Publication Year
2010
Pages
54
Catalog Number
V150238
ISBN (eBook)
9783640615001
ISBN (Book)
9783640615629
Language
German
Tags
Dokumentierte Unterrichtseinheit Jahrgangsstufe 11 Fach Ethik Natur und Mensch Natuverständnis Literarische Texte im Ethikunterricht
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Vera Fischer (Author), 2010, Vom "homo-mensura-Satz" bis zu "Bionade", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/150238
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