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Individuelle Unterschiede beim frühen Spracherwerb von Kindern

Title: Individuelle Unterschiede beim frühen Spracherwerb von Kindern

Term Paper , 2018 , 23 Pages , Grade: 1,7

Autor:in: Anonym (Author)

German Studies - Linguistics
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In dieser Arbeit geht es um die individuellen Unterschiede beim frühen Spracherwerb von Kindern. In einem ersten Schritt werden der Unterschied zwischen Spracherwerb und Sprachentwicklung und die Grenzen der Arbeit definiert. Danach wird ausgehend von den klassischen Spracherwerbstheorien untersucht, ob sie per definitionem individuelle Unterschiede zulassen oder ob sie diese von vornherein ausschließen. In einem nächsten Schritt wird sich auf die individuellen Unterschiede in der Schnelligkeit des Erlernens von Grammatik und Wortschatz konzentriert. Anschließend wird es um unterschiedliche Stile bzw. Herangehensweisen an den Spracherwerb gehen und um die damit verbundenen Auswirkungen auf Wortschatz- und Grammatikerwerb. Der Hauptteil der Arbeit besteht dann aus einer Analyse der Sprachdaten von vier Kindern, denen die beiden unterschiedlichen Spracherwerbsstile bestmöglich nachgewiesen werden.

Lange Zeit wurde angenommen, dass Kinder beim Spracherwerb in einem bestimmten Alter auf einem bestimmten Entwicklungsstand sein müssten, sich die Entwicklung also in Stufen vollzieht, sowohl was den Wortschatzerwerb als auch den Grammatikerwerb betrifft. Doch lernen wirklich alle Kinder gleich schnell und nach demselben Prinzip? Oder kann die Entwicklung auch unterschiedlich verlaufen? Dieser Frage möchte ich in dieser Arbeit auf den Grund gehen. Kinder erwerben ihre Muttersprache im Alter von etwa einem Jahr bis dreieinhalb Jahren. Die Entwicklung der Kinder wurde in sogenannte Meilensteine eingeteilt, die jedes Kind im Laufe einer bestimmten Altersspanne erreicht haben sollte. Alle Kinder, die diese Stufen in einem bestimmten Alter nicht erreichten, wurden als nicht "normal" oder sogar sprachentwicklungsgestört eingestuft.

Bis heute wird diese Auffassung in vielen Standardwerken vertreten. Schon zu Beginn der 70er Jahre wurden große Unterschiede in der Geschwindigkeit und der Art des Spracherwerbs bei Kindern festgestellt. Doch erst in den 90er Jahren konnten anhand von Elternfragebögen eine größere Anzahl von Kindern untersucht werden und die großen individuellen Unterschiede entdeckt werden. Besonders beim frühen Spracherwerb treten häufig große Unterschiede auf. Dabei können die Altersspannen bis zu einem Jahr betragen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Spracherwerbstheorien in Bezug auf individuelle Unterschiede

2.1 Nativismus

2.2 Konstruktivismus

2.3 Welche Theorie berücksichtigt Variabilität in der Entwicklung?

3. Individuelle Unterschiede

3.1 Unterschiede in der Schnelligkeit beim Wortschatz- und Grammatikerwerb

3.2 Spracherwerbsstile

3.3 Analyse von Daten: holistischer und analytischer Stil

4. Abgrenzung zu entwicklungsgestörten Kindern

5. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht das Phänomen der individuellen Unterschiede beim kindlichen Spracherwerb und hinterfragt die Annahme einer uniformen Sprachentwicklung in festen Stufen. Ziel ist es, auf Basis theoretischer Ansätze und der Analyse von Sprachdaten aufzuzeigen, wie Kinder unterschiedliche Erwerbsstile verfolgen und wie sich diese von pathologischen Entwicklungsverzögerungen abgrenzen lassen.

  • Kritische Auseinandersetzung mit nativistischen versus konstruktivistischen Erwerbstheorien.
  • Analyse der Variabilität bei Wortschatz- und Grammatikentwicklung.
  • Differenzierung zwischen holistischen und analytischen Spracherwerbsstilen.
  • Untersuchung von Sprachkorpora zur Veranschaulichung individueller Lernstrategien.
  • Einordnung entwicklungsspezifischer Variationen gegenüber Spracherwerbsstörungen.

Auszug aus dem Buch

3.1 Unterschiede in der Schnelligkeit beim Wortschatz- und Grammatikerwerb

Lange Zeit wurde in der Spracherwerbsforschung nur die individuelle Entwicklung bei einzelnen Kindern untersucht. Bei diesen Studien können die Ergebnisse nicht verallgemeinert werden. Erst durch die Arbeiten mit Fragebögen von Bates et al. (1988) und Fenson et al. (1994) konnten größere Stichproben genommen werden, da Fragebögen vergleichsweise leicht und schnell ausgefüllt und ausgewertet werden können. Die sogenannten MacArthur-Bates Communicate Development Inventories, kurz CDI, sind detaillierte Elternfragebögen für amerikanisches Englisch. (vgl. Szagun 2013: 158) Der zweite Teil des Tests, der sich an 16 bis 30 Monate alte Kinder wendet, behandelt Wortschatz und Grammatik, während es beim ersten für 8- bis 18- Monate alte Kinder um Gesten, Wortverständnis und Wortproduktion geht. Die Eltern kreuzen aus einer Reihe möglicher Formen die an, die das Kind gebraucht. Die Ergebnisse des zweiten Tests, der an 1142 Kindern getestet wurde, zeigen, dass eine sehr große Variabilität beim frühen Wortschatz- und Grammatikerwerb vorhanden ist. (vgl. ebd., 159) Mittlerweile wurde das CDI für viele Sprachen angepasst; so auch für Deutsch. Szagun et al. (2009) haben an der Universität Oldenburg einen Fragebogen zur frühkindlichen Sprachentwicklung (FRAKIS) für Kinder im Alter von 1;6 und 2;6 entwickelt. Der Fragebogen enthält sowohl einen Wortschatz- als auch einen Grammatikteil, der wiederum aus einen Teil zur Flexionsmorphologie und einem zur Satzkomplexität besteht. (vgl. ebd.: 160)

Die Wachstumskurve für den Wortschatz zeigt, dass er im Alter von 18 Monaten von 41 Wörtern auf 486 mit 30 Monaten ansteigt. Zwischen 16 und 20 Monaten steigt der Wortschatzerwerb bei den meisten Kindern besonders schnell an. Dieses Phänomen wird auch Vokabelspurt genannt (vgl. Goldfield & Reznick 1990 zit. n. Papoušek 1994: 171). Die Variabilität ist besonders zwischen 21 und 27 Monaten enorm groß. Wenn man die extremen Werte herausrechnet, beträgt der Alterstunterschied von Kinder mit ähnlichen Wortschatz elf Monate. (vgl. Szagun 2013: 162) Deutlich wird auch, dass die Mädchen deutlich schneller beim Erwerb des Wortschatzes sind (vgl. ebd.: 163).

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Arbeit hinterfragt die Annahme, dass der Spracherwerb bei allen Kindern nach demselben Prinzip und in identischen Stufen verläuft, und definiert den Fokus auf den L1-Erwerb.

2. Spracherwerbstheorien in Bezug auf individuelle Unterschiede: Es werden der Nativismus und Konstruktivismus gegenübergestellt, wobei untersucht wird, inwieweit diese Theorien individuelle Variabilität in der Entwicklung zulassen.

3. Individuelle Unterschiede: Dieses Kapitel analysiert sowohl die variierende Geschwindigkeit des Wortschatz- und Grammatikerwerbs als auch die verschiedenen Spracherwerbsstile (analytisch vs. holistisch) anhand von praktischen Beispielen.

4. Abgrenzung zu entwicklungsgestörten Kindern: Es wird erörtert, wie auf Basis der festgestellten Variabilität zwischen normalen Lernprozessen und behandlungsbedürftigen Spracherwerbsstörungen unterschieden werden kann.

5. Fazit: Die Ergebnisse bestätigen, dass Kinder unterschiedliche Wege zum Spracherwerb nutzen, wobei die strikte Einteilung in Meilensteine durch eine enorme individuelle Variabilität widerlegt wird.

Schlüsselwörter

Spracherwerb, Sprachentwicklung, Individuelle Unterschiede, Nativismus, Konstruktivismus, Wortschatzerwerb, Grammatikerwerb, Spracherwerbsstil, Analytischer Stil, Holistischer Stil, FRAKIS, Variabilität, Spracherwerbsstörung, Sprachentwicklungsauffälligkeiten, L1-Erwerb.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht das Phänomen, dass Kinder beim Spracherwerb sehr unterschiedlich vorgehen und verschieden schnell lernen, anstatt einem starren, normierten Stufenmodell zu folgen.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Felder umfassen Spracherwerbstheorien, die Variabilität hinsichtlich des Tempos sowie die Klassifizierung in analytische und holistische Erwerbsstile.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Ziel ist es, die individuelle Variabilität im Spracherwerb aufzuzeigen und zu untersuchen, wie man ein "normales" Varianzspektrum von einer echten Spracherwerbsstörung abgrenzen kann.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine theoretische Aufarbeitung des Forschungsstands sowie eine qualitative Analyse von Sprachdaten aus dem CHILDES-Korpus von vier Kindern.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Im Hauptteil werden zunächst die Unterschiede in der Erwerbsgeschwindigkeit beleuchtet, gefolgt von einer detaillierten Analyse der holistischen und analytischen Sprachlernstrategien und deren Abgrenzung zu Störungen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zu den wichtigsten Begriffen gehören Spracherwerb, individuelle Unterschiede, Analytischer/Holistischer Stil, Nativismus, Konstruktivismus und Sprachentwicklungsstörungen.

Wie unterscheiden sich analytische und holistische Kinder im Ausdruck?

Analytische Kinder konzentrieren sich stärker auf Nomen und segmentieren ihre Sprache klarer, während holistische Kinder eher größere Phrasen und soziale Ausdrücke imitieren, ohne diese zunächst zu zergliedern.

Warum ist die Unterscheidung zur Spracherwerbsstörung ab zwei Jahren so schwierig?

Aufgrund der enormen individuellen Variabilität im frühen Spracherwerb fallen viele Kinder, die sich noch im normalen Entwicklungsbereich befinden, zeitweise durch langsame Leistungen auf, weshalb eine sichere Diagnose erst zu einem späteren Zeitpunkt möglich ist.

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Details

Title
Individuelle Unterschiede beim frühen Spracherwerb von Kindern
College
University of Siegen  (Philosophische Fakultät)
Course
Sprache Lehren und Lernen
Grade
1,7
Author
Anonym (Author)
Publication Year
2018
Pages
23
Catalog Number
V1502526
ISBN (PDF)
9783389070086
ISBN (Book)
9783389070093
Language
German
Tags
Spracherwerb Kinder holistischer Stil analytischer Stil Wortschatzerwerb
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Anonym (Author), 2018, Individuelle Unterschiede beim frühen Spracherwerb von Kindern, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1502526
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