Die Geschichte kaum eines anderen Weltteils reicht so weit zurück wie die des Zweistromlands. Sumerer und Akkadier, Babylonier und Assyrer, Perser und Makedonen, Parther und Sassaniden – über Jahrtausende hinweg sah Babylonien eine Großmacht nach der anderen. Diese Seminararbeit beschäftigt sich mit dem wohl bedeutendsten Herrschaftswechsel, jenem, der sich im Jahr 331 vor Christus ereignete, als Alexander der Große in Babylon einzog. Zweihundert Jahre Perserherrschaft fanden ihr Ende. Doch welche Einstellung hatten die Babylonier eigentlich zu den Achämeniden und zum Makedonenkönig? Wie nahmen die Babylonier den Einzug des jungen Eroberers in ihrer Stadt wahr? War Alexanders Eroberung von Babylonien am Ende gar eine Befreiung?
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Babylonien unter den Persern
3. Babylonien unter Alexander
3.1 Alexanders Eroberung Babyloniens
3.2 Alexanders Herrschaft über Babylonien
4. Babylonien unter den Seleukiden
5. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht den Herrschaftswechsel in Babylon im Jahr 331 v. Chr. anlässlich des Einzugs Alexanders des Großen und geht der zentralen Forschungsfrage nach, ob dieser politische Umbruch von der babylonischen Bevölkerung als Befreiung von der persischen Herrschaft wahrgenommen wurde oder lediglich einen Wechsel der Oberherrschaft darstellte.
- Historische Analyse der Herrschaftsverhältnisse Babyloniens unter den Achämeniden.
- Untersuchung der Rezeption von Alexanders Einzug in Babylon durch antike Quellen wie Arrian und Curtius Rufus.
- Bewertung der baulichen und politischen Maßnahmen Alexanders zur Legitimierung seiner Herrschaft.
- Vergleichende Betrachtung der späteren seleukidischen Herrschaftsstruktur im Kontext der lokalen Akzeptanz.
Auszug aus dem Buch
3.1 Alexanders Eroberung Babyloniens
Nachdem Alexander den persischen Großkönig Dareios III. in der Schlacht bei Gaugamela (331 v. Chr.) vernichtend geschlagen hatte, wandte sich dieser zur Flucht nach Medien. Die Tatsache, dass Dareios Babylonien und die persischen Stammlande ohne weiteren Widerstand aufgab, verdeutlicht die Endgültigkeit der Niederlage bei Gaugamela. Der Großteil des babylonischen Heereskontingents fand dort den Tod, was einem recht beträchtlichen Teil der männlichen Bevölkerung Babylons entsprochen haben dürfte. Für die Babylonier musste diese Schlacht also einer Katastrophe gleichgekommen sein, doch von Groll gegenüber Alexander findet sich weder in den griechischen noch in den babylonischen Quellen eine Spur. Vielmehr scheint dieses Desaster einzig und allein dem persischen Großkönig angelastet worden zu sein, dessen Scheitern in der Schlacht sowie seine anschließende Flucht eines Herrschers unwürdig waren. Eventuell spielte dabei auch der Umstand eine Rolle, dass Dareios Babylonien einfach so dem Feind preisgab, was nicht gerade von großer Wertschätzung und Aufopferung für die Babylonier zeugte.
Tatsache ist, dass die Babylonier ihre Stadt nicht verteidigten, als das siegreiche Heer der Makedonen vor ihren Toren erschien. Sowohl Arrian als auch Curtius Rufus schildern Alexanders Eintreffen in Babylon. Auf ihre Darstellungen soll nun genauer eingegangen werden, denn sie sind von zentraler Bedeutung für die Frage, ob Alexander bei den Babyloniern als Befreier oder aber als Eroberer aufgenommen wurde.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung steckt den kulturhistorischen Rahmen ab und formuliert die zentrale Fragestellung, ob der Einzug Alexanders als Befreiungsakt zu interpretieren ist, unter Einbezug der verwendeten Quellenlage.
2. Babylonien unter den Persern: Dieses Kapitel analysiert die zweihundertjährige Herrschaft der Achämeniden und kommt zu dem Schluss, dass die Babylonier diese Epoche weitgehend widerspruchslos und stabil erlebten, ohne nennenswerte Unterdrückung.
3. Babylonien unter Alexander: Das Kapitel untersucht detailliert Alexanders Einzug und seine anschließende Herrschaftspraxis, wobei insbesondere sein geschickter Umgang mit lokalen Traditionen und der Priesterschaft zur Legitimierung hervorgehoben wird.
4. Babylonien unter den Seleukiden: Die Analyse zeigt auf, dass auch die nachfolgende seleukidische Dynastie durch gezielte Förderung der Tempel und Einbindung lokaler Eliten hohe Akzeptanz bei der babylonischen Bevölkerung erreichte.
5. Schlussbetrachtung: Das Fazit resümiert, dass Alexander nicht als Befreier, sondern als von der Bevölkerung akzeptierter Nachfolger in einem friedlichen Herrschaftswechsel wahrgenommen wurde, eingebettet in eine kontinuierliche Tradition.
Schlüsselwörter
Alexander der Große, Babylonien, Achämeniden, Seleukiden, Herrschaftswechsel, Kyros der Große, Dareios III., Marduk-Priesterschaft, Arrian, Curtius Rufus, Gaugamela, Befreiung, Antike, mesopotamische Geschichte, Herrschaftslegitimation
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit analysiert den Übergang der Herrschaft in Babylon im Jahr 331 v. Chr. durch Alexander den Großen und evaluiert die Einstellung der babylonischen Bevölkerung dazu.
Welche zentralen Themenbereiche werden bearbeitet?
Die Untersuchung umfasst die persische Ära unter den Achämeniden, Alexanders Einzug und seine Herrschaftsstruktur sowie die Ära der Seleukiden in Babylonien.
Was ist das primäre Ziel oder die Kern-Forschungsfrage?
Die Arbeit untersucht, ob die Einnahme Babylons durch Alexander tatsächlich als Befreiung vom "persischen Joch" verstanden werden kann oder eher einen üblichen, von der Lokalbevölkerung hingenommenen Machtwechsel darstellte.
Welche wissenschaftliche Methodik liegt der Arbeit zugrunde?
Es handelt sich um eine quellenkritische historische Analyse unter Einbezug antiker Geschichtsschreiber (Arrian, Curtius Rufus) und moderner Forschungsliteratur.
Was behandelt der Hauptteil?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Bestandsaufnahme der babylonisch-persischen Beziehungen, eine detaillierte Auswertung der Einzugsberichte Alexanders und die Analyse seiner politischen und religiösen Legitimationsstrategien.
Welche Schlagworte charakterisieren diese Publikation?
Die Arbeit zeichnet sich durch Begriffe wie Alexander der Große, Babylonien, Herrschaftslegitimation, antike Quellenrezeption und die Darstellung des makedonischen Herrschers in der babylonischen Tradition aus.
Warum leisteten die Babylonier Alexander keinen Widerstand?
Der Autor argumentiert mit dem schlechten Zustand der Verteidigungsanlagen sowie der Tatsache, dass sich für die lokale Bevölkerung hinsichtlich der Fremdherrschaft unter Makedonen keine gravierenden Veränderungen ergaben.
Wie bewertet der Autor Alexanders Rolle im Vergleich zu den Persern?
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass Alexander eher in die Tradition der persischen Großkönige trat und sich als legitimer Nachfolger inszenierte, anstatt eine radikale Befreiung zu vollziehen.
Welche Rolle spielt die Marduk-Priesterschaft in der Arbeit?
Die Priesterschaft ist als zentraler politischer Akteur dargestellt, deren Einbindung und Anerkennung durch Alexander eine essenzielle Voraussetzung für seine Akzeptanz vor Ort bildete.
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- Joel Pfeifle (Author), 2021, Alexanders Eroberung von Babylonien als Befreiung?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1502725