Medien im Paradigma der Systemtheorie

Erschließung des systemtheoretischen Medien- und Kommunikationsbegriffs für die Medienpädagogik


Hausarbeit, 2010

24 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Medien - Versuche der Definition
2.1 konventionelle Definitionen
2.2 die systemtheoretische Definition

3. Einordnung der Medien in das systemtheoretische Paradigma
3.1 Gesellschaft
3.1.1 Allgemeine S y steme
3.1.2 Soziale Systeme
3.2.3 Gesellschaft als Sonderfall sozialer Systeme
3.2 Kommunikation
3.2.1 Drei Selektionen
3.2.2 Unwahr scheinlichkeit der Kommunikation
3.3 Medien
3.3.1 Sinn
3.3.2 Sprache
3.3.3 Verbreitungsmedien
3.3.4 Symbolisch generierte Kommunikationsmedien

4. Entwicklung eines Medienkompetenzbegriffes

5. Einordnung in die Medienpädagogik und Ausblick

Abbildungsverzeichnis

Literaturverzeichnis

1. EINLEITUNG

Wieso befasst sich ein Teilbereich der Pädagogik mit Medien? Diese Frage stellt sich zu Beginn der Beschäftigung mit der Medienpädagogik. Heinz Moser formu­liert als Hauptthese seiner Einführung in die Medienpädagogik: „Alle Erziehung ist auch Medienerziehung“ (Moser, 2006, S.28) und „Wer überlegt, wie Men­schen aufwachsen, und wie sie dabei lernen, kommt um den Einfluss der Medien nicht herum.“ (Moser, 2006, S.32).

Medien sind also wichtig für die Pädagogik. So formuliert auch Christian Glameyer (2007, S.92), dass es die Aufgabe der Bildungswissenschaft sei „die Bedeutung und Folgen der Nutzung der neuen Medien für gesellschaftliche Zu­sammenhänge zu klären und diese Erkenntnisse in die Bildungswirklichkeit ein­fließen zu lassen.“

Daraus kann man folgern , und Glameyer (2007) legt es auch dar, dass Kommuni­kation, Medien und Gesellschaft eng miteinander verbunden sind. Doch was ist nun Kommunikation, was ist ein Medium und wie hängen sie mit der Gesellschaft zusammen? Hier verweist Glameyer (2007, S.5) auf Niklas Luhmann und dessen umfassende Betrachtung der Wechselwirkungen zwischen diesen Elementen. Luhmann hat eine Theorie der Gesellschaft entworfen, indem er die Systemtheo­rie auf soziale Systeme anwandte. Obwohl diese Theorie schon als moderner Klassiker gilt - der Grundriß der Theorie erschien 1984, das Hauptwerk 1997 - bezieht sich Moser aber nur am Rande auf Niklas Luhmann, wenn er feststellt, dass Medien lediglich ein Angebot unter anderen sind aus denen Realität konstru­iert wird (Moser, 2006, S.29f.), und zu bedenken gibt, „dass durch die Expansion der Medien ihr Anteil der Konstruktion von Realität größer wird“ (Moser, 2006, S.39).

Im Rahmen dieser Hausarbeit soll untersucht werden, wie es möglich ist, aus der soziologischen Systemtheorie Nutzen für die Medienpädagogik zu ziehen. Im ersten Teil wird der Frage nachgegangen, was man unter Medien verstehen könnte und daran anknüpfend wird der Zusammenhang zwischen Kommunikation, Medi­en und Gesellschaft gemäß der soziologischen Systemtheorie dargestellt. Im zweiten Teil soll versucht werden, den systemtheoretischen Medienbegriff für die Medienpädagogik zu erschließen. Danach folgt eine Einordnung der gewonnenen Erkenntnisse in das Feld der Medienpädagogik.

2. MEDIEN - VERSUCHE DER DEFINITION

Während sich Heinz Moser (2006) in seiner Einführung in die Medienpädagogik mit dem Hineinwachsen Kinder und Jugendlicher in die Mediengesellschaft be­schäftigt, Dieter Baacke (2007) die Themenfelder und Diskussionspunkte gegen­wärtiger Medienpädagogik darstellt und Ludwig J. Issing schon 1988 die einzel­nen Aspekte der Medienpädagogik mit Medienerziehung, Mediendidaktik, Medi­enkunde und Medienforschung (1988, S.25-28) betitelt, versäumen sie zu definie­ren, was dieses „Medium“ ist, mit dem sie sich beschäftigen. Dies scheint aller­dings gemeinhin üblich und so stellt Sobiech fest, „dass es der Medienerziehung an innerer Konsistenz mangelt, da nicht auf einen gemeinsamen Medienbegriff zurückgegriffen werden kann. Darüber hinaus hat sich ein breites Spektrum an Ausgangsüberlegungen und Zielvorstellungen entwickelt, die mehr oder weniger unverbunden nebeneinander stehen.“ (Sobiech, 1997, S.138, zitiert nach Spanhel, 2006, S.15). Spanhel (2006, S.69) nennt den Sachverhalt, dass Einführungen in die Medienpädagogik ohne Bestimmung des Medienbegriffs auskommen überra­schend.

2.1 konventionelle Definitionen

„Man sagt, die Kommunikation übertrage Nachrichten oder Informationen vom Absender auf den Empfänger.“ (Luhmann, 1984, S.193). Dabei erscheint Informa­tion oft als gegebene Größe, die nur darauf wartet auf geeignete Weise herausge­funden, verpackt und übersendet zu werden, wobei darauf Wert gelegt wird, dass die Information während dieses Pr]ozesses dieselbe bleibt. (Berghaus, 2004, S.87)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Modell der Informationsübertragung

Dementsprechend wird ein Medium gemeinhin als „vermittelndes Element“, auf­gefasst, als „Einrichtung, organisatorischer u. technischer Apparat für die Vermitt­lung von Meinungen, Informationen od. Kulturgütern“ oder spezieller auch als „Unterrichts[hilfs]mittel, das der Vermittlung von Information u. Bildung dient“ (Dudenredaktion, 2009, S.643). Dies entspricht der Auffassung von Medium als „technischem Kanal“. (Faulstich, 2004, S.13).

2.2 die systemtheoretische Definition

„Diejenigen evolutionären Errungenschaften, die an jenen Bruchstücken der Kommunikation ansetzen und funktionsgenau dazu dienen, Unwahrscheinliches in Wahrscheinliches zu transformieren, wollen wir Medien nennen“ ( Luhmann, 1984, S. 220) Was Luhmann damit gemeint hat, soll im weiteren Verlauf erläutert werden.

3. EINORDNUNG DER MEDIEN IN DAS SYSMTHEORETISCHE PARA­DIGMA

Um die Systemtheorie zu verstehen, ist ein kleiner Umweg über den Konstrukti­vismus nötig. Hierbei gibt es mehrere Ansätze, die die gemeinsame Auffassung vertreten, dass die Realität nicht zugänglich ist. Erkenntnisse beruhen demnach nicht auf einer Korrespondenz mit der externen Wirklichkeit. (Baraldi, Corsi & Esposito, 1997, S.100). Es ist unmöglich, die externe Realität in Erkenntnissen über die Welt abzubilden. (Berghaus, 2004, S.27).

Erkenntnis hingegen ist das Ergebnis der inneren Prozesse des Gehirns. Wenn beispielsweise eine Blume betrachtet wird, dann kommt nichts von dieser Blume ins Gehirn oder ins Bewusstsein. Auch die von ihr reflektierten Lichtteilchen kommen nicht ins Gehirn, stattdessen reizen diese die Netzhaut des Auges. Die Nervenzellen codieren nicht die Natur des Reizes (Lichtteilchen, von einer Blume reflektiert), sondern nur die Intensität des Reizes und leiten ihn auf elektrischer Basis weiter. Das ist das sogenannte Prinzip der undifferenzierten Codierung. Aus diesen Reizen, konstruiert dann das Gehirn/ das Bewusstsein das Bild einer Blu­me. Daher auch die Bezeichnung Konstruktivismus. (Baraldi, Corsi & Esposito, 1997, S.100). Die Unterscheidung, dass es sich dabei um eine Blume handelt und nicht um etwas anderes und dass diese Blume auch etwas anderes ist, als man selbst, findet nur im Bewusstsein statt und nicht draußen, in der externen Wirk­lichkeit.

Fälschlicherweise wird der Konstruktivismus gelegentlich mit dem Solipsismus verwechselt, der der Ansicht ist, dass allein „ich“ und „meine Bewusstseinszu­stände“ existieren, bzw. die einzigen Größen sind, die wirklich erkannt werden können. (Hügli & Lübcke, 2005, S.583). Der Konstruktivismus leugnet hingegen die Existenz einer externen Realität nicht, die Konstruktionen sind nicht beliebig. Sie müssen sich in der Realität beweisen, müssen mit ihr kompatibel sein, dies nennt man „viabel“, was „gangbar“ bedeutet. Letzten Endes gibt es aber keinen letzten endgültigen Bezugspunkt zwischen Erkenntnis und Realität, keine endgül­tige Wahrheit. Jede Erkenntnis ist nur eine Beobachtung und damit abhängig von den Kategorien des Beobachters. (Baraldi, Corsi & Esposito, 1997, S.101).

3.1 Gesellschaft

3.1.1 Allgemeine Systeme

Wenn man an den Begriff „System“ denkt, könnte man an komplizierte feste Ge­bilde denken, die aus mehreren anderen festen Elementen bestehen. Tatsächlich handelt es sich aber nach Berghaus (2004, S.39) um einen der abstraktesten Be­griffe der Systemtheorie, da Systeme nicht aus Dingen bestehen, sondern aus Operationen. Ohne Operation gibt es kein System, allerdings gibt es keine Opera­tion ohne ein System, dem sie zugehört. (Baraldi, Corsi & Esposito, 1997, S.123). Das System ist also das, was es tut: „Wenn man sagt: ,Ein System existiert‘, ist das identisch mit: ,Ein System operiert‘.“ (Berghaus, 2004, S.39).

Nach Baraldi Corsi & Esposito (1997, S.124) ist eine spezifische Form der Opera­tion die Beobachtung. Diese hat nichts mit einem Bezug auf den Menschen oder dem Sehen zu tun. Jeder Konstruktion liegt eine Unterscheidung zu Grunde, die den Raum in zwei Seiten aufteilt und gleichzeitig eine der beiden Seiten bezeich­net. Eine Unterscheidung kann nur getroffen werden, wenn etwas als von etwas anderem unterschieden bezeichnet wird.

Eine Operation führt zu einer Unterscheidung, was zum System gehört und was nicht. Was nicht dazu gehört, ist die Umwelt des Systems. Diese Unterscheidung erzeugt eine Grenze zwischen dem System und seiner Umwelt: die Sys­tem/Umwelt-Differenz. Dabei ist Umwelt allerdings keine untergeordnete Größe, im Sinne einer Hierarchisierung von System zu Umwelt. Es handelt sich nicht um eine absolute Umwelt, in der verschiedene Systeme existieren, sondern sie ist re­lativ zum System. Das heißt, dass jedes System seine eigene Umwelt hat, da es nur sich selbst von ihr unterscheidet. (Luhmann, 1984, 35-36). „Ein System ist Differenz zur Umwelt. Umwelt gibt es nur durch das System. Die Umwelt ist die „Außenseite“ des Systems.“ (Berghaus, 2004, S42). Bei einer Beobachtung wird allerdings die Grenze zwischen System und Umwelt in das System hineinkopiert und als Grundlage weiterer Unterscheidungen benutzt. „Diesen Wiedereintritt der Grenze zwischen System und Umwelt in das System bezeichnet Luhmann nach George Spencer Brown als „re-entry“ (oder auch „reentry“). Und die fundamenta­le Unterscheidung entlang dieser Differenz nennt er „Selbstreferenz/ Fremdrefe­renz“.“ (Berghaus, 2004, S.44)

Außerdem handelt es sich um autopoietische Systeme. Das bedeutet, dass die Operationen, durch die das System ja existiert, nur auf andere Operationen des Systems zurückzuführen sind und Voraussetzung für weitere Operationen sind. Das System reproduziert also die Elemente aus denen es besteht, aus den Elemen­ten aus denen es besteht. Das System kann nicht außerhalb seiner Systemgrenzen operieren. Wohl kann es aber auf Irritationen aus seiner Umwelt reagieren, aller­dings nur innerhalb des Systems mit seinen Operationen. Das System ist also ope- rationell geschlossen, aber gleichzeitig umwelt offen.

(Baraldi, Corsi & Esposito, 1997, S.29-32).

3.1.2 Soziale Systeme

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Übersicht der Systemarten

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Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Medien im Paradigma der Systemtheorie
Untertitel
Erschließung des systemtheoretischen Medien- und Kommunikationsbegriffs für die Medienpädagogik
Hochschule
FernUniversität Hagen
Note
1,3
Autor
Jahr
2010
Seiten
24
Katalognummer
V150274
ISBN (eBook)
9783640614738
ISBN (Buch)
9783640615278
Dateigröße
492 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Medien, Paradigma, Systemtheorie, Erschließung, Medien-, Kommunikationsbegriffs, Medienpädagogik
Arbeit zitieren
Björn Büch (Autor), 2010, Medien im Paradigma der Systemtheorie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/150274

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