Darstellung des systemtheoretischen Modells, Anschluss an den medienpädagogischen Diskurs anhand einer Diskussion über die Verbalisierbarkeit von Kunst. Anriss eines Konzepts von Medienkompetenz. [...] Im Rahmen dieser Hausarbeit soll untersucht werden, wie es möglich ist, aus der
soziologischen Systemtheorie Nutzen für die Medienpädagogik zu ziehen. Im
ersten Teil wird der Frage nachgegangen, was man unter Medien verstehen könnte
und daran anknüpfend wird der Zusammenhang zwischen Kommunikation, Medien
und Gesellschaft gemäß der soziologischen Systemtheorie dargestellt. Im
zweiten Teil soll versucht werden, den systemtheoretischen Medienbegriff für die
Medienpädagogik zu erschließen. Danach folgt eine Einordnung der gewonnenen
Erkenntnisse in das Feld der Medienpädagogik.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Medien – Versuche der Definition
2.1 konventionelle Definitionen
2.2 die systemtheoretische Definition
3. Einordnung der Medien in das systemtheoretische Paradigma
3.1 Gesellschaft
3.1.1 Allgemeine Systeme
3.1.2 Soziale Systeme
3.2.3 Gesellschaft als Sonderfall sozialer Systeme
3.2 Kommunikation
3.2.1 Drei Selektionen
3.2.2 Unwahrscheinlichkeit der Kommunikation
3.3 Medien
3.3.1 Sinn
3.3.2 Sprache
3.3.3 Verbreitungsmedien
3.3.4 Symbolisch generierte Kommunikationsmedien
4. Entwicklung eines Medienkompetenzbegriffes
5. Einordnung in die Medienpädagogik und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht, wie Erkenntnisse aus Niklas Luhmanns soziologischer Systemtheorie für die Medienpädagogik nutzbar gemacht werden können, um einen systemtheoretisch fundierten Medien- und Kommunikationsbegriff zu entwickeln.
- Grundlagen der soziologischen Systemtheorie und Konstruktivismus
- Systemtheoretische Definition von Kommunikation und Medien
- Die drei Unwahrscheinlichkeiten der Kommunikation
- Neudefinition von Medienkompetenz als Kommunikationskompetenz
- Kritische Analyse der Rolle von Bild- und Tonmedien
Auszug aus dem Buch
3.2.2 Unwahrscheinlichkeit der Kommunikation
„Sieht man einmal davon ab, daß ein Gesellschaftssystem faktisch bereits existiert und Kommunikation durch Kommunikation reproduziert, ist ein solcher Sachverhalt extrem unwahrscheinlich.“ (Luhmann, 1997, S.190)
Nach Luhmann (1984, S.217-218) gibt es drei Unwahrscheinlichkeiten die Kommunikation betreffend:
I. Da die Bewusstseine und Körper von Alter und Ego getrennt sind, ist es unwahrscheinlich, dass Ego versteht, was Alter meint.
II. Bei Kommunikation handelt es sich um ein flüchtiges Ereignis, das in dem Moment, in dem es geschieht, auch schon wieder vergangen ist. Durch die räumliche und zeitliche Ausdehnung ist es unwahrscheinlich, dass Kommunikation in unveränderter Weise mehr Menschen erreicht als in der konkreten Situation anwesend waren.
III. Es ist unwahrscheinlich, dass Ego den selektiven Inhalt der Kommunikation annimmt und zum Ausgang eigenen Verhaltens macht.
Die drei Unwahrscheinlichkeiten erschweren nicht nur das Zustandekommen einer Kommunikation, sie verhindern sogar den Versuch dazu. „Wer eine Kommunikation für aussichtslos hält, unterläßt sie. Man muß daher erwarten, daß Kommunikation überhaupt nicht vorkommt oder, wenn sie vorkommt, durch Evolution wieder eliminiert wird.“ (Luhmann, 1984, S. 218)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Hinführung zur Fragestellung, warum eine Auseinandersetzung mit systemtheoretischen Ansätzen für die Medienpädagogik notwendig ist.
2. Medien – Versuche der Definition: Gegenüberstellung konventioneller Übertragungsmodelle von Medien und einer systemtheoretischen Perspektive.
3. Einordnung der Medien in das systemtheoretische Paradigma: Detaillierte Herleitung der Systemtheorie, von der Gesellschaft als autopoietischem System bis hin zur spezifischen Rolle von Kommunikation und Medien.
4. Entwicklung eines Medienkompetenzbegriffes: Anwendung der gewonnenen Theorie zur Neubestimmung von Medienkompetenz als umfassende Kommunikationskompetenz.
5. Einordnung in die Medienpädagogik und Ausblick: Kritische Reflexion der Ergebnisse und Diskussion der Einbettung in medienpädagogische Konzepte.
Schlüsselwörter
Systemtheorie, Niklas Luhmann, Medienpädagogik, Kommunikation, Anschlusskommunikation, Medienbegriff, Konstruktivismus, Soziale Systeme, Sinn, Medienkompetenz, Selektion, Autopoiesis, Information, Unwahrscheinlichkeit, Komplexität
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Anwendung der soziologischen Systemtheorie von Niklas Luhmann auf den Bereich der Medienpädagogik.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder umfassen die Systemtheorie, den Konstruktivismus, die Theorie der Kommunikation sowie die daraus resultierende Definition von Medien und Medienkompetenz.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, einen systemtheoretischen Medien- und Kommunikationsbegriff für die Medienpädagogik zu erschließen und zu definieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine theoretische Literaturanalyse und Auseinandersetzung mit zentralen Werken der Systemtheorie.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert, wie Systeme funktionieren, warum Kommunikation aus systemtheoretischer Sicht unwahrscheinlich ist und wie Medien diese Unwahrscheinlichkeiten transformieren.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Systemtheorie, Kommunikation, Anschlusskommunikation, Medienpädagogik, Medienkompetenz und Autopoiesis sind entscheidende Begriffe.
Warum hält Luhmann Kommunikation für „unwahrscheinlich“?
Aufgrund der Trennung von Bewusstsein und Körper sowie der Flüchtigkeit von Ereignissen ist es unwahrscheinlich, dass ein Empfänger eine Nachricht exakt wie vom Sender intendiert versteht und diese auch annimmt.
Wie unterscheidet sich der systemtheoretische Medienbegriff vom Alltagsverständnis?
Im Gegensatz zum Alltagsverständnis, das Medien als bloße technische Kanäle zur Informationsübertragung sieht, definiert die Systemtheorie Medien als evolutionäre Errungenschaften, die Kommunikation durch Sinnreduktion erst wahrscheinlich machen.
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- Björn Büch (Author), 2010, Medien im Paradigma der Systemtheorie, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/150274