Diese Arbeit widmet sich der Frage, wie Heinrich Kaufringer in seinem Märe "Der feige Ehemann" etablierte zeitgenössische Konzepte von Männlichkeit auffasst und gegenüberstellt. Zu diesem Zweck werden zunächst Konstruktionen von Männlichkeit diskutiert und anschließend auf die beiden männlichen Protagonisten des Märe angewendet. Ebenso werden die beiden Figuren miteinander verglichen, um Gemeinsamkeiten hinsichtlich der Männlichkeitskonstruktion herauszustellen.
Die Beleuchtung des Konfliktes zwischen diesen beiden Konzepten von Männlichkeit - der feige Ehemann und der tapfere Ritter – soll dabei helfen, Spannungen und Ambivalenzen im spätmittelalterlichen Männlichkeitsdiskurs zu beleuchten. Die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit den Konzepten von Männlichkeit im Mittelalter zeigt, dass diese keineswegs statisch oder monolithisch waren. Vielmehr offenbaren sie eine Reihe von Instabilitäten und Widersprüchen, die durch die literarische Darstellung sichtbar gemacht werden können. Dieser Ansatz ermöglicht es, die multidimensionalen und sich verändernden Vorstellungen von Männlichkeit zu erforschen und die kulturellen und sozialen Mechanismen, die diese Vorstellungen formten, zu analysieren.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Konzepte von Männlichkeit im Spätmittelalter
3 Männlichkeit in Heinrich Kaufringers „Der feige Ehemann“
3.1 Charakterisierung des Ehemanns
3.2 Charakterisierung des Ritters
3.3 Ein Vergleich der beiden Figuren mit Bezug zu Konzepten von Männlichkeit im Spätmittelalter
4 Fazit
5 Literatur
5.1 Primärliteratur
5.2 Sekundärliteratur
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert die Männlichkeitskonzepte in Heinrich Kaufringers Märe „Der feige Ehemann“ durch eine detaillierte Untersuchung der Protagonisten, um die Diskrepanz zwischen ritterlichen Idealen und der literarischen Darstellung von Feigheit und Machtmissbrauch im Spätmittelalter aufzuzeigen.
- Konstruktion männlicher Identität im Spätmittelalter
- Gegenüberstellung von ritterlichem Heldentum und Versagen
- Die Rolle der „Ehre“ im sozialen Gefüge des Mittelalters
- Kritische Analyse von Machtmissbrauch und Gewalt in der Literatur
Auszug aus dem Buch
3.1 Charakterisierung des Ehemanns
In der Erzählung „Der feige Ehemann“ von Heinrich Kaufringer wird der Ehemann als eine Figur vorgestellt, deren Merkmale und Handlungen im starken Kontrast zu dem damals in der Literatur dominanten ritterlichen Männlichkeitsideal des Spätmittelalters.
Zu Beginn des Märe geriert sich der Ehemann als mutiger Mann, der die Ehre seiner Frau schützen und den Ritter mittels einer List überwältigen und ihn für die Belästigung seiner Ehefrau büßen lassen möchte. So soll die Ehefrau den Ritter unter der Vorgabe, der Ehemann sei nicht zuhause, zu sich einladen, während der Ehemann in einem Versteck lauert, um sich dann dem Ritter entgegenzustellen. Auffällig ist hier die passive und zurückhaltende Rolle des Ehemannes, der, statt die direkte Konfrontation zu suchen, mittels einer in seiner Wahrnehmung klugen Strategie den Rivalen überlisten möchte.12 Der Ehemann plant, den Ritter zu täuschen, indem er ihn zu einem Treffen mit seiner Frau lockt, was seine zurückhaltende und schlaue, jedoch nicht wirklich mutige Art im Umgang mit Konflikten unterstreicht.
Ein weiteres Merkmal, das Kaufringer seinem Protagonisten zuschreibt, ist die offensichtliche Diskrepanz zwischen Schein und Sein. Der Ehemann versucht, gegenüber seiner Ehefrau als stark und mutig aufzutreten, zeigt aber in entscheidenden Momenten seine wahre, feige Natur. Diese Zwiespältigkeit kulminiert in der Szene, in welcher der Ritter mit Leichtigkeit eine Panzerplatte durchsticht, während der Ehemann zusehends verunsichert wird und sich zurückzieht:
Der man lag dört in stiller huot. Er erschrak der rede ser. Er gedorst da nimer mer hinder dem vaß herfür kommen, als er im hett fürgenommen.13
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung führt in das Thema der Männlichkeitskonzepte ein und stellt die zentrale Fragestellung zur Analyse der Figuren Ehemann und Ritter unter Berücksichtigung zeithistorischer Normen dar.
2 Konzepte von Männlichkeit im Spätmittelalter: Dieses Kapitel erörtert die theoretischen Grundlagen spätmittelalterlicher Männlichkeitsbilder wie das Ritterethos und verweist auf die Rolle von Literatur und sozialen Praktiken.
3 Männlichkeit in Heinrich Kaufringers „Der feige Ehemann“: Dieses Kapitel bildet den Hauptteil und untersucht durch die Charakterisierung von Ehemann und Ritter die in der Erzählung verhandelten Männlichkeitsideale.
3.1 Charakterisierung des Ehemanns: Die Analyse deckt das Versagen des Ehemanns auf, der durch seine Feigheit und mangelnde Schutzfunktion ein gegensätzliches Bild zum Helden verkörpert.
3.2 Charakterisierung des Ritters: Dieses Kapitel beleuchtet den Ritter als ambivalenten Archetyp, dessen Kraft und Erfolg durch moralisch verwerfliche Gewaltakte getrübt werden.
3.3 Ein Vergleich der beiden Figuren mit Bezug zu Konzepten von Männlichkeit im Spätmittelalter: Der direkte Vergleich zeigt auf, wie beide Figuren unterschiedliche Facetten und Krisen des mittelalterlichen Männlichkeitsdiskurses repräsentieren.
4 Fazit: Das Fazit fasst die Analyseergebnisse zusammen und betont die Funktion der Erzählung als Spiegel gesellschaftlicher Normen und Kritik an patriarchalen Strukturen.
5 Literatur: Listet die verwendeten Quellen und Forschungsliteratur zur Einordnung der Arbeit auf.
Schlüsselwörter
Männlichkeit, Spätmittelalter, Heinrich Kaufringer, Der feige Ehemann, Rittertum, Ehre, Geschlechterrollen, Männlichkeitsideal, Literaturanalyse, Machtmissbrauch, Soziale Normen, Patriachat, Identitätskonstruktion, Märe, Heldenepos.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die verschiedenen Männlichkeitskonzepte im Spätmittelalter anhand der Verserzählung „Der feige Ehemann“ von Heinrich Kaufringer.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die Konstruktion männlicher Identität, die Bedeutung des Ehrebegriffs, die Ambivalenz des Rittertums und die Auseinandersetzung mit patriarchalen Geschlechterrollen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, durch die Analyse und den Vergleich der antagonistischen Figuren des Ehemanns und des Ritters zu klären, wie diese Charaktere spätmittelalterliche Männlichkeitsideale widerspiegeln oder hinterfragen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine litteraturwissenschaftliche Analyse unter Einbeziehung zeitgenössischer mediävistischer Forschungsliteratur, um die Figurenkonstellationen zu dekonstruieren.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Charakterisierung des Ehemanns, die Analyse des Ritters sowie einen direkten Vergleich beider Figuren im Kontext der mittelalterlichen Gesellschaftsnormen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Kernbegriffe sind Männlichkeit, Spätmittelalter, Ehre, Rittertum, Machtmissbrauch und die literarische Märe als didaktisches Instrument.
Warum wird der Ehemann als „feige“ bezeichnet?
Der Ehemann wird als feige eingestuft, da er entgegen seinem gesellschaftlichen Auftrag als Mann und Ehemann versagt, seine Frau vor einer Vergewaltigung zu schützen, und stattdessen versucht, sich der Konfrontation zu entziehen.
Inwiefern ist der Ritter eine ambivalente Figur?
Obwohl der Ritter ritterliche Ideale wie Stärke und Mut verkörpert, werden diese durch seinen tatsächlichen Machtmissbrauch und die Gewalt an der Ehefrau moralisch entwertet.
Welche Rolle spielt der Ehrbegriff für beide Protagonisten?
Die Ehre fungiert als zentraler Maßstab für Männlichkeit: Während der Ritter durch seine demonstrative Stärke seine Ehre festigt, erleidet der Ehemann durch sein passives, defensives Verhalten einen massiven Ehrverlust.
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- Anonym (Autor), 2024, Männlichkeitskonzepte in Heinrich Kaufringers „Der feige Ehemann“, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1502755