Schloss Blois unter König Ludwig XII.


Hausarbeit (Hauptseminar), 2010

21 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Schloss Blois unter Ludwig XII.

3 Das corps de logis
3.1 Die Außenfassade
3.1.1 Das Portal mit dem Reiterstandbild Ludwig XII.
3.2 Die Hoffassade
3.2.1 Die Treppentürme
3.3 Die Innenräume

4 Die Kapelle Saint-Calais

5 Die Gartenanlage

6 Abschließende Bemerkungen

7 Literaturverzeichnis

8 Abbildungsverzeichnis

9 Abbildungen

1 Einleitung

In seiner heutigen Gestalt vereint Schloss Blois Bauwerke aus vier Epochen ineinander[1]. Von einer frühmittelalterlichen Festungsanlage wurde es über die Jahre zu einem herrschaftlichen Wohnsitz erweitert, welcher jedoch ab der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts, in der sich das Königsgeschlecht endgültig von dort zurück zog, allmählich der Vernachlässigung und schließlich der französischen Revolution zum Opfer fiel. Zwischenzeitlich als Kaserne genutzt erfolgte 1845 unter Félix Durban die erste umfassende Restaurierung, die von mehreren weiteren gefolgt wurde, sodass in dem heutigen Museum ein Teil des alten Glanzes wieder zum Leben erwacht ist.

Erbaut am nordöstlichen Ufer der Loire auf einem Felsplateau, das an drei Seiten steil abfällt, war dieser Ort auf Grund seiner leichten Verteidigung schon früh als Bauplatz genutzt worden. Erste Hinweise auf einen Bau an dieser Stelle beziehen sich auf das Jahr 491 und nennen eine Festung: die oppidum Blesis. In wie fern diese Erwähnung auf gesicherten Tatsachen beruht, ist fraglich, da die Quelle aus dem 12. Jahrhundert stammt und lediglich von den früheren Begebenheiten berichtet[2]. Sichere Beweise für eine frühe Bebauung der Stelle, an der heute das Schloss steht, stammen aus dem 10. Jahrhundert: unter dem ersten Grafen von Blois Thibaud I., le tricheur genannt, wurde ein wehrhafter Turm auf dem Felsplateau errichtet. Bis zum 13. Jahrhundert wurde dieser Turm zu einer kompletten Burganlage erweitert.

Die entscheidende Wende für den Bau erfolgte mit dem Verkauf der Grafschaft Blois im November 1391 an Louis de Valois, den Bruder König Karls VI. Sein Sohn Charles de Valois und späterer Herzog von Orléans zog 1440 nach Blois, sodass sein eigener Sohn Louis, späterer König Ludwig XII. von Frankreich, Blois als seinen Geburtstadt zu seiner Hauptresidenz auserwählte. Von 1498 bis 1589 blieb Blois Hauptresidenz der französischen Könige. In dieser Zeit erfuhr die Anlage zahlreiche Umbauten und Erweiterungen. Die letzten baulichen Veränderungen stammen aus dem 17. Jahrhundert, als Gaston d’Orléans, Bruder Ludwigs XIII., nach Blois zog. Mit seinem Tod 1660 wurde der allmähliche Zerfall des Schlosses eingeleitet.

2 Schloss Blois unter Ludwig XII.

Unter Ludwig XII. wurde Blois erstmals Hauptresidenz der französischen Könige. Noch im selben Jahr seiner Krönung (1498) begann er mit den Umbauarbeiten. Die alte Festungsanlage, die unter Ludwigs Vater bereits maßgeblich verändert worden war, erweiterte er um neue Bauteile. Zwischen dem Vorhof und dem Hof des donjon entstand das corps de logis, welches auf der nördlichen Seite von dem aus dem 13. Jahrhundert stammenden Salle des États begrenzt wird, den Ludwig in seine Konzeption mit übernahm. Noch heute betritt der Besucher das Schloss durch diesen von Ludwig angelegten Flügel. Welchen Architekten Ludwig mit dem Bau beauftragte, ist nicht bekannt. François de Pontbriant kam die Rolle des Leiters der Arbeiten zu, Simon Guichard und Colin Biart vermutlich die eines Kontrolleurs. Auch der Name Jacques Sourdeau fällt in den Quellen. Er soll Teile der Treppe geliefert haben[3].

Das Erscheinungsbild von Schloss Blois zu Ludwigs Zeiten muss heute anhand von Zeichnungen und Stichen von Du Cerceau erkundet werden[4]. Gegenüber dem corps de logis, wo sich heute der Flügel von Gaston d’Orléans erstreckt, befand sich der herrschaftliche Wohnflügel, der von Ludwigs Vater Charles d’Orléans angelegt worden war, wobei jedoch die genaue Datierung dieses Gebäudeteils nicht bekannt ist. Die repräsentative Hoffassade im briques-et-pierre s-Stil wies im Erdgeschoss einen Arkadengang mit sieben Bögen auf. Davor lag eine Terrasse, die durch eine Brüstung umgeben war. Im Obergeschoss durchbrachen drei bodentiefe Fenster die Mauer, die im darüber liegenden Mansardgeschoss ihre Entsprechung fanden. Erschlossen wurden die Etagen des Flügels durch einen mächtigen, viereckigen Treppenturm, der eine vierläufige Treppe beherbergte und durch eine Dachterrasse abgeschlossen wurde[5].

Der südliche Seitenflügel wurde einerseits von einem Teil von Ludwigs corps de logis gebildet. Dieser wurde durch eine Galerie, die an der Nordseite der Schlosskapelle Saint-Calais entlangführte, mit dem Wohnflügel verbunden. Insgesamt maß die Galerie 40 Meter und wurde in 13 Joche unterteilt. Vermutlich stammte auch diese Galerie noch aus der Zeit von Ludwigs Vater. Um den Zugang zur terrasse du Foix zu erleichtern, die einen atemberaubenden Blick auf die Kirche Saint-Lomer sowie das Loiretal ermöglicht, wurde der Großteil der Galerie 1834 abgerissen[6]. Heute grenzt die Kapelle nördlich an die Galerie Karls VIII.

Der rechte Seitenflügel – wo später Franz I. seinen Flügel errichtete – umgab den Hof, wie schon der linke Flügel und das corps de logis, mit einem Arkadengang. An diesen Flügel angeschlossen war ein hoher, überdachter und durchfensterter Brückenbau, der das Schloss über den Burggraben hinweg mit der durch Ludwig angelegten Gartenanlage verband.

3 Das corps de logis

3.1 Die Außenfassade

Die Gestaltung der Außenfassade lässt eine deutliche Zuordnung in das Spätmittelalter zu. Während ein harmonisches Gesamtbild im spätgotischen Stil angestrebt wird, bleibt nichtsdestotrotz eine große Detailfreiheit bestehen, zu deren Gunsten auch die Gesetze der Symmetrie oder Regelmäßigkeit aufgegeben werden. In vielen der dekorativen Elemente wird jedoch bereits der Einfluss der italienischen Frührenaissance deutlich[7].

Zum Gesamterscheinungsbild[8] lässt sich zunächst festhalten, dass die Fassade in zwei recht reich durchfensterte Geschosse unterteilt ist, deren Äußeres maßgeblich durch die Gestaltung mit drei unterschiedlichen Steinfarben bestimmt wird (sogenannte briques-et-pierres- Fassade). Alle Kanten wie Tür- und Fensterumrahmung, Lisenen, Gesimse, Balustrade, etc. sind in weißem Haustein gestaltet, während die Wandabschnitte in rotem Backstein gehalten sind, der von Linien schwarzer Backsteine zu rautenförmigen Feldern unterteilt wird. Eine solche Gestaltung wird in Blois nicht zuerst verwendet, sondern findet sich unter anderem auch in Plessis-lès-Tours, Moulin und Montreuil-Bellay[9]. Das steile Satteldach ist beinahe so hoch wie die zweigeschossige Fassade und vereinigt in sich erneut alle drei Farbtöne: die Dachdeckung in schwarzer Schiefer, die Schornsteine vorwiegend in rotem Backstein und die Lukarnen und Balustrade in weißem Haustein.

Die Gestaltung erfolgt ganz nach ästhetischen Gesichtspunkten, auf Wehrelemente wird komplett verzichtet. Hierdurch wird dem Flügel ein städtischer Charakter verliehen. In einer Literaturquelle wird darauf verwiesen, dass sich die Fassade mit einem wenig feudalen Erscheinungsbild zufrieden gebe und hierin Ludwigs Selbstverständnis als König – er sah sich als père du peuple – wiederspiegele[10]. Doch allein die kostenaufwendige briques-et-pierres- Mauer widerspricht dieser These, ebenso wie die sorgfältige Ausarbeitung der dekorativen Elemente.

Die vertikale Gliederung der Fassade erfolgt durch Lisenen, die die Wand in fünf annähernd gleichgroße Abschnitte unterteilen. Jeder dieser Abschnitte wird durch ein corps de fenêtre durchbrochen, die sich der inneren Raumstruktur unterordnen und daher nicht regelmäßig in den Wandabschnitten eingegliedert sind[11]. Aus demselben Grund befindet sich im Erdgeschoss noch ein zusätzliches kleineres Fenster im zweiten Wandabschnitt von links[12]. Das Fenstercorps des rechten Wandabschnitts verläuft nur durch das Ober- und Dachgeschoss. Im Erdgeschoss befinden sich hier ein kleineres Fenster, sowie das Portal. Horizontal werden das Erdgeschoss und die bel étage durch ein Gesimsband voneinander getrennt, letztere wiederum wird durch ein Traufgesims mit bekrönender Brüstung abgeschlossen.

Die Beziehung zwischen Erdgeschoss und bel étage wirkt durch die unterschiedliche Fensteranzahl und die Fenster an sich, die unten durch ein Doppelkreuz oben hingegen nur durch ein einfaches Kreuz unterteilt sind, weniger eng als die zwischen Obergeschoss und Dachgeschoss[13]. Hier wird jedes Fenster der bel étage durch eine Lukarne im Dachgeschoss wieder aufgenommen. Im Obergeschoss befinden sich im zweiten und fünften Wandabschnitt von links Balkonfenster, die im Dachgeschoss durch eine leicht hervorspringende Brüstung eine reichere Verzierung sowie ein figürliches Giebelfeld ihre Entsprechung finden. Alle Fenster sind durch ein einfaches Kreuz unterteilt. Die Lukarnen werden von Filialen und einer Kreuzblume umrahmt, die mit vegetabilen Elementen reich verziert sind.

Die Balkone[14] nutzen weitestgehend nur die Mauerstärke aus und befinden sich vor den Gemächern des Königs und der Königin: es waren Herrscherlogen, die repräsentativen und zeremoniellen Zwecken dienten[15]. Überspannt werden sie von einem gedrückten Rundbogen, der mit Maßwerkelementen verziert ist, und umrahmt von Säulen. Die Balkonbrüstung weist ebenfalls Motive des Flamboyant und Lilien auf[16].

Die Lukarnen darüber sind reich dekoriert. Auf den Giebelfeldern werden unter einer mit Lilien verzierten Krone die Wappen des Königs (links)[17] und der Königin Anne de Bretagne (rechts)[18] gezeigt, die jeweils von zwei höfisch gekleideten Engeln, jeder mit einem Zeremonienzepter ausgestattet, gehalten und von einem Engel überkrönt werden. Überspannt werden die Giebelfelder von einem reich ausgearbeiteten Baldachinhimmel. Dieser erinnert an die um 1500 aufkommende Sitte, bei zeremoniellen Anlässen, die im Freien stattfanden, ein Zelt über dem König aufzuspannen.

Die restlichen drei Giebelfenster sind weniger reich verziert: vor einem Hintergrund, der mit Lilienmustern besetzt ist findet sich auf dem vierten Giebelfeld von links ein überkröntes L, die beiden anderen Giebelfelder zeigen ein überkröntes A, einmal ebenfalls vor Lilien, einmal mit verschlungenen Linien umgeben. Die Filialen und Kreuzblumen sind alle mit vegetabilen Mustern dekoriert: reich ausgestaltetes Akanthuslaub verweist auf italienische Einflüsse.

3.1.1 Das Portal mit dem Reiterstandbild Ludwig XII.

Der Hauptakzent der Außenfassade liegt auf dem Portal mit dem Reiterstandbild[19], auch wenn dieses nicht in der Mittelachse des corps de logis angeordnet ist und auch keine Bekrönung im Dachgeschoss finden. Hier wird die Verschränkung von Stilelementen der Gotik und der Frührenaissance besonders deutlich, wie im Folgenden noch deutlich werden soll. Der Künstler könnte Guido Mazzoni, genannt Paganino, gewesen sein[20]. Das Portal besteht aus zwei Eingängen: einer rundbogigen Toreinfahrt für Wagen und Pferd und einer kleineren Pforte für Fußgänger. Beide Eingänge wurden mit reicher Dekoration versehen.

Der Torbogen wird von zwei Säulen, in deren rautenfömigen Feldern die königliche Lilie zu sehen ist, und einem Feld umrahmt, in dem neben den Initialen des Königspaares die Imprese Ludwigs XII., das Stachelschwein, dargestellt werden[21]. Früher soll hier eine Inschrift des Hofpoeten Faustus Andrelinus zu lesen gewesen sein, die davon spricht, dass Gallien keinen würdigeren Fürsten kenne:

Hic ubi natus erat Ludovicus Olympo,

Sumpsit honorata regia sceptra manu.

Felix quae tanti fulsit lux nuntia regis!

Gallia non alto principe digna fuit.[22]

Darüber befindet sich eine große Nische im Flamboyantstil, deren zwei Bögen mit denselben dekorativen Maßwerkelementen wie die Fenster der Balkone versehen sind. Die von unten aufsteigenden Säulen tragen auf Höhe der Nische üppig dekorierte Filialen, auf deren Spiegeln florale Kandelaber mit bekrönenden Feuerschalen zu sehen sind[23]. Die Nischenbögen werden von Kreuzblumen überkrönt. Der Hintergrund der Nische ist heute im unteren Drittel rot, darüber blau mit goldenen Lilien gestrichen.

In der Nische befindet sich das große Reiterstandbild des Königs, welches ursprünglich ebenfalls farbig gefasst war, heute nur noch einige goldfarben hervorgehobene Linien aufweist. Das originale Reiterstandbild wurde am 20.08.1792 zerstört – angeblich soll es in der Loire versunken worden sein. Die Nachbildung wurde basierend auf bildlichen Überlieferungen 1857 von Seurres angefertigt. Es zeigt ein im Passgang schreitendes Pferd mit reichem Sattel- und Zaumzeug. Der darauf reitende König ist im Verhältnis zum Pferd etwas zu groß dargestellt und trägt ein königliches Gewand, ein Schwert und eine Krone (ursprünglich wohl eine Medaille)[24].

Das architekturgebundene Reiterstandbild war zu diesem Zeitpunkt keine Seltenheit mehr. Eingeleitet wurde dieser Trend durch die italienischen Kriege unter Karl VIII. (begonnen 1492), wodurch die italienische Antikenrezeption nach Vorbild des Reiterstandbildes des Marc Aurel auch in Frankreich bekannt wurde. Das erste zeigte sich am Stadtpalais des Jaques Coeur, der an der Außenfassade Karl VII. als Reiter in einer Nische platzierte und an der Hoffassade wohl sich selbst.

[...]


[1] Vgl. Abb. 1

[2] Lesueur 1970: S. 17

[3] Gébelin 1927: S. 55

[4] Vgl. Abb. 2

[5] Lesueur 1970: S. 79

[6] Lesueur 1970: S. 77

[7] Lesueur 1970: S. 56

[8] Vgl. Abb. 3

[9] Lesueur 1970: S. 55

[10] Prinz und Kecks 1994: S. 74

[11] Prinz und Kecks 1994: S. 72

[12] Verweise auf die rechte oder linke Seite gehen immer von dem Blickwinkel aus, bei dem der Betrachter dem beschriebenen Bauelement gegenüber steht.

[13] Prinz und Kecks 1994: S. 73

[14] Vgl. Abb. 4

[15] Prinz und Kecks 1994: S. 73

[16] Lesueur 1970: S. 57

[17] Vgl. Abb. 5

[18] Vgl. Abb. 6

[19] Vgl. Abb. 7

[20] Lesueur 1970: S. 64

[21] Vgl. Abb. 8

[22] Lesueur 1970: S. 63

[23] Vgl. Abb. 9

[24] Lesueur 1970: S. 56

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Schloss Blois unter König Ludwig XII.
Hochschule
Christian-Albrechts-Universität Kiel  (Kunsthistorisches Institut)
Veranstaltung
Der französische Schlossbau im Spätmittelalter und in der frühen Neuzeit
Note
1,3
Autor
Jahr
2010
Seiten
21
Katalognummer
V150302
ISBN (eBook)
9783640614790
ISBN (Buch)
9783640615254
Dateigröße
1646 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Schloss, Blois, König, Ludwig
Arbeit zitieren
Katharina Fee Volling (Autor), 2010, Schloss Blois unter König Ludwig XII., München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/150302

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