Denkprozesse von Kindern sind faszinierend und spannend. Im Lernbereich Mathematik haben wir uns mit verschiedenen Lösungswegen von Kindern beschäftigt. Dies hat mein Interesse verstärkt, mehr über das Lösungsverhalten zu erfahren. Was geht in ihnen vor? Wie gehen sie an das Lösen von Problemen heran? Wie kommen sie auf die Lösung?
Aus diesen Fragestellungen entwickelte ich meine Idee, die Denkprozesse von Kindern beim Umgang mit Sachaufgaben zu erkunden. Aufgrund von Beobachtungen, stellte ich fest, dass das Sachrechnen im Unterricht kaum eine Rolle spielt. Auf Nachfragen, woran das liegt, habe ich Aussagen bekommen wie „dafür haben wir keine Zeit“ und „dafür nehmen wir uns keine Zeit“. Die Bedeutung der Thematik ist scheinbar bewusst, dennoch nicht wichtig genug, um die notwendige Zeit dafür zu investieren.
Mit meiner Untersuchung möchte ich zeigen, dass besonders Sachaufgaben dafür geeignet sind, Denkprozesse in Gang zu bringen und Kompetenzen zu entwickeln, von denen auch in anderen Lernbereichen profitiert werden kann. Um gerade im Anfangsunterricht erfolgreich Sachaufgaben lösen zu können, gehe ich davon aus, dass Bearbeitungshilfen das Lösungsverhalten von Kindern beeinflussen. Aufgrund der Aussagen nehme ich an, dass die Schüler zu wenige Erfahrungen im Umgang mit problemhaltigen Sachaufgaben haben.
Zum besseren Verständnis der gesamten Thematik, gehe ich zu Beginn meiner Arbeit auf einige theoretische Hintergründe des Sachrechnens ein. Besonderes Augenmerk lege ich dabei auf das Lösen problemhaltiger Sachaufgaben. Anschließend werde ich meine Untersuchung vorstellen. Dabei werden drei Schülerinnen der Klassenstufe 4 beobachtet, wie sie verschiedene Sachaufgaben bearbeiten und ob Bearbeitungshilfen Einfluss auf ihre Denkprozesse nehmen. Als Unterstützung wird bei der Auswertung auf die angefertigten Videoaufnahmen zurückgegriffen.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Abhandlung
I Theorie
1 Das „neue“ Sachrechnen
2 Ziele und Funktionen des Sachrechnens
3 Das Lösen von Problemaufgaben
3.1 Sachrechnen als Problemlösen
3.2 Der Modellbildungsprozess beim Sachrechnen
3.3 Hilfen beim Problemlösen
3.3.1 Heuristische Methoden
3.3.2 mögliche Bearbeitungshilfen
3.4 Schwierigkeiten im Lösungsprozess
4 Fragestellung
II Empirische Untersuchung
1 Erhebungsverfahren
2 Durchführung
2.1 Das erste Mädchen - Jennifer
2.2 Das zweite Mädchen - Pia
2.3 Das dritte Mädchen - Lara
3 Zusammenfassung der Ergebnisse
Schlussfolgerungen
Persönliches Fazit
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht qualitativ, wie sich Bearbeitungshilfen auf das Lösungsverhalten von Kindern beim Lösen problemhaltiger Sachaufgaben auswirken und welche Denkprozesse dabei durchlaufen werden.
- Analyse von Lösungsstrategien bei problemhaltigen Sachaufgaben
- Einfluss von Bearbeitungshilfen auf den mathematischen Modellbildungsprozess
- Identifikation von Schwierigkeiten im Lösungsprozess bei Grundschulkindern
- Bedeutung von entdeckendem Lernen und Lernumgebungen
Auszug aus dem Buch
3.1 Sachrechnen als Problemlösen
Als Lehrer die Problemlösefähigkeit seiner Schüler entwickeln und fördern zu wollen, ist ein wichtiges Lehrziel. Dafür im Mathematikunterricht Sachaufgaben mit einzubeziehen ist gut. Dennoch ist eine „knifflige“ Sachaufgabe nicht gleich für jeden Schüler eine Problemaufgabe.
Erst wenn der Schüler beim Versuch, die Aufgabe zu lösen, auf ein Hindernis stößt, welches er nicht ohne Weiteres überbrücken kann, stellt diese Aufgabe ein so genanntes Problem dar (vgl. ZECH 2002, S.308). Ein Problem ist demzufolge vom Wissensstand des Schülers abhängig. Sind Rechenverfahren bekannt, mit denen man die Lösung erhalten kann? Wenn ja, können diese auch entsprechend angewendet werden? Muss ein Lösungsweg eigenaktiv erstellt werden? Diese Fragen können helfen, eine Aufgabe beziehungsweise deren „Schwierigkeitsgrad“ einzuschätzen. Hierbei liegt die Schwierigkeit darin, Aufgaben auszuwählen, die Schüler weder unter- noch überfordern. Aufgaben, die für den Lehrer reine Routineaufgaben sind, können für Schüler bereits erhebliche Probleme darstellen. Wichtig ist es, den Schülern Mittel und Wege zu zeigen, wie Sie eben solche Barrieren, die aus einer „simplen“ Sachaufgabe ein Problem machen, überwinden können.
Neben den individuellen Voraussetzungen eines jeden Schülers, „…gibt es Gesetzmäßig- und Regelhaftigkeiten im menschlichen Problemlöseprozess, die für alle Individuen gelten.“ (RASCH 2001, S. 41)
Zusammenfassung der Kapitel
I Theorie: Dieses Kapitel legt die theoretische Basis zum neuen Sachrechnen, erläutert den Modellbildungsprozess und stellt Strategien sowie Hilfen zur Bewältigung komplexer Problemaufgaben dar.
II Empirische Untersuchung: Hier wird die qualitative Studie mit drei Schülerinnen beschrieben, das Erhebungsverfahren erläutert und die konkreten Lösungswege der Probandinnen bei verschiedenen Aufgaben analysiert.
Zusammenfassung der Ergebnisse: Dieses Kapitel reflektiert die aufgetretenen Schwierigkeiten und evaluiert den Nutzen der verwendeten Bearbeitungshilfen sowie die angewandten Lösungsstrategien der Schülerinnen.
Schlüsselwörter
Sachrechnen, Problemlösen, Grundschule, Mathematikunterricht, Modellbildung, Bearbeitungshilfen, Heuristik, Lautes Denken, Lösungsverhalten, qualitative Untersuchung, Schüler, Didaktik, Lernprozesse, mathematische Modellierung, Sachaufgaben.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der Untersuchung von Denkprozessen und dem Lösungsverhalten von Grundschulkindern beim Umgang mit problemhaltigen Sachaufgaben.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Zentrum stehen die Didaktik des Sachrechnens, der Modellbildungsprozess, der Einsatz von Bearbeitungshilfen sowie die Analyse individueller Problemlösestrategien von Schülern.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist aufzuzeigen, inwieweit Bearbeitungshilfen und unterstützendes Material das Lösungsverhalten von Schülern bei herausfordernden Sachaufgaben beeinflussen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wurde eine qualitative Untersuchung durchgeführt, bei der die Methode des „Lauten Denkens“ in Kombination mit einer Videoanalyse zum Einsatz kam.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine fundierte Theoriebildung zum Sachrechnen und eine empirische Studie, in der drei Viertklässlerinnen beim Lösen unterschiedlicher Sachaufgaben beobachtet wurden.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Problemlösekompetenz, Sachrechnen, Bearbeitungshilfen, Modellbildung und der Einfluss von Unterrichtserfahrungen auf das kindliche Lösungsverhalten.
Wie reagierten die Schülerinnen auf die gestellten Problemaufgaben?
Die Kinder zeigten anfangs häufig Schwierigkeiten bei der Erfassung der Aufgabenstruktur und griffen primär auf Suchstrategien zurück, bevor sie durch den gezielten Einsatz von Material ihre Lösungsansätze anpassen konnten.
Welche Schlussfolgerung zieht die Autorin bezüglich der Bearbeitungshilfen?
Die Untersuchung zeigt, dass Bearbeitungshilfen das Lösungsverhalten zwar beeinflussen, aber nicht automatisch zu einer Verbesserung führen, da dies stark von den individuellen Voraussetzungen der Schüler abhängt.
- Quote paper
- Cindy Kushmann (Author), 2010, Qualitative Untersuchungen zum Einfluss von Bearbeitungshilfen auf das Lösungsverhalten von Kindern im Umgang mit Problemaufgaben, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/150427